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A Week in Pictures 52/2017

Während ich das schreibe, sitze ich in der Küche, draußen wird Bürgerkrieg geübt und hier drinnen läuft im Hintergrund Radio. Es ist eine Sendung, in der Hörer*innen anrufen können, um dann live vor Ohren der Weltöffentlichkeit eine zufällig ausgewählte Fragen mit vollster Ehrlichkeit zu beantworten. Zum Beispiel: Gibt es etwas, dass du deinen Eltern vorwirfst? Oder: Welche große Aufgabe steht dir gerade bevor? Oder: Fühlst du dich zur Gesellschaft zugehörig oder als Außenseiter? Hach und dann ruft da zum Beispiel eine Frau an und erzählt, dass gerade ihre Kinder zu Hause ausgezogen sind und sich das alles ganz komisch anfühlt und sie deshalb beschlossen hat, die zwei freigewordenen Zimmer unterzuvermieten und mit 57 Jahren noch einmal quasi eine WG zu gründen. Und die Moderatorin ist total interessiert und fasziniert und freut sich immer über die Anrufenden und ich sitze gebannt vorm Radio und hoffe, man könnte Silvester noch ein paar Stunden nach hinten verschieben, damit ich alle 70 Wahrheitsfragen anhören kann.
Das Witzige an der Sendung: Die Moderatorin sitzt in Berlin und es rufen fast ausschließlich Leute aus Berlin an. Oder Leute, die mal in Berlin gewohnt haben und es total vermissen, weil sie jetzt irgendwo in NRW wohnen müssen. Und dann fragen Sie immer: „Von wo rufst du an? Ach, aus Charlottenburg!“ Das ist doch super. Warum gibt es das nicht in Leipzig? Bzw warum sind alle Leipziger Radiosender absolut unhörbar, wenn man einen IQ über 80 hat? Ich würde so eine Sendung sofort moderieren! Wirklich! Das ist doch super. Man bekommt die coolen Geschichten quasi freihaus geliefert! Und dann ruft jemand an, ich sage: Na, von wo aus rufst du an? ACH HERRJEH! AUS GOHLIS?! NA DAS TUT MIR LEID! Hier deine Frage, bitte ehrlich beantworten: Wieso wirfst du dein Leben weg und wohnst in Gohlis?
Nein, ehrlich. Ich würde das echt moderieren. Und ich wäre überhaupt nicht fies. Höchstens so frech, sodass sie Leute sagen „Ich mag den Radio-Antreh, der ist immer so frech, wenn er on air ist!“.
Und jetzt ruft gerade ein 15-jähriges Mädchen an, das erzählt, dass ihre Freundin einfach so ihr allerallerallergrößtes Geheimnis ausgeplappert hat und sie jetzt total enttäuscht ist. Aber sie hat ihr schon verziehen, owbohl sie Stier ist. Und obwohl die Freundin Silvester keine Zeit für sie hat und sie deshalb mit ihren Eltern Fernsehen guckt, bis es Mitternacht ist. Ach, dieses arme Mädchen.


Fangen wir ganz ganz oben an: Wie ich zum 1. Weihnachtsfeiertag dazu gezwungen wurde, einen Polizei-LKW zu bauen. Und wie ich das Foto auf Twitter postete, „Ich schäme mich“ drunter schrieb und plötzlich lauter aufrechte Bürger ihre mental brennenden Fackeln schwenkten, weil gehtjagarnicht, unserfreundundhelfer, duekligerlinksversiffter und so weiter. Feuerwehr, okay, aber Polizei? Das muss ja nicht sein. Aber davon ab: Bin ich einfach unendlich viel klüger oder ist Lego extrem einfach geworden. Also im Sinne dessen, dass die Teile mittlerweile in einzelne Beutel aufgeteilt sind, sogar Ersatzteile dabei sind und die Anleitungen so detailliert sind, dass man nicht einmal einen Fehler machen könnte, wenn man es wollte.
Auch nicht im Bild: Zurückfahren in die große Stadt, nochmal losgehen und dann das Wunder vollbringen, am zweiten Weihnachtsfeiertag um 5 Uhr morgens tatsächlich einen offenen Dönerladen zu finden. Das schaffen nur die Besten. Überhaupt weiß ich nach diesem Weihnachten, dass ich, wenn es mit der Bowling-Karriere nichts wird, ich auf jeden Fall so ein mittelguter profressioneller Esser werden kann. Dann Aufwachen, das Körper-Wiederherstellungsprogramm runterspulen und dann schon wieder los. Mittagessen beim Wuschelhund, Lagerfeuer, zurück, eine Stunde Winterschlaf zu Hause und dann, siehe oben: Akustik-Against-Me! nuuuuuuuur für mich. Nebenbei Debatten verschiedenster Arten: Wie unmöglich ist eigentlich Magdeburg? Wann kommt endlich was von Mühlheim Asozial? Oder ganz basal: Welchen Wochentag haben wir gerade? Und natürlich wird es doch wieder so lang, dass man beim Nachhausekommen erst noch mal eine Dosensuppe aufmachen muss. Meine Güte, was für ein ekliges Leben ich führe. Wenn das hier die Truman Show ist, dann bitte ich hiermit alle Zuschauer*innen aufrichtig um Entschuldigung.


