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A Week in Pictures 48/2017

Teil 2 des ewig langen Wochenrückblicks. Für Israel-Teil 1 klicken Sie bitte hier.

„Und seit wann schreibst du schon? Wie kam das? Was treibt dich da an?“, fragte die Airbnb-Frau in Haifa und ich antwortete: „Schreiben ist perfekt, wenn man unspontan ist.“ Okay, sagte ich nicht, denn dafür bin ich zu unspontan. Vermutlich sagte ich etwas total Deepes wie: „Öh, joa, einfach so halt. Keine Ahnung seit wann.“ Jetzt, nachdem ich noch mehr Zeit zum Überlegen hatte, würde ich sagen: „Schreiben ist super, wenn man gerne austeilt, aber nicht sehr stark ist.“ Man ist gleichzeitig allein, aber irgendwie auch nicht. Es ist anstrengend, ohne anzustrengen und ist beim Aufräumen weniger aufwändig als zum Beispiel Lego. Außerdem fehlt nie irgendein Teil, außer vielleicht in einem Moment mal kurz, aber meistens kommt das dann schon irgendwann von allein oder man macht es sowieso ganz anders und dann ist eh alles egal. Trotzdem mag ich „geschrieben haben“ viel lieber als „schreiben“, denn es fühlt sich tausendmal besser an. Aber so, im Moment, wenn es draußen schneit (!!) und man gestern noch bei 25 Grad am Strand von Tel-Aviv gesessen hat, ist es schon ganz okay. (Denken Sie sich an dieser Stelle bitte so ein hot-dog-leg-Foto am Strand mit glitzerndem „Take me back“-Schriftzug 👙☀️🌊🍹).


Siehe ganz oben: Banksys Walled Off-Hotel in Bethlehem mit der schlechtesten Aussicht der Welt.
Aber fangen wir anders an: Im Hostel in Jerusalem sitzt jeden Tag so ein braungebrannter Dude in der Küche und belästigt alle mit seinen Stories. Angeblich reist er seit 3 Jahren, hat schon unendlich viel gesehen und wahrscheinlich meint er damit unendlich viele Hostelküchen. Ich hasse ihn schon, obwohl ich noch nicht ein Wort mit ihm gewechselt habe. Manchmal trägt er keine Oberteile, dann hasse ich ihn noch mehr. Auch gibt es noch einen hyperreligiösen Norweger, der mir am ersten Abend erzählt, er habe sich in die Al-Aqsa-Moschee gemogelt, obwohl man da als Nicht-Muslim gar nicht reindarf. Später, als ich ihn vor ein paar Leuten darauf anspreche, dementiert er allerdings alles und dann doch nur in der Nähe der Moschee. Weil ich es nicht ertrage, länger in der Umgebung der Hostel-Leute zu sein, müssen wir die Stadt verlassen und fahren nach Bethlehem. Auf dem Weg durch die Alte Stadt zum Damaskustor laufen wir durch all die Gassen hinter den offiziellen Marktgassen, wo fast gar nichts los ist. Nachdem wir eine Bäckerei passieren, folgt uns eine Zeit lang ein Mann mit zwei Tüten voller Brot. Als er uns unheimlich wird und wir anhalten, hält er auch an und wartet, dass wir weitergehen. Durch geschicktes Manövrieren schaffen wir es allerdings irgendwann, ihn abzuwimmeln. Noch Tage später werde ich das Gefühl haben, hin und wieder von einem Mann mit zwei Tüten Brot verfolgt zu werden. Schon an der Bushaltstelle werden wir eines neuen Problems gewahr: Es gibt für jede Art von Bus einen anderen Busbahnhof. Der palästinensische Bus fährt natürlich von ganz woanders als