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A Week in Pictures 44/2017

Wuah! Ich habe eine Küche. Fast fühle ich mich, als sei ich wieder in der Zivilisation angekommen. So richtig mit Waschen-Können und Kochen Warmmachen und so. Sie ist absolut großartig und sogar so lustig gebogen, was das Bild oben erklärt. Und so langsam lässt auch diese Lähmung nach, die solche Dinge immer bei mir verursachen. Dinge, die man am liebsten sofort erledigt haben würde, aber sie brauchen eben eine Weile. Aber bis sie fertig sind nagen sie irgendwo im Hinterkopf und verhindern damit, sich mir irgendetwas Anderem beschäftigen zu können. Nun gut, es ist ein Ende in Sicht. Und mittlerweile habe ich echt Lust, wieder richtig arbeiten zu können (WTF?).


Hier waren wir bei Superkumpel Nils Premiere seines neuen Buches Auf Jesu Spuren. Geht zum Glück gar nicht nur um Jesus, sondern verrät auch viel darüber, wie es sich dieser Tage so in Israel und Palästina lebt. Und das ist spannend (sowieso), aber natürlich noch mehr für mich, denn bald geht’s schließlich dorthin. Ich schaue mich gerade durch sämtliche Youtube-Dokus zum Thema sowie jene Bücher, die ich von Nils bekommen habe. Lieblingspassage bis jetzt (aus dem Lonely Planet, ja ja, ich verachte mich selbst):

„Alljährlich kommen Millionen Touristen nach Jerusalem, um auf den Spuren von Heiligen zu wandeln. Ein paar gelangen auf der Reise aber auch zu der Überzeugung, sie selber seien Heilige. Diese medizinisch anerkannte Erkrankung, das so genannte Jerusalem-Syndrom, tritt ein, wenn Besucher von der metaphysischen Bedeutung der Stadt überwältigt werden und sich plötzlich für biblische Gestalten halten oder der Meinung sind, das Weltende stehe unmittelbar bevor. […] Ärzte schätzen, dass pro Jahr zwischen 80 und 100 Menschen am Jerusalem-Syndrom erkranken. […] Laut Aussage der Ärzte hält das Syndrom im Allgemeinen eine Woche an. Nach ihrer Genesung ist den Patienten der Vorfall sehr peinlich und sie möchten nicht darüber sprechen. Die Ärzte in der Klinik Kfar Shaul haben übrigens herausgefunden, dass alle Bemühungen vergeblich sind, die Panteien davon zu überzeugen, dass sie nicht biblische Personen sind.“

Geil, hoffentlich krieg ich das! Ich freu mich sehr darauf. Auch wenn ich, so ich das hier alles lese, dieses Religionszeug immer noch weniger verstehen kann. Da beten die eine Mauer an, nur weil die mal eine Stützmauer des Plateaus des zweiten Tempels war und die eben bei der Zerstörung des Tempels stehen geblieben ist. Natürlich nur, weil ihr Gott noch immer inne wohnt. Is‘ klar. Religionskritisch wie wir sind, haben wir die Reise übrigens so gelegt, dass wir genau zum Schabbat ankommen und genau zum Schabbat abreisen. Das wird bestimmt total super funktionieren. Aber egal, für einen Heiligen werden die schon einen Bus fahren lassen, davon bin ich überzeugt.


