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Nach dem Show ist vor dem Slam oder so. Nachdem Julius zum Super-Billard-Spieler avancierte und das Team Totale Zerstörung quasi ganz Amerika am Billard-Tisch schlagen konnte, ging es am nächsten Tag natürlich gleich weiter. Auch ist es mittlerweile wieder unendlich heiß geworden und das Thermometer steht bei geschmeidigen 40 Grad, was ziemlich gut ist, wenn man auf einen ganztätigen Schweißfilm auf dem eigenen Körper steht. Wie gesagt: Selbst die Amerikaner meinen, dass es unnatürlich heiß ist.

Die Crew vor der altehrwürdigen Green Mill. Wirklich ein fantastischer Slam und wir können ehrlich stolz darauf sein, womöglich eine der letzten Shows mit Marc als Host gesehen zu haben (aber das ist auch nur ein Gerücht, auf das ich mich nicht festnageln lassen möchte). Kurz gesagt: Es ist ganz ganz ganz ganz anders als in Deutschland. Zuallererst benutzen fast alle PoetInnen die Jazz-Band, die immer auf der Bühne ist, und die tausendmal besser ist, als alles, was ich bisher an Jazz Ensemblen erlebt habe (zugegeben nicht allzu viel, aber die Anderen mit mehr Erfahrung meinten das auch). Die Show ist dreigeteilt zwischen Open Mic, Feature und Wettbewerb, sodass die Show etwa 3 Stunden dauert. Marc ist in der Mill wie verwandelt. Die Zuschauer sind dazu angehalten, bei Missfallen der poems zu schnipsen, zu trampeln, zu stöhnen, allzu voraussehbare Reime einfach reinzubrüllen, einfach alles zu tun und lassen, was sie wollen. Und Marc als Emcee forciert das Ganze fantastisch. Eine große Ehre, dass wir hier einmal auftreten durften und dass Marc das alles auch noch gefallen hat (und ihm gefällt wirklich nicht Vieles am Abend).

Woran es in Deutschland wirklich mangelt: Gute mexikanische take aways und Restaurants. Gibt es in Chicago in Hülle und Fülle. Und sie sind praktisch immer wenigstens gut. Plus, dass es dauernd refills für die Getränke, kostenlose Chips und so viel Wasser gibt, wie man trinken kann. Die Tacos werden mir echt ein bisschen fehlen, auch wenn eine normale Portion heißt, dass man danach praktisch nach Hause rollen kann.

(Zum Vergrößern aufs Bild klicken) Joel vom Speak Easy Ensemble (großartiger Typ) nahm uns am Sonntag vor dem Slam mit ins alterwürdige Wrigley Field Stadion. Wie bereits richtig angemerkt wurde, spielen hier die Cubs, die man als Chicagoer angeblich doof finden muss, aber dass Wrigley Field schöner als The Cell (das Stadion der White Sox) ist, da ist man sich trotzdem einig. Glücklicherweise konnten wir uns dann auch ein Fußballspiel ansehen. Zur Vergegenwärtigung: Ein Fußballspiel in einem amerikanischen Baseballstadion, bei dem AS Rom (Italien) gegen Zaglebie Lubin (Polen) spielte. Rom gewann haushoch 4:0 und alle Anwesenden hätten sich so sehr wenigstens ein Tor der Polen gewünscht, um die 80% polnisch stämmigen Zuschauer ausrastet zu sehen. Total witzig das Ganze, vor allem, da ein Baseballfeld echt klein ist und ungewandelt zu einem Fußballfeld im besten Fall 2/3 eines echten Fußballfeldes einnimmt.

Marc erzählte mir eine tolle Geschichte von einem Klassenkameraden seinerseits. Wenn bei dem letzten Bild genau hinschaut, sieht man, dass die anliegenden Häuser des Stadions ebenfalls Zuschauertribünen haben. Marc Klassenkamerad hat einige der Häuser in den 80ern, als die Cubs noch nicht cool waren, gekauft und bald darauf Tribünen auf sie montieren lassen, von denen Leute aus die Spiele (eher halblegal) schauen können. Heute sind die Cubs total angesagt und der Klassenkamerad hat sich mittlerweile mit seiner Idee eine goldene Nase verdient. So muss man es wohl machen.

Leider war der Sonntag in der Green Mill der letzte Abend für die Allen-Earnstyzz-Kids. Am Montag gingen ihre Flieger Richtung Heimat. Für uns stand praktisch der erste komplett freie Tag an, den wir dazu nutzten, endlich mal wieder downtown zu fahren und den ganzen Touristenkram zu machen, den man einfach mal gemacht haben muss. Hier als ein erster Teil der magnificent mile, der Prachstraße Chicagos, an der einfach nur haufenweise wichtige und vor allem hohe Gebäude zu bestaunen sind. Gleich dort vorn ist übrigens auch der Chicago River, den man allerdings nicht sieht, naja. Irgendwo dort rechts sind auch die Hochhausparkhäuser, die mal in einem James-Bond-Film verwurstet wurden. Und rücklings war ein paar Stunden später ein riesiger Auflauf von Polizei und Feuerwehr, weil jemand meinte, unbedingt von einem der Hochhäuser herunterhüpfen zu müssen. Hm.