beispielsweise der israelische Bus, der wiederum woanders fährt als die israelischen Fernbusse. Immerhin kostet eine Fahrt nach Bethlehem nur 1,50 Euro und endet nicht, wie mit dem israelischen Bus, direkt an Grenze, sondern erst mitten in der Stadt. Die Fahrt ist easy, allerdings ist diese riesige Mauer schon ein wenig bedrückend. In Bethlehem selbst entdeckt man sofort ein neues Problem: Palästinensische Taxifahrer. Wenn man auf dem Markt schon nicht handeln kann, wie soll man dann erst Taxifahrer abwimmeln, für die ein „Nein“ heißt „Doch, doch, ich will auf jeden Fall ein Taxi, erzähl mir bitte noch viel mehr von deiner tollen Taxifahrt und lauf mir am besten noch fünf Minuten hinterher!“? Und wenn in Israel die Leute schon gerne hupen, dann heißt das, dass in Bethlehem einfach ALLE Menschen DIE GANZE ZEIT ÜBER hupen. Wobei ich die Attraktionen des Taxifahrers schon irgendwie witzig fand „You know the Banksy? Or here, Grotto, where the Maria gave the milk to the baby Jesus! I drive you!“ Und natürlich nehmen alle Bustouris dann ein Taxi und lassen sich herumfahren und nur die zwei white kids aus Leipzig beschließen, einmal quer durch Bethlehem zu schlendern und stundenlang mit allergrößtem Interesse beobachtet zu werden. Ich einfach so, sie, weil #metoo hierzulande wahrscheinlich selbst in 100 Jahren noch ein Fremdwort sein wird. Vielleicht sollte man in solch einem Fall wirklich mal sehr offensichtliche Fake-Heiratsringe tragen, denn ohne scheint man als Frau, selbst mit Mann an der Seite, einfach nur als Freiwild zu gelten. Meine Güte, war das anstrengend und zumindest diesbezüglich war ich dann auch zum ersten Mal nicht mehr nur amüsiert, sondern wirklich genervt.
Bethlehem jedenfalls. Ein bisschen sehr heruntergekommen und man bekommt sofort ein Gespür dafür, was gemeint ist, wenn es immer heißt, der Wohlstandsunterschied zwischen Israel und Palästina sei immens. Ist er wirklich, und wir waren ja noch nichtmal richtig in der Westbank. Nun ja, auf jeden Fall waren wir dann irgendwie aus Versehen in der Geburtskirche, die ja mal völlig unspektakulär ist, weswegen wir beschlossen, dass uns der ganze andere Religionskram nicht interessiert und wir da auch nicht hinmüssen, obwohl der Taxifahrer das „where the Maria gave the milk to the baby jesus“ so lustig ausgesprochen hat. Immerhin: Laut ihr ist die Damentoilette die mit Abstand schrecklichste Toilette der Welt, kein Vergleich zu der am Strand von Tel-Aviv. Und ihren minutenlangen Würgegeräuschen nach zu urteilen, hat sie vermutlich Recht. Also noch ein bisschen querfeldein laufen, zum Banksy-Hotel an der Mauer zum Beispiel. Und dort im Museum (das wirklich sehr gut ist), bekommt man wiederum sehr gut ein Gefühl dafür, wie einseitig die Debatten im Nahost-Konflikt immer geführt werden. Überall steht „Free Palastine!