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24/2013

17. Juni 2013, a week in pictures

 

Quiet times are quiet. Ein bisschen abhustlen im Park und die Anderen beim Tischtennis abziehen, auch wenn ich gar kein Tischtennis kann. Dennoch ist es meine größte Stärke, dass es mir völlig egal ist, ob ich gewinne oder verliere. Und allein dadurch entwickle ich hin und wieder Kräfte, wie nur wir Super-Saiyajins sie haben können. Folglich gewinne ich somit fast automatisch gegen alle, die unbedingt gewinnen müssen und ruiniere ihnen erfolgreich die Woche. Alternativ kann man auch einfach erklären, man habe eigentlich keinen richtigen Grund, jemals vor Mittag aufzustehen.

Darauf wird es sich dann ab jetzt wohl beschränken. Eigentlich total schrecklich, dass es als ganz normal hingenommen wird, dass sich ab einem bestimmten Zeitpunkt alle voneinander entfernen, man sich richtig umständlich Termine ausmachen muss und so weiter. Und man dann doch nur davon erzählt, was man sonst so macht, um sich gegenseitig auf den letzten Stand zu bringen. Aber so muss das wohl sein. Trotzdem verstehe ich es nicht. Und vielleicht habe ich genau deshalb auch keine Lust darauf. Wenn schon alle es so machen, dann muss ich nicht auch noch mitmachen. Ein Satz, der völlig unglaubwürdig, wenn man drei praktisch identische Fahrräder auf einem Haufen fotografiert hat. Aber so sind wir Super-Sajyajins, voller Widersprüche.

Es müssten jetzt so circa zehn Jahre sein. Was die kleine Bestandsaufnahme auch gar nicht so imposant macht, zumal sich eigentlich viel digital abgespielt. Und wenn insgesamt 1% davon brauchbar sind, ist das wahrscheinlich sehr viel. In den Kisten daneben lagert übrigens seit anderthalb Jahren das 'Prokrastination für Anfänger'-Set und wartet auf Benutzung. Ich weiß auch längst nicht mehr, woraus es eigentlich besteht, aber vielleicht schau ich morgen mal rein.

Und das ist Berlin. S-Bahnhof ICC Messe Nord, um genau zu sein. Mich fuhren drei nette Herren, die sich praktisch die ganze Zeit mit einander unterhielten, ohne dass ich hätte verstehen können, welche Sprache sie sprechen oder was sie sich erzählen. Trotzdem waren sie sehr nett. Wenn der Mann neben mir mal wieder einen übelsten Hustenanfall bekam, dann spuckte er seinen Auswurf aus dem Fenster, verfehlte jedes Mal knapp ein vorbeifahrendes Auto und warnte mich wohlmeinend: 'Kommt alles von Zigaretten! Rauchen ist nicht gut!' Keine Ahnung, was die Männer in Berlin machten, immerhin habe ich ihnen ja auch nicht verraten, dass ich unterwegs zum Wetten-dass-Casting war. Geht auch niemand etwas an.

Jayne bewohnt seit letzten Sommer schon das eine Geldscheinfach meines Portemonnais. Weiß auch nicht, wieso, aber ich finde, es hat etwas für sich, immer eine Cheerleader-Sammelkarte bei sich zu haben. Genau wie ich nachwievor auf mein 1-Dollar-Schein-Lesezeichen schwöre, auch wenn dessen Benutzung spätestens bei meinem Kindle etwas schwierig wird. Außerdem birgt meine Jayne-Sammelkarte nachwievor diese tolle Geschichte, als wir in Chicago beim Fußballspiel im Baseballstadion waren. Als es vorbei war und wir zurück zum Auto liefen, kamen wir an einem Retro-Store vorbei, wo es unter anderem Cheerleader-Sammelkarten, Batman-Postkarten und ALF-Kaugummi gab. Ich kaufte mir einen Alf-Kaugummi, freute mich über die schönen Alf-Karten und Alf-Sticker und steckte mir nebenbei den Kaugummi in den Mund, ohne zu bemerken, dass er schon 1992 abgelaufen war. Das Ding zerfiel mir im Mund quasi zu Staub und hinterließ einen Geschmack, als habe mal genau auf dem T-Shirt eines pubertierenden Teenies nach einem Justin-Bieber-Konzert gekaut. Schrecklich. Aber immerhin eine gute Erinnerung.