Es klingt komisch, aber nach einer Woche Weihnachtensilvesterdings habe ich so langsam richtig Lust, einfach mal wieder zu arbeiten. Also „arbeiten“, Sie wissen schon. Passend dazu die Erinnerung vom Verlag Voland & Quist, dass es da diesen Abgabetermin gibt und im Januar sowieso ganz schön viel zu tun ist. Zum Beispiel gibt’s da ja noch diesen Roast, den Ingolf Lück als gebrochener Mann verlassen soll.
Nicht im Bild: Wie die Post mein schönes Weihnachtsgeschenk an mich selbst verschlampt hat und es jetzt IMMER NOCH nicht da ist, weil sie Sortiermaschine es falsch sortiert hat oder so. Und da soll es nächstes Jahr selbstfahrende Autos geben? Wie war das jetzt wohl? Ist mein Paket jetzt einen Tag lang irgendwo in Delitzsch oder Radebeul im Auto mitgefahren? Dachte sich der Postmann die ganze Zeit „Höh? Was’n mit dem Paket?“ Wehe, wenn das jetzt irgendwie eingedellt ist oder so. Wahrscheinlich wird es sowieso vollkommen zerstört sein, wenn es ankommt. Und dann muss ich alles zurückschicken, es muss reklamiert und dann neu verschickt werden. Woraufhin es dann vermutlich wieder falsch sortiert wird und niemals bei mir ankommt. Ich kenn mich doch.


Definitiv der männlichste Moment 2017: Ein Fahrradschloss aufflexen und die ganze Zeit dabei Angst haben, dass es eine derart männliche Tätigkeit ist, dass einem sofort Haare auf dem Rücken wachsen. Und natürlich Angst, sich ins Bein zu flexen. Oder einen Finger ab. Was für ein gruseliges Gerät. Diese Geräusche! Und warum muss der An/Aus-Schalter ausgerechnet direkt neben der Scheibe angebracht sein? Und woraus besteht diese gruselige Scheibe überhaupt, dass die so easy durch Metall durchkommt? Ich möchte gar nicht dran denken, wie das aussieht, wenn man da mal aus Versehen drauffasst.
Aber ich weiß jetzt zumindest: So ein Bügelschloss ist ziemlich gut. Lässt sich wirklich nur mit einer Flex aufmachen. Damit aber innerhalb von 30 Sekunden. Und wenn man eine Akkuflex hat, dann ist in der Innenstadt eigentlich kein Fahrrad ein Problem. Ich hoffe ja, es sah total krass aus. So mit Funken und so. Ich weiß jedenfalls nichts mehr davon. Immerhin hat niemand die Polizei angerufen. Als ich das zuerst mal mit der Eisensäge probiert hatte, da waren schon einige Fenster aufgegangen.


