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Heute ist unser letzter Tag in New York City. Gegen Mittag geht's zum Flughafen und dann wieder zurück ins schöne Leipzsch. Vielen Dank an die vielen Leser unserer Reiseberichte, die Kommentare und Mails. Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen endlich die ganzen Postkarten ankommen. Über Meldungen per Mail oder Kommentare freue ich mich natürlich sehr. Auf geht's.

Ich hätte ja nicht gedacht, dass in New York an einem Samstag mal einfach die Park Avenue South komplett gesperrt wird und statt Massen von Autos plötzlich alles voller Jogger, Spaziergänger und Inlinern ist. Passt alles nicht so richtig zu dem Bild der gefährlichen Stadt, das einem hier jeder vermitteln will. Ich würde es trotzdem nicht ausprobieren und nachts mit einem Bündel Geldscheine durch die Backalleys hüpfen, aber ich glaube die richtig krassen Zeiten sind spätestens seit 10 Jahren vorbei. Natürlich wird sich in der ein oder anderen Handtasche oder baggy pant noch eine Knarre befinden, aber vermutlich nicht dort, wo man als normalsterblicher André jemals aus Versehen landen wird. Außer abseits des Strands von Coney Island, da war ich wirklich froh, wieder an der Subway anzukommen.

Hier noch ein Bild von vor ein paar Tagen. Das sind wir auf der Brooklyn Bridge. Julius sieht ein bisschen geschafft aus, aber es ist auch alles ein bisschen überwältigend hier. Ich hingegen posiere schon so, als hätte das mit der Aufnahme in den Wu-Tang Clan tatsächlich funktioniert. Die Wasserflasche gehört hier einfach dazu. Man kann praktisch an jeder Ecke eine Flasche für 1 Dollar kaufen, nur um irgendwann im Supermarkt feststellen zu dürfen, dass man 24 Flaschen auch für 7 Dollar kaufen kann. Naja, immerhin ist das Wasser schön kalt.

New York City hard facts (endlich): In New York City leben rund 8,2 Millionen Menschen, in der Metropolregion rund 19 Millionen. Es gibt 5 Bezirke (Manhattan, Brooklyn, Queens, The Bronx und Staten Island), rund 500 Galerien, 200 Museen und 150 Theater. Bürgermeister Guliani reduzierte in den 90er Jahren mit seiner "Three strikes and you're out!"-Strategie die Kriminalität um ca. 77 Prozent. Seit 2006 befindet sich das New World Trade Center im Bau. Es wird mal 514 Meter hoch sein. In New York fahren 4.000 Busse auf 233 Linien, es existieren 6.000 U-Bahn-Wagen auf 27 Linien, die auf 1355km Schienen 476 Bahnhöfe befahren. Unter der Federal Reserve Bank an der Wall Street lagern 25% der weltweiten Goldreserven.

Die gute alte Bedford Avenue in Brooklyn. Wenn man Hipster ist und alte Klamotten zum Preis von neuen kaufen möchte, dann ist man hier an der vielleicht besten Adresse New Yorks. Alle sind jung und hip und sehen nicht gerade so aus, als ob sie sich tatsächlich die 1.600 Dollar Miete für ihr WG-Zimmer leisten könnten. Ansonsten gibt es noch fancy book shops, cafés, Plattenläden usw., halt alles, was ein richtig In-Viertel so braucht. Abgesehen von der Kultigkeit, den vielen Bars usw. wird der normale Durchschnittstourist aber vielleicht etwas enttäuscht sein, denn bloßes Lebensgefühl lässt sich eben schlect abpacken und als Souvenier mit nach Hause nehmen.

(Klicken zum Vergrößern) Brooklyn Bridge und Manhattan Bridge und East River, fotografiert von Brooklyn aus. Der geneigte Sex-and-the-City-Kenner wird immer noch denken, dass es von Manhattan nach Brooklyn eine halbe Weltreise ist, aber das stimmt nicht. Also vielleicht doch, aber nur, wenn man von ziemlich weit oben in Manhattan (Upper West Side oder so) nach ziemlich weit unten (Coney Island oder so) muss. Von Midtown nach Hipster-Brooklyn dauert es gerade mal eine gute Viertelstunde. Aber wer weiß, wo die gute Miranda auch in Brooklyn gewohnt hat.