Gerade, als ich mich minderwertig fühlen wollte, weil das mit meinem Buch noch so lange dauert und da noch Einiges zu tun ist, kam übrigens das hier: Die bucklige Verwandtschaft – Driving Home for Christmas, eine sehr hübsche Anthologie aus dem Hause Rowohlt. Und ich durfte mich zwischen preisgekrönte und höchst vorbeschusste, literaturpreisgewinnende Giganten wie Kathrin Weßling, Paul Bokowski oder Kirsten Fuchs einreihen und auch etwas ins Buch schmieren. Es fühlt sich genau so deplatziert an, wie damals bei der Goldenen Henne. Aber die werden sich schon etwas dabei gedacht haben, das zuzulassen. À propos Deplatziertheit: Was soll das eigentlich, dass plötzlich alle den Leipziger Opernball cool finden und dorthin rennen? Thema des Abends: „Moskauer Nächte“. Ernsthaft? Schön mit Homosexuelle-Niederknüppeln und Herum-Oligarchen, während sich Kim Fischer noch einen Prosecco mit The Boss Hoss (die gibt’s noch?) genehmigt? Eine Tombola, bei der ein Porsche verjubelt wird? Wie ätzend das alles ist. Ein Glück, dass ich zu so etwas nicht eingeladen werde, denn ich würde es als ernste Beleidigung auffassen. Wieso geht man da hin? Findet man solche Veranstaltung einfach nur so lange uncool, bis man endlich eingeladen wird? Und dann sagt man plötzlich: „Ach was, so uncool ist das gar nicht!“, nur weil man sich endlich zu den „oberen“ 10.000 der Stadt zählen darf, die einen normalerweise nicht mal mit dem Arsch angucken würden? Pfui. Und mitten drin Wolke Hegenbarth. Ja, genau, die aus der Top-Serie Mein Leben und ich. Ein Stich mitten ins Herz ist das, Wolke! Ich dachte, du seist cool. Aber vielleicht ist ja doch nur die Alex aus der Serie cool. Immerhin, in der LVZ werden die anwesenden „Promis“ mittlerweile den völlig zurecht in Anführungszeichen gesetzten Kategorien wie „Musik“ oder „Gesellschaft“ zugeordnet. Wenn das Ganze wenigstens ironisch gemeint gewesen wäre. Aber nein. Aber macht mal euer Ding.


Oben: Es gab ja eine Zeit, da habe ich echt verdammt viele Podcasts gehört. Da wollte ich dann auch unbedingt einen Podcast machen. Irgendwie habe ich mir dabei dann aber so viel Zeit gelassen, dass in der Zwischenzeit einfach gefühlt alle Anderen einen Podcast gemacht haben. Und dann fand ich Podcasts irgendwie vorbei. Mittlerweile machen immer noch mehr Leute einen Podcast und ich frage mich, ob das quasi das neue Twitter ist und ich seit geraumer Zeit einfach in die falsche Richtung laufe, aber wer weiß. Vielleicht mache ich ja irgendwann dann einen Podcast, wenn es wieder total uncool ist und niemand mehr damit reich und berühmt wird. Vielleicht deshalb höre ich mittlerweile eigentlich nur noch Talk ohne Gast. Aber Moritz und Till harmonieren einfach so großartig, dass die Latte nun schon sehr sehr hoch liegt. Einfach, weil in der halben/dreiviertel Stunde so viel unfassbar Lustiges und gleichzeitig Kluges zusammenimprovisiert wird, dass man nach 20 Folgen garantiert schon mindestens eine Duo-Show zusammen hat, die dreißig mal besser ist als alles, was einen Comedypreis gewinnt (Okay, mal ausgenommen Hazel Brugger. Die hat ihn zwar auch nicht „verdient“, aber wenn eine Comedienne diese Bürde wird aushalten können, dann halt sie).
Unten: Das ist also die Postmoderne. Oder eigentlich schon die Post-Postmoderne. Samstagmorgens im Bett zu liegen und die Deutsche Quidditch-Meisterschaft in Jena zu streamen. Bei der der Schnatz ein dicker Junge mit goldenen Klamotten und einer Bommel am Hintern ist. Mich wundert in dieser Welt gar nichts mehr.