À propos Technik: Black Mirror Staffel 4. Ich hatte mich ja schon sehr sehr sehr gefreut. Und eigentlich ist das ja immer schlecht. Man darf prinzipiell wahrscheinlich gar nichts erwarten. Aber ja: Ich fand es jetzt nicht so mega. Falls Sie nicht gespoilert werden wollen, lesen Sie mal ab jetzt bitte nicht weiter.
Für den Rest hier ein kurzer Abriss:
Folge 1 – Dieses Computerspiel im Star Trek-Look. Nee, also nee. Da hatte ich eigentlich schon keinen Bock mehr, weiterzuschauen. Die Story hinkt an jeder Ecke (Wenn der Typ in seinem Spiel überall Adminrechte hat, warum nutzt er sie nicht? Wieso steht einfach so seine Balkontür offen? Und und und.) und NATÜRLICH können in der Zukunft ALLE Leute GANZ EASY ALLES hacken, wann immer so wollen. Einfach hinsetzen, Laptop aufklappen, tippeditipp und ZACK, alles gehackt, was man gerade so braucht.
Folge 2: Ja, ganz nett. Nette Idee auf jeden Fall. Aber das Ende? Mehr random ging ja wohl nicht. Nur: Wieso hat das Mädchen selbst nicht das Kontroll-iPad, sodass sie Mutter gar nicht erst auf die Idee hätte kommen können, sie später doch noch einmal zu kontrollieren. Oder wieso wurde das nicht einfach zeremoniell zerstört, mit 12 oder 14 whatever?
Folge 3: Eigentlich schon gebaut, aber was mich wundert: Es ist die Zukunft und man kann so einfach jemanden totfahren, ohne dass man gefasst wird? Ehrlich? Da gibt’s keine Geräte, die da auf der Straße die Partikel untersuchen, dann herausfinden, welches Auto das war (außerdem muss ja jemand auch die gebrochene Windschutzscheibe reparieren) und zack! wird man gefasst. Aber stattdessen mördert die Frau dann noch drei, vier andere Leute? Und dann wieder das Ende: Sie wird einfach gefasst. Ende. Echt Leute, habt ihr keine Ideen mehr?
Folge 4:
Hang the DJ. Das war wirklich die beste Folge. Sehr schöne Idee. Sehr gut geschrieben, vor allem bis zum Schluss. So hatte ich die ganze Staffel erwartet.
Folge 5:
Schon wieder – Keine Erklärung, was das eigentlich soll?! Was ist mit der Welt passiert? Wieso rennen diese Roboterhunde da rum? Warum erschießen sich Leute in ihren Häusern und werden zu Skeletten? Was sind das für Menschen, mit denen die Frau da per Funk redet? Also nee, da mag die Idee ja an sich ganz gut sein, aber ich will da unbedingt mehr vom Drumherum wissen.
Folge 6:
Ja, gute Idee mit der Struktur der Folge. Aber natürlich wieder dasselbe: Die Geschichte spielt irgendwo im Outback, die Tante hackt mal wieder ganz easy alles, was sie will und natürlich geht es mal wieder um Erinnerungen, Gedächtnis etc. Und so Rachegeschichten kriegen mich ja immer eher weniger. Außerdem: Coole Idee, dass Auto per Solarpanel wieder aufladen zu können. Aber lol, wieso kann man das nicht beim Fahren machen?
Und so generell: Ich dachte, es geht bei Black Mirror um Zukunft? Aber man sieht ja fast nie etwas von der Zukunft! Die Geschichten spielen immer irgendwo im Outback, im Nirgendwo und so weiter. Und irgendwie geht es immer nur um Erinnerungen und das Gehirn. Es gibt so viele technische Entwicklungen, die man super behandeln könnte, aber nein, es geht schon wieder nur darum, irgendwelche Erinnerungen aufzunehmen und so weiter. Was ist mit Pre-Crime? Mit Gentechnik? Oder mit Medizintechnik? Ist schon okay, Black Mirror ist trotzdem noch viel besser als ein Großteil aller anderen Serien, aber nach den ersten drei Staffeln war ich vermutlich einfach ein bisschen zu viele gute Ideen gewohnt. Hoffen wir also mal auf Staffel 5.


Ach ja, Silvester aka Bier gegen Deutschland. Ich bin ja nicht der allergrößte Silvesterfan. Aber Nichtsmachen ist auch keine Lösung. Und deshalb dann die krasseste Strobo-App der Welt, eine Guacamole, die so scharf ist, dass man schon beim Kauen anfängt zu schwitzen, die Bierjacke und das einzige Ziel des Abends: Hauptsache wir sehen heute den neuen Polizeipanzner. Außer natürlich, das Schild ist heruntergeklappt, dann ist ja undercover unterwegs und quasi unsichtbar.
Nunja, Mitternacht am Kreuz. Viel voller als letztes Jahr. Und die beruhigende Gewissheit, dass in Connewitz noch was geht und das Viertel stabil und dreckig bleibt. Ach ja, die „Randale“. Natürlich brannten da ein paar Mülltonnen. Natürlich kamen die Wasserwerfer. Erst, um die Mülltonnen zu löschen. Dann, weil sie mit Böllern beworfen wurden. Und schon waren da auch die ersten Polizeigruppen, die alle abriegelten. Nicht immer allzu feinfühlig. Weshalb dann natürlich wieder Böller fliegen. Aber im Endeffekt doch alles relativ harmlos. Vor allem, weil man sich auch fragen muss, was davon alles passiert wäre, wenn man einfach mal nicht schon ab dem 30. Dezember so tun würde, als würde in Connewitz der dritte Weltkrieg bevorstehen, alles abbaut, ÜBERALL Polizei herumstehen lässt, nur um sich dann zu wundern, dass sich die Leute provoziert fühlen. Oh Wunder, in Connewitz fühlt man sich von der Polizei provoziert. Ja ja, natürlich ist das kein rechtsfreier Raum. Aber eben auch kein Ort, der so gefährlich ist, dass es gerechtfertigt wäre, dass man allein binnen 5 Minuten sieben, acht Polizeiautos begegnet.
Viel gruseliger finde ich ja sowieso (wie immer) das Geböller. Und manches, was dort geworfen wird, ist schon echt krass. Zumindest hört es bei mir spätestens irgendwo da auf, wenn ich alle paar Minuten irgendwelche herumfliegenden Böllerteile abbekomme.
Später dann: Keine Fotos von Antreh um 6 Uhr morgens.


Selbstvergewisserungsselfie, das keines ist.

Was fehlt:

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