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A Week in Pictures 46/2017

Es fühlt sich wie Russisch-Roulette an, wenn man bei ein und demselben Lieferdienst gleichzeitig Mexikanisch, Indisch, Pizza und Chinesisch bestellt.
Es kann einfach nicht gut gehen. Niemand kann alle kulinarischen Richtungen gleich gut kochen. Das glaube ich nicht. Indisch und Mexikanisch, meinetwegen. Wobei ich mir Indisch relativ schwer vorstelle, so von den Gewürzkombinationen her. Mexikanisch geht vermutlich, weil es hierzulande ja eh „nur“ Chili bedeutet (obwohl: Ich habe vermutlich schon jedes Chili in Leipzig gegessen und kann sagen: Es gibt tatsächlich nur 2-3 gute). Pizza ist wahrscheinlich auch machbar, wenn man ein bisschen übt. Chinesisch stelle ich mir da schon schwieriger vor. Also nicht, dass ich selbst irgendetwas davon gut kochen könnte, aber Sie verstehen, worauf ich hinaus will. Zwei Richtungen gleichtzeitig gut kochen, ja. Aber drei oder gar vier? Nein. Irgendjemand wird also einen verdammt miesen Abend haben. Mais im Chili oder solche abartigen Dinge. Ich hatte mal Haare in einer Lasagne. Also nicht so 1-2, die ich vielleicht noch verstehen könnte. Nein, so einen richtigen Büschel. Wo man dann nicht weiß: Ich das jetzt eine Warnung der Cosa Nostra und es waren nur die Pferdeköpfe alle oder ist hier einfach jemand sehr sehr sehr eklig? Und es ist ein sehr komisches Gespräch, wenn man dann anruft und sagt: „Ich hatte Haare in meinem Essen.“ „Oh no, das tut uns leid mit dem Haar.“ „Nein nein, nicht ‚ein Haar‘ – HaarE! Viele! So ein mittlerer Büschel, genau gesagt.“ – Und nein, ich habe nicht das angebotene Ersatzessen genommen. Ich war schon lange satt.


Es war Montag. Ich war gerade dabei, abzuwaschen und nebenbei Deutschlandfunk zu hören, um endlich der klügste Mensch der Welt zu werden. Es ging um die dreiprozentige Rentenerhöhungen ab 2018 und wieso das natürlich ganz nett ist, aber keineswegs durchdacht. Denn 3% für jemanden mit 600 Euro Rente sind etwas anderes als 3 Prozent für jemanden mit 1.600 Euro Rente. Und derzeit mag es noch besonders viele Leute geben, die ihr Leben lang gearbeitet und deshalb hohe Renten (und meist sogar noch private Alterssicherungen) haben, aber irgendwann gehen halt auch die ganzen Leute in Rente, die seit der Wende in einem Dauerzustand aus Arbeitslosigkeit, Zeitarbeit, Minijobs und und und leben mussten. Und bei deren zu erwartenden Minirenten sind prozentuale Rentenerhöhungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein bzw. gehen sogar vollkommen am eigentlich Problem vorbei: Dass das Rentensystem nicht mehr zeitgemäß organisiert ist und es darum gehen muss, zuallererst sicher zu stellen, dass alle Rentner*innen lebenswert leben können. Denn, es gibt da dieses schöne Bild Gleichheit und Gerechtigkeit sind eben nicht dasselbe.
Auf jeden Fall fielen mir beim Radiohören zwei Dinge auf:
1) Ich kann keine Tomatenbutter wegwerfen. Ich mache total gute Tomatenbutter (leider kein beliebtes Produkt für einen Lieferservice), aber irgendwie bleibt davon ja immer etwas übrig und ich weiß nie, ob man die jetzt besonders lang lagern kann oder nicht. Eigentlich ja schon, oder? Ist doch nur Tomatenmark, Knoblauch, Butter, Salz, Pfeffer. Aber wenn die dann schon seit zwei Wochen im Kühlschrank steht, kommt man ja doch ins Grübeln. Ich meine, ich esse sie trotzdem noch. Aber auch nur, weil ich mir egal bin. Ein bisschen eklig finde ich es trotzdem. Aber ich würde das ja auch nie jemandem erzählen.
2) Wenn ich Evanescence höre, dann fühlt es sich an, als verstehe ich _alle_ 13-Jährigen dieser Welt. Wohlgemerkt, 13-Jährige von mir 15 Jahren, aber was soll’s. Und: Wenn ich in der Küche sitze, dann kann ich mich mit der Bluetooth-Box der Nachbarn verbinden und Evanescence durch die Wand hören. Aber Vorsichtig ist geboten: Man darf so etwas nicht überstrapazieren, sonst merken die das ja. Und dann kann ich nicht irgendwann nachts mal so Horrorgeräusche abspielen.