New York City fun facts (auch endlich): Um 1840/50 lebten in New York etwa so viele Menschen wie heute in Leipzig (510.000). Die New Yorker Taxis sind gelb, weil der Gründer der Taxifirma gelesen hatte, dass mensch gelb am besten erkennt. 250 Filme werden pro Jahr in New YOrk gedreht. 4,9 Millionen Menschen fahren pro Tag mit der Subway.

Stichwort Graffiti: Ich hatte ja schonmal vermutet, dass sich Graffiti in New York anscheinend nur noch auf Dächern oder legalen Flächen abspielt. In Brooklyn in der Kent St Ecke South 3rd St habe ich zumindest dieses tolle Ding entdeckt. Ein echter COPE von ganz vom Anfang der Graffitiära, herrlich. Leider kam ich nicht dazu, großartig durch die Bronx zu laufen, aber ich vermutete einfach mal, dass man dort noch mehr finden kann. In Brooklyn gibt's immerhin schonmal ab und zu ein paar throw-ups und tags auf Augenhöhe.

Die haben hier gelbe Schreibblöcke! Und Pentel-Stifte zu Schleuderpreisen. Aus Angst vorm Zoll habe ich mich aber zurückgehalten und die Sache mit dem Eigenbedarf nicht allzu sehr übertrieben. Trotzdem: Geil! Über solcherlei Zeug freue ich mich dann doch am meisten. Die blöde Freiheitsstatue hat man ja doch schon tausendmal im Fernsehen gesehen. Und so viel anders sieht die in Echt auch nicht aus. Genug gepöbelt.

New Yorl City hard facts 2: Allein Brooklyn, bis 1986 eigenständig, wäre heute die viertgrößte STadt der USA. Seit 2005 ist New York die sicherste Stadt der USA. Auch wurde hier 1857 das Toilettenpapier erfunden. In New York gibt es 8 professionelle Sportmannschaften (aufgeteilt auf Basketball, Football und Eishockey). Und es gibt 2027 Brücken.

Stichwort Verrückte: Gibt es in New York erstaunlich wenig. Verglichen mit Berlin trifft man hier praktisch niemals jemanden, der nackt und nur mit einem Schlüsselbund um den Hals U-Bahn fährt oder um dessen Füße sich beim Warten an der Ampel ein kleiner See bildet. Klar, es gibt hier auch Obdachlose, aber alles relativ harmlos und praktisch nie durchgeknallt. Nur diesen jungen Herren fanden wir doch ganz witzig. Er spielte abwechselnd mit der Nase auf zwei Flöten und mit seinen selbstgebastelten Handpuppen. Vermutlich tanzt er abends dann irgendwo am Broadway.

Nochmal Manhattan von oben. Fetzt schon. Auch wenn ich Leipzig größer wirkt. Neenee, das ist schon alles sehr riesig hier. Aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell dran. Mittlerweile warten wir auch nicht mehr an Ampeln, gerade dann nicht, wenn Polizisten in der Nähe sind, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die einen eh nur anbrüllen, man solle doch endlich rübergehen.

New Yorl city fun facts 2: Etwas 100 Millionen China-Essenskartons gehen in New York pro Jahr über die Ladentheke. Insgesamt gibt es etwa 4.000 Straßenverkäufer in der Stadt und 12.700 Taxis.

Brooklyn nochmal. Wir sollten ja zu dieser Party. Und man sollte sich immer genau merken, ob man nun in die North 4th oder South 4th St sollte, immerhin sind das nicht dieselben. Sei's drum: Wir haben unterwegs noch ein paar Straßengangs überfallen und finanzieren uns den Rest unserer Reise durch Waffenhandel. Dort unten direkt am Wasser sieht es zwar ein bisschen furcheinflößend aus, aber so richtig Angst scheint man auch in Brooklyn nicht haben zu müssen. Immerhin haben die herumlungernden potentiellen Räuber meist eh mehr Angst um ihre 2000-Euro-Fixies als Lust, andere Leute zu überfallen. Zumal die meist sogar Bremsen haben und nicht wie echte Männer durch Gewichtsverlagerung bremsen, pff.