Allererste Station war aber das Hancock Building. Joel gab uns den Tipp, lieber dort hinauf, statt auf den Sears TOwer zu gehen, da es oben eine Bar gibt und es bis auf das obligatorische Getränk kostenlos ist, der Sears Tower aber um die 20 DOllar kostet. Außerdem steht das Hancock Buildung am Rand der Skyline, sodass man quasi von dort aus auf alle hohen Häuser gucken kann. Und es lohnt sich wirklich. Ok, man hat keinen Rundumblick, aber das ist ok. Man gibt es zu viel Geld in Chicago aus, da sind 20 Dollar weniger auch mal ganz gut.

Die Fun Facts: Niemand sagt Willis Tower (so wie der Turm eigentlich nach seinem neuen Besitzer heißt), alle sagen Sears Tower. Im Radio Building direkt am Chicago River (im vorherigen Bild quasi direkt links, aber nicht im Bild), sind lauter Steine aus aller Welt verbaut, unter Anderem ein Stück vom Kölner Dom und der Berliner Mauer. In Chicago starb der erste Staatsfeind Nr. 1 der USA, Dillinger, auf den das damals (1934) höchste Kopfgeld aller Zeiten ausgesetzt war (25.000 Dollar). Er wurde beim verlassen eines Kinos erschossen, weil ihn die so genannte Lady in Red verraten hatte, eine rumänische Imigrantin, deren Mitbewohnerin Dillinger kannte. Die Lady in Red hatte mit dem FBI ausgehandelt, auf diese Weise die Belohnung und eine US-Staatsbürgerschaft zu bekomen. Das FBI erschoss Dillinger und wies die Lady in Red mit 5.000 Dollar Belohnung aus. Ein sehr guter Job in Chicago ist der des Bierverkäufers in einem der Stadien. Das Bier kostet 7 Dollar aufwärts und die samt Trinkgeld verdienen sich die Verkäufer sehr sehr gut. Allerdings kommt man diesen Job praktisch gar nicht, da es a) nur sehr weniger davon gibt und sie b) meist nur unter der Hand vergeben werden, z.B. in dem man jemand kennt, der einen kennt, der einen kennt usw.

Und das ist z.B. eine Aussicht vom Hancock Building. Ziemlich cool, hm? Links sieht man ein kleines Stück des Lake Michigan, daneben die City, womöglich auch ein Stück des Loops, so die Bezeichnung für den innersten Ring der City, in dem die L-Trains auf diesen alten Trassen über der Straße im Kreis fahren. Ziemlich cool. Allerdings sollte man nicht zu lange oben in der Bar bleiben, denn schon eine normale Cola kostet dort 5 Dollar.

Das Grüne dort ist der Lincoln Park mit dem zugehörigen Zoo. Aber dazu später mehr. Noch weiter hinter dem Park wohnen in etwa wir. Dort ist der Lincoln Square und noch weiter dahinter Andersonville. Von diesem Punkt aus etwa eine dreiviertel Stunde per Bus, etwa eine halbe Stunde per L-Train. Für Chicago absolut keine Entfernung. Außerdem ist es praktisch nur eine zehnminütige Autofahrt bis zu dem fantastischen Strand, wo ich mir meinen Dark-Knight-Logo-Sonnenbrand geholt habe (der jetzt glücklicherweise fast verheilt ist). Aber das hier nur, um einmal zu sehen, wie man sich den Übergang zwischen City und erstem Stadtring vorzustellen hat.

Btw: Nahe des Wrigley Field Stadions gibt es einen lustigen Laden namens Strange Cargo, wo man allerlei alten Popkulturkram kaufen kann. Julius und ich konnten nicht anders, als uns schöne Vintage-Shirts mit der Chicago-Flagge darauf zu kaufen, die glücklicherweise nicht allzu cheesy aussehen. Ebenso habe ich mit coole American Gladiators- und Alf-Sammelkarten gekauft. Als wir mit Joel zur Green Mill fuhren und ich die Alf-Sammelkarten auspackte, schob ich mir ganz routiniert den zugehörigen Kaugummi in den Mund und merkte erst, als er direkt beim ersten Zubeißen zu ekelhaftem Staub zerfiel, dass es ein Fehler gewesen war. Die Karten sind von 1987, ebenso der Kaugummi. Joel und Julius haben sich kaputtgelacht, mir war etwa 30 Minuten lang schlecht.

Die Magnificent Mile aus anderer Perspektive, diesmal vom Rand des Millenium Parks aus, der ironischerweise erst 2004 fertig gestellt wurde. Ganz hinten kann man das Wrigley Building sehen, das für seinen Uhrturm bekannt ist. Ja, es handelt sich um die Kaugummi-Wrigleys. Leider verteilen sie dort nicht haufenweise kostenlosen Kaugummi, aber was soll's. Überhaupt: Die Magnificent Mile ist jetzt nicht soooo krass. Ok, alles ziemlich hoch, ziemlich teure Shops überall und halbwegs viele Menschen überall. Aber das war's praktisch. Aber nichtsdestotrotz beeindruckend. Vor allem, wenn man Leute dabei hat, die einem zu jedem Haus irgendeine coole Geschichte erzählen können.

