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Foto von losmininos

So, das waren also sieben Jahre Blog. Zwar hatte ich schon im Februar zur Feier von 2.500 Tagen Blog so etwas Ähnliches geschrieben, aber was soll's. Was hat sich also innert sieben Jahren Ins-Internet-Posaunen so getan?

Nun, mittlerweile kann ich gut vom Bloggen leben, habe drei Kolumnen, bin Hausautor mehrerer Fernsehserien und meinem 400-Euro-Jobber gelingt das Feilen meiner Zehennägel immer besser eigentlich nicht so viel. 'It's a hard knock life' würde Jay-Z wohl sagen und sich seine 10.000-Dollar-Ketten zurecht rücken. Wobei nicht so viel heißt: 1468 Posts, 1222 Kommentare, 2418 Bilder und 134 bildhaft dokumentierte Wochen (auf die ich ein bisschen stolz bin), um genau zu sein. Täglich werde ich von Firmen mit Testprodukten und Merchandise überhäuft schreit der Postbote durch meine Wohnungstür, ich solle das Paket für die Nachbarn annehmen und er wisse sowieso, dass ich zu Hause sei, jette eloquenter Berichterstattung wegen von Event zu Event fahre manchmal viel Zug (Holzklasse), um irgendwo etwas vorzulesen und genieße den Ruhm eines Internetphänomens gebe im Kaffeeladen immer falsche Namen an, weil das mit dem accent aigu niemand kapiert ich keinen Kaffee trinke und es mir peinlich ist, wenn sie 'EINE HEIßE SCHOKOLADE FÜR ANTREEEH!' durch den Laden brüllen.

Manchmal sagen mir Leute, dass sie gern hier mitlesen und das ist schön. Manchmal erkennen mich sogar Leute in der Stadt sagen Leute: 'Ey, du bist doch der, ach nee, das war der Andere!' Mittlerweile ist es die reine Verzweiflung so eine Mischung aus Gewohnheit und Noch-Immer-Spaß-Daran, die das Ganze hier am Laufen hält. Aber solang der Untertitel des Blogs, dieses Beckett-Zitat aus Molloy, noch dazu passt ...

"I get up, go out, and everything is changed. The blood drains from my head, the noise of things bursting, merging, avoiding one another, assails me on all sides, my eyes search in vain for two things alike, each pinpoint of skin screams a different message, I drown in the spray of phenomena."

... so lang mache ich erstmal einfach weiter. Vielen Dank für das zahlreiche Mitlesen, Kommentieren und Teilen. 's fetzt. Und bevor das hier alles zu emotional wird, hier ein lustiges Video, wie man Menschen in der Dusche wahnsinnig macht.

 

Manchmal sind bei dem ganzen Instagram-Geknipse und den bebilderten Wochenrückblicken schon ein paar Bilder dabei, die ich tatsächlich sehr schön finde. Das Problem bei Instagram und den fürs Internet aufbereiteten Bildern ist leider, dass sie in sehr kleinen Maßen gespeichert sind und das Farbdrucken im Copyshop quasi nur in Rohdiamanten zu bezahlen ist.

Aus diesem Grund gibt es mittlerweile schöne Dienste wie Printstagram, wo man sich Instagram-Fotos zu jeweils 24 Einzelstücken in halbwegs großem und 48 Einzelstücken in kleinen Quadraten für 12 Dollar drucken lassen kann. Wenn man Instagram-Fotos jedoch einen gewissen künstlerischen Wert abseits der üblichen Instrospektion unterstellt, bekommt man schnell Lust, auch das ein oder andere Foto anderer Leute drucken zu lassen. Und genau da kommt Instacanvas ins Spiel. Denn dort kann man sich eine öffentliche Gallerie basteln, die es erlaubt, dass ausgewählte Fotos von jederman als Foto, Leinwand, Grußkarte, Prisma oder iPhone-Hülle bestellt werden können. Der Urheber bekommt dann einen Teil vom Erlös ab und alle sind zufrieden.

