# this addiction


Direktaddiction

Tolle Kamera Donnerstags konnte ich mich noch aus der Stadt retten. Die Sonne testete einen der ersten Frühlingstage, mit Papiertaschen voller Müll beladene Schulklassen stolperten müde in den Bahnhof und die Polizei kontrollierte schon wieder so lange alle unliebsamen Gäste rund um den Bahnhof, bis sie irgendwann von ganz allein weiter ziehen würden. Im Bahnhof warten die ersten Schwärme schwitzend-schwammiger Messebesucher und es wirkt wie eine Art Prüfung, sich an den öligen Körpern vorbei drücken zu müssen, will man es tatsächlich wagen, nicht nach Leipzig, sondern aus Leipzig heraus zu fahren.

Insignium der Wichtigkeit: Special Visitor Die Messe strotzt dafür vor Wichtigkeit. Es ist schön, schon so viele Bekannte dort zu treffen, sodass der erste Rundgang praktisch ein ständiges Herzlich-Begrüßen und Quatschen ist. Die Textbox hat es mittlerweile direkt und gebührend in die Glashalle geschafft, niemand kommt an ihr vorbei. Lektora, spokenwordberlin, Sprechstation und Voland & Quist sind auch mit dabei, es ist voll, selbst am Freitagnachmittag. Männer in Anzügen staksen durch die Gänge und rufen “Ja, natürlich, da machen wir ‘nen Vertrag und dann wird das ganz groß, ganz groß!”

Stars und Sternchen überall und nirgends Abends Tille, voll mit Zuschauern, alles prächtig. Wieder einmal ein wunderschöner Buchmessenslam, den Lars Ruppel mit seinen Auftritten am Ende mehr als verdient als Sieger verlässt. Alles sitzt oder steht eng beieinander, alle sind begeisterungsfreudig, die Lautstärke, die so eine Masse von Menschen hervorbringen kann, ist fantastisch. Die Moderation stimmt, alles in allem ein schönes Happening, durchaus mit Charakter einer winzigen deutschsprachigen Meisterschaft, fern ab von der Steifheit und bissigen Ernsthaftigkeit, die einem die ganze Zeit der Messe begegnet.

TTZ überall!Dann schon wieder Messe. Schon die Hinfahrt verspricht, dass es verdammt voll werden wird. Eine ältere Dame fragt, welchem “Kult” diese verkleideteten Jugendlichen angehören, ein Security-Mann zerrt ein paar der Cosplayer verbal aus dem Shuttle-Bus. Später, beim HTWK Poetry Slam, bildet sich eine derartig große Traube von Menschen, wie sie die Lesungen dort wohl selten zu sehen bekommen. Und alle bleiben bis zum Ende. Anschließend brauche ich 28 (!) Minuten vom Ende der Halle 5 bis zum Haupteingang und bin, auch wenn das Ganze immer eine Menge Spaß macht, auch froh, wieder draußen zu sein.

Und in der der Straßenbahn läuft zum Abschluss ein Video, das die beiden großartigen Männer hinter dem Verlag Voland & Quist dabei zeigt, wie sie am Freitag den hoch verdienten Kurt-Wolff-Förderpreis in Empfang nahmen. Schön.

Zum Abschluss noch einige Plakate, die man bei einem ordentlichen Buchmessenbesuch unbedingt dabei haben sollte:

# Buchmesse, Euphorie, Buchmesse

Sicher kann ich das alles nur nicht so richtig nachvollziehen, da der Literaturbetrieb bis auf den Konsumentenstatus so völlig an mir vorbei geht. Aber ich habe mich auch schon immer mit der Euphorie anderer Leute schwer getan. So als ob Meinungen immer noch schön poliert und hübsch arrangiert werden müssten, ehe man versuchen könnte, sie an den Mann zu bringen. Und dann folgt oft die Ernüchterung. Dass das alles auch nur mit Wasser gekocht und noch dazu eher lauwarm ist. Um noch eine Phrase zu bemühen: die schönsten Überraschungen entstehen meiner Meinung nach sowieso aus der kalten.

Wer möchte, kann sich bei YouTube mal angucken, wie es in einem Jesus Camp in den USA so abgeht (Teil 2/ 3/ 4/ 5). Verrückte Erwachsene, die unschuldige Kinder für ihre Zwecke instrumentalisieren und sich auch noch im Recht damit fühlen, schlimm. Womit wir wieder bei Euphorie wären.

Und darum Musik einer Band, ob derer man ruhig auch mal euphorisch werden kann, wenn sie denn irgendwann erneut die hiesigen Lande mit einem Besuch beehren sollte:

Direktbubbles

# One Nation (oder zwei) under Handykamera

Pünktlich immer zwei Tage nach dem Auftritt kommt die Müdigkeit, sie hätte eigentlich schon Donnerstag da sein müssen, wurde aber durch einen wunderbaren Vertretungsauftritt bei Sax Royal noch einmal beiseite geschoben. Ok, augenscheinlich sind wir am Bodensatz der Themen angekommen, aber egal, für irgendetwas muss die Handykamera ja gut sein, los geht’s:

Bisschen Musik dazu, damit es nicht so langweilig ist:

Direktautonom

# Kinobefehl: Exit Through the Gift Shop

ettgs

„I guess my ambition was to make a film that would do for graffiti art what ‘The Karate Kid’ did for martial arts — a film that would get every schoolkid in the world picking up a spray can and having a go…As it turns out, I think we might have a film that does for street art what ‘Jaws’ did for waterskiing.“

Zu erwarten war, trotz des obigen Zitats von Banksy, dass mir die Doku schon irgendwie gefallen würde, schließlich kann ich mich auch für Karate Kid, Liebe zwischen Vampiren und Menschen, Multieffektboards und viele andere Dinge begeistern, die einem Großteil der Allgemeinheit wahrscheinlich sowas von… Dass also nicht nur ich, sondern auch das Feuilleton bereits in überschwänglichen Metaphern applaudiert und die Doku ganz großartig findet, ist umso besser.

Auf der Internetseite zum Film steht, dass es um die “incredible true story how the world’s greatest Street Art movie was never made” geht und falls jemand glaubt, beim “Banksyfilm” gehe es hauptsächlich um Banksy, der mag vielleicht recht haben, aber wird ob der sich größtenteils nicht um Banksy drehenden Handlung ein wenig beunruhigt, doch am Ende keinesfalls enttäuscht sein (toller Satz, so viel Weisheit).

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

# Ein Urteil und eine offene Frage

Kann ich denn jetzt anfangen, meine Bachelorarbeit zu schreiben oder muss ich den Schluss noch variabel halten?

Auch wenn man an meinem momentanen Aufenthaltsort wenig Verständnis dafür haben wird und stattdessen in der Tube auf schätzungsweise 5 mal 5 Metern Decke mehr als 10 Kameras zählbar sind, sagt man dazu im Internet, soweit ich weiß, nelson.wav, liebe EU und liebe Regierung.

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