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A Week in Pictures 07/2017

Symbolbild: Meide die Innenstadt.
Das einzig Okaye, das man in der Leipziger Innenstadt machen kann, ist in den Buchladen zu gehen und mal wieder zu gucken, ob mein Buch noch bei „Unsere Liebsten“ steht. Und dann zu denken „Fuck, Aldr, mach mal hin, damit da mal ein neues steht.“
Grund für meinen Innenstadtbesuch: Ich war beim Arzt. In irgendeinem riesigen Ärztehaus mit tausenden Aufgängen, die alle irgendwoanders hinführen und die ich auch alle erstmal probieren musste, ehe ich den richtigen fand. Nur um mir dann in etwa Folgendes sagen zu lassen:
„Herrmann, Herrmann, nee, hab ich hier nich stehen.“
„Aber ich hab doch angerufen. 17 Uhr, mit Wartezeit, hieß es.“
„Sind Sie sicher, dass sie hier angerufen haben?“
„Ja, ich denk schon.
„Bei Doktor X und Doktor Y?“
„Ja, glaub schon.
„Ja, das müssten Sie schon wissen. Unser Schulterspezialist ist auch gar nicht da.
„Ach ja, das hat die Frau am Telefon gesagt! Dann war das auf jeden Fall hier.“
„Mit wem haben Sie denn gesprochen?“
„Weeß ich?! Frau Schmidt?“
„Hammer nich.“
„Ja, war ja auch nur geraten.“
„Junger Mann, vielleicht sollten Sie ab und zu auch mal was wissen.“
„Ich weiß doch, dass ich kommen sollte. Am 14. Um 17 Uhr. Mit Warten.“
„Na dann müsste das ja hier stehen.“
„Sollte sogar.“
„Na ich guck mal in unseren Computer.“
„Machen Sie das mal.“
„Hier steht auch nichts.“
„Und nu? Darf ich trotzdem bleiben?“
„Nee.“
„Na und nu?“
„Da gehen Sie wieder.“
„Und mein Termin?“
„Doch hier steht’s. 14ter.“
„Na bitte.
„März.“
„Oh.“
„Ja.“
„Dann geh ich mal.
„Gehen Sie mal.“
Tja.

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A Week in Pictures 06/2017

Eine Woche der Selbsterkenntnisse.
Am Freitag zum Beispiel erfuhr ich, dass ich in meiner Kneipe of choice quasi seit Jahr und Tag immer völlig selbstverständlich aufs Frauenklo gegangen bin. Natürlich ist mir schon aufgefallen, dass da immer auffällig viele Frauen waren. Und irgendwie kann ich mich auch nicht so wirklich daran erinnern, dort jemals einen Mann gesehen zu haben. Ich dachte einfach, dass wäre unisex. Völlig normal, gibt’s doch eh andauernd. Und ja, ich hab auch bemerkt, dass es dort keine Pissoirs gab, aber 1) ignoriere ich Pissoirs sowieso, weil ich Pissoirs für unzivilisiert halte und 2) habe ich mir einfach noch nie so Gedanken über den Zusammenhang von Unisex-Toiletten und dem Vorhandensein von Pissoirs gemacht und glauben Sie mir, ich denke über viel Abwegiges Zeug nach. Außerdem: Gesagt hat ja auch nie jemand etwas. Es kam nie jemand an und sagte: Ey sorry, aber das hier ist das Mädchenklo, du bist anscheinend geistig verwirrt, also geh jetzt mal bitte weg, da drüben ist das Jungsklo. Stattdessen kann ich mich an viele interessante Gespräche erinnern. Letztens hieß es sogar: Hey, ich hab neulich dein Hörbuch verschenkt! Und das hört man doch gerne! Vielleicht nicht auf der Toilette, aber okay. Wahrscheinlich bin ich unter der Hand schon lange so ein heimlicher local Irrer, bei dem alle immer dennken: Ja ja, das ist der verrückte André, der geht immer aufs Mädchenklo, aber der tut nichts, brachst keine Angst haben, Sabine, einfach ignorieren und ein Video für Youtube machen. Oder es dachten einfach alle, es wäre total cool, mal mit einem echten Transgender sprechen zu können. Ich bin zwar kein Transgender, aber das glaubt mir jetzt vermutlich auch niemand mehr. Egal. Ich dachte ja eh, gender sei over. Und dann höre ich plötzlich, dass es da eine Herrentoilette gibt. Und ja, ich war dann auch mal auf der Herrentoilette. Es fühlte sich komisch an.