Und weil ich das gut finde und sowieso ein paar Bilder drucken wollte, habe ich dort jetzt auch so eine fancy Gallerie, aus der man sich ausgewählte Fotos drucken lassen kann. So lange ich also Lust habe, werde ich in Zukunft ein paar Fotos dort freigeben und dann gleich hier in den Wochenrückblicken verlinken. Abschließend ein paar Beispiele. Per Klick aufs Bild kommt man direkt zu Instacanvas:

So viel dazu.

2500 Tage Blog

5. Februar 2013, metametameta

 

toast

Hätte ich an jedem Tag, den mein Blog existiert, einen Toast getoastet, dann hätte ich mittlerweile exakt dieses Bild der Künstler Falk und Aguerre, bestehend aus 2.500 Toastscheiben, nachtoasten können. Wobei, 2.500 Toastscheiben waren es bereits vor 2 Tagen. Ich hätte also heute sogar noch 2 Ersatztoastscheiben gehabt, die ich hätte zum Frühstück essen oder mir zur Feier des Tages an die Stirn kleben können.

2.500 Tage, das sind 6,85 Jahre bzw. 6 Jahre, 10 Monate und 5 Tage, seit es dieses Blog gibt. Das ist ziemlich cool, wie ich finde. In 2.500 Tagen kann man locker mindestens eine Finanzkrise und zwei Fußball-WMs miterleben, ein Studium absolvieren oder auch einfach nicht viel weiter kommen. Man kann auh weltberühmt werden, weil man bei Youtube versucht hat, eine Suppenkelle voller Zimt zu essen oder zweimal dreieinhalb Jahre lang täglich ein Foto von sich machen.

Zur Erinnerung: Vor 2.500 Tagen waren DSL-Anschlüsse zum Großteil noch 1mbit/s schnell und es gab noch diese knubbeligen Handies von Alcatel. Mein Handy hatte ein Farbdisplay mit 4.096 Farben und hatte es sogar überlebt, einmal von einem Auto überfahren zu werden. Vor 2.500 Tagen hörte man Crazy von Gnarles Barkley und fand Xavier Naidoo auch schon damals doof. Bis vor drei Monaten konnte man vor 2.500 Tagen sogar noch in Zügen rauchen. WordPress war erst kurz zuvor in Version 2.0 erschienen und tatsächlich noch ziemlich unaufgebläht. Im Kino lief Walk the Line und ich wäre am liebsten sofort nach Berlin gezogen. Spreeblick machte noch diese fantastischen Café-Podcasts und es existierte tatsächlich noch so etwas Halbes, das man Blogosphäre zu nennen versuchte, sich aber hauptsächlich auf einer handvoll Seiten abspielte und am Ende ziemlich schnell verschwand. Ich fuhr verdammt viel Fahrrad und kämpfte dauerhaft gegen einen fiesen Linksdrall, weil mein MP3-Player in der Tasche geschätzte 8 Kilo wog und ca. 25.000 Euro (Schätzwert) gekostet hatte.

Innerhalb von 2.500 Tagen zog ich nach Hypezig, schrieb 1.836 Blogeinträge, 3.934 Tweets, schrieb wahrscheinlich mindestens die Hälfte der 1.143 Kommentare selbst, schrieb zu viele Hausarbeiten, eine Bachelor- und eine Masterarbeit, zu viele Texte, trat gefühlt eine Million mal auf und versuchte, das Blog nie allzu lang zu vernachlässigen.

Und ich habe noch immer nicht richtig die Lust daran verloren. Ganz ohne "Bloggt wieder mehr!"-Aufrufe , Bilder-repost-tumblr, Facebook oder Twitter. Ein genaues Thema gibt es hier immer noch nicht, auch wenn das immer ein wenig das Ziel war. Sei's drum. Ich finde es gut, dass tatsächlich einige Leute hier mitlesen und anscheinend sogar ein bisschen Spaß dabei haben. Denn auch wenn es sich nicht als cooler Grund eignet, den man in verrückten Blog-Ratgebern anbringen oder auf Internet-Consulting-Social-Media-Beratungs-Irgendwas-Conventions droppen kann, mache ich das hier vorrangig, weil es Spaß macht. Und vielleicht ist das ja der eigentlich bessere Grund, weil er so unangreifbar ist.

