Wenn ich Eric regelmäßig nachts durch eine Zimmerdecke und eine Wand schnarchen hören kann, dann muss ich ihm mit meinem Husten mittlerweile schlaflose Nächte verschaffen. Ich weiß nicht, was sich dort in mir abgelagert hat, aber ich wäre erleichtert, wenn es nicht mehr dort wäre. Mein Hals ist ein einziges Schlachtfeld in puterrot, Nasenhöhlen und Rachen brennen wie Feuer und wenn der scheussliche, jeden Gedanken zermahlende Druck in meinem Kopf durch einem gezielten Stich mit einer langen Nadel weichen würde, ich würde sofort zustechen. Fast hat es überhaupt keinen Zweck mehr, Nasenspray oder solche Witze zu verwenden, wenn man nach dem Putzen sofort merkt, wie der Schleim nachrutscht, als hätte ich einen unsichtbaren Schleimtank in meinem Kopf, dessen Existenz mir bisher verborgen geblieben war.
Normalerweise weiß ich Krankheiten bestens und sofort contra zu geben. Wenn sie anbranden, habe ich ein ausgeklügeltes und lang erarbeitetes Konzept aus einem heißem Bad, warmen Klamotten, einer Wärmflasche, frühem Schlafengehn und viel viel Tee, das nur selten seine Wirkung verfehlt. Demnach ist es auch völlig legitim, dass ich den ganzen chemist's shops und pharmacies jetzt die Schuld daran gebe, dass ich trotz meiner Mühen nicht einmal meinen Kopf drehen kann, ohne dass Beine, Hals und natürlich der Kopf selbst eine Schmerzsimulation in meinem Gehirn ablaufen lassen, die ihresgleichen sucht.
Eric sagt, dass ich übertreibe und wäre zu wehleidig. Ich habe ihm davon erzählt, wie schön die Sonnenaufgänge sind, wenn man sie nicht vernebelt von zu vielen Pints auf einer Bushaltestellenbank, sondern am eigenen Fenster nahe der Heizung miterlebt. Ich schaue sie mir an, habe ich gesagt, weil ich vor lauter Husten nicht schlafen kann. Da kenne er noch jemanden, dem es so geht, hat Eric gesagt und sich außerdem geweigert, Henry, meinem Freund von der Selbstbedienungskasse bei Tesco, in meiner Abwesenheit Grüße zu bestellen.
In ein paar Tagen werden sie uns das Telefon und den Internetanschluss abstellen, das heißt, vielleicht auch nicht. Wenn alles gut geht, werde ich gar nicht mitbekommen, dass etwas passiert. Irgendwann nachts werden sie fast nahtlos den alten Anschluss ab- und den neuen zuschalten. Morgens wird Eric die neuen Daten in den Router eintippen und ehe ich aufwache, läuft alles wie gewohnt. Aber das wird sicher nicht so einfach, darum stelle ich mich schon jetzt darauf ein, dass mein Notebook bald gänzlich nutzlos für mich sein wird.
Nur wer weiß, ob das für mich dann überhaupt noch von Belang sein wird.






