Es gibt da dieses eBook. An dieser Stelle vielleicht erst einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die es bisher gekauft haben, gerade kaufen oder bald kaufen werden.
Dienstagmittag habe ich angefangen, per Twitter und Facebook herumzuerzählen, dass ich mir ein eBook gebaut und es über Kindle Direct Publishing bei Amazon hochgeladen habe. Der Preis von 99 Cent sollte möglichst offensichtlich vermitteln, dass ich nicht unbedingt den finanziellen Durchbruch anstrebte, bei explodierenden Verkaufszahlen einem spontanen Reichtum jedoch nicht abgeneigt gewesen wäre. Die Reaktionen darauf waren super und schon ein paar Stunden später stand das Buch auf Platz 60 der eBook-Verkaufscharts, am nächsten Morgen, wie man oben auf dem Bild sehen kann, sogar noch weiter oben.
Ich selbst habe (noch) keinen eBook-Reader und tue mich schon schwer damit, Bücher und Texte auf dem Handy zu lesen. Aber ich glaube, dass eBooks in den nächsten Jahren einen signifikanten Anteil am Buchmarkt einnehmen werden. Irgendwann werde ich mir bestimmt auch noch einen eBook-Reader kaufen, spätestens, wenn die 5 Bücherregale in der Wohnung gänzlich doppelreihig befüllt sind. Klar kann so ein Tablet nicht das Gefühl ersetzen, ein Buch in der Hand zu halten, umzublättern und Wasser darauf zu verschütten. Aber es ist sicher auch ganz nett, ständig praktisch alle eigenen Bücher dabei zu können, ohne dafür eine Horde Packeseln mit sich führen zu müssen. Vielleicht wird es irgendwann ja sogar das eBook kostenlos dazu geben, wenn man sich eine gedruckte Ausgabe kauft, die wiederum ein wenig teurer werden, weil die Auflagen kleiner angesetzt werden. Wer weiß. Als ich letztens zum ersten Mal einen Kindle“>Kindle in der Hand hatte, war ich sehr überrascht, wie gut lesbar der Text auf dem Display ist und wie angenehm es sich anfühlte, das Ding in der Hand zu halten.
Ich finde die eBook-Geschichte nachwievor gut. Allerdings sind mir auch ein paar Dinge aufgefallen, auf die ich so gar nicht vorbereitet war, weil in allen eBook-Anleitungen, die so im Internet herumschwirren, kein Wort darüber verloren wird.
1) Die Preise: Wenn man bei Amazon ein eBook hochlädt, muss man natürlich einen Preis dafür angeben. Kostenlos veröffentlichen ist nicht erlaubt. Ich wollte das Buch unbedingt für 99 Cent anbieten. Als das Buch dann das erste Mal freigeschaltet wurde, hatte Amazon den Preis auf 1,14 Euro gesetzt und ich hatte keine Ahnung wieso. Irgendwann dämmerte mir dann, dass wohl die Mehrwertsteuer dazu gekommen war und ich also, wenn ich das Buch für 99 Cent anbieten wollte, mit dem Preis runtergehen müsste. Komischerweise kommt man mit 99 Cent Verkaufspreis und 19 Prozent Mehrwertsteuer nicht auf 1,14 Euro. Der Trick ist: Es zählt der luxemburgische Steuersatz von 15 Prozent. Das muss man erstmal wissen und hat sich mir auch erst nach langer Googlelei erschlossen. Nach drei Neuveröffentlichungsanläufen stimmte dann endlich der Preis. Bei 35% Anteil am Verkaufspreis bleiben dem geneigten Autoren nach Abzug der Mehrwertsteuer von 99 Cent also fast genau 30 Cent. 13 Cent sind Steuern und 56 Cent verbleiben beim großen A.
Wenn man die eBook-Charts durchschaut, ist sehr auffällig, wie billig die eBooks im Vergleich zu gedruckten Ausgaben oft sind. Sehr viele eBooks bewegen sich im Bereich von 1 bis 3 Euro. Nur wo ein großer Verlag dahinter steht, sind es dann jeweils 1-3 Euro weniger als der Preis der Druckversion. Der Vorteil des eBooks: Ein Buch, das nur 1-3 Euro kostet, kauft man sich wahrscheinlich schneller “einfach mal so”, als eines zwischen 8 und 20 Euro. Außerdem bekommt ein Autor mit einem normalen Verlagsvertrag wahrscheinlich niemals 35% des Verkaufspreises, sondern irgendwas zwischen 7 und 10 Prozent, obwohl es ohne ihm überhaupt kein Buch gäbe. Trotzdem sind auch 35% von 99 Cent noch weniger als 8% von 10 Euro, sodass man beim eBook die Differenz schlichtweg durch mehr Verkäufe, angekurbelt durch den geringen Preis, wettmachen muss. Und, Vorteil wie Nachteil: Es ist ein eBook und nicht alle stehen drauf.
