# Kinobefehl: Exit Through the Gift Shop

ettgs

„I guess my ambition was to make a film that would do for graffiti art what ‘The Karate Kid’ did for martial arts — a film that would get every schoolkid in the world picking up a spray can and having a go…As it turns out, I think we might have a film that does for street art what ‘Jaws’ did for waterskiing.“

Zu erwarten war, trotz des obigen Zitats von Banksy, dass mir die Doku schon irgendwie gefallen würde, schließlich kann ich mich auch für Karate Kid, Liebe zwischen Vampiren und Menschen, Multieffektboards und viele andere Dinge begeistern, die einem Großteil der Allgemeinheit wahrscheinlich sowas von… Dass also nicht nur ich, sondern auch das Feuilleton bereits in überschwänglichen Metaphern applaudiert und die Doku ganz großartig findet, ist umso besser.

Auf der Internetseite zum Film steht, dass es um die “incredible true story how the world’s greatest Street Art movie was never made” geht und falls jemand glaubt, beim “Banksyfilm” gehe es hauptsächlich um Banksy, der mag vielleicht recht haben, aber wird ob der sich größtenteils nicht um Banksy drehenden Handlung ein wenig beunruhigt, doch am Ende keinesfalls enttäuscht sein (toller Satz, so viel Weisheit).

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

# Ein Urteil und eine offene Frage

Kann ich denn jetzt anfangen, meine Bachelorarbeit zu schreiben oder muss ich den Schluss noch variabel halten?

Auch wenn man an meinem momentanen Aufenthaltsort wenig Verständnis dafür haben wird und stattdessen in der Tube auf schätzungsweise 5 mal 5 Metern Decke mehr als 10 Kameras zählbar sind, sagt man dazu im Internet, soweit ich weiß, nelson.wav, liebe EU und liebe Regierung.

# Postprüfungstraumata

Will man in die sportwissenschaftliche Bibliothek, so muss man an der sportwissenschaftlichen Fakultät vorbei, ehemals DfHK, Deutsche Hochschule für Körperkultur, deren Faschingsfeiern ein mysteriöser Ruf voraus eilt. Einmal traf ich vor ihrem Eingang einen weinenden Mann in einem Schweinskostüm, der einer Katzenfrau hinterher schrie, dass er das nicht verdient hätte.

Will man jedenfalls in die sportwissenschaftliche Bibliothek und findet sie nicht, muss man den Pförtner fragen (”Da in das umzäunte Gebiet rein, durch den Säuleneingang, dann rechts!” “Danke!” “Moment moment, junger Freund, da sind sie aber noch lange nicht in der Bibliothek!” “Oh!”) und darf zu Belohnung feststellen, dass wenigstens an diesem Tag der Anteil an Jogginghosen überproportional groß ausfällt. Auf dem Gang spricht jemand über den neuen Bushido-Film und man fühlt sich ein bisschen schuldig, ihn auch schon gesehen zu haben. Ansonsten das Standardrepertoire an Bibliotheksbesuchern, nur straffer, Sportbibliothek eben: viele lesen, manche surfen, zwei schlafen und einer hat Schlappen mitgebracht. Die Unruhe im Raum steigt schnell, sobald sich eine Sportstudentin vor einem Bücherregal räkelt.

Ist es Anzeichen dafür, dass mein Büchergeschmack exquisiter wird, wenn ich seit einiger Zeit Bücher immer aus dem Magazin bestellen muss? Warum bürdet man es sich auf, eine Arbeit über Tradition und Identifikation im Fußball zu schreiben, wenn man bis auf die heimliche Faszination für Hooligans und Ultras kein Interesse daran hat? Dennoch, es ist nett zu sehen, dass sich selbst darauf noch Überlegungen von Adorno anwenden lassen, knie nieder, Max Weber!

Semesterferien, das heißt, mal wieder in die Bibliothek zu gehen, immer noch nicht verstanden zu haben, welche Bücher man ausleihen darf und welche nicht, das Nötige direkt an einem der Hier-bitte-kein-Laptop-Tische lesen und mitunter feststellen, welche unangenehmen Geräusche menschliche Körper beim normalen Betrieb von sich geben – dann schnellstmöglich wieder zu verschwinden, feststellen, dass man etwas vergessen hat und das Prozedere von Neuem durchlaufen, bis das hauseigene Glockenspiel endlich alle Anwesenden erlöst und den Feierabend läutet.

