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A Week in Pictures 40/2017

Zu spät! Zu spät! Was soll denn das? Wokommerdenndahin? Daswardochfrühernichso! Ja, früher hat man die Capri-Sonne-Pappkartons auch noch wie einen coolen Koffer aufklappen können und heute geht das nicht mehr. Ist halt so. Manchmal kommt halt was unverhofft dazwischen. So wie man bei IKEA immer denkt: Nur hier diese zwei Nupsis für die Gardinenstrange kaufen, damit der Vorhang nicht immer an der Seite so runterbaumelt und dann an der Kasse heißt es plötzlich: 4 Millionen Euro. Das ist nicht okay, ist aber so. Trotzdem ein paar Dinge, die ich gelernt habe: 1) Ich bin ein Transporterfahrergott. Wenn man irgendwann alles schief geht, dann fahre ich einfach Transporter. Das krieg ich hin. 2) Jedes Stück Brot schmeckt besser, wenn ein bisschen Deko drauf ist. Und sei es nur ein winziges Stück Gurke, ein Salatblatt oder eine Scheibe Radieschen. 3) Ich mag keine Verniedlichungen. Aber Radies klingt auch doof. Außerdem ist das ein Ort in Sachsen-Anhalt, in dem die Buchhalterin jener Firma wohnte, in der ich mal arbeitete und diese Firma war doof und deshalb kann das nicht gut sein. 4) Ich kann super organisieren, mache es aber einfach nicht gern. 5) Das mit den Capri-Sonne-Kartons ist halt so, aber trotzdem noch lange nicht cool. 6) Capri Sonne! Es heißt Capri Sonne!


Kein Internet zu haben, fetzt nicht.
Immerhin: Kein Internet bedeutet auch, dass ich plötzlich mal wieder etwas lese. Zum Beispiel Bis die Sterne zittern. Es geht um Leipziger Jugendbanden um 1938, die keine Lust auf HJ und den ganzen Drill haben und dabei ziemlich anecken. Sehr schön, wenn man sich in Leipzig auskennt und dann immer liest, was hier oder dort mal war. Das Ende ist mir ein bisschen zu abrupt und für das, was eigentlich kurz vorher passiert (bzw. geschichtlich gesehen nach 1938 noch passieren wird), reagieren irgendwie alle Charaktere plötzlich seltsam entspannt und gechillt. Und dann ist das Buch vorbei. Auch sind vielleicht einfach paar Metaphern und die ein oder andere Beschreibung eines Regenschauers, Sonnenstrahls, -aufgangs, -untergangs zu viel drin, aber das ist Geschmackssache. Aber kann man gut lesen.
Oder Elefant von Martin Suter. Weiß nicht, wo ich das mal gesehen hatte, aber irgendwie hatte ich Lust darauf. Ich kannte ja gar nichts von Martin Suter. Aber das Buch ist wirklich ganz hübsch. Es geht darum, dass ein Genforscher einen pink leuchtenden Elefanten züchten will und deshalb zum Zirkus geht, um den Elefanten dort von einer Elefantenleihmutter auftragen zu lassen. Das klappt auch, allerdings ist der Elefant sehr klein und außerdem gibt es da ja noch mehrere Figuren, die den Elefanten entweder beschützen oder einfach selbst haben wollen. Das Ganze sehr schön verstrickt und durch die Zeitsprünge echt gut erzählt. Ich mag es, wenn es in einer Szene heißt, dass es draußen vorm Fenster komisch knackt und macht denkt sich „Na und? Wen interessiert`s?“ und dann, 100 Seiten später, erfährt man ganz beiläufig, warum es da draußen geknackt hat. Hach, schönes Buch. Keine Weltliteratur, aber echt gut.
Oder Freaks and Geeks. Ja, ich weiß, das guckt man. Aber „Elefant“ habe ich auch gehört und nicht gelesen, so! Durch Freeks and Geeks weiß ich mittlerweile wenigstens _irgendetwas_ mit James Franco anzufangen. Bis dato hatte ich mich nämlich immer gefragt, wer der Typ ist und wieso er würdig genug ist, um geroastet zu werden. Hach, großartige Serie. Warum gibt es davon nur eine Staffel? Ich will viel mehr von Bill sehen! Und weniger von Nick aka Marshall von How I Met Your Mother. Es ist wie damals. Anfangs ist es okay, aber nach zwei, drei Folgen hasse ich einfach Marshall, ganz egal, wo er mitspielt. Es ist nicht so schlimm, wie meine Abneigung gegen Ted Mosby, aber trotzdem. Wahrscheinlich tue ich dem Schauspieler total Unrecht, aber wenn ich ihn durch Zufall mal irgendwo treffen würde, dann würde ich ihn vermutlich total kacke finden. Einfach, weil er _immer_ nervige Figuren spielen muss. Insofern ist es vielleicht gut, dass der Ted-Mosby-Typ anscheinend gar nichts mehr spielt. Oder zumindest nichts, was in meiner Welt vorkommt. Genau wie James Franco. Aber den finde ich eigentlich nicht schlimm. James Franco ist für mich nur so etwas wie Pesto. In meiner Welt gab es nie Pesto. Und irgendwann zog ich nach Leipzig und mein damaliger Mitbewohner sagte: „Ey, lass mal Nudeln mit Pesto machen!“ Und ich: „Nudeln mit was?“ Und er: „Kannst dir aussuchen! Rot oder grün!“ Und ich: „Häh?“ Und er: „Wie? Kennst kein Pesto?“ Und ich: „What the fuck? Wovon redest du? Meinst du Tomaten? Ich hasse Tomaten! Es sei denn, sie sind püriert!“ Aber er: „Ey! Pesto!“ Und dann fragte ich alle Leute, die ich kannte, ob sie Pesto kennen und alle sagten: „Ja, logen!“ Und ich war total verzweifelt, weil ich offensichtlich irgendeinen elementaren Bestandteil dieser Welt nicht kannte. Ich fühlte mich ausgestoßen, abgehängt und fragte in letzter Instanz meine Eltern, warum sie mich nie in die Welt des Pesto eingeführt und mir so nicht diese Blamage erspart hatten und meine Mutter sagte: „Dein Vater mag halt nur Bolognese!“


