Alle Artikel in der Kategorie “a week in pictures

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A Week in Pictures 32/2018

Schulanfang ist immer so ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bin ich froh, dass die ganzen Kiddies jetzt wieder jeden Tag ganz früh aufstehen müssen und nicht länger jeden Abend auf den Straßen rumhängen und sich Kiffgras spritzen (© andre preneur) können. (Ich wäre so gern immer in dem Moment dabei, wenn die innere Reife irgendwann zwischen 18 und 21 diesen kritischen Punkt erreicht, an dem die Leute sagen: ‚Ach so bin ich in Wirklichkeit? Ja, gut, kann ich ja nicht ändern. Ist auch eigentlich ganz okay so. Kann ich doch eigentlich total gut zu stehen.‘) Andererseits bin ich nach wie vor immer ein wenig traurig, dass es für mich keinen wirklichen Grund mehr gibt, mich so richtig mit Heftern, Blöcken, Stiften und all dem Zeug einzudecken. Beziehungsweise mir sogar ein völlig neues Organisationskonzept zu überlegen. Wobei ich das zum Ende meiner Schulzeit schon ziemlich gut im Griff hatte und damm im Verlauf des Studiums perfektioniert habe. Wobei die Erfordernisse für Schule und Uni natürlich unterschiedliche waren. Soll heißen: Im Prinzip waren beide Orgasysteme perfekt. Aber halt jedes für sich. Ich will es Ihnen kurz skizzieren:
Schule: Für jedes Fach einen Hefter. So ein stinknormales Plastikding. Kein Papier, denn das sieht nach drei Wochen total zerfleddert aus. Wichtig: Hefter brauchen coole, schnell unterscheidbare Farben. Geschrieben wird ausschließlich in Blöcken, wahlweise kariert oder liniert (richtig coole Leute schreiben auf unliniertem Papier, kann aber nicht jede*r). Nach jeder Unterrichtsstunde bzw. nach jedem Schultag werden diese Blätter umgedreht in den Hefter geheftet, d.h. die ersten Blätter sind immer ganz hinten. So spart man sich Nerven und die Löcher im Blatt werden nicht unnötig strapaziert. Geschrieben wird ausschließlich mit Finelinern, weil das Schreibergebnis einfach tausendmal geiler ist als beim Kuli oder beim Füller (Füller ist sowieso das letzte. Nach fünf Jahren steht auf dem Blatt _nichts_ mehr.) Bücher bleiben konsequent zu Hause, denn die sind zu schwer. Außer in Fächern, wo es ohne Bücher Stress gibt. Ansonsten immer bei Melissa mit reingucken. So bleibt der Rucksack schön leer und Platz für den privaten Lesestoff, den man während des Unterrichts liest, weil es mal wieder viel zu langsam geht.
Uni: Fast dasselbe wie in der Schule, nur heftet man zu Hause einfach alles in einen dicken Ordner und schaut es nie wieder an. Maximal drei Tage vor der Prüfung. Richtig coole Leute schreiben alles direkt in den Laptop. Und nur die coolsten löschen dann nicht irgendwann aus Versehen all ihre Uni-Unterlagen und kriegen dann richtig Probleme.

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A Week in Pictures 31/2018

Ich weiß nicht warum, aber ich würde sehr gern mal in ein Autokino gehen. Also fahren. Oder wie auch immer man es korrekt sagt. Keine Ahnung, warum. Irgendwie gefällt mir die Idee. Ich weiß, ich weiß, es ist total umweltschädlich, aber bedenken Sie doch, dass ich es ja auch noch gar nicht getan habe. Okay, 1996 war ich schon mal im Autokino. Bei Independence Day. Und ich erinnere mich an beides nicht. Doch, ich erinnere mich noch daran, wie dieses Raumschiff in der Wüste abstürzt, Will Smith die Luke aufreißt, das Alien ins „Gesicht“ haut und sagt: „Willkommen auf der Erde!“ An mehr erinnere ich mich nicht. Woher kam der Ton? Aus so einer Box, die man sich ins Auto hängt? Oder über das Radio? Geht da nicht ruckzuck die Batterie leer? Gibt es auch Snacks? Muss man zu einem Stand gehen oder hinfahren? Oder kommt jemand vorbei? Gelaufen oder gefahren? Ein weiteres Problem: Das Programm. Ich habe mich jetzt schon wochenlang informiert und muss feststellen, dass das Programm des Autokinos eher auf die Fahrer von tiefergelegten Autos angelegt ist. Ich mag aber keine Actionfilme. Können die nicht einfach Der Marsianer zeigen? Den mag ich sehr, weil ich nie gedacht hätte, wie man tatsächlich zwei Stunden mit der Storyline „Typ bleibt aus Versehen auf dem Mars, muss aber zurück zur Erde“ füllen kann. Und wie dann am Ende alle auf der Welt zusammenarbeiten und kurz danach bestimmt die Sternenföderation gegründet wird, sodass das Star Trek-Zeitalter beginnt, ach, da wird mir immer warm ums Herz. Ah, ich lese gerade, dass man im Autokino Starthilfe bekommt, wenn man tatsächlich liegen bleibt. Das hilft schon einmal. Wenn mir jetzt noch einfällt, wie ich den Umweltsünde-Gedanken aus meinem Kopf verbannen kann, dann gehe ich bald ins Autokino. Oder fahre, wie auch immer.

