Ein eher semi-gut funktionierender Versuch, in der echten Welt Werbung für ein digitales Produkt zu machen. Meine Spitzenidee.

For the record

Wenn mich nicht alles täuscht und nicht irgendwo auf der Welt jemand schon einmal so etwas gemacht hat – was sehr wahrscheinlich ist, zumindest irgendein Chinese hat das bestimmt schon dreißig mal gemacht und mindestens achtundzwanzig Male davon waren sogar besser – dann haben der werte Herr Julius und ich vor rund einer Woche das erste Team Audience Partizipation Poem Deutschlands des deutschsprachigen Raums Europas der Welt des Universums ever aufgeführt. Das sage ich hier nur, damit es später in den Geschichtsbüchern keine Unstimmigkeiten gibt. Erstes APP im Team, wir, TTZ, bäm!
Für alle, die sich noch immer fragen, was zur Hölle denn ein Team Audience Partizipation Poem sein soll: ein Mitmachtext. Das heißt, das Publikum ist nach Aufforderung des/der Poeten dazu angehalten, irgendeine Handlung zu vollführen, meistens zu klatschen oder irgendetwas zu rufen. Passend zum ersten Team-APP überhaupt hieß der Text auch Die unerträgliche Scheißigkeit des Seins und das Publikum musste immerzu STERBEN! rufen. Wir finden das gut.

Die unerträgliche Digitalität des eBooks

Das Beste an meinem eBook ist, das seither viele Menschen zu mir kommen und mir sagen, wie scheiße sie eBooks finden. Für diese Offenherzigkeit möchte ich Ihnen danken. Rassismus kann eben nur funktionieren, wenn er irgendwann auch nach außen tritt. Ich habe nichts gegen eBooks. Und schön gar nicht gegen Papierbücher. Auch wenn ich es mir erlaube, viele Papierbücher nichtsdestotrotz keines Blickes zu würdigen. Insofern haben eBooks sogar ihr Gutes. Der Markt ist noch klein, noch tummelt sich lange nicht so viel Müll auf dem digitalen Bücherberg wie auf dem papiernen. Aber sei’s drum. Solang man sich nicht in Berlin trifft, um öffentlich eBook-Reader zu verbrennen, sind solcherlei Nostalgiker wahrscheinlich wenig gefährlich. Auch wenn ihr Zorn, von ihrem Verleger wieder nur mit weniger als 10% an jedem Buchverkauf beteiligt worden zu sein, schrecklich und trügerisch sein mag. Ich selbst werde wohl kaum in nächster Zeit auf die Idee kommen, meine Bibliothek digital nachzukaufen, obwohl ich dann vielleicht weniger Angst vorm Umziehen haben müsste. Eine Angst, die ich wiederum durch wilden Bücherkauf kompensiere. Ein absoluter Teufelskreis. Was ich sagen will: Wurscht.

Wer ist eigentlich dieser Mitt Romney?

Das Faszinierende an den US-Präsidentschaftswahlen im kommenden November ist ja nicht die Frage, wie viel Obama bis dahin noch vermasseln wird, sondern die Frage nach dem neuen Präsidenten republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Neben zahlreichen komplett Verrückten taucht da auch immer dieser steinreiche Mitt Romney auf, der zumindest bei der breitesten Front der Republikaner wohl die besten Chancen auf den Posten des letztendlichen Kandidaten hat. Man darf sich, ganz abseits seiner abseitigen Politik, ruhig mal fragen, womit dieser Mann eigentlich sein ganzes Geld verdient hat. Vor ein paar Jahren hätte man ihn hierzulande wahrscheinlich noch als so genannte Heuschrecke gebrandmarkt. Aber die Zeiten ändern sich, das gilt nicht erst seit intelligente Menschen RTL schauen. Und die folgenden 30 Minuten illustrieren das ganz gut.

Ab jetzt auch als Video: Der Jahresrückblick 2011.