Und dann wurde Berlin ganz wetterunabhängig plötzlich so gut wie nie. Besser als Cola-Light-Trinken und Erdbeereis-Essen in der DB-Lounge am Hauptbahnhof. Besser als das Gefühl, damals mit schulterlangen Haaren und kaputten Schuhen an den wütenden Türstehern des Weekends vorbei marschieren zu dürfen, weil irgendjemand irgendwen kannte. Besser als S75-Fahren und die Ansage auf dem Bahnsteig zu hören: 'Zug na Ahrenfelde, zurück blei'm bitte! ZURÜCK BLEI'M HA ICK JESACHT, DU KNALLO DA, EY!' Ich bin gespannt.

Die Sachsenbrücke. Und plötzlich weiß man, wer diese ominösen Menschen sind, die tatsächlich Mixbier trinken. Menschen, die Einweggrills kaufen und darauf Formfleisch braten, aber strengstens darauf achten, dass der Jute-Beutel aus Fairtrade-Wolle hergestellt wurde. Aber ich mecker da nicht. Immerhin habe ich freiwillig alle Gilmore-Girls-Staffeln geguckt, habe eines dieser In-Fahrräder und auch Sex-and-the-City fand ich gut. Aber spätestens, wenn dann ein paar Idioten tatsächlich anfangen, Frei.Wild durch ihre mitgebrachten Boxen zu drücken und niemand etwas dagegen sagt, bekommt das alles einen komischen Beigeschmack, der mindestens an Kaugummi von 1992 erinnert. Und dann fragt man sich, warum da niemand etwas sagt und denkt sich, dass vielleicht alle einfach nur auf so einen S-Bahn-Mann warten, der das nicht auf sich sitzen lässt und einfach mal brüllt: 'Den Müll bitte ausmachen, DEN MÜLL SOLLT IHR AUSMACHEN, IHR KNALLOS, EY!'

23/2013

10. Juni 2013, a week in pictures

 

Und dann war Hochwasser. Sogar in Leipzig, obgleich es hier gar keinen so reißenden Strom wie die Elbe oder die Saale gibt. Aber Leipzig hat eben alles, auch Hochwasser. Und weil ich mitten im Hochwassergebiet der Stadt wohne und längst Katastrophenalarm ausgelöst worden war, war ich also den gesamten Montag damit beschäftigt, meine gesamten Wertsachen in den Keller zu räumen, damit sie überschwemmt werden und ich mich dank Versicherung neu einrichten kann. War aber nicht so. Kam nicht mal übers Ufer, das Wasser. Muss ja auch nicht sein. Aber es sah schon ganz imposant aus, wie schnell das Flüsschen plötzlich war und wie des öfteren ein Regal vorbei geschippert kam. Mein Beileid jedenfalls für alle, die das Hochwasser wirklich getroffen hat.

Seit ich nicht mehr in den Genuss eines Semestertickets komme, fahre ich wieder verstärkt Fahrrad. Leider ist mein Fahrrad eines dieser Mordgeräte und mir spätestens seit dem ersten Sturz nicht mehr so ganz geheuer. Aber damit fahren muss ich trotzdem, ich habe keine Wahl. Glücklicherweise ist neuerdings ja wieder regelmäßig kalt, sodass ich wenigstens nicht nur mit T-Shirt unterwegs bin und mir im Falle des Falles (Wortwitz, haha!) wieder die kompletten Arme aufreiße. Aber es macht ja auch irgendwie Spaß. Und dieser athletische Body, den man automatisch davon bekommt, ist auch ganz okay. Besser jedenfalls als beim Bowling, wo man nur einen dicken rechten Arm und Muskelkater in der linken Pobacke bekommt.

Und dann wurde doch noch evakuiert. Nicht ich, aber zumindest die alten Leute dort. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn die Polizei doch, wie zuerst angedroht, mit dem Megafon durch die Straßen gefahren wäre und alle aus dem Bett gescheucht hätte. Vermutlich hätte ich mich gar nicht evakuieren lassen. Zumindest nicht, solang es noch Strom gegeben und ich weiter hätte Anno spielen können. Nein, natürlich nicht. Was nimmt man in solch einem Fall denn mit? Die Notizbücher, die Gitarren, die Bowlingkugel, den Laptop und den Team-Sieger-Kranz vielleicht. Und eine Tüte Chips nebst einer Flasche Cola für unterwegs. Naja, Glück gehabt.