So, haben wir das neue Joachim-Meyerhoff-Buch also auch durch. Sehr gut, wie erwartet. Und am Ende weiß man dann auch ganz sicher, wie und warum die vier Teile zusammengehören. Auch, wenn ich das Ende jetzt nicht sooo toll fand. Für meine Begriffe doch ein bisschen zu esomäßig. Aber es gibt so viele Zitate, bei denen ich einfach nur nicken kann. So wie obiges, das mich sofort wieder schmerzlich an den Kümmel-Vorfall von letzter Woche erinnert hat. Mir geht es leider exakt genau so.
Nächster Halt: Israel-Bücher und das das neue John-Greene-Buch. Bisher ist es sehr gut. Ich bin ja immer wieder erstaunt darüber, wie gut der Mann die Kunst der Young Adult Fiction beherrscht. Und ich glaube, das Erfolgsgeheimnis ist, dass er sie einfach ernst nimmt und (ernsthaft) über die Probleme von Jugendlichen schreibt. Also im Sinne von echten Problemen und nicht wie ein Erwachsener, der auf die Probleme herabblickt, auch wenn sie manchmal (natürlich) etwas übertrieben sind. Die erste Hälfte von Looking for Alaska ist einfach großartig (danach ist leider Alaska weg), ebenso das komplette The fault in our stars, wenn auch ein bisschen schmierig Richtung Ende, aber das ist nur meine Meinung.


Oben: Lesebühne in Berlin. Viel zu früh war ich in Berlin, weil man bis Ende November ausschließlich in Bitterfeld in den ICE steigen kann und deshalb viel Zeit einplanen muss. Also fuhr ich einmal kreuz und quer mit der U-Bahn durch die Stadt, denn ich mag es, U-Bahn zu fahren. Leider keine Verrückten gesehen. Immerhin weiß ich mittlerweile, welche meine Lieblings-U-Bahnen sind. Zum Einen die U2. Keine Ahnung warum. Wahrscheinlich, weil ich sie einfach nie oft benutzt habe und sie deshalb immer etwas Besonderes ist. Und die S1. Einfach deshalb, weil ich mit der S1 zum ersten Mal an der Bornholmer Straße entlang gefahren bin und bei den ganzen Graffitis gar nicht mehr wusste, wie mir geschah. Und Pankow mag ich ja auch irgendwie, weil ich dort früher andauernd zum Training hin musste. Ich muss unbedingt noch einmal in das chinesische Restaurant dort gehen, wo ich schon tausendmal war. Ansonsten mag ich zum Beispiel die Haltestelle Savignyplatz. Ich weiß zwar nie, wie man Savigny beim ersten Versuch richtig schreibt, aber ich mag die Gegend, obwohl ich den Kudamm überhaupt nicht mag. Es gab mal diesen Versuch, wo zwei Leute an einem Tag alle Berliner U-Bahnhöfe abgefahren, mit allen Linien gefahren und darüber dann gebloggt haben. Ich finde es nicht mehr, aber das würde ich auch mal gern machen. Die beiden hatten, soweit ich mich erinnere, einen total ausgeklügelten Umstiegsplan und am Ende dauerte es dann doch gar nicht so lang, wie man vermutet hätte. Müsste man eigentlich mal in Leipzig machen.
Unten: Lesebühne in Halle. Schon zum vorletzten Mal. Ja, zum vorletzten Mal überhaupt. Dann hören wir auf. Ironischerweise ist es natürlich jetzt immer voll und die neue Location (das Café der Oper) ist total super. Aber was will man machen. Ist auch mal schön, in Zukunft wieder den dritten Donnerstag im Monat frei zu haben.
Nicht im Bild: Wie ich am nächsten Morgen darauf hoffte, Matthias Schweighöfer zu begegnen, denn der dreht gerade in jener Straße, in der ich immer schlafe (also ich schlafe schon in einem Haus, aber Sie verstehen), die zweite Staffel seiner Mr-Robot-Serie. Spoiler: Er war nicht da. Aber es war auch verdammt früh.


Und dann zum Abschluss Lesebühne in Leipzig. Mit unendlich vielen Leuten, denn offenbar war an diesem Abend einfach nichts in Leipzig los. Aber da beschweren wir uns natürlich nicht. Im Gegenteil: Es ist total super, je mehr Leute zuhören. Und wenn dann auch noch das Zeug, das man da so hingeschmiert hat, Anklang findet, ist es doch umso besser. Außerdem habe ich wieder ein tolles Mikrowellengericht vor der Veranstaltung gegessen und war wie immer überrascht davon, dass die gar nciht soooo schlecht sind, wie man vermuten würde.
Nicht im Bild: Wie wir gerade alle Harry-Potter-Filme noch einmal gucken und Teil 1 wirklich der beste ist. Also jetzt nicht von der letztendlichen Story her, was den „Endkampf“ angeht, aber so generell. Es gibt ja diese zwei Harry-Potter-Lager: Die Einen mögen diese kindliche Zaubererwelt lieber, die Anderen stehen mehr auf dieses dunkle Verschwörungsding am Ende. Ich gehöre eindeutig zu ersterem. Ich finde das viel netter, wenn man erstmal in diese ganze Welt eingeführt wird, als wenn es später nur noch um Mord und Kämpfen und Verrat und whatever geht. Es ist nach wie vor gut, klar. Aber dafür bin ich einfach zu harmoniebedürftig. Obwohl ich ja großer Tom-Riddle-Fan bin. Ich wäre definitiv auch ein böser Ultrazauberer geworden, hätte ich damals den Hogwarts-Brief bekommen. Naja, wahrscheinlich nicht mit der letztendlichen Konsequenz, mir die Welt zu unterwerfen – dafür bin ich doch einfach zu faul – aber ich hätte definitiv alles über die dark arts wissen wollen. Die bösen Zauberer sind eindeutig die cooleren. Und die mächtigeren. Ich mag Griffindor, aber ich wäre vermutlich ein Slytherin geworden, tut mir leid. Ich mag die Slytherin-Kids auch nicht, aber Slytherin an sich finde ich schon ziemlich cool. Außerdem verleidet es mir jedes Mal die Stimmung, je näher sich Harry und Ginny kommen. Je mehr die sich mögen, desto mehr bin ich raus. Ich meine, Ginny. Ehrlich, Harry? Ginny! Ich komm einfach nicht drüber hinweg.