“, „Die Mauer ist illegal“ und so weiter und ganz egal, ob sie nun legal ist oder nicht, ob sie ein israelisches Schutzschild gegen Selbstmordanschläge ist oder nicht, ist es einfach krass, was da abgeht. Wie verhärtet die Positionen sind und wie leicht man immer irgendetwas Falsches sagt, das alle Leute sofort auf die Palme bringt. Da liest man einerseits, dass, während man schön in Tel-Aviv sitzt, in der Westbank israelische Siedler einen Palästinenser erschossen haben, der sie angegriffen hat, Gaza gerade mit Raketen beschossen wird, nachdem Raketen aus Gaza auf Israel flogen und andererseits stehen dann im Banksy-Museum all die gebrauchten Munitionspatronen, di eangeblich längst verboten sind, aber trotzdem noch eingesetzt werden. Ja, ich check das schon, dass man Selbstmordanschläge nicht mit Gummigeschossen gleichsetzen kann, nehmen Sie bitte ihre Fackel wieder runter. Nur mal zum Verständnis: Ich fahre ja nicht nach Israel, weil ich Israel kacke finde. Aber trotzdem ist es doch krass, wenn da plötzlich eine 8 Meter hohe Mauer vor deinem Haus steht und du bei jeder Busfahrt nach Israel aussteigen und dich von den Soldat*innen wie Abfall angucken lassen musst, während die Touris drinnen sitzen bleiben dürfen und fast freundlich begrüßt werden. Und wie sich da jeder missverstanden fühlt und man immer nur Schwarz-Weiß-Geschichten erzählt oder zu lesen bekommt. Nun ja, nach ewigem Weiterlaufen dann irgendwann nahe des Checkpoints, noch immer keine Touris in Sichtweite, dafür aber Leute, die nur noch fragen: „What are you doing here? Why are you here?“ Also dann wieder quer durch die Stadt zurück zum Bus, wo es zufälligerweise auch den allerersten unaufdringlichen Verkäufer gibt. Zwar nimmt er auch die Touri-Preise, aber was soll’s.


Yad Vashem. Da wollte ich ja unbedingt hin. Es ist ein sehr gutes Museum, wenn auch lange nicht so riesig, wie ich es erwartet hatte. Und irgendwie ist die Stückelung der Themen ein bisschen komisch. Da geht es erstmal ewig um das Judentum und zack! ist schon zweiter Weltkrieg, dann geht es ewig um Ghettos und zack! wird die Befreiung von Auschwitz fast mit einer Tafel abgehandelt. Aber immerhin wurden ein paar interessante Fragen debattiert, die mir noch gar nicht so in den Sinn gekommen waren. Okay, „Warum wurde Auschwitz nicht bombardiert?“ vielleicht schon, aber „Wohin mit den Juden aus den Konzentrationslagern?“ fand ich super beleuchtet. Da wird man aus dem Vernichtungslager befreut und denkt, man hat das schlimmste auf dieser Welt überlebt, nur um dann nach Hause zu kommen (wenn es denn überhaupt noch da ist) und von den eigenen Nachbarn erschossen zu werden, die in der Zwischenzeit dein Haus übernommen haben und jetzt einfach zwei Häuser haben. Wenn Sie in Jerusalem sind, dann fahren Sie hin. Geht ganz bequem mit der Straßenbahn. Welche Straßenbahn, höre ich Sie fragen? Gibt nur eine. Ja, nur eine. Die ist dann natürlich auch immer schön voll. Und Kontrolleure gibt’s auch oft. Aber ein Ticket kostet nur 1,50 Euro, denn ÖPNV ist spottbillig verglichen mit hierzulande. Und wenn Sie sich eine coole Rav-Kav-Abokarte besorgen (im Busbahnhof, dritte Etage, ganz hinten rechts), dann bekommen Sie sogar noch kostenlos ihren Namen auf Hebräisch dazu. Den können Sie zwar auch bloß nicht lesen, aber immerhin aussprechen.