Ich hatte schon fast befürchtet, mein Kopf hätte nicht mitbekommen, dass sich das Wetter mal wieder andauernd ändert. Aber glücklicherweise kamen dann doch nicht die unendlichen Kopfschmerzen. Es ist eben doch Verlass auf ihn. Ein bisschen gewöhnt man sich ja daran, irgendwie aber auch nie. Und das Schlimmste an diesem dauernden Regen-Sonne-Rhythmus ist, dass es genau dann regnen muss, wenn eigentlich das große Völkerball-Turnier im Park stattfinden sollte. Eine Schande. Deshalb: Vorhänge zu, Schlafbrille auf und abwarten.

Die Autobahn. Völlig ungewohnt, mal mit dem Auto unterwegs zu sein. Muss ich auch nicht dauernd haben. Zumal ich im Auto völlig handlungsunfähig bin, weder lesen noch in der Gegend herumschauen kann, sondern einfach nach vorn gucken oder schlafen muss, damit mir nicht schlecht wird. Im Zug ist das komischerweise anders. Nunja, trotzdem mit dem Auto unterwegs gewesen. Hier irgendwo auf dem Weg nach Osnabrück. Noch lachten wir über die armen Leute auf der anderen Seite, nur um auf der Rückfahrt am nächsten Tag genau dasselbe Schicksal zu teilen. Ansonsten ist der Weg von Leipzig nach Osnabrück denkbar unspannend. Okay, es ist schon witzig, dass gerade durch den Luftkurort Bad Oyenhausen eine Autobahn führt. Aber darüber hinaus, nichts. Osnabrück an sich ist eine witzige Stadt. Sie sieht aus, als hätte man sie komplett 1950 erbaut (bis auf diesen wunderschönen Bahnhof) und dann einfach so gelassen. Außerdem gibt es überall Blitzer und Idioten, die einem im Backstage Geld klauen, während man mal kurz auf der Bühne ist. Das Publikum aber ist nett und die Lagerhalle macht exorbitant gute Pizza.

Ich hatte ja schon an anderer Stelle darüber geschrieben. Mittlerweile habe ich auch schon ein paar Geschichten gelesen und es ist wirklich sehr lustig geworden. Und dazu noch die schöne Kolumne, fetzt. Und wird doch. Als nächstes dann das Streiflicht und der obligatorische Jahrhundertroman. Oder Pro-Bowling, mir egal.

Und zum Abschluss nochmal ein bisschen Autobahn, wobei schon nach einer Viertelstunde der Anruf kommt, dass man wieder umkehren darf, weil die Veranstaltung buchstäblich ins (Hoch-)Wasser fällt. Eigentlich ein Wunder, warum man erst so spät auf die Idee kommt, aber naja. Ein bisschen Kontemplation beim Dahinrauschen hat auch was für sich. Jetzt noch ein kurzer Endspurt und dann ist Ruhe. Ruhe, um eigentlich keine Ruhe zu haben. Die aber immerhin nicht durch Unruhe im Sinne des Umherfahrens gestört wird.

22/2013

3. Juni 2013, a week in pictures

 

Während in Leipzig neuerdings regelmäßig die Welt untergeht und Ostsachsen mittlerweile komplett unter Wasser steht, scheint es direkt hinter der Stadtgrenze immer sonnig zu sein. Keine Ahnung, ob da ein unsichtbares Gebirge rund um Leipzig existiert, an dem sich gerade alles abregnet, was geht. Aber vielleicht heißt das ja auch, dass es bald nur noch sonnig wird und das wäre angesichts dessen, dass ja doch bald Sommer ist, ganz okay. Und falls einen die Sonne dann doch zu sehr nervt, kann man ja immer noch nach Schweden oder wahlweise Hamburg fahren. Wenn Leipzig jedenfalls wirklich so cool wäre, wie alle sagen, dann müsste es mindestens in Kalifornien oder Südfrankreich liegen. Denn im Regen wirken die ganzen Street-Art-Stencils, Aufkleber usw. auch irgendwie traurig und deplatziert. Aber sowas sieht man bei Google Maps eben nie. Die fahren ja nur bei Sonnenschein.

Auch wenn Münster etwas kleiner als Leipzig ist, finde ich es irgendwie viel hipper als hier. Soll heißen: Mehr Dreiecke, mehr Indiepop und mehr Pasteltöne. Kann aber auch daran liegen, dass allein das Sächsisch hierzulande Einiges verfälscht. Wenn so ein Leipzig-Hipster zwar wie aus einem tumblr gerissen aussieht, aber trotzdem 'Glick aaaf!' zur Begrüßung sagt, kann man das einfach nicht so ernst nehmen. Außerdem hat die Kelly-Welle der 90er-Jahre hier ziemlich viel fruchtbaren Boden vernichtet, der heute noch für so manche Subkultur unbrauchbar ist. Da wird dann immer noch fröhlich abends im Park vor sich hin gechantet und getrommelt, bis das Batikhemd platzt. Kein Wunder, dass sich hier in den Supermärkten die Mate stapelt. Völlig falsche Zielgruppenorientierung.