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A Week in Pictures 30/2018

Ich habe nichts gegen Sommer, aber ich finde Sommer immer dann problematisch, wenn er in Verbindung mit zu vielen Menschen und hitzebezogenen Probleme auftritt. Beispiel: Es ist so trocken, dass irgendwelche Felder oder Bahndämme anfangen zu brennen, weil Rüdiger F. (53) aus Wummsen an der Prengel unbedingt bei 45 Grad Celcius nach achtzig Tagen ohne Regen unbedingt grillen musste („DAS HAMMWER FRÜHER OCH IMMER SO GEMACHT!!!1“). Und weil Bahndämme brennen, können bestimmte Züge nicht fahren. Sie fallen aus und am Bahnhof stapeln sich die Zugreisenden. Profi-Tipp: Wenn Sie immer noch an irgendeine mystische Überlegenheit der Deutschen glauben, dann verbringen Sie einfach mal mitten im Hochsommer zwei Stunden in einem beliebigen Großstadthauptbahnhof. Diese Sturheit, diese Hilflosigkeit und diesen Egoismus, gepaart mit abartigsten Modegeschmäckern und ästhetischen Totalausfällen zu sehen, das erdet enorm. Und plötzlich sieht man die indische Familie, die in luftigen Gewändern supergechillt im Schatten wartet, mit weitaus mehr Bewunderung aus vorher.
Aber es auch schöne Begegnungen im Sommer: Wie zum Beispiel das Berliner Pärchen, beide Ende 50, das auf meiner Rückfahrt von Hamburg nach Leipzig in Berlin zustieg und sich zu mir ins Abteil setzte. Der Mann: Ein großer, bulliger Rocker mit Vollbart, schwarze Klamotten, Lederweste. Die Frau: Gelbes Top, weiße Hose und nicht auf den Mund gefallen.
Während sich die beiden erstmal kaum wieder einkriegten vor Dank, als ich ihnen anbot, sie könnten doch an meiner statt am Fenster am Tisch sitzen, denn sie wären ja zu zweit, folgte bald das beste von vielen schönen Gesprächen.
Sie: „Gleich simmer in Leipzeh, da müss’mer umsteijen.“
Er (nach zwei Minuten Nachdenken): Wie hieß dit Nest, wo wir umsteijen müssen.
Sie: „Leipzig!“
Er: „Leipzig, aha.“
Sie: „Und dit is‘ überhaupt keen Nest! Leipzeh is‘ ’ne rischteh schöne Stadt!“
Er: „Ah Leipzeh! Ja, kenn ick!“
Sie: „Siehste!“
Er: „Ja, als ich ’84 nach Berlin jekomm‘ bin. Da ha‘ ick mich eenfach bei mir ins Dorf in‘ Zuch jesetzt und bin losjefahr’n. Denn bin ick ’s erste Ma in Erfurt ausjestiejen, hab mir umjeguckt und jedacht: Nee, jefällt mer nich! Ick also wüller rinn in‘ Zuch. Nächster Halt Leipzeh! Ick also ausjestiegen und eenen irjendwas jefragt: Ha‘ ick nüscht verstanden, glei wüller rinn in‘ Zuch. Und denn bin ick halt na Berlin jezojen.“

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A Week in Pictures 29/2019

Gesprächstipps für den lauen Sommerabend:

  • Ein gutes Thema ist immer möglichst unverfänglich, witzig, universell und gleichzeitig schnell erzählt. Es muss allerdings zwingend aus der Ich-Perspektive erzählt sein, maximal „einem Kumpel passiert“ sein. Benutzen Sie gern mein jüngstes Erlebnis, als ich beim Blumengießen aus Versehen einer Oma von oben auf den Kopf gegossen habe und anschließend tagelang nicht das Haus verlassen konnte. Es wird für viel Heiterkeit sorgen.
  • Weitere gute Themen zeichnen sich durch eine gewisse Absurdität aus, die dennoch nachvollziehbar ist und dadurch nahbar wird, dass Sie sie mit viel Elan und einigen tiefgründigen (aber nicht weniger absurden) Gedanken bereits durchdacht haben. Beispiel: „Es ist eine absolute Frechheit, dass es Chipstonnen nur in der Geschmacksrichtung Paprika gibt!“
  • Als ebenfalls gut hat sich bewährt: „Wusstet ihr, dass sich die Umsätze von Ferrero verdreifacht haben, seit es Duplo und das ganze Zeit auch mit weißer Schokolade gibt? Heißt das, dass es einfach doppelt so viel Leute gibt, die weiße Schokolade mögen oder dass Weiße-Schokolade-Community gerade versucht, die über Jahrzehnte entstandene Konsumlücke zu schließen?“
  • Oder (und da muss ich zugeben, dass ich selbst nur bei diesem göttlichen Thema dabei war und es also nicht erfunden habe): „Wenn Sie an der Kasse stehen und jeweils vor und hinter Ihnen stehen auch Leute, für das Legen welches Warentrenners sind explizit Sie zuständig? Den vorderen? Den hinteren? Beide? Oder gar keinen?“ Werfen Sie ruhig immer mal ein paar Gedanken ein wie: „Braucht es überhaupt Warentrenner, wenn man die Waren einfach weit genug voneinander weg legt?“ „Aber wenn die Waren total weit auseinander liegen, dann passt ja nur noch ganz wenig aufs Band? Und was ist eigentlich mit der Umwelt?“ „Man sagt ja aber auch automatisch ‚Danke!‘, wenn der/die vor einer/einem selbst den Warentrenner hinter seine/ihre Waren legt. Also auf jeden Fall hinten!“ Garantierter Diskussionsspaß für mindestens eine Stunde!
  • Wenn die ersten Leute beginnen, ob der Temperaturen und des Alkohols sentimental zu werden, lächelnd in den Himmel blicken und sagen: „Also die Natur ist schon faszinierend. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass das nicht jemand geplant haben soll!“, dann unterdrücken Sie Ihren Lachdrang, hören Sie sich aufmerksam die Geschichten an über „Irgendeine Macht da oben“ oder „Naja, irgendwer, der auf mich aufpasst“ und antworten Sie mit derselben Mischung aus Pathos und Ernst: „Ich glaube an nichts als die Großen Alten. Ich glaube an Cthulhu, den Vorboten des Ghroth, der seit tausenden Jahren angekettet in der versunkenen Stadt R’lyeh festgehalten wird und im Schlaf nach den Auserwählten ruft. Ich glaube an Cthulhu, der dereinst wieder auferstehen wird, um mit Chaos zu regieren und die Seelen der Menschen zu rauben. ‚Das ist nicht tot, was ewig liegt. / Bis dass die Zeit den Tod besiegt.'“ – Und dann einfach mal gucken, was so passiert.
  • Wenn das Gespräch wieder Erwarten zu versiegen droht, einfach mal einwerfen: „Also ich persönliche hasse ja Filme von Wes Anderson!“ Sofort wird sich eine lebhafte Diskussion entspinnnen. Einziges Manko: Alle werden Sie hassen, obwohl Sie Recht haben.
  • Viel Spaß! Berichten Sie gern von Ihren Ergebnissen, insbesondere bei der Warentrenner-Frage!

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A Week in Pictures 28/2018

Ich glaube nicht an das Paradies, das jüngste Gericht oder irgendeine Art Pro-Contra-Liste, die man nach dem eigenen Tod vorgelegt bekommt. Prinzipiell glaube ich, dass einfach Schluss ist. Und das wäre auch vollkommen okay. Ich glaube nicht daran, dass man Ende noch einmal das eigene Leben im Schnelldurchlauf vorgespielt bekommt. Das einzige, was ich hoffe, ist, dass vielleicht noch einmal alle USB-Ladekabel, alle Feuerzeuge, alles Filterbeutel und Papes, die mir im Laufe meines Lebens so beim gemeinsamen Am-Tisch-Sitzen oder während eines „Kann ich das kurz mal benutzen?“ so geklaut wurden, auf einem großen Haufen sehe. Am liebsten mit so einer kleinen Tabelle daneben, auf der steht, wie viel Geld ich in meinem Leben gespart hätte. Nicht, weil ich mich um irgendetwas betrogen oder bestohlen fühle, sondern einfach nur, weil es dann so herrlich ironisch ist: Ich bin tot, Geld kann mir sowas von egal sein, aber dass ich 1.030 Euro allein für Ladekabel ausgegeben habe, die ich dann „mal kurz“ verliehen und nie wieder gesehen habe, 450 Euro für Filterbeutel, die beim Gehen irgendjemand anderes eingesteckt hat, das fände ich, so als Gerade-Verstorbener, wahrscheinlich sehr erheiternd.

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