In der Nähe des Art Institutes (gleich gegenüber, einen halben Block die Adams runter) beginnt _die_ Route 66. Fragt mich nicht, warum sie mitten in Chicago beginnt, aber es ist so. Noch einen Block weiter habe ich heute das wohl schlimmste chinesische Essen gegessen, das ich jemals hatte, Es hat sehr gut geschmeckt, aber leider wollte es nach etwa anderthalb Stunden einfach wieder in die frische Luft. War eher so semi-cool und ich hätte nicht gedacht, dass mein Körper tatsächlich so etwas kann, aber naja. Mein Tipp: Nicht dort hingehen.

Stattdessen einfach mal in die Lincoln Zoo gehen. Der ist sogar kostenlos und sogar ganz hübsch. Mal abgesehen von den üblichen Kritikpunkten (Tiere einsperren, Käfige zu klein, viel zu heiß usw.). Auch viele Chicagoans scheinen dort hinzugehen. Kann man ruhig mal machen, wenn man genug von hohen Häusern und Trubel hat. Und wenn man vom Zoo genug hat, geht man einfach nach nebenan zum Strand und hüpft in den See. AUch gut.

Eigentlich hatte Julian gedacht, sein Flug ginge um 10 Uhr morgens, aber leider hat er sich verlesen und ist umsonst sehr früh zum O'Hare-Flughafen gefahren. Glücklicherweise kam der Gute dann nachmittags nochmal mit in den Zoo. Weil wir dann aber doch ein wenig verschwitzt waren und der Flughafen schon wieder rief, beschloss unser super hero kurzerhand, ein kleines Bad im Springbrunnen zu nehmen. So bleibt man in Chicago in Erinnerung.

Ein anderer Weg, in Erinnerung zu bleiben, ist beim Gay Bingo in Mary's Burgerladen beim ersten Bingo-Spiel im eigenen Leben gleich mal zu gewinnen. Links Mary, rechts ich, oder umgekehrt. Das war schon ziemlich witzig dort. Sollte man mal gesehen und mitgemacht haben. Es ist sehr witzig, laut und pompös. Clark Ecke Balmoral Avenue, immer Montagabend ab 7pm.

Das war's dann leider auch schon für uns und Chicago. Die Woche ging doch schneller rum, als es sich angefühlt hat. Aber wir waren ja auch praktisch nur unterwegs oder haben geprobt. Morgen geht's zum Flughafen, dort kriegen wir unser Auto und dann geht's über die Indiana Dunes, Gary Indiana (angeblich die schlimmste Stadt der Welt) nach Detroit (wenn man will, findet man Leute, die Detroit für die allerallerschlimmste Stadt der Welt halten und fragen, warum man dort freiwillig hinfährt oder Leute, die einen beglückwünschen und am liebsten mitkämen. Von dort aus dann mehr.

This last thing I need to do in english, because may be there are some of our american friends trying to read this too: Thank you so much, dear Marc Kelly Smith for having us at your appartment, taking us around and taking such good care of us. Thank you, dear Speak Easy Ensemble, dear Shelly, Molly, Joel, Tim, Sully, Bas, Amely, Robbie, wifes and husbands (hope I got all of your names right and didn't forget anyone) for beeing so nice to us, taking us around and the great work we did together. Thank you german consulate and Goethe Institute Chicago for helping us with the great show. Thank you dear super heroes Julian Heun, Stefan Dörsing and Temye Tesfu aka Team Allen Earnstyzz for a lot of fun and a secure neighbourhood. Chicago is a fantastic place and big fun.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

9 Kommentare

  1. glam

    24. Juli 2012

    Danke für die Berichterstattung! Macht großen Spaß mitzulesen. Weiterhin viel Spaß!

  2. Irmi

    25. Juli 2012

    Lieber Andre, liebes TTZ!
    It was SUCH a pleasure to have you in Chicago! Kommt bald wieder! Und viel Spass in Detroit (ich wuerde gerne mitkommen!)
    Irmi

  3. André

    26. Juli 2012

    Thanks Irmi, it was a pleasure meeting you guys :)

  4. Robb Q. Telfer via Facebook

    26. Juli 2012

    how did you like it? i’m sorry to have missed you guys

  5. André Herrmann via Facebook

    26. Juli 2012

    It was great. We would’ve loved to see you there. Will you be in Heidelberg in November?

  6. Robb Q. Telfer via Facebook

    26. Juli 2012

    i will! wir mussen ein milche zusammen trinken!

  7. André Herrmann via Facebook

    26. Juli 2012

    Nice! Und ja, wir werden sehr viel Milch zusammen trinken ;)

  8. Robb Q. Telfer via Facebook

    26. Juli 2012

    alle die milche!

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