Runde 1. Dreißigtausend Andere und icke. Das war schon ganz nett. Bzw. nicht so geil für die zwei Balljungen, die die Böller der Traditionsbewahrer abbekamen. Aber das müssen die ja am besten wissen, wie sie sich nach außen präsentieren wollen. Ich würde nur schätzen, dass solcherlei Schlagzeilen genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich erreichen wollen. Aber lassen wir das. Ich habe mich eigentlich nur 90 Minuten lang um den Capo gesorgt, der bei diesen Temperaturen praktisch nichts als rote Vollkörperbemalung trug. Nicht, dass der Arme jetzt total krank im Bett liegt, weil Wick Medinait versagt hat?! Am Ende: Ein bisschen Glück und die bessere zweite Hälfte, läuft.

Und dann: Roadtrip! Hier waren wir noch nicht so weit gekommen. Dort vorn ist übrigens dieser überdimensionierte Einkaufsbunker, in dem sogar eine eigene Garderobe zum Jackenabgeben existiert, damit man am besten den ganzen Tag darin verbringt. Drinnen sieht es ein bisschen so aus wie in den Minen von Moria und wenn man Pech hat, begegnet man reihenweise Innenstadt-Orks, die dort ihr Unwesen treiben. Ich mag Einkaufszentren überhaupt nicht. Eigentlich mag ich nicht mal die Läden darin. In Klamottenläden gehe ich aus Prinzip nicht mehr, seit einst eine Verkäuferin zu mir sagte: 'Ja ja, guck ruhig erstmal ein bisschen nach links und rechts, das ist auch alles ein bisschen viel für einen Mann.' Lange habe ich damals überlegt, ob ich einen #aufschrei starten oder den Laden einfach abbrennen sollte. Am Ende entschied ich mich dann doch für das Naheliegendste: Ich kaufe nie wieder neue Klamotten. Das spart Geld und lästige Entscheidungen. Und wenn ich irgendwann einmal reich bin, dann kaufe ich halt diese Ladenkette mit der doofen Verkäuferin und schließe sie. Hat sie dann davon.

Roadtrip Teil 2: Die Anderen hatten den tollen Plan, uns übelst zu verarschen. Dazu leiteten sie uns einfach mal völlig falsch und mitten den Busch, bis wir an diesen hübschen kleinen Fluß kamen. Wären wir zufällig mit unserem Monstertruck unterwegs gewesen, wären wir vermutlich durchgefahren, aber der Porsche macht so etwas einfach nicht mit. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Umweg für diesen Riesenjoke nur etwa 10 Kilometer betrug und man sich auf halben Weg schon komplett den Unterboden ruiniert hatte. Aber ist ja nur Material. Obwohl ich immer noch darauf hoffe, dass sich das Auto irgendwann als schüchterner Transformer outet, der sich bis dato einfach noch nie getraut hat, sich vor unser aller Augen zu verwandeln. Sei's drum: Wir kamen an.

Roadtrip Teil 3: Die Schriftsteller-Gang geht traditionell wandern. Das ist zwar ziemlich Ü30 und irgendwie doch immer anstrengend, aber weil unsere Leben so trist sind, machen wir es trotzdem immer wieder. Diesmal in Tschechien, wo die Gastwirte noch angewidert und völlig zu recht die Augen verdrehen, wenn man etwas Anderes als Knödel bestellt. Auch in Tschechien regnete es ab Freitagnacht eigentlich nur noch, was dazu führte, dass große Teile der Böhmischen Schweiz den Hang hinunter gespült wurden und die Passierbarkeit, allem voran aber das Bewandern von Natur und Straße ein wenig erschwert wurde. Und weil die Körper dem entsprechend wenig gefordert waren, ging es geistig umso heftiger hin und her, es wurde getrunken debattiert, getrunken gefachsimpelt und getrunken philosophiert, bis der Morgen graute und die Singvögel nach der Moldau flöteten. Aber immerhin einmal hat es geklappt mit dem Gewandere. Und das sah in etwa so aus, wie auf obigem Bild.

