Alle Artikel in der Kategorie “a week in pictures

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A Week in Pictures 37/2017

Es ist wieder so weit. Leipzig ist sooo cool. Wobei mir eigentlich gar nicht mehr dieser Coolness-Tenor aufstößt (tut er natürlich, aber da ist einfach nichts mehr, was noch hoch kommen könnte), sondern vielmehr, dass da mal wieder nur Wachstum, Wachstum und nochmal Wachstum abgefeiert wird. Noch dazu von irgendeinem bankfinanzierten liberalen Think Tank. Und die Leute in den Kommentaren nichts Besseres zu tun haben, als a) ihren Kleinkrieg gegen Dresden oder b) ihre AfD-Jaja-Leipzig-ist-aber-auch-Platz-2-der-Kriminialitätsstatistik abfahren.
Trotzdem: So stelle ich mir Nachrichtensendungen der DDR vor. „Und auch in diesem Quartal hat die Leipziger Wirtschaft wieder über den Plan hinaus gearbeitet. Zwar fehlen weiterhin zigtausende Sozialwohnungen, jede Brache wird mit hässlichen Eigentumswohnungen zugepflastert, die sich 90 % der Bewonner*innen der Stadt nicht leisten können, die Subkultur wird weiterhin mit Füßen getreten, aber nach außen hin fröhlich vor dem PR-Karren gespannt, linke Projekte werden zu Zentren des internationalen Terrors stilisiert, während die Nazis wieder Aufwind bekommen und niemand weiß so richtig, was man mit den Flüchtlingen jetzt anfangen soll, aber Wachstum, ich wiederhole Wachstum und Wachstum! Leipzig ist sooo cool.“ Pfui.

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A Week in Pictures 36/2017

Manchmal denke ich „Könntest eigentlich mal wieder wischen“, dann erschrecke ich, ekele mich über meine eigene Spießigkeit und hole schließlich doch den Staubsauger. Ich bin ja ein sehr sauberkeitsliebender Mensch. Ich mag es, wenn es ordentlich ist. Vorher kann ich nicht wirklich anfangen, etwas zu machen. Was natürlich nicht heißt, dass es bei mir total sauber oder ordentlich ist. Prüft ja auch niemand nach. Und so lebe ich meist so eine Weile vor mich hin, mülle alles ein, verdrecke alles mal so richtig, dann bekomme ich meinen Sauberkeitswahn und zack! muss ich alles sauber machen und es kann von vorne losgehen. Und wenn dann alles sauber ist, dann freue ich mich. Dann sitze ich tatenlos auf meiner Couch, weil ich mich nicht traue, etwas zu tun, denn dann würde ja alles wieder dreckig werden. Ich bin so ein Mensch, der, wenn jemand sagt: „Ich müsste mal meinen Kühlschrank abtauen!“, denkt „Geil, das macht voll Spaß!“ und das auch wirklich meint. Backofen reinigen, supergut. Im Bad die Fliesen mit diesem ätzenden Spray einsprühen, wo man beim Aus-Versehen-Einatmen direkt merkt, wie es einem innerlich gerade irgendwas richtig böse kaputtmacht und wenn ein paar Tropfen davon auf den Duschvorleger kommen, dann wird der plötzlich blassrosa/pink, dieses Spray, dass aber dafür auch das kleinste Stückchen Ekeldreck einfach wegätzt, geil. Wischen fetzt auch. Nur das ganze Zeug vorher hochzustellen, das nervt. So, ich gehe jetzt Staubsaugen. Tschüss.

