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A Week in Pictures: 41/2013

'Das war's dann mit dem Sommer!' 'Ja, das kann man sagen.' Sagten sie zumindest bei Herr Lehmann immer so sonor, dass ich es bis heute noch andauernd sage. Herbst find ich voll blöd. Hier fünf gute Gründe dafür (eigentlich sind es sechs, aber einer ist dagegen, also sind es wieder fünf): 1. Es regnet jetzt wieder öfter und weil der Regen auch direkt die Blätter mit abreißt, läuft man quasi ständig durch Matsch. -1. Okay, dieses Bunte-Blätter-Zeug fetzt schon irgendwie, vor allem Blutbuchen finde ich super, weil die so schön violett werden. 1. Ich hasse es, wenn meine Hosenbeine nass werden. 2. Oder meine Schuhe. Außerdem ist mein Schirm kaputt. 3. Ich habe meinen kaputten Schirm vor zwei Tagen im Backstage liegen lassen. 4. Erstis. Sie sind überall. Und sie fragen ständig nervige Dinge. Aber irgendwie sind sie ja auch niedlich. Wie sie noch glauben, sie wären cool und so. Ich habe mal einen kleinen Leitfaden für die Erstis geschrieben. 5. Herbst macht, dass man ernsthaft darüber nachdenkt, mal die Heizung aufzudrehen und das will ich nicht. / Damit ist quasi besiegelt: Herbst ist blöd. Wird echt Zeit, dass ich reich werde, dann bin ich hier Punkt Oktober immer weg und komme erst Mitte April wieder. Oder ich lasse riesige Heizventilatoren aufstellen, damit es hier dauernd sommerlich mild ist. Sollte ja kein Problem sein, wenn man reich ist.

Ein Bild aus meiner Reihe: Beinahe gestorben. Hier Bild Nummer 14. Ich glaube, ich wollte hier auch nur dokumentieren, wie nervig ich Herbst finde. Weil es dauernd so schrecklich dunkel ist und ich dann immer so wehmütig werde und dauernd überall in meiner Wohnung Redrum an die Wände schreibe. Hat eigentlich schon jemand die Shining-Fortsetzung Doctor Sleep gelesen? Lohnt die sich? Ich bin sehr an einer Meinung dazu interessiert, zumal hier um die Ecke die beiden Zwillinge aus dem ersten Teil wohnen. Sie sind mittlerweile in Rente, tragen aber stets die gleichen Klamotten und laufen immer Hand in Hand im Konsum umher. Nein, kein Spaß, die gibt's wirklich. Hier ein Beweisbild. Ich weiß, so was macht man nicht. Aber ich finde das wirklich gruselig, dass solche Horrorstars hier in der Nähe wohnen.

Achje, schon wieder im Stadion, wie langweilig. Aber so ist mein Leben. Und immerhin locker gewonnen. Und die Getränkestandsfrau hat einen herzlichen Grund zum Lachen gehabt, als ich bei ihr ein Wasser bestellte und ihr versicherte, dies sei kein Codewort für Bier. Dafür bin ich doch gerne da. Und danach schön nass geworden, wie sich das gehört. Soweit ich das mitbekommen habe, blieb sogar wider Erwarten alles rund ums Stadion ruhig. Kennt man sonst gar nicht. Na gut, die 'Ihr bekommt aufs Maul'-Bauernrhetorik könnte man sich langsam mal klemmen. Hilft wahrscheinlich angesichts der Problemlagen des blau-gelben Vereins auch eher weniger. Aber jede/r so, wie er/sie es für richtig hält.

Ich spüre, das mit der Fotografenkarriere wird noch was. Aber vermutlich liegt es vielmehr am Motiv denn an meiner Fotografenkunst. In Leipzig muss so etwas ja quasi immer gelingen, denn hier ist alles gut. Meinen zumindest diese ganzen Zeitungen und Zeitschriften. Aber lassen wir das. Eine existienzielle Frage, die ich mir in letzter Zeit sehr häufig stelle: Wie finde ich Links zu den Amazon-Wunschzetteln anderer Leute? Nicht, weil ich ihnen beim großen Moloch etwas kaufen möchte, nein, mich interessiert ganz einfach, was sich andere Leute wünschen. Bei mir ist beispielsweise ein unbezahlbare Spiegelreflexkamera drauf, die so viele Einstellungen hat, dass ich vermutlich keine einzige davon benutzen würde. Aber wenn man den vielen Leuten auf der Straße glauben darf, machen das ja alle so. Nur was wünschen sich solche Menschen? Weltfrieden kann man ja nicht draufschreiben. Als wir in der Grundschule einst solche Wunsch-Kärtchen ausfüllen sollten, schrieben alle Kinder 'Weltfrieden', 'Arbeit' (Hallo? Arbeit? Freak!) oder 'Kein Krieg!' auf ihr Kärtchen. Bei mir stand: 'Ein Balkon'. Daraufhin wurde meine Lehrerin böse, gab mir einen Eintrag und bestand darauf, mit meinen Eltern zu sprechen. Dabei wollte ich einfach nur einen Balkon. Ich finde, dieser Vorfall beschreibt man Leben bis heute ziemlich gut.