Satz der vergangenen Woche, aufgeschnappt in Mannheim:
“Ey und weißt du, warum ich heute früh wach geworden bin? Wegen deinem scheiß Rap!”

Satz der Woche davor, aufgeschnappt bei einer Lesung:
“Ah, hallo, ich hab dein Manuskript gelesen, schade, dass es keiner genommen hat.”

# Langsam reicht’s

Zwar war das Bild des verschneiten UK wirklich hübsch anzuschauen (auch wenn es jedem Fotografen bei solch einer Aussage sicher die Zehennägel zusammenrollt, es war ja ein Satellit!) und anfangs war es noch witzig, Menschen aller Couleur vorsichtig durch die Stadt stampfen und manchmal unfreiwillig auf den Gehwegen entlang surfen zu sehen.
Jetzt, nach mehr als 2 Monaten Kälte, bei der man sich überlegen muss, ob es den eigenen Fingern nicht erheblich schaden könnte, vor der Vorlesung noch eine zu rauchen, man sich ernsthaft verflucht, wenn man den falschen Nachtbus nach Hause nimmt und es viel zu spät erst bemerkt, wenn die Angst vor der Heizkostenabrechnung Großteile des eigenen Daseins bestimmt, jetzt reicht es langsam.
Ich habe keine Lust mehr, die Schuhe vor der Tür stehen lassen zu müssen, da die sich wieder verwässernden Schneehaufen an ihren Sohlen sonst aus dem Flur ein Schwimmbad und dem Parkett einen unendlich Geld vernichtenden Reperaturfall machen. Ich will nicht mehr die Ausrede ob der Witterungsverhältnisse hören müssen, wenn jemand zu spät kommt oder die Straßenbahnen kaum noch fahren (und ich will mich nicht zwischen fremde Menschen und deren eigentümliche Körpergerüche quetschen müssen, wenn sie dann doch einmal fahren).
Heute morgen die Gardinen zu öffnen und es wieder schneien zu sehen, war dann doch zu viel. Der Mainz-Fall* ist eingetreten. Es nervt mich jetzt schon, nach dem Einkaufen wieder nasse Haare (oder eine nasse Mütze, Kapuze, whatever) zu haben. Winter, hau ab!

* Als wir Ende letzten Jahres zur Team Tour mit mehreren Stunden Verspätung in Mainz ankamen, noch nichts gegessen hatten, nicht am Hauptbahnhof ausgestiegen waren und eine gute Stunde vollbepackt durch Mainz laufen mussten, um irgendetwas in Richtung Gastronomie aufzutreiben, bewegte ich mich ausschließlich lauthals schimpfend vorwärts – alles war scheiße und Mainz hat es abbekommen. Zum Glück war der spätere Auftritt großartig.

# Reboot

Dann kommt es einem immer wie ein Neustart vor. Als wäre man gerade nach 2 Stunden besoffen auf dem Klo erwacht, weil man endlich das Hämmern der Securities an der Tür wieder hört. So als könne man diese 2 gewonnen Stunden jetzt wieder auf dem Dancefloor investieren, wo sie gerade Beasty Boys mit 2Unlimited mixen. Aber eigentlich ist man nur mal wieder dem Wecker gefolgt, endlich wieder, ohne immer nur auf ihn einzuschlagen, weil es keinen Grund für ihn gibt, sondern weil es ein gutes Gefühl ist, der Morgen.

Dann überlegt man es sich länger, wann der richtige Zeitpunkt für die erste Zigarette ist, putzt sich zwischenzeitlich durch die Wohnung oder tut etwas für das große U, das fühlt sich gut an. Vielleicht hängt man so viel an der Gitarre, weil sie absolut nichts von einem fordert. Keine Songs, die geschrieben werden müssen, kein Umherfahren, und die Hautfetzen an den Saiten sind mehr Entspannung als alles Andere.

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