Kontemplazion. Schreibt man das jetzt so? Oder Kontemplation? Ich weiß es nicht.
Nicht im Bild: Die großartige Doku Im inneren Kreis, bei der es um verdeckte Ermittler*innen in linken Strukturen wie z.B. der Roten Flora geht. Quintessenz: In der Roten Flora gibt es wahrscheinlich einfach _immer_ mindestens 1-2 verdeckte Ermittlerinnen, die sich „engagieren“ und alles haarklein protokollieren und weitermelden. Das Traurigste daran aber ist, dass diese Leute dazu über Jahre hinweg natürlich auch Vertrauen zu Personen aufbauen müssen, mitunter sogar Liebesbeziehungen geführt haben. Und wenn man dann plötzlich mitbekommt, dass das alles fake war, dann ist das sicher ein ganz heftiger Schlag in die Magengrube. Weil man an sich selbst zu zweifeln beginnt und das eigene Vertrauenspotenzial richtig viel Schaden nimmt.
„Fun“ facts des Films:
– Wie der Generalstaatsanwalt meinte, der/die verdeckte Ermittler*in sei immer die ultima ratio und prinzipiell nur zur Gefahrenabwehr in Größenordnung von Terrorismus etc. anzuwenden. Und dann packen die einen Ermittler in den Asta der Uni Heidelberg? Lächerlich.
– Wie die Frage diskutiert wurde, warum verdeckte Ermittler*innen irgendwie nur in linken Strukturen eingeschleust werden und bei den Rechte immer nur V-Leute (das heißt es sind keine Beamt*innen, sondern Szene-Personen, die Geld für Infos bekommen). Antwort: Bei den Rechten sei das ja viel zu gefährlich und bei den Linken müsse man eigentlich nicht wirklich Gefahr für Leib und Leben fürchten.
– Wie niemand sagen will, wie viele verdeckte Ermittler*innen überhaupt im Einsatz sind. Und wie man sich nach dem Film irgendwie ziemlich sicher ist, dass die Polizei das bestimmt auch schon im Conne Island oder ähnlichen Läden probiert hat resp. probiert.
– Um das Problem zu verdeutlichen: Wie eklig es ist, wenn verdeckte Ermittler*innen dann natürlich auch in den linken Strukturen aktiv sein müssen. Und wie sie mitunter dann auf Militanz drängen, einfach, damit sie etwas vorzuweisen haben.
– Wie so ein Einsatz angeblich im sechs- bis siebenstelligen Eurobereich liegt. Und wie bspw. bei der Roten Flora oder in Heidelberg einfach _nichts_ dabei herauskam.
– Wie verdeckte Ermittler*innen praktisch täglich mit ihren Vorgesetzten in Verbindung stehen müssen (man nennt das „strenge Führung“) und dann gesagt wurde, dass bspw. Liebesbeziehungen ein absolutes No-Go sind. Und wie es dann plötzlich hieß: „Naja, dass die da ein Verhältnis mit der hatte, davon wussten wir ja nichts. Außerdem sind ist das immer einzelfallabhängig.“
Ich kann die Doku nur empfehlen.


Sie wissen: Ich liebe Graffiti-Filme. Und Graffiti. So sehr, dass ich sogar gleich beim ersten Versuch „Graffiti“ korrekt schreiben kann. Und wenn die Radicals einen neuen Film rausbringen, dann muss ich den sehen. Und ja, war gut. Ich hätte mir noch die Aktion vom Ringmessehaus gewünscht, wobei allerdings die an der Post am Augustusplatz echt großartig war. Spannend, mal zu sehen, wie viele Dosen dafür nötig waren. Und wie ewig das Ganze gedauert hat. Was wohl die Leute in der vorbeifahrenden Straßenbahn gedacht haben, als plötzlich das monströse Werbeplakat heruntersegelte? Der komplett besprühte ICE war auch super. Bisschen viel von 2014 vielleicht. Ich persönlich hätte mir noch ein bisschen mehr „Drumherum“ gewünscht. So wie bei unlike u zum Beispiel. Mehr „Quatsch“ wie bei 1UPs Verry good guys. Oder mehr „Interaktion“ wie bei Pure Hate, wobei man das natürlich nicht erzwingen kann und es ja prinzipiell schön ist, wenn man so etwas vermeiden kann. Aber das ist nur Jammern auf hohem Niveau. Guter Film. Hier gibt’s Teil 1.


Dreimal 2:1 an einem Wochenende.
Oben: Bei der U17 am Cottaweg. Nicht im Bild: Wie mir ein netter Herr danach verkündete, er hätte ja eigentlich flitzen wollen, aber er habe irgendwie den Moment verpasst und ob ich das okay gefunden hätte, wenn er’s denn getan hätte.
Unten: Bei den Frauen am Gontardweg. Nicht im Bild: Wie es die ganze Zeit regnete, bis am Ende wirklich gar nichts mehr trocken war. Nicht cool: Dem Techniker in strömendem Regen beim Abbauen helfen, aber muss ja.
Nicht im Bild: Das 2:1 der ersten Mannschaft. Das war wirklich notwendig. Ich finde es nur etwas komisch, wie dauernd gesprochen werden musste, ob Hannover nun zurecht auf Platz 4 stand. Völlig egal, denn sie standen ja da. Und das Werner-Tor und die Vorlage waren ja mal richtig schön. Und ich kann auch Sabitzers Unmut verstehen. Aber es ging ja zum Glück doch noch gut aus. Schön jedenfalls, dass er auch als Profi mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und auch später noch dazu steht.

Was fehlt:

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