Auf dem Weg nach Berlin. Noch sah es so aus, als hätte ich den Regen zu Hause gelassen, aber weit gefehlt. Direkt in der Hauptstadt war er wieder da und immer einsatzbereit, sobald ich mal mehr als zwei Meter unter freiem Himmel laufen musste. Wird wirklich Zeit, dass ich reich werde. Dann hätte ich jemanden, den ich losschicken könnte, damit er mir einen neuen Schirm besorgt. Oder sich schützend über mich beugt, sobald ich nass werden könnte. Oder ich könnte ein Taxi nehmen, aber das wäre auch irgendwie viel zu gewöhnlich. Jedenfalls: Berlin. Also Potsdam vielmals. Theater und so. Lebende gegen Tote und solches Zeug. Kann man machen. Macht auch viel Spaß, wenn es so funktioniert, wie es funktionierte. Leider hat Volker Strübing schon die beste Ansage für einen Dead or Alive Poetry Slam erfunden. Aber Recht hat er ja.

Da habe ich mich dann doch sehr gefreut, endlich mal an dieser U-Bahnstation zu sein. Kennste? Kennste? Kennste nich? Noch nie die Glatzen-Klatschen-Szene aus Status Yo! gesehen? Okay, schwul ist immer noch kein Schimpfwort und Spast auch nicht, aber ansonsten ist es ganz okay. Waren aber keine Nazis am Start. Muss ja auch nicht sein, dafür gibt es schließlich Ostsachsen. Nur bei den ganzen Omas, die immer ganz genau wissen, wer hier schuld an den Problemen ist, wird das schwieriger. Die kann man nicht einfach anrappen, das checken die meist noch weniger als deutsche Geschichte. Ich hoffe, ich werde nie so verbittert. Oder ich merke es nur nicht und bin eigentlich schon längst viel weiter. Wahrscheinlich kann man sich einfach nur dann die 50-Shades-Trilogie wirklich antun, wenn man längst keinen Glauben mehr an irgendwas besitzt. Aber das ist okay, Glauben war noch nie so meins.

Und dann hieß es mal wieder: 'Ja, das Hotel liegt übrigens ein _kleines_ bisschen außerhalb.' Und dann ist man bereits vierzig Minuten unterwegs, draußen ist urplötzlich neblig und findet sich im Nirgendwo wieder. Und dann steht auf der Straße wieder dieses schwarzhaarige Mädchen, das man vor sieben Tagen in diesem Youtube-Video gesehen hat, das dieser Kumpel unbedingt zeigen wollte. Und schon wird der Abend ein bisschen ungemütlich und ehe man sich versieht, ist man tot. Und dann ärgert man sich wieder, dass der Veranstalter jetzt das Zimmer umsonst gebucht hat und sich das Geld auch hätte sparen können. Und man kommt sich schuldig vor, weil man wieder einfach mirnichtsdirnichts ermordet wird, ohne das vielleicht mal vorher abzuklären. Zumal man ja sogar noch auf Frühstück bestanden hat und das Taxi für den nächsten Morgen bereits reserviert ist. Herrje, so kann ich nicht arbeiten.

Was fehlt: Vier!

In Kategorie: a week in pictures

2 Kommentare

  1. Jess

    Doctor Sleep und Herbstblues passen sehr gut zusammen. Ich bin im Buch kurz vorm Finale und es ist extrem spannend. Ich hoffe, dass das Ende so stark bleibt wie der Rest. Bis jetzt ist der Horror exzellent und der Gruselkitsch, zu dem Stephen King manchmal neigt, hält sich in Grenzen.

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