 

Jetzt ist es raus. Laut Top-Blog-Ranking ist diese Seite nun mit Abstand Leipzigs Blog-Endgegner (siehe unten). Alle Gegnaz wurden ausgelöscht und liegen verkohlt in einer Schneise aus Zerstörung, die sich dieses Blog durch die deutsche Internetlandschaft gebrannt hat. Von Berlin aus kommen Busse voller Hipster in die Stadt, nur um das Flair zu erfühlen, das diese Seite ermöglicht. Überall, wo ich mit meinem Laptop auftauche, steigen die Mieten ins Exponentielle. Spiegel und New York Times überschlagen sich mit Metaphern, Social-Media-Menschen lecken ihre Macbooks ab und überall werden ganze Marketing-Abteilungen gefeuert, weil sie es trotz Bezahlung nicht geschafft haben, ihr Corporate-Blog bekannter als dieses hier zu machen. Das hier ist nun also die Motorradgang unter den Blogs. Ich finde es zwar nachwievor schade, dass es trotz unentwegter Bemühungen noch immer nicht als Modeblog anerkannt wird, aber sei's drum.

Was passiert jetzt also, nachdem der Zenit der sächsischen Blogwelt erreicht wurde? Nunja, das Übliche: Paywall, Layerwerbung, gesponsorte Party-Einträge von zweifelhaften Kräuterlikörherstellern und dann Ende. Oder vielleicht werde ich doch noch Oberbürgermeister? Oder Internetminister? Stadtentwicklungs- und Hypezig-Experte? Ich bin für alles offen.

Vielen Dank jedenfalls an alle, die immer hinter mir standen und sagten "Blogs interessieren mich nicht, ich les nur Süddeutsche!" oder "Leg doch mal das Handy weg!" Vielen Dank auch an alle Social-Media-Agenturen, die sich nicht einmal die Mühe machen, sich ein bisschen durch meine Posts zu klicken und mir Anfragen für Modeflohmärkte schicken und zum Dank gemeine Antwortmails von mir bekommen. Vielen Dank auch an alle, die mir nette und durchdachte Anfragen geschickt haben.
Solltet ihr mir wirklich etwas Gutes tun wollen, kauft unser TTZ-Album, kauft mir irgendetwas Teures von meinem Wunschzettel oder kommt zu unseren Veranstaltungen (siehe rechts), zum Beispiel am Freitag zur Lesebühne ins Plan B. Alles Andere habe ich hier erklärt.

Ich gehe jetzt mein Foto auf OBM-Wahlplakate kleben feiern, mich in der Stadt nicht erkennen lassen den Ruhm eines Internetstars genießen und anschließend hau ich richtig auf die Kacke und kauf mir einen Big Döner zum Markt, um den Baufortschritt meiner Bronzestatue zu begutachten.

via Heldenstadt

 

Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.

Kurt Tucholsky

kranz

Zwar haben die Mayas gelogen und die Welt ist doch nicht untergegangen, aber sagen wir's mal so: Wir wären nicht wir, wenn wir die Welt nicht auch ohne diese Typen kaputt kriegen würden, hm?
Während Sie das hier lesen, stehen Sie womöglich in einer überfüllten Regionalbahn und erwehren sich strenger Gerüche, versuchen, die Fassung zu bewahren und nebenher das kleine Kind, das ihnen ständig gegens Bein rennt, mit ihren Blicken zu töten. Oder sie haben es schon geschafft, sitzen zu Hause vorm Tannenbaum, hören seit Stunden duselige Weihnachtslieder und wünschen sich, in einer überfüllten Regionalbahn zu sein.

Sei's drum: Ich hoffe, Ihr Jahr war ein gutes und Sie haben den ein oder anderen Moment, auf den Sie in den kommenden Tagen zufrieden zurückblicken können. Auch wünsche ich Ihnen, dass Sie den ein oder anderen Menschen haben, mit dem Sie das teilen können. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen Besuchern, Lesern, Feed-Lesern, Kommentierenden und auch den Bots frohe Weihnachten, ein besinnliches Fest und ein paar erholsame Feiertage! Neuigkeiten gibt es bis Donnerstag erstmal nur hier.