(Klick zum Vergrößern) Das Yankees Stadium in der Bronx. Hammerteil. Riesengroß, die Ränge unglaublich steil und unglaublich heiß. Ich hätte schwören können, dass ich einen Sonnenstich bekomme, stattdessen gehen mir jetzt die weißen Businessleute in Manhattan erfürchtig aus dem Weg. Baseball ist gar nicht so kompliziert, wie wir dachten und abgesehen davon, dass es vielleicht ein bisschen langatmig ist (das Spiel ging 3,5 Stunden), macht es doch sehr viel Spaß, dabei zuzuschauen. Meine unbedingte Empfehlung dafür. Die Karte kostete 50 Dollar (2. Rang), wobei man eigentlich von allen Plätzen gute Sicht hat. Je weiter man an der Homebase ist, desto besser natürlich. Allerdings kommt dann auch öfter mal ein Ball in die Zuschauerräume geflogen. Das Beste: Wir haben einen echten Homerun gesehen. Yeah!

Und das sind wir in totaler Fan-Montur. Eigentlich sind wir ja Chicago White Sox-Fans, zumindest sollen wir das sein, haben uns die Chicago-Leute befohlen, aber 1) war es auf dem Rang so heiß, dass wir die Mützen brauchten, um nicht weichgekocht zu werden und 2) wollten wir unbedingt solche tollen Finger. Die übrigens niemand zu kaufen scheint, außer den Touristen. Naja. Cool war's trotzdem.

Montag waren wir dann auch endlich mal _im_ Guggenheim Museum. Rischteh geil da. Wahrscheinlich das beste Museum in New York, wenn man moderne Kunst mag. Was Anderes gibt's dort eh nicht. Auch eine angenehme Größe hat es, obwohl einem ganz oben schon ein bisschen schwindelig werden kann. Es gibt einige van Goghs, ein paar Ives Kleins, Picassos, Braques, Bilder der Cobra-Schule, Kandinskys, Marcs und alles, was das moderne Kunstliebhaberherz begehrt. Auch hierfür eine starke Empfehlung. Nur nach dem Besuch nicht direkt vor dem Museum Hot Dogs kaufen. Zwei Straßen weiter gibt's die bestimmt zum halben Preis.

Hier nochmal eine Bedford-Avenue-Katze. Wir appreciaten es sehr, wenn ein Buchladen eine Katze hat, die auf Büchern schläft.

Und zum Abschluss noch einmal die Subway. Ich finde sie nachwievor klasse und das Netz ist auch super. Nur waagerecht fahren funktioniert sogut wie nie, dafür gibt es die Busse. Aber auch auf die ist halbwegs Verlass. Und solang die Klimaanlage nicht ausfällt, ist U-Bahn-Fahren bei den derzeitigen Temperaturen eigentlich immer die beste Wahl.

Das war's dann für uns in New York. Nochmals danke an alle, die mitgelesen, kommentiert und geschrieben haben. Wenn eine Postkarte ankommt, sagt gern Bescheid.

4 Kommentare

  1. Nicole Herrmann via Facebook

    7. August 2012

    Bei rot über die Ampel? :-O Das gibts in Deutschland aber nimma. Vorbild für die Kinders und so… tzzz

  2. christiane

    11. August 2012

    lieber andré,

    habe eure usa-serie sehr gern gelesen, danke dafür!

    beste grüße aus dresden!

  3. André

    13. August 2012

    Besten Dank zurück :)

  4. Danke André! – Kapitaldruck

    14. August 2012

    [...] der 124 Postkarten von Poetry Slammer André Herrmann aus New York, lag Ende der letzten Woche im Ladenbriefkasten. Eingerührt hatte den Postkartengruß Alex vom [...]

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