Januar
Aus Protest gegen die Hysterie im Dioxin-Skandal verspeist Jopi Heesters öffentlich 30 gekochte Eier. Wissenschaftler sprechen ihm seither jede Form von Sterblichkeit ab, in der Nato debattiert man ein Bombardement des 108-Jährigen. Berlin: Zu Jahresbeginn werden die letzten Wehrpflichtigen zum Grundwehrdienst einberufen. Ab Juli 2011 soll die militärische Ausbildung von privaten Sicherheitsdienstleistern, so genannten Freien Kameradschaften, geleistet werden. International: Bei der Eröffnung eines neuen Apple Stores in der ägyptischen Hauptstadt Kairo kommt es aus Versehen zur Revolution, als frustrierte Kunden feststellen, dass bereits alle iPhones ausverkauft sind.

Februar
Spanien erklärt den Berliner Szene-Bezirken und Clubs den Krieg und greift die Stadt mit einer Armee betrunkener Erasmus-Studenten aus Madrid an. Die Stadt reagiert und stellt ab sofort alle Kotzorgien vor Bars und in Clubtoiletten sofort auf YouTube. Gerlingen: Die Tierschutzorganisation Peta verklagt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, weil er auf seinem Kopf den gegeelten Skalp eines toten Waschbären trägt. Hollywood: Charlie Sheen wehrt sich gegen Vorwürfe, regelmäßig Kokain zu sich nehmen. Sheen argumentiert, wenn ein Typ wie er selbst überhaupt etwas rauche, dann doch wohl Chuck Norris.

März
Die Leipziger Buchmesse erlebt einen wahren Besucheransturm, als chinesische Regierungshacker auf den Seiten der Messe verkünden, man werde Daniela Katzenberger nach der Vorstellung ihres neuen Buches öffentlich steinigen. Berlin: Nach nur vier Jahren verstirbt Eisbär Knut im Berliner Zoo. Experten vermuten, dass der konservative Knut den Wahlerfolg der Grünen in Baden-Württemberg psychisch einfach nicht verkraftet habe. Als erste politische Maßnahme lösen die Grünen per Erdbeben einen Tsunami vor der Küste Japans aus und attackieren auf diesem Wege mehrere Atomkraftwerke.

April
Die FDP rationalisiert den Posten ihres Parteivorsitzenden und besetzt die Stelle in Zukunft mit einem Chinesen. Der Nachfolger von Guido Westerwelle habe sich bei der Arbeit in FDP-eigenen unterirdischen Bergwerken bereits besonders verdient gemacht. London: Über zwei Milliarden Zuschauer verfolgen die königliche Hochzeit von Prince William. Der mögliche Thronfolger heiratete diese komischen Frau, deren Namen bald darauf niemand mehr kennt, weil ihre Schwester so einen fantastischen Hintern hat.

Mai
EHEC-Mikroben lösen eine Krankheitsepidemie in Deutschland aus. Ähnlich wie ein Konzertbesuch der Band Nickelback verursacht der Erreger bei Betroffenen blutigen Durchfall, Darmentzündungen und Nierenversagen. International: Osama Bin Laden ist tot. Amerikanische Spezialeinheiten erschossen den Terrorfürsten in einem Versteck in Pakistan. Entgegen Vorschlägen der amerikanischen Konservativen, wurde Bin Ladens Leichnam jedoch nicht ins Fundament eines neuen World Trade Centers einbetoniert, sondern nach muslimischer Bestattungstradition wahllos ins Meer geschleudert.

Juni
Das UN-Kriegsverbrechertribunal erhebt Anklage gegen Boris Becker. Das Gericht argumentierte, Becker sei für viele führende Kriegsverbrecher ein Idol und sei nach Expertenmeinung sogar gefährlicher als Skeletor. Heidelberg: Die Ruprecht-Karls-Universität ehrte die erfolgreiche Promotion der EU-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zum Thema „Urheberrechtsverletzung“ mit der Aberkennung ihres Doktortitels. Koch erklärte reumütig: „Mir doch egal, ihr Ficker, ich verdien‘ zehnmal mehr als ihr, ihr Spassten, und so wird das auch bleiben. Ich bin raus, yo!“

Juli
Die Alt-Herren-Mannschaft des Fußballvereins 1. FC Rüsselsheim gewinnt überaschend die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin. Beim betrunkenen Überqueren der Spielfläche erzielten die 50- bis 70-Jährigen insgesamt 38 Tore gegen die Mannschaften aus Japan und den USA. London: Nach dem Ende der Harry-Potter-Septologie arbeitet Joanne K. Rowling, die Schöpferin des modernen Zauberlehrlings, wieder in ihrem alten Beruf als Chef-Demagogin bei der Terrororganisation al Quaida.

