Will man in die sportwissenschaftliche Bibliothek, so muss man an der sportwissenschaftlichen Fakultät vorbei, ehemals DfHK, Deutsche Hochschule für Körperkultur, deren Faschingsfeiern ein mysteriöser Ruf voraus eilt. Einmal traf ich vor ihrem Eingang einen weinenden Mann in einem Schweinskostüm, der einer Katzenfrau hinterher schrie, dass er das nicht verdient hätte.
Will man jedenfalls in die sportwissenschaftliche Bibliothek und findet sie nicht, muss man den Pförtner fragen (”Da in das umzäunte Gebiet rein, durch den Säuleneingang, dann rechts!” “Danke!” “Moment moment, junger Freund, da sind sie aber noch lange nicht in der Bibliothek!” “Oh!”) und darf zu Belohnung feststellen, dass wenigstens an diesem Tag der Anteil an Jogginghosen überproportional groß ausfällt. Auf dem Gang spricht jemand über den neuen Bushido-Film und man fühlt sich ein bisschen schuldig, ihn auch schon gesehen zu haben. Ansonsten das Standardrepertoire an Bibliotheksbesuchern, nur straffer, Sportbibliothek eben: viele lesen, manche surfen, zwei schlafen und einer hat Schlappen mitgebracht. Die Unruhe im Raum steigt schnell, sobald sich eine Sportstudentin vor einem Bücherregal räkelt.
Ist es Anzeichen dafür, dass mein Büchergeschmack exquisiter wird, wenn ich seit einiger Zeit Bücher immer aus dem Magazin bestellen muss? Warum bürdet man es sich auf, eine Arbeit über Tradition und Identifikation im Fußball zu schreiben, wenn man bis auf die heimliche Faszination für Hooligans und Ultras kein Interesse daran hat? Dennoch, es ist nett zu sehen, dass sich selbst darauf noch Überlegungen von Adorno anwenden lassen, knie nieder, Max Weber!
Semesterferien, das heißt, mal wieder in die Bibliothek zu gehen, immer noch nicht verstanden zu haben, welche Bücher man ausleihen darf und welche nicht, das Nötige direkt an einem der Hier-bitte-kein-Laptop-Tische lesen und mitunter feststellen, welche unangenehmen Geräusche menschliche Körper beim normalen Betrieb von sich geben – dann schnellstmöglich wieder zu verschwinden, feststellen, dass man etwas vergessen hat und das Prozedere von Neuem durchlaufen, bis das hauseigene Glockenspiel endlich alle Anwesenden erlöst und den Feierabend läutet.
Satz der vergangenen Woche, aufgeschnappt in Mannheim:
“Ey und weißt du, warum ich heute früh wach geworden bin? Wegen deinem scheiß Rap!”
Satz der Woche davor, aufgeschnappt bei einer Lesung:
“Ah, hallo, ich hab dein Manuskript gelesen, schade, dass es keiner genommen hat.”