2) Die Formate: Ich habe mein eBook ganz normal per Word gebaut, anschließend bei Amazon hochgeladen, mir von dort die HTML-Version der Buchvorschau heruntergeladen und darin die letzten Feinheiten abgestimmt. Die Freischaltung dauerte etwa 8 Stunden, dann war alles online verfügbar. Amazon liefert das Buch so aus, dass man leider nicht drumherum kommt, die Kindle App zu benutzen. Deshalb kamen auch schon bald die ersten Nachfragen, ob es auch eine epub-Version des Buches gäbe. Auf diesem Wege wäre man nicht von der Kindle App abhängig und könnte das Buch praktisch noch viel einfacher auf allen möglichen Geräten lesen. Die Konvertierung von HTML zu epub ging mit calibre absolut reibungslos und binnen minuten. Mittlerweile habe ich eine epub-Version des Buches bei xinxii hochgeladen, obwohl ich natürlich weiß, dass es eher darum ging, das Buch doch bitte bei iTunes in den iBookstore einzustellen. Aber dazu gleich mehr. Warum Amazon es nicht möglich macht, eBooks gleich in mehreren Formaten anzubieten, kapiere ich auch nicht. Natürlich wollen sie, dass man ihre App benutzt. Gleichzeitig schließen sie haufenweise Kunden aus, die ihre App aber partout nicht benutzen wollen, an sich jedoch ständig etwas bei amazon bestellen. Hoffen wir mal, dass der Laden mit dem großen A früher oder später auch noch zu dieser Einsicht gelangt.
3) Die Sache mit der ISBN: Natürlich habe ich versucht, das Buch bei iTunes einzustellen. Problem dabei: Um ein Buch dort zu platzieren braucht man das eigene Buch im epub-Format, eine US-amerikanische Steuer-ID und eine ISBN. Die Probleme, sich eine US-Steuer-ID zu besorgen, kann man relativ einfach umgehen, indem man auf Dienste wie xinxii zurückgreift, die kostenlos und ohne Vertragsbindung das eigene Buch über ihre eigene US-Steuer-ID in den iBookstore einstellen und einem trotzdem 50% des Verkaufspreises überlassen (obgleich man natürlich auch auf 20% der Einnahmen verzichtet, denn Apple nimmt sich, anders als Amazon, nur 30% der Verkaufseinnahmen). Die ISBN-Sache allerdings ist doof. Richtig doof. Wenn man kein Verlag mit einer Gewerbeanmeldung ist, kostet eine einzelne ISBN bei der Agentur für Buchmarktstandards stolze 79,08 Euro. Bei 99 Cent pro eBook ist das schon eine Hürde und so richtig weiß ich noch nicht, ob ich das machen soll. Genau wie die Formatsache bei Amazon scheint Apple sich hier von vielen möglichen Einnahmen selbst auszuschließen, indem man auf ISBN-Nummern besteht. Warum ein eBook überhaupt eine ISBN-Nummer braucht, erschließt sich mir auch nur bedingt. Zumindest nicht für so einen Preis.
Mal schauen, was noch passieren wird. Vielleicht schafft Apple mir zuliebe die ISBN-Voraussetzung ab und das Buch ist bald per iTunes erhältlich, vielleicht auch nicht. Klar gibt es auch Firmen, die einem für 20 Euro pro Jahr das eigene eBook in alle möglichen Formate konvertieren, eine ISBN besorgen und es bei amazon, iTunes und co. einstellen. Dass man den Großteil davon auch selbst an einem Abend und bis auf die Zeit völlig kostenlos erledigen kann, spricht aber schonmal dagegen. Im Gegenteil rechtfertigt allein die ISBN-Sache den Preis halbwegs.
Sei’s drum: ich hab ein eBook, yeah! Die Chart-Zahlen bei amazon täuschen jedenfalls ein bisschen. Man braucht nicht tausende Verkäufe, um schnell ein paar Plätze gut zu machen, erst weiter vorn werden die Sprünge dann schwieriger. Nichtsdestotrotz haben sich schon einige Exemplare verkauft und das finde ich schön und dafür möchte ich mich sehr artig bedanken. Und jetzt ist dieser Text auch schon wieder viel zu lang, aber vielleicht für den ein oder anderen auch ein wenig nützlich.


