August
Deutschland verzichtet auf den Einsatz von Körperscannern an Flughäfen. Verteidigungsminister Jung erklärte, man wolle sich auf bewährte Technik verlassen und Verdächtige in Zukunft einfach wieder direkt erschießen. New York: Die Ratingagentur Standard & Poor stuft die Bonität der USA auf „Standard“ und „Poor“ herab. Großbritannien: Nachdem das Olympische Komittee seine Entscheidung mitteilte, Nintendo Wii-Spielen nicht als olympische Sportart anzuerkennen, beginnen enttäuschte Jugendliche selbstständig mit dem Abriss des Olympiastandortes London.

September
Wie stark sich die fehlende Wehrpflicht auswirkt, wird deutlich, als der Papst es schafft, unbehelligt in deutsches Terrain einzudringen. Vor rekordverdächtiger Kulisse spielt das Kirchenoberhaupt im Berliner Olympiastadion seine Gottesdienst-Show namens „Männer sind peinlich, Schwule sind keine Menschen“. Düsseldorf: Das Landgericht entscheidet in einem Rechtstreit zwischen dem Apple-Konzern und Bio-Bauer Rudolf K., dass der Bauer vorsätzlich und tausendfach essbare Kopien des Konzernlogos hergestellt und zu Schleuderpreisen vertrieben habe. K. wird zu 800 Jahren Kettenhaft an einem einsamen Berg verurteilt, an dem ihm jeden Tag ein Adler die Leber aus dem Körper picken soll.

Oktober
Apple-Gründer Steve Jobs verstirbt an einem Krebsleiden. Insbesondere in den westlichen Ländern ist die Trauer groß, schließlich ist hier der Verlust eines Jobs das Allerschlimmste. Gleichzeitig stürmen Tausend Milliarden Studenten an die deutschen Unis, weil sie alle “was mit Medien” studieren und später zufrieden im Sekretariat eines Autohauses arbeiten wollen. International: Mit dem Tod des libyschen Diktators Gaddafi ist der Militäreinsatz beendet und Libyen nunmehr ein freies Land. Noch während Gaddafis Leiche zur Obduktion transportiert wird, eröffnen in größeren Städten wie Tripolis, Surt oder Benghazi bereits zwölf Starbucks- und siebzehn H&M-Filialen.

November
Nachdem bekannt wurde, dass eine Gruppe rechtsextremer Terroristen über mehrere Jahre hinweg Morde im gesamten Bundesgebiet begangen hat, debattiert die NPD über ein neues Verbotsverfahren gegen den Verfassungschutz. Problematisch seien dabei nur die 130 V-Leute, die die NPD in den Reihen des Verfassungsschutzes beschäftigt. International: Sieben Milliarden Menschen leben nunmehr auf dem Planeten Erde. Das Siebenmilliardste Erdenkind ist wie zu erwarten Chinese, arbeitet seit seinem zweiten Lebenstag in einer iPhone-Fabrik und spielt virtuos Klavier. Fußball: Nach wiederholten Fan-Ausschreitungen bei Liga- und Pokalspielen beschließt der Deutsche Fußballbund, Fußball in Dresden gänzlich zu verbieten und schickt zum Neuanfang ein Netz voller Handbälle.

Dezember
Als erste Stadt der Welt begeht Koblenz Selbstmord und sprengt sich in die Luft. Der touristische Erfolg der Aktion ist bahnbrechend, auch überflüssige Städte wie Hannover, Wolfsburg oder Halle überdenken bereits die Selbstsprengung als touristische Attraktion. Brüssel: Martin Semmelrogge wird Steuerfachmann beim Rat für Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Union. Vorbild war die Ernennung Karl-Theodor zu Guttenbergs zum Berater für Internetfreiheit, so die Expertenmeinung. Berlin: Die Silvesterfeierlichkeiten auf dem Alexanderplatz eskalieren, nachdem linke Autonome Rainer Calmund in ihre Gewalt bringen und damit drohen, den Ex-Fußballtrainer an einen Kran zu hängen und mit ihm den Fernsehturm einzureißen.