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A Week in Pictures 05/2017

Die gute Hood. Wie Sie sehen, ist es hier total gefährlich. Bitte ziehen Sie also nicht hier her. Aufgenommen wurde das Bild übrigens an einem Samstagnachmittag auf der Suche nach einem Laden, in dem man etwas essen kann, das nichts mit Döner oder Pizza oder Asiazeug zu tun hat. Fazit: Schwierig. Auf geschätzt 20-30 Dönerläden kommen vielleicht 10 mit Pizza, wobei ich jetzt nicht weiß, wie ich das zählen soll, wenn es irgendwo Döner UND Pizza gibt sowie maximal 5 mal Läden mit asiatischem Zeug. Was gar nicht mal so gut ist, denn ich bin gerade in einer schwierigen Phase. Seit ich erlebt habe, dass es im Süden der Stadt für 6 Euro eine 40 cm Pizza gibt, die auch noch sehr gut ist, kann ich hier einfach keine Pizza essen. Und Döner geht ja auch nicht ständig. Wenn der Dönermann „Na, wie immer?“ sagt, dass klingt das auf den ersten Hör natürlich schmeichelhaft, ist aber eigentlich auch ganz schön unheimlich. Und bei dem Asiastischen leide ich immer noch daran, dass jahrelang jeden Freitag die 21 und die 5 gegessen habe, bis ich dann irgendwann davor saß und dachte: „Nee! Geht nich mehr!“
Aber: Es endete alles im Guten. Im sehr Guten sogar. Ich liebe es, wenn man Bauernfrühstück für 3,60 Euro bestellen kann und es dann das Bauernfrühstück nicht gibt, weil „wir hamm heut keene Eier!“, weswegen man dann Cordon Bleu mit Bratoffeln (auch 3,60 Euro!) bestellt, woraufhin es dann heißt „Wir hamm heut keene Bratkartoffeln, geht’s vielleicht auch mit Kartoffelsalat?“, während nebenan die Viertelältesten um einen Tisch herum stehen und wild darüber diskutieren, wer das allmonatliche Skatturnier gewonnen hat. Ich liebe es, wenn die Leute sich unterhalten, ich die Worte, die sie sagen, verstehe, aber so rein gar nicht, was sie eigentlich meinen:
„Mensch, höre zu: Fünf mal neun sind Fümmfirrzsch! Da kannste doch nich gucken, ob de ’n Jungen triffst!“
„Na deswegen guck ich ja och nich!“
„Na da musste off Viernfuffzsch spiel’n, sechs ma neune! Und dann off’n Alten geh’n!“
„Nee, muss’ch nich!“
„Mensch, der will’s eenfach nich verstehn, der Kerl! Da hättste heut ordentlich Beute machen könn!“
„Ach Beute, hörmiroff! Wenn ich Beute machen will, dann gewinn ich eenfach!“
„Marjonn! Du hast heut’n Vierten gemacht!“
„Och nee, schön, hä? De Holzmedaille für mich!“

Und dann setzt sich natürlich noch ein Mann neben einen, der so ein bisschen ungelenk versucht, ein Gespräch anzufangen:
„Seid ihr von hier?“
„Ja.“
„Kennt ihr euch hier aus?“
„Geht so.“
„Ja, weil mir wurde das Buch meines Lebens gestohlen.“
Erstes innerliches LOL, denn eigentlich meinte er ein iPad, das ihm aus dem Auto geklaut wurde.
„Ihr wohnt doch hier. Wisst ihr, wer das hat?“
Er aß übrigens Schnitzelbrötchen (2,50 Euro!).
„2.600 Euro hab ich als Belohnung ausgesetzt!“
Kurzer Check, ob das eigene Portmonee noch da ist.
„Na ja, das wird wohl nicht wieder auftauchen, was meint ihr? Aber ist doch ein super Angebot, hä?“

Leider habe ich nicht gefragt, wo er eigentlich herkam. Und was für Geschäfte er so macht. Hoffentlich findet er das Buch seines Lebens wieder. Aber ich glaube, das wird nichts.

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A Week in Pictures 04/2017

Black-Metal-Cover-shooting-Wetter!
Etwas rutschig (so rutschig, dass ich am Montagabend komplett um die Ecke des Wohnhauses rutschen konnte). Etwas kalt (so „aua“ kalt, Sie verstehen). Aber och ä bissl schön. Im Park sah es fast so aus, als würde gleich der Prinz kommen und daran scheitern, den Vogel zu schießen, woraufhin dann erst Aschenbrödel in Verkleidung ankommen und das erledigen muss.
Auf jeden Fall ist gerade irgendwie die Zeit, in der alle krank sind. Ich, als neuerdings passionierter Straßenbahnfahrer, habe bereits schon wieder keine Lust mehr, Straßenbahn zu fahren, weil man dort ständig mit den ganzen Versehrten und Kranken in Berührung kommt. Und überall tatschen Sie mir ihren Bazillenfingern herum, sodass man förmlich schon spürt, wie man krank wird. Wobei, fun fact: Ich letztens am Nebentisch mal hörte, dass Antibiotika bei Schnupfen nichts bringen, weil Schnupfen durch Viren, nicht durch Bakterien ausgelöst wird. Und da sag mal jemand, Biertrinken zu gehen bringe nichts.
Beim Arzt allerdings ist alles noch viel schlimmer. 1) Weil der Arzt/die Ärztin immer total mysteriöse Öffnungszeiten hat und immer erst bei meinem dritten Versuch tatsächlich mal offen hat. 2) Weil der zweite Versuch meist darin besteht, dass ich um 07:45 Uhr (!!!) aufstehe, kurz duschen und dann zum Arzt gehe und dann ein Zettel an der Tür hängt, dass „heute erst Sprechtstunde ab 10:00 Uhr“ ist. 3) Weil ich in diesem Moment leider nie Dynamit zur Hand habe. 4) Weil ich dann Punkt 10 Uhr da bin und WIEAUSDEMNICHTS das ganze Wartezimmer bereits voll ist und 5) ich dann anderthalb Stunden zwischen den ganzen Todkranken sitzen muss, die mich anniesen und anhusten, sodass ich wirklich sofort das Gefühl habe, krank zu werden.
Wobei, an der Rezeption habe ich ein Gespräch mitbekommen, das mir so ein bisschen den Tag gerettet hat:

Eine Oma gibt der Rezeptionsfrau ihre Chipkarte.
Rezeptionsfrau: „Huch, ihre Karte läuft ja bald ab.“
Oma: „Bis wann gilt die noch?“
Rezeptionsfrau: „Februar 2019.“
Oma: „Ach, das reicht dicke.“

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