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A Week in Pictures 35/2017

Manchmal setze ich mich an den Schreibtisch, muss dringend irgendetwas machen, dann werde ich wach und merke, dass ich seit zwei Stunden Videos darüber gucke, wie koreanische Frauen 48 KFC-Hühnchenteile essen ohne auch nur irgendwelche Probleme damit zu haben. Und dann denke ich: „Dafuq? Wie bist du denn dort gelandet? Und wieso hast du das Video jetzt tatsächlich sehr interessiert bis zu Ende geguckt?“ Dann überlege ich, wie toll das war, als ich nach dem Superbowl bei einem Kumpel mal einen ganzen Eimer KFC-Kram mitnehmen durfte und wie ich dann zwei Tage lang nur KFC-Zeug aß. Und dass das tatsächlich, wie die koreanische Frau es in diesem Video sagt, auch meine Definition von Erwachsensein ist: Erwachsen sein heißt, dass man halt auch einfach acht Eimer KFC-Zeug kaufen kann, wenn man Lust darauf hat. Hach, es waren sehr glückliche Zeiten. Und dann klicke ich auf das nächste Video, in dem die Frau plötzlich 8 Kilo Reis, Gemüse und Hamburgermatsch isst, wobei sie dann Ende „doch schon ein bisschen voll“ ist, sich aber trotzdem noch beim Essensgott bedankt, weil es so lecker war. Spätestens hier sind bereits alle Gedanken darüber, was für ein jämmerliches Dasein ich eigentlich führe, verschwunden, denn da sind jetzt nur noch Gedanken übers Essen und, viel wichtiger, übers Mit-vor-der-Kamera-esse-reich-werden, denn die koreanische Frau hat natürlich Millionen views. Das geht dann so weiter. Meist gucke ich noch irgendwelche Fail-Videos, den Typen, der einen Kaktus isst, Vlogs und anderen Quatsch. Bis dann irgendjemand anruft und fragt, was ich eigentlich so mache. Dann lege ich auf und versuche wieder, ein nützlicher Teil der Gesellschaft zu sein. Bis ich eine Viertelstunde später wieder Youtube öffne.

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A Week in Pictures 33/2017

Wenn zu viel passiert, ist es dasselbe, wie wenn zu wenig passiert: Mein Kopf geht aus und der Rest ist bloßes Funktionieren. Und am Ende der Woche sitzt man da und denkt: „Was war eigentlich Dienstag? Ach ja. Genug, sodass es praktisch schon bis Freitag gereicht hätte. Aber so richtig genau? Keine Ahnung.“ Außerdem heißt, dass viel passiert, ja keineswegs, dass Wichtiges passiert. Genau so, wie wenig passieren kann und trotzdem ist viel los. Dafür, dass eigentlich nicht viel los sein sollte, denn es ist ja Sommerpause, ist jedenfalls eine ganze Menge los. Vielleicht hätte man sich das auch besser überlegen können. „Ach, da hab ich ja Zeit, da kann ich dann ja einfach dieses Riesenprojekt machen.“ Nur um dann direkt danach wieder das normale Pensum zu absolvieren. Was natürlich auch nur so halb stimmt, denn da will ja immer noch so ein Buch fertig geschrieben werden. Ich weiß jedenfalls mittlerweile schon genau, was ich werde sagen können, wenn mich jemand fragt, wo mir die Ideen kamen: Beim Rasenmähen. Und beim Abwaschen. Und beim Duschen sowieso. Wäre es nicht so eine Verschwendung, dann würde ich einfach den ganzen Tag lang duschen und in fünf Jahren hätte ich mehr geschrieben als Stephen King (Lesen Sie unbedingt On Writing!). Vielleicht duscht der ja auch die ganze Zeit. Nein, der ist einfach nur diszipliniert. Weitaus mehr als ich. Ich mag ja diesen Satz von hier: „Ich nehme mir sowieso zu Vieles vor und zu wenig davon tue ich dann wirklich. Wenn ich nur ein Viertel von dem täte, was ich mir vornehme, würde ich sicher doppelt so viel tun, als ich jetzt tue.“ Und vielleicht ist ja auch das der ganze Schlüssel zum stardome: Großkotzig genug sein, um sich einfach selbst zu zitieren.

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