Kurz bevor ich nach Leipzig zog, warnte mich meine Oma, sie habe gerade in der Zeitung von einem Mädchen gelesen, das in einem der Leipziger Parks überfallen worden sei. Glücklicherweise habe das Mädchen aber Judo gekonnt und hätte so die Angreifer einfach in die Rabatten geworfen. Die Angreifer jedoch hätten das Mädchen im Nachgang dann wegen Körperverletzung angezeigt. Und das sich anschließende Verfahren gewonnen. Was dann mit dem Mädchen passierte weiß ich nicht. Vielleicht sitzt es noch immer in einem Hochsicherheitsgefängnis, sticht sich selbst Tattoos und verflucht den Tag, an dem sie einen Schritt in den Park gewagt hat.

Exkurs: Es gibt Städte, deren Stadtparkbeleuchtung ist so eingerichtet, dass sie immer nur dort angeht, wo sie Bewegung wahrnimmt. Geht man nun also nachts durch einen solchen Park, “folgt” einem quasi die Parkbeleuchtung. Vorteil: Betrunke Nazis, die einem Handies, Unterwäsche und Laptops wegnehmen wollen, sieht man schon von weitem kommen. Nachteil: Betrunkene Nazis sehen auch dich schon von weitem.

Naja, ich zog dann jedenfalls trotzdem hin. Und ich geh auch in die Parks, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Betrunkene und Kinder schützt der liebe Gott, sagt man. Zwar muss ich bis heute noch beim Zigarettenkauf meinen Ausweis vorzeigen, aber als Kind und damit göttlich Beschützter geht man damit trotzdem nicht mehr durch. Und ausschließlich betrunken durch die Stadt zu laufen ist auch eher unpraktisch.

Während es mir in meiner Heimatstadt noch zu Gute kam, dass mein Nachbar quasi alle Verrückten der Stadt persönlich kannte, diese im Sommer regelmäßig vor seiner Haustür versammelte und ich als kleiner Nachbar dadurch so etwas wie Welpenschutz genoss, nützt mir das in Leipzig überhaupt nichts. Hier kenne ich keine Verrückten. Darüber hinaus sind betrunke Überfaller nie besonders gesprächsbereit und lassen es so gut wie nie zu, dass man noch schnell alle wichtigen Daten auf einen USB-Stick ziehen kann, bevor sie einem den Laptop wegnehmen, egal welche Art der Beleuchtung vorherrscht. Auch sind sie meist nicht dazu bereit, vielleicht noch ein paar Tage mit dem Handyabziehen zu warten, bis man sich schonmal vorsorglich ein Ersatzgerät gekauft hat.

Aber was verteile ich überhaupt Weisheiten, ich wurde ja noch nicht einmal überfallen. Was vielleicht daran liegen mag, dass ich nachts ausschließlich hysterisch lachend und bewaffnet mit einem Benzinkanister und einem Bunsenbrenner unterwegs bin, andererseits vielleicht auch daran, dass ich davon abgesehen sehr friedfertig wirke. Die Polizisten grüßen mich freundlich, ich bin so eine Art Batman hier. Und falls mir doch einmal etwas zustoßen sollte, bin ich ja vorbereitet. Denn bevor ich durch dunkle Gassen, düstere Parks oder schwärzeste Nacht wandle, mache ich ein Foto mit meiner Handykamera, das nach meinem schrecklichen Überfalltod meinen Angehörigen übermittelt werden kann, sodass sie sich getrost zurücklehnen und sagen können: “Ja, selber schuld, wär ich nicht durch gegangen.”