Nun ja, und weil Yad Vashem jetzt doch nicht so lange dauerte, wie ursprünglich gedacht, landeten wir irgendwie in der Alten Stadt und dort irgendwie bei der Klagemauer. Ja, wir hatten gesagt, kein religiöses Zeug mehr, aber nun waren wir ja halt einmal dort und dann kann man ruhig mal gucken. Und, was soll ich sagen: Eine Mauer halt. Spektakulärer, um nicht zu sagen gruseliger, fand ich sowieso die zweihundert Kindersoldat*innen auf dem Platz vor der Mauer, fast alle mit Maschinengewehren, die herumflitzen wie auf Klassenfahrt und überall Selfies machen, nur halte mit einem Colt M4 in der Hand. Das freut zwar alle Counterstrike-Liebhaber*innen, ist in echt aber nicht so cool. Also ja: Klagemauer. Mäßig interessant. Viel spannender finde ich die Frage, wie das Ding so megaheilig sein kann und dann wird es gleichzeitig so supertouristisch aufgeladen, sodass sogar die total unheiligen Touris dort drantatschen dürfen, solang sie so eine 1-way-Kippa aufhaben. Aber das werde ich vermutlich nie verstehen. Wenn ich mal Herrscher bin, dann werde ich alle Religionshäuser zu sozialen Einrichtungen machen. All ihre Einnahmen müssen in ihre sozialen Dienste fließen, falls nicht, besteuere ich das Ganze mit 80 Prozent.


Oben: Die krassen Hinterhöfe von Jerusalem. Sieht immer aus, als würde man sofort ausgeraubt und vergewaltigt werden, aber ich habe schon lange nicht mehr irgendwo so sicher gefühlt, wie in Israel. Die klauen einem ja nichtmal das Portmonee, so religiös sind die.
Unten: Der Markt. Praktisch wie jeder Markt in Israel, das heißt: Es gibt 300 Stände, aber nur fünf Arten von Produkten: Fleisch, Fisch, Gemüse, Süßigkeiten und Souveniere. Und diese fünf wechseln sich dann 300 Stände lang ab. Davor stehen dann (meist) Männer und brüllen die vorbeilaufenden Menschen an, sie sollen doch bitte unbedingt dieses oder jenes kaufen, denn es ist unverschämt billig (obwohl es garantiert Verarsche ist) und kommt auch garantiert nicht fünf Stände weiter nochmal. Ich will nicht sagen, dass die Märkte nicht spannend sind, aber man stumpft halt wirklich schnell ab, denn sie gleichen sich doch sehr. Selbst in Palestina sind sie ähnlich, nur ist halt alles Zeug nur halb so teuer.
Sonstige interessante Jerusalem-Dinge: Man muss nicht wirklich drei Tage dort bleiben, wenn man nicht auf den Religionskram steht. Das Bier kostet trotz aller Heiligkeit auch 7 Euro. Nahe der alten Stadt gibt es einen superereren Suppenladen, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, weil er nur auf Hebräisch dort stand. Die Suppen sind megalecker und wenn man mit einem der neuen Hundert-Scheckel-Scheine bezahlt, dann gibt einem die Bedienung 140 Schekel zurück und weil man das erst zu spät bemerkt, ist jetzt wegen uns vermutlich eine arme Studentin in Jerusalem arbeitslos.
Sätze für die Ewigkeit aus Jerusalem:
1) „Ich muss Geld abheben. Guck, da ist eine Bank! Nee, is’n Optiker. Vielleicht sollte ich trotzdem hingehen.“
2) „Ich würd‘ so gern auf so’ne Plantage und irgendwas klauen, aber ich will nicht abgeknallt werden.“
3) „Irgendwie ergeben die Kreuzworträtsel-Lösungswörter bei mir nie Sinn. MATTES OBIST PADEL!“ „Mattes Lob ist Tadel!“ „Ja, aber wer ist denn Mattes?“


Nicht im Bild: Wie wir kurz vor Abfahrt nach Haifa noch jemanden treffen wollten. Leider gab es dabei ein paar Probleme: 1) Mal wieder den richtigen Busbahnhof finden. 2) Dieser jemand war nicht da. 3) Der Bus zurück brauchte schätzungsweise viermal so lang wie auf der Hinfahrt, sodass wir fast unseren Bus nach Haifa verpasst hätten. Aber egal: Immerhin wissen wir jetzt, dass es in Jerusalem ein deutsches Krankenhaus gibt, in dessen Kaffee deutsche Freiwillig arbeiten. Und das Beste ist: Das Café ist saubillig und eigentlich nur sieben Minuten Fahrt vom Busbahnhof entfernt. Eigentlich. Will man nämlich vom Krankenhaus zurückfahren und es ist so ca. 14 Uhr, dann dauert das Ganze locker mal eine halbe Stunde, weil der Bus a) einen Umweg fährt, b) tausende Schüler*innen zusteigen, c) tausende Schüler*innen aussteigen und d) einfach mal wieder unendlich viel Verkehr ist. Vielleicht mal ein kurzer Exkurs: Der Verkehr in Israel ist krass. Warum man bspw. überhaupt noch VERSUCHT, in Jerusalem Auto zu fahren, ist mir ein Rätsel, denn statt fahren ist es eh vielmehr Auto stehen. In Tel-Aviv dasselbe. Kein Wunder, dass die mittlerweile alle Elektrofahrrad fahren. Bringt ja nix. Außer vielleicht am Schabbat, aber da gucken einen die Juden so böse an, wie wenn man eine Bierflasche in der Hand hat (die gucken dann wirklich sehr böse). Aber egal: Gerade noch so geschafft.