Da hat man gerade mal Zeit, endlich Prinzessin Zelda zu retten, und dann das! Zuerst merkt man, das man gar nichts Cooles zu Trinken im Haus hat, um die Rettung anständig zu zelebrieren. Also duschen, anziehen, rausgehen, UNENDLICHE KÄLTE, nochmal zurückgehen, weil Pfandflaschen vergessen, wieder rausgehen, UNENDLICHE KÄLTE, zum Supermarkt laufen, einkaufen, anstellen, bezahlen, VERGESSEN, DIE PFANDFLASCHEN ABZUGEBEN, also die Pfandflaschen abgeben, dann keine Lust mehr haben, noch einmal anzustehen, also nach Hause gehen. Aber damit nicht genug: Dann ist der alte Spielstand gelöscht, weswegen man dieses unendlich lange Intro noch einmal ansehen muss, dauernd darauf wartend, dass sich die Dialogfetzen endlich aufgebaut haben und man sie wegdrücken kann. Ich habe gestoppt: 27 Minuten, ehe man zum ersten Mal halbwegs frei herumrennen kann. Und es dauert anderthalb Stunden, ehe man endlich von dieser schwebenden Insel herunter ist. Und dann, wenn man endlich so weit ist, sind die Batterien des Controllers alle! Hass! Hass! Hass! Also wieder anziehen, rausgehen, IMMER NOCH UNENDLICHE KÄLTE, nochmal hochgehen, weil den Pfandzettel vergessen, dann wieder los, Batterien suchen, keine finden, angeblich liegen sie an der Kasse, also direkt anstellen, megalange Schlange, irgendwann ist man vorn, keine Batterien am Start, also nochmal zwischen allen Kassenschlagen hindurchtänzeln und woanders Batterien besorgen, dann wieder raus und bemerken, VERGESSEN, DEN PFANDZETTEL ZU BENUTZEN, UNENDLICHE KÄLTE, Hass, Hass, Hass. Wird also noch eine Weile dauern, Frau Zelda. Es tut mir leid, aber das Universum ist gegen mich.


Was für ein gebrauchtes Spiel. Wie kann man denn so schlecht verteidigen? Die Elfmeter und die rote Karte waren beide okay, insgesamt endlich mal eine sehr gute Schiedsrichterleistung, für beide Mannschaften, aber die Defensive, meine Güte. Kann man froh sein, dass immerhin noch ein Unentschieden heraus sprang. Tabellarisch geht das alles schon klar, aber man hätte Dortmunds Schnitzer ja auch ruhig mal ausnutzen können. Bayern ist sowieso weg. Und Meister werden ist eh langweilig.
Nicht im Bild: Indisches Essen und Mindhunter-Marathon. Tolle Serie. Quasi (nur kurz von Erschöpfung unterbrochen) komplett durchgeguckt. Gute Serie. Okay, ich hasse Debbie und nerve bei so Mordserien immer alle, weil ich bei jedem Mordfall rufe: „DER WAR ES! HUNDERTPRO! NEIN DER! GANZ SICHER! NEIN, OKAY, ES WAR HUNDERTPRO DIE FRAU! BEZIEHUNGSWEISE IHR MANN!“ Aber worum geht es? Es geht um einen FBI-Agenten, der durch Zufall einem Kollegen zugeordnet wird, mit dem er durch die USA fährt, um lokale Polizei in neuen Ermittlungstechniken zu schulen. Dabei beginnen sie, einen Serienmörder zu interviewen, woraus dann quasi ihre Spezieleinheit wird. Und mit der fahren sie dann rum, interviewen Serienmörder, versuchen sie zu verstehen und lösen nebenbei andere Fälle. Gute Serie, sehr gut. Nur Debbie halt, die hasse ich.

Was fehlt:

Und wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann dürfen Sie es auch wissen: Nächste Woche kommt der Rückblick vielleicht etwas (viel) später. Vielleicht auch nicht. Mal sehen. Aber falls ja, dann werden Sie schon erfahren, warum. Sorry.

In Kategorie: a week in pictures

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