Hamburg: Steve Jobs kommt in die Bravo

Als erstem Unternehmer widmet die Jugendzeitschrift Bravo in der kommenden Ausgabe ihr Poster dem jüngst an einem Krebsleiden verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Sein Tod habe die Leser der Bravo extrem bewegt, der Verlust eines Jobs sei heute schließlich das Allerschlimmste*, erklärte Chefredakteur Philipp Jessen. Apple-Produkte seien längst fest in das Leben der Jugendlichen integriert und Jobs gewissermaßen ein Ausdruck der Welt der Jugendlichen. Geplant sind außerdem Poster des Arbeitsagentur-Chefs Frank-Jürgen Weise und des nach einer bekannt gewordenen Beziehung zu einer Minderjährigen designierten CDU-Landesvorsitzenden Christian von Boetticher.

Hohenheim: Aggressive Kinder mögen Computerspiele mit Gewalt

Wissenschaftler der Universitäten Hohenheim und Lüneburg haben herausgefunden, dass aggressive Kinder und Jugendliche besonders brutale Computer- und Videospiele bevorzugen. In einem noch nicht veröffentlichten Teil der Studie konnten die Wissenschaftler außerdem Zusammenhänge zwischen niedrigem IQ und einer Vorliebe für Skat, sowie zwischen nach hinten gegeelten Haaren und Führungspositionen in Wirtschaft und Politik feststellen.

Baltimore: Magic Mushrooms mit Dauerwirkung

Dass halluzinogene Pilze die Persönlichkeit dauerhaft verändern können, das ahnten Cosplay-Verächter und Rollenspiel-Hasser schon lange. Wissenschaftlich bestätigt wurde diese Befürchtung jedoch erst jüngst durch Forscher der John Hopkins Universität in Maryland. Denn obwohl die bewusstseinsverändernde Wirkung der Pilze nur wenige Stunden anhält, ist sie noch bis zu einem Jahr in Form einer gesteigerten Extrovertiertheit nachweisbar. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir den therapeutischen Nutzen von Drogen nicht vorschnell verkennen sollten“, erklärte einer der Forscher. Repräsentativ sei die Studie mit insgesamt 51 Teilnehmern jedoch nicht, insbesondere da sich zwei der Probanden bis heute für Batman und den Joker halten und sich nachts auf dem Gelände der Universität bekämpfen.

* freundlich entlehnt vom Kollegen HausOhneFenster


Foto von justindc

“Ist das nicht schön?”, ruft Thomas.
Als hätte man ihn direkt aus einem Wham-Video geschnitten, sitzt er auf der Fensterbank und starrt verträumt nach draußen. Dass er zwar eine Jogginghose, aber freien Oberkörper trägt und seinen Kaffee direkt aus der Kanne trinkt, will ich nicht hinterfragen.
“Schau Sie dir an”, sagt Thomas und deutet in Richtung Park, wo zwei Eichhörnchen gerade durchs Gras rennen, “Wie sie gezwungen sind, ihren Instinkten nachzugehen!”
“Die sehen nicht besonders unglücklich aus”, sage ich, während die Eichhörnchen an den Bäumen herum hüpfen.
“Die wissen es auch nicht besser. Dazu ist das Programm in ihren Köpfen zu simpel”, sagt Thomas.
Währenddessen haben die Eichhörnchen begonnen, sich gegenseitig fröhlich Haselnüsse zuzuwerfen.
“Ich zum Beispiel sitze hier im Warmen und erfreue mich an meiner eigenen Überlegenheit. Denn unsere Spezies ist die einzige, die es geschafft hat, sich aus der eigenen Natur zu befreien!”
“Hm”, sage ich.
“Und wenn die Heizung mir nicht Unterschenkel verbrennen würde, hätte ich auch auf die Hose verzichtet!”
Ich sage nichts. Vielleicht hat er ja recht.
“Wir sind wirklich die Krone der Evolution”, deklamiert Thomas lautstark.
Eine Weile reden wir gar nicht. Ich schaue den Eichhörnchen zu, wie sie es sich auf einem Berg aus Nüssen bequem machen. Hinten im Teich plantschen die Enten vor sich hin.
Plötzlich klingelt das Telefon. Um unsere genügsame Selbstbestimmtheit nicht länger vom elenden Klingelton stören zu lassen, hebe ich ab, höre, nicke und reiche an Thomas weiter.
“Dein Chef”, sage ich, “Ob du nicht heute arbeiten kannst.”

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