Natürlich mussten sie es knapp machen, anders ist man es ja gar nicht gewöhnt. Aber trotzdem durften sie sich nun endlich aus dieser doofen Regionalliga verabschieden. Endlich keine Spiele mehr auf vereisten Äckern, auf denen zuvor ein wild gewordener Pflug Amok gelaufen ist, endlich nicht mehr diese Fünfteilung der Liga, die immer das 'Naja, es war ja schon einer der leichteren unter den fünf Ligen'-Gerede hervor bringt, endlich wieder ein Schritt nach oben. Alles Gerede hin oder her: Eine Saison ungeschlagen, inkl. Testspiele und Relegation, Landespokalsieger und Aufsteiger, das muss erstmal jemand nachmachen. Am Ende: Pech kurz vor Schluss, grandioses Comeback in der Verlängerung. Ab jetzt drücke ich Jena die Daumen. Reicht aber auch erstmal für eine Weile. Die Sommerpause rückt ja auch bei uns näher. Und ein bisschen freue ich mich darauf, auch wenn ich eigentlich genug zu tun habe. Aber dazu vielleicht später mal mehr.

21/2013

27. Mai 2013, a week in pictures

 

Mittwoch waren wir mal kurz beim Song Slam in Leipzig, um dort alles in Schutt und Asche zu gewinnen ein bisschen auf unsere Megamegamegashow am 3. Juli aufmerksam zu machen. Das wird sicher gut. Es wird viele Highlights geben, wie z.B. eine Konga-Schaukel, eine Losbude und in der Pause modelliert Julius die beliebtesten Tiere des Leipziger Zoos aus Hackfleisch. Nebenbei tragen wir ein bisschen Texte vor, zeigen, wie man mit Samuraischwestern und verbundenen Augen Gemüse zerteilt und das war's. Danach gehen wir alle in irgendeine Innenstadtdisko und bleiben so lange, bis der DJ endlich einen Track von ATB spielt.

Dieses Bild soll mich daran erinnern, wie das Wetter momentan und rein theoretisch aussehen könnte. Dass es in Wirklichkeit gerade anders aussieht, wissen wir ja. Ich glaube, momentan hinken wir wettertechnisch etwa einen Monat hinterher. Vielleicht wird sich das ja im nächsten Jahr einfach fortsetzen. Dann wird es erst im Juni so wie jetzt und bleibt bis zum Tag der Arbeit unter dem Gefrierpunkt. Nicht so schön. Andererseits trifft man bei schönem Wetter dauernd Leute, die man irgendwie kennt. Aber weil man mittlerweile total kurzsichtig ist und Gesichter sowieso erst erkennt, wenn die Leute längst 'Ey! Wieso kommen Sie mir so nahe, Sie Flegel! Iiiiih!' rufen, erkennt man natürlich niemanden, bzw. erst dann, wenn man die Leute schon längst hätte erkennen müssen. Und dann wirkt es so, als wolle man sie ganz bewusst nicht erkennen, dabei hat man nur einfach die Chance verpasst und jetzt wäre es total albern sowas wie 'Heeeeeeeeey, ja, sorry, ich hab dich gar nicht gesehen. Ja ich weiß, ich stand direkt neben dir, aber heeeeeeeey, schön dich zu sehen!' zu sagen. Und dann sagt man gar nichts, fühlt sich total schlecht dabei, weil man so arrogant gewirkt haben muss und denkt sich 'Einfach wegziehen!'

Der gute Tony. Mit einem der besten Enden der Seriengeschichte. Hach, wie schön diese Serie ist. Für alle, die nicht wissen, wovon ich spreche: The Sopranos. Seit ich diese Serie zum ersten Mal sah, habe ich mich immer wieder gefragt, wie man mit seinem Job glücklich sein kann, wenn man nicht für Tony Soprano arbeitet. Ich sage mal vorsichtig: Spoiler-Alarm! Und noch immer frage ich mich, warum Christopher so ein guter Schauspieler, aber so ein miserabler Drehbuchautor war, wo er doch die besten Stories direkt vor der Nase hatte? Und warum musste ausgerechnet Silvio mehr oder minder dran glauben? Der wirklich allerallerbeste Charakter überhaupt? Der Mann, der diese Unterlippe nicht nur gespielt, sondern gelebt hat! Fragen über Fragen. Ich jedenfalls würde sofort in Tonis Müllfirma anfangen, obgleich ich ein bisschen Angst davor hätte, in den ersten Monaten allabendlich die Tausend-Dollar-Rechnungen fürs Essen zahlen zu müssen. Aber das hat der gute Christopher schließlich auch überstanden.