Zuverlässig, wie ich nunmal in Öffentlichen Verkehrsmitteln (außer innerstädtisch) nun mal einschlafe, schlief ich also wieder ein und somit dauerte die Fahrt für mich gefühlt 15 Minuten statt 2 Stunden. Und weil wir die beste, ungelogen, die _beste_ Airbnb-Frau der Welt hatten, wurden wir sogar noch am Busbahnhof abgeholt (Busbahnhof, komisches Wort. Warum heißt es nicht Bushof?) und bekamen direkt unsere erste Sightseeing-Tour.
Oben: Unser Ausblick. Und zum ersten Mal der Gedanke, dass ich vielleicht Hausbesetzer werden sollte.
Nicht im Bild: Dieser krasse Hängestuhl (klingt ekliger, als es gemeint ist) direkt vorm Fenster. Ach, wie herrlich muss das sein, dort immer sitzen und lesen zu können. Überhaupt, die ganze Wohnung ein Traum. Gelegen auf dem Berg in Haifa, total ruhig, aber nur zwei Querstraßen von all den coolen Bars entfernt (die Tourifressmeile unten ist halt die Tourifressmeile) und vielleicht nicht ganz so gut per Bus vom Bahnhof aus zu erreichen (30 Minuten, egal welchen der drei Bahnhöfe man nimmt), aber in Haifa ist dank des Bergs, der Serpentinen und dem typisch israelischen Verkehrs vermutlich gar nichts schnell zu erreichen. Haifa an sich ist ganz cool. Lange nicht so viel los wie in Tel-Aviv und viel weniger Touris als in Israel. „In Haifa wohnt man halt“, sagte die Airbnb-Frau. Aber kann man sich trotzdem ruhig mal angucken. Vor allem mit diesem krassen Hafen direkt im Zentrum und diesem riesigen Kornspeicher nebenan, auf dem gefühlt vier Milliarden Vögel sitzen und auf Körner warten.
Unten: Die Bahai-Gärten. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es die Bahai überhaupt gibt. Dass das eine Religion ist, die (soweit ich das jetzt kapiert habe) neben sehr coolen Gärten vor allem daran glaubt, dass alle Religionen denselben Gott anbeten und irgendwie alle Menschen doch zusammenhalten sollen. Kinder von Bahai-Eltern werden nicht automatisch Bahais, sondern entscheiden sich mit 15 Jahren bewusst selbst dazu, Bahai zu werden. À propos Gleichheit und so weiter: Israelis dürfen keine Bahai werden, obwohl die Bahai Haifa und Akko für ihre ultimativen Pilgerstätten halten. Ich check’s noch nicht so richtig, vielleicht muss ich das noch einmal richtig nachlesen. Aber klingt wie alle Religionen: Weird halt.


