In einem Punkt unterscheidet sich dieses Zeitalter nicht von den kulturellen Hochburgen. Wovon ich spreche, ist die endlose, gähnende Langeweile, die spätestens Abends in allen Häusern Einzug hält. Nur, ich würde zu gern auch von der Langeweile ohne Fernseher sprechen können. Dieses gräßliche Ding verblödet, verkauft alle Kraft an nichts und gaukelt einem eine Bedeutung der eigenen Existenz vor. Leider ist die einzige Bedeutung dabei die Kennnummer in den Einschaltquoten, die man hinterlässt.

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Nur, wenn man in eine Arbeit versunken ist, kann man verstehen, was es bedeutet, am Leben zu sein. Leider schließt die Versunkenheit gleichsam das Wissen um diesen Zustand aus. Es ist also unbedeutend, nicht hilfreich. Und dennoch ist die Klarheit danach einzigartig.

Die Macht der Lesarten scheint denkbar unbegrenzt. In nicht vielen und deshalb speziellen Büchern finden sich besonders starke und konträre (was aber nicht unbedingt eine Notwendigkeit ist) Möglichkeiten des Verstehens des Textes, die dabei aber so auseinandergehen, das sie das Werk beinahe unangreifbar gegen jede Vorliebe seines Lesers machen. Alice In Wonderland und Alice Through The Looking Glass von Lewis Carroll sind die besten Beispiele für das, was ich verdeutlichen will. Die zwei mächtigen Lesarten des Kinderbuches und des Werkes voller philosophischer Probleme und Fallstricke. Egal, wie man es liest, man wird nichts von der anderen Lesart erfahren, was besonders schade ist, wenn man den kindlichen Eifer den Wesen gegenüber, welchen Caroll nicht umsonst eingewoben hat, verfliegen lässt, nur wegen einem Lächeln ohne Träger. Erst beides zusammen wurde das Lesen dieser Texte zu einem vollkommenen Ereignis machen.

Manche Thesen entbehren jeder Möglichkeit zu einem Beweis ihrer selbst, um sich zur Theorie, gar zur Feststellung zu mausern. Eine schlichte Behauptung, die sogleich von einer umso zerschmetternderen Antithese gefolgt wird, kann zu keiner Synthese aus beiden kommen, eher noch zum GAU, der Gleichheit von Antithese und Synthese. Ein pseudophilosophischer Genickbruch.

So ist das eben. Hier floskelt jemand durch die Gegend, dort muckiert sich ein Anderer darüber. An dieser Stelle besteht eines Menschen Leben aus Arbeit und dem Rest, an anderer wird versucht, es als Ganzes so erfüllt wie nur möglich zu gestalten. Wieder hier ist Philosophie blodes Reden, anderswo eine Passion. So ist das, und so bleibt das. Zwei Könige, der eine breit geliebt, der andere kleinlaut verehrt, ungleich bedeutet, ungleich bedeutend, zu Unrecht, wenn sie doch einer sein sollten.

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Was sind Euphemismen, wenn nicht alle Worte? Was ist Gefühl, wenn nicht jedes Lied, von dem sich keiner traut, es zu kritisieren und es besser in eine Ecke stellt? Was ist Emotivismus, wenn nicht das Absagen der Vernunft gegenüber? Was ist real, wenn alles zu negieren geht? Was ist Wichtigkeit, wenn Negationen vom Gefühl abhängig sind, die einer Vernunft nicht länger entsprechen? Die Ketten aus Propositionen hängen so zusammen, wie sie sich zerreisen lassen. Und dann sind sie fast wertlos.

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Vielen Menschen fällt es offensichtlich schwer, sich durch den Dreck aus Floskeln, Tradition und Konfession, in dem Sie seit ihrer Geburt stecken und der ihnen täglich immerdar eingeflößt wird, an die Oberfläche zu wühlen – keine Oberfläche der Objektivität, höchstens der übersicht, die aber noch lange nicht objektiv ist – und zu denken.

Die Frage nach einem Sinn mit einem Nein zu ersticken ist ebenso wenig ein Ausweg, wie sich überhaupt nicht mit ihr zu beschäftigen. Denn die Möglichkeit, sich um eines profanen Gefühls der Wohlbefindlichkeit willen, selbst belogen zu haben, sollte mehr wiegen als die Tragik der auf- und untergehenden Sonnen, die man verpasst.

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