Nimm das, Amélie Poulain! Chips sind sowieso besser, selbst wenn es diese billigen sind, die eigentlich aus Bauschaum, Paprika und Salz bestehen. Sei's drum, Chips gehen immer. Und sobald die Chipshersteller es endlich einsehen und wieder diese riesigen Chips-Tonnen verkaufen, werde ich mir davon einen riesigen Vorrat zulegen. Bis dahin muss dieses Chips-Methadon einfach reichen.

Bestimmt schon tausend Mal fotografiert, aber das ist mir egal. Irgendwo zwischen Koblenz und Luxemburg. Ich hatte gerade einer Öko-Frau ihren reservierten Fensterplatz gestohlen, die allerdings zu antiautoritär unterwegs war, als dass sie sich getraut hätte, mich anzuschreien, wie sie es offensichtlich am liebsten getan hätte. Stattdessen verbrachte sie geschlagene anderthalb Stunden damit, neben mir zu sitzen und ununterbrochen zu seufzen. Leider zieht sowas bei mir überhaupt nicht. Gerade in Situationen, in denen dem Hulk direkt mal der Kragen platzt, zeigt sich meine Superkraft: Unendliche Ruhe. Da kann die Amarant-Biene so viel seufzen, wie sie will. Da strecke ich sogar noch meine Füße in ihre Richtung und gehe alle 5 Minuten auf die Toilette, damit sie zu Hause erstmal ihre ganze Wut beim Getreide-Mörsern ablassen muss. Da kenn ich nichts.

Das schöne Luxemburg. Leider nicht im Bild: Dieser fetzige, Grund genannte Stadtteil nördlich der Innenstadt, der in einem riesigen Kessel rund 30.000 30 Meter tiefer als der Rest der Stadt liegt und nur durch einen gewagten Fallschirmsprung einen Fahrstuhl erreicht werden kann. Na gut, Auto geht auch. Bus auch. Aber die bevorzugte Möglichkeit ist und bleibt das Freeclimbing. Glaube ich. Luxemburg ist, wie gesagt, sehr schön. Die Menschen sprechen abwechselnd Deutsch, Englisch, Französisch und dieses wie niederländisch-deutsch klingende Letzeburgisch. Manchmal wechseln sie mitten im Satz dreimal die Sprache, nur um sich zu vergewissern, ob sie es mit einem Einheimischen oder einem Zugereisten zu tun haben. In Luxemburg ist alles vergleichsweise teuer. Burger für 18 Euro, kein Ding. Eine solche Kaufkraft erreichen die Luxemburger, indem sie ihre Busfahrkarten nahezu mikroskopisch klein drucken und das gesparte Papier in Aktien investieren, von denen sie alle steinreich werden. So oder so in etwa muss es funktionieren.

Wolfsburg und das perfekte Wetter für Menschen, die mit ihrer Gefühlswelt kurz hinter den 90ern hängen geblieben sind und bei ATB total sentimental werden. Immer, wenn es regnet, muss ich den ganzen Tag aus dem Fenster gucken, ATB hören und von einer steilen Karriere als Trance-DJ träumen. Wenn ich dabei in einem Zug sitze und an Städten wie Braunschweig oder Wolfsburg vorbei fahre umso besser. Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der ATB nicht mag. Und wenn ich an die Gagen eines DJ-Kumpels denke, möchte ich mir nicht vorstellen, was wohl ATB pro Auftritt verdient. Okay, er muss dann natürlich auch das ganze Volk ertragen, das noch immer mit Knicklicht im Mund und Plastikschlaghose am Bein unterwegs ist, aber für solche Beträge würde ich gnädigst darüber hinweg sehen. Und vielleicht sogar noch vorher welche im Anglerbedarf meines Vertrauens besorgen und verteilen.