Oben und unten: Ausflug nach Akko (nicht die Hummus Bar in Leipzig, wohl aber an den namensgebenden Ort). Süßes Örtchen mit der vielleicht schöneren, weil kleineren, aber nicht so gedrungenen Altstadt als Jerusalem. Auf jedem Fall mit den besten Falafeln, die wir bisher gegessen hatten. Meine Güte, wie gut die waren. Und so ganz ohne Touripreis total günstig. Erstaunlich viele Arabisch sprechende Leute dort am Start. Und Russ*innen natürlich. Kann mir das mal jemand erklären? Warum so viele Russ*innen in Israel sind? Die haben ja ganze Stadtviertel. Ist das wegen orthodox und so? Aber das sind doch Christ*innen. Und gibt’s orthodoxe Christ*innen in Israel? Keine Ahnung.


Oben: Wow, seit letzter Woche bin ich also Bestseller(mit)autor. Dit Buch hier. Wenn dann nächsten Herbst mein eigenes Buch also tatsächlich mal in einem (nicht-leipziger) Buchladen ausliegen könnte, dann wäre ich sehr glücklich.
Unten: Die Fliesen im Bad unserer Haifa-Airbnb-Frau. Am liebsten hätte ich sie alle rausgestemmt und mitgenommen. Dieses Bild also als kleine Notiz an die zukünftige Architektin (ich werde beim Bau nur Bauarbeiterinnen beschäftigen, damit sie vom Gerüst vorbeilaufende Männer erniedrigen können): So sollen meine 23 Bäder aussehen.
Nicht im Bild: Wie unsere supererere Airbnb-Frau uns abends erwartete und meinte: Habt ihr gelesen? Von Freitag bis Samstag streiken die Flughafenmitarbeiter*innen. Aber kein Ding, ihr könnt einfach wieder zu mir kommen, wenn ihr nicht wegkommt. Und ich so. Sah und schon tagelang am Flughafen campen, durchsetzt mit Schweiß und Ekel, absolut mittellos, weil alles so teuer ist. Und weil das alles so stressig war, sind wir erstmal was trinken gegangen. Und dann im Laufe des Abends die erlösende Nachricht: Doch kein Streik. Umsonst für 30 Euro Biertrinken gewesen. Aber das war uns dann auch irgendwie egal.
Auch nicht im Bild: Die lustige Bar, in der ständig diese Katze auf dem Tresen saß, sodass jeder/m Gesundheitsamtsmitarbeiter*in in Deutschland das Herz stehen geblieben wäre.


Letzter Abend in Tel Aviv. Letzter Abend bei 25 Grad und die Gewissheit, dass es circa zwölf Stunden später wieder arschkalt sein wird.
Stichwort Reiseorganisation und Shabbat noch einmal: Tun sie es nicht. Fliegen sie niemals an einem Freitag nach 16 Uhr bis Sonntag 0 Uhr. Es ist einfach zu kompliziert. Es fahren keine Züge und Busse zum Flughafen, von Tel Aviv maximal Taxis für 30 Euro. Man kriegt es hin, aber das heißt dann auch: Egal, wo man gerade ist, man muss bis Freitag 16 Uhr am besten in Tel Aviv sein, sonst kann man es einfach vergessen. Ansonsten gilt das, was ich schon gestern schrieb. Die Kontrollen sind jetzt nicht sooo krass. Komischerweise werden die neuen Reisepässe anscheinend nicht von den automatischen biometrischen Passkontrollgeräten erkannt, was selbst die Sicherheitsleute am Flughafen irritiert. Aber ausreisen darf man trotzdem und beim Einreisen wird man eh persönlich kontrolliert. Für uns hieß es im Endeffekt: Freitag um 9 Uhr in Haifa aufstehen, mittags mit dem Zug nach Tel Aviv fahren, dort noch einmal am Strand herumhängen, den Pre-Shabbat genießen, dann irgendwie bis Mitternacht durchhalten, durch