Ich zitiere einfach mal: 'Okay, wir hamm's kapiert, ihr wollt nicht nach Berlin / Aber deshalb müsst ihr doch nicht gleich auch nach Leipzig zieh'n!' - Wobei, ein paar Leuten sei es gegönnt. Und trotzdem ist es mittlerweile wirklich ein bisschen unheimlich, von wie vielen Leuten man neuerdings hört, dass sie in absehbarer nach Leipzig ziehen wollen. Wo sollen die alle hin? Hat Porsche nicht explizit nur 1.400 Mitarbeiter gesucht? Wie viele Geisteswissenschaftler kann die Sachsenbrücke aushalten, bevor sie an einem Samstagnachmittag wirklich mal einstürzt? Sind nicht bald alle Straßenschilder, Fahrradständer und Brückengeländer komplett vollgehäkelt? Immerhin: Mehr Leute in Leipzig heißt auch: Weniger Bärlauch. Ich kann's nicht mehr riechen, ehrlich. Immer diese schreckliche Jahreszeit, in dem einem die Leute schon von weitem ihr selbst zusammengepanschtes Bärlauchpesto andrehen wollen, für das sie extra im Park dieses total seltene, weil nur an jeder zweiten Ecke wachsende Kraut gewildert haben. Und dann verneint man höflich, verabschiedet sich und sie haben einfach trotzdem wieder vierzig Gläser in die Tasche geschmuggelt. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Bärlauch, aber diese Geballtheit von Hipness und Bärlauch in dieser Stadt strengt mich manchmal einfach ein bisschen an. Und wenigstens die Bärlauchsaison ist ja bald wieder vorbei. Betrachten wir es als guten Anfang.

20/2013

20. Mai 2013, a week in pictures

 

München. Schwabing, um genau zu sein. Dort, wo im August 2012 die Fliegerbombe gesprengt wurde. Wäre die Bombe in Leipzig gesprengt worden, stünde an gleicher Stelle vermutlich mittlerweile eine schöne Stadtvilla, an der dann täglich der Stadtführungsbus vorbei fahren kann. Jedenfalls habe ich es tatsächlich geschafft, mitten in München spießig genannt zu werden. Das muss man erstmal schaffen. Vielleicht versuche ich demnächst, in Stuttgart auf meine total individuellen Breuninger-Klamotten angesprochen zu werden. München ist übrigens die einzige Stadt, in der das Kunstprojekt des britischen Künstlers Luke Jerram, bei dem er überall in einer Stadt Klaviere aufstellen lässt, auf denen die Leute dann losklimpern sollen, gescheitert ist. Das ist allerdings nicht die Schuld der schönen Stadt München, sondern der widerlichen für die Kraft der Urheberrechte kämpfenden GEMA. Die verlangte nämlich zuerst einfach mal eine Pauschale von rund 5.000 Euro pro Tag pro Klavier, weil auf den Klavieren ja potentiell urheberrechtlich geschützte Musik gespielt werden könnte. So ein Verein schafft es doch immer, einem auch den schönsten Tag zu vermiesen.

Hier fotografiert der gute Sebastian23 gerade den Bayrischen Rundfunk bei unserer Aufzeichnung der Sendung Bühnensport mit Hannes Ringlstetter. Zum Glück war es am Drehtag sehr sonnig und warm, denn alle Beteiligten waren dazu angehalten, unbedingt so zu tun, als sei gerade Juli, weil die soeben aufgezeichnete Sendung erst im Juli ausgestrahlt wird. Spannend. Ansonsten natürlich wahnsinn. Mein Hotelzimmer hatte einen Balkon, Gerd Knebel von Badesalz kaufte mir eine CD ab, weil ich so arm aussah und ich musste mich den ganzen Abend über zusammen reißen, Reinhard Fendrich nicht zu fragen, ob er mal 'Und hier ist dein Herzblatt!' ins mein Handy rufen könnte. Spät abends sahen wir dann sogar noch Gerald Asamoah, wollten ihm aber kein Autogramm geben, weil das ein bisschen doof gewirkt hätte. Kurzum: Es war schön. Ich sag im Juli Bescheid.

Auf der Rückfahrt lehnte ich mich beim Schlafen aus Versehen auf den roten Knopf und schon war es passiert. Ich habe mich seit diesem Vorfall gewehrt, eine Nachrichtenseite aufzurufen, weil ich befürchte, Bayern ausgelöscht zu haben. Manchmal kaufe ich mir vor einer langen Zugfahrt einen Energy-Drink und einen Beruhigungstee, trinke beides ganz schnell hintereinander und warte, wer von beiden gewinnt. Oder ich steige mit zwei Mettbrötchen bewaffnet ein, versuche heraus zu finden, wo die nervigsten Passagiere sitzen, setze mich zu ihnen, esse meine Brötchen und atme dann fröhlich ein paar Stunden lang aus. Das hier muss jedenfalls irgendwo vor Nürnberg gewesen sein.

Was für ein Fest. Und ich hatte überhaupt keine richtige Lust, dort hin zu gehen, weil ich lieber Serien gucken weiter an meiner Doktorarbeit schreiben wollte. Nein, eigentlich lag es daran, dass ich kurz zuvor aus Versehen all meine Bookmarks gelöscht hatte und gerade mühsam mit der Rekonstruktion meiner unersetzlichen Sammlung beschäftigt war. Aber wenn man dann mit so etwas entschädigt wird, ist das schon in Ordnung. Jetzt ist es wirklich nur noch ein kleiner Schritt. Und dann werden die Karten endlich teurer geht's einfach weiter.

Ich weiß gar nicht, was so viele Leute an ihnen auszusetzen haben, denn ich finde sie tatsächlich ganz hübsch. Wird eben immer schweizerischer unser Geld, ist doch okay. Ich mag die Schweizer Geldscheine sowieso sehr, auch wenn sie notgedrungen im ersten Moment ein bisschen wie Spielgeld aussehen. Trotzdem ist es lustig, dass offensichtlich die Fahrscheinautomaten der Leipziger Verkehrsbetriebe keine neuen 5-Euro-Scheine annehmen, weil auch sie das neue Design doof finden. Zwar hätte ich da ein bisschen mehr Toleranz erwartet, aber okay, ist sind eben auch die LVB. Vielleicht sollten sie wirklich die Automaten einfach so lassen, wie sie sind, denn ich habe die leise Ahnung, dass ein 5-Euro-Schein-Erkennungs-Update die Fahrscheinpreise direkt um 20 Cent in die Höhe schnellen lassen könnte. Anderes Thema: Obwohl ich den tieferen Sinn des City-Tunnels noch nicht verstehe (wahrscheinlich, weil ich bei der Sache zu wenig Geld verdiene), scheinen einige der zahlreichen vier Stationen tatsächlich ganz hübsch zu werden. Das macht sie noch nicht sonderlich sinnvoll, ist aber in jener Hinsicht ein Fortschritt, da sinnfreie Bauprojekte meist auch besonders hässlich sind. Warten wir's ab.

Zum ersten Mal war ich tatsächlich in der Stadt, als die schwarzen Horden nach Leipzig kamen, um hier 'ihre Magie zu machen', wie meine Oma sagen würde. Nachdem ich mich also auf der wahrscheinlich einzigen Internetseite, deren Design seit 1998 nicht verändert wurde, entsprechend über all die Veranstaltungen, Konzerte und Treffen informierte, plante, notierte und schedulierte, fuhr ich doch einfach mal zur Agra und versuchte, Menschen beim Magie-Machen zu beobachten. Vielleicht muss ich mir irgendwann mal erklären lassen, welche verschiedenen Gothic-Spielarten es so gibt, denn so spontan stehe ich den ganzen Steampunkern, Cyber-Gothics- und ziemlich unheimlich anmutenden Uniform-Gothics in etwa so gegenüber, wie die Rentner, die mit offenen Mündern direkt vorm Eingang der Agra im Biergarten campieren. Aber es macht die dunklen Magie-Menschen immerhin sehr sympathisch, dass sie total zahm sind und nur furchterregend aussehen. Quasi wie ich.

Mit schwarzem Eis mit Aschegeschmack kriegt man mich ja praktisch immer. Nicht umsonst habe ich früher auch gern mal meinen Kartoffelbrei mit Lebensmittelfarbe rot oder grün gefärbt, bis ich keinen Hunger mehr darauf hatte, weil es einfach zu gruselig aussah. Was ich sonst bei diesem wunderbaren Wetter gern machen würde: Coole Speed-Aquarelle malen wie die Leute bei UrbanSketchers. Kann ich nur leider nicht.

Und das ist doch ein versöhnliches Wochenabschlussfoto. Gegenlichtmaniac in action. Cooler ist eigentlich nur der Schnauzbart-Astronaut, der im Weltall David Bowies Space Oddity gecovert hat. Oder unsere famose Lesebühne, die ganz heimlich auch noch am letzten Freitag statt fand und wie immer sehr schön war. Zumal wir uns etwas total schnauzbart-weltraum-coversong-mäßiges überlegt haben und unserem Namen entsprechend direkt nach der Saisonabschlusslesebühne am 23. Juni mit einem Stadtführungsbus zum Schkeuditzer Kreuz fahren und nur die coolsten unserer Stammzuschauer mitnehmen werden. Das wird sicher sehr lustig. Ich freue mich schon jetzt drauf. Speaking of gute Neuigkeiten: Es gibt noch mehr. Verrat ich aber nicht. Kommt Zeit, kommt Ansage.

Was fehlt: Ein Pogo-Stick.