das vermutlich gruseligste Viertel Tel Avivs zum Busbahnhof laufen (Die Eisenbahnstraße ist NICHTS dagegen), mit dem Taxi zum Flughafen fahren, 5 Stunden warten, zwei Stunden nach Athen fliegen, dort binnen 50 Minuten aus dem Flughafen raus, neu einchecken, neu kontrolliert werden, dann drei Stunden nach Berlin fliegen, drei Stunden warten (und aus der Not heraus für 19 Uhr Euro (!!!) bei Burger King essen, sodass jetzt erstmal ein halbes Jahr lang kein Urlaub mehr drin ist, dann nochmal zweieinhalb Stunden Bus fahren, dann noch Straßenbahn und dann endlich duschen. Und das lang ersehnte Finale von Bauer sucht Frau gucken. Und dann Punkt 21 Uhr ab in den Club völlig erschöpft einschlafen. Dann irgendwann aufwachen, rausgucken und dann schneit es. Danke für nichts, Natur! Und falls ich Ihnen noch einen Tipp geben darf: Schalten Sie niemals, ich wiederhole, NIEMALS ihre mobilen Daten und Roaming an. Und rufen Sie bitte auch niemanden an, wenn sie keine israelische Sim-Karte haben. Tun Sie es nicht. Sie werden es mir danken. Ich sage nur 21 Euro für 9 Minuten.
Fazit: Auf jeden Fall nochmal Israel. Unbedingt wieder mit Tel Aviv. Gern aber auch mit Golanhöhen, Westbank und Totem Meer.

Was fehlt:

  • Monitor vom 30.11. zum Thema Oury Jalloh. Armes, armes Deutschland. Was sind das nur für eklige Menschen. Was für ein Skandal.
  • Mal fünf Minuten Blödsinn lesen? Dann hier. CDU-Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft und Vize der Polizeigewerkschaft über die Polizei bei G20. Was für ein grotesker Unsinn.
  • Stichwort Dein-Freund-und-Helfer: Bester. Job. Der. Welt.
  • Und à propos diese total sicheren Betonblöcke: Nope.
  • Noch mehr Unsinn gefällig? Unser sächsischer Ministerpräsident in spe darüber, was er denn so machen will als Ministerpräsident. Auf jeden Fall gegen die AfD kämpfen. Indem er z.B. dafür sorgt,
    dass Flugzeuge, in denen „nur“ 15 Leute zurück in ihre „sicheren“ Heimatländer sitzen, gefälligst auch voll sind. Nein nein, nicht indem er rechts ist. Er macht halt nur, was die Bürger*innen von ihm wollen. Und dass die Halt rechts sind, damit hat er ja nichts zu tun. Meine Güte, wird das noch dunkel hier.
  • Das sind also Nachrichten in Sachsen: BEI DE LINKSAUTONOMEN SIND JETZ OCH FRAUEN! Habt ihr nichts zu tun in eurer Redaktion?
  • Am 07. Dezember gegen die Innenministerkonferenz auf die Straße!
  • Irre gibt’s aber überall: Einem Bruder des belgischen Königs sollen die Bezüge (308,000 Euro im Jahr, nicht schlecht) gekürzt werden und er sieht deshalb seine Menschenrechte bedroht.
  • „Mimimi, eSport ist gar kein richtiger Sport.“
  • Sarah Silverman über Louis CK Sehr sehr gut.
  • „Unbegrenztes Wachstum ist wie Krebs – einfach mehr, einfach alles fressen, am Ende eben auch den eignen Lebensraum.“ – Sybille Berg über Rechtsruck, Unverhältnismäßigkeit von Reichtum und Meinungsfreiheit.
  • Was für ein gruseliger Text: Isabell Beer über ihre Recherche in der Welt der Heimlich-Frauen- und Vergewaltigungsfilmer.
  • Ach, die in China sind ja so bekloppt. (Ein Glück, dass wir das hier erst in zehn Jahren haben!)
In Kategorie: a week in pictures

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