Hätte ich vorher gewusst, dass gleich auf der ersten Seite des Programmhefts mein Name auftaucht, wäre ich vermutlich gar nicht hingegangen. Ich hoffe, mich hat niemand erkannt. Also nicht im Sinne von „Ich wollte inkognito dort hin“, sondern eher so „Ich will einfach in keiner Position sein, in der man von irgendwem auf Grund von irgendwas erkannt werden könnte“. Hach, ich bin so froh, dass ich damals mit 17 nie Mitglied einer Boyband gewesen bin. Ich verstehe sie alle. Ich wäre auch so gnadenlos abgestürzt wie AJ von den Backstreet Boys, weil ich mit dem Ruhm nicht klargekommen wäre. Vielleicht war es also doch ganz hilfreich, dass mich meine Geschichtslehrerin in der elften Klasse mal anschrie, ob man mir ins Gehirn geschissen hätte. So bin ich wenigstens auf dem Teppich geblieben, meine Welt übersichtlich und mein Starkomplex kurabel. Was allerdings immer gilt: Es kommt alles auf einmal. Das heißt Baumaßnahmen zu Hause, Wehensaufen überall und Theater im Schauspiel (witzig!) gleichtzeitig. Ich war ja schon im Mai bei diesem Audiowalk in Reudnitz, wo man in kleinen Gruppen eine sehr tolle Geschichte erzählt bekam, während man mit Köpfhörern durch das Viertel irrte, durch Geschäfte lief oder kleine Aufgaben erledigte. Umso toller fand ich die Nachricht, dass es davon nun quasi einen zweiten Teil geben würde, nur eben im Schauspiel selbst, aber halt wieder mit Herumlaufen und Hypezig-Bohei und so weiter.
Vielleicht ganz kurz etwas zum Ablauf: Man kommt im Schauspiel an, wartet bei den Ticketverkäuferinnen, wird irgendwann hereingebeten und direkt beim Eintreten ins Foyer in drei Gruppen aufgeteilt, die alle dieselben Teile des Stückes sehen, aber eben in unterschiedlicher Reihenfolge. Fünf Teile gibt es insgesamt. Zuerst ein Konzert im Foyer. Dann gibt es zum Beispiel das Palais Royale, eine Art sehr weirden Marktplatz, auf dem 40 Minuten zur freien Verfügung hat, um verschiedene Geschäfte zu besuchen, die alle von Schauspieler*innen „bewirtschaftet“ werden. Man kann sich 40 Minuten lang etwas über Flußpferde erzählen lassen, für die Gentrifizierung beten, im Casino Geld geschenkt bekommen oder sich tätowieren lassen (was wirklich witzig ist). Aber das sind nur ein paar der Attraktionen. Irgendwann gibt’s einen Gong und man wird weiter durchs Haus geleitet, zum Beispiel zu einer weirden Talkshow im DDR-Style, in der sich vier komische Figuren über die Verfilmung (besser Ver-Serie-ung) eines Balzac-Romans streiten, dabei immer wieder auf Leipzig, das Problem des Kleinstadtmenschen in der Großstadt und und und kommen. Bis dann ein paar Punkster-Mädchen den Raum stürmen, die Talkshow unterbrechen und man weitergeführt wird. Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt noch weiter spoilern sollte. Vielleicht nicht. Obwohl ich wirklich gern schreiben würde, dass der nächste Part gleichzeitig der weirdeste und beste Part des Stücks war. Denn zuerst gab es Performance und Performance ist einfach nicht mein Ding. Noch dazu, wenn es dabei (schon wieder/wie immer) nicht ohne (Fast-)Nacktheit und Anspielerungen auf Körperflüssigkeiten auskommt. Ja, vielleicht bin ich da etwas prüde. Ich glaube aber, ich bin eher davon gelangweilt, weil ich es a) nicht verstehe, es b) wirklich in modernem Theater fast immer vorkommt und ich es c) einfach nicht so geil finde. Aber sei’s drum. Denn direkt daran angeschlossen kommen die beiden besten Monologe des Stücks. Denn endlich geht es auch mal für Theateridioten wie mich greifbar um Themen wie Hype, Illusionen, Sinn, Stadt und so weiter. Und der Text ist grandios. Die beiden Schauspieler*innen auch! Davor und danach ist es vielleicht doch ein bisschen zu sehr Theater fürs Theater. Soll heißen: Viele Sprünge, wenig (für Idioten wie mich erkennbare) Zusammenhänge. Womit ich an sich kein Problem habe. Ich bin wahrscheinlich einfach nur zu dumm, es zu verstehen. Es sei denn, es gibt gar nichts zu verstehen. Dann wäre ich aber immerhin noch deshalb dumm, weil ich versuche, es trotzdem zu verstehen. Und der letzte Part (nachdem man noch ein letztes Mal herumläuft) ist dann direkt der zweitbeste. Auch wenn es nach drei Stunden dann auch langsam etwas lang wurde und die Reihenfolge für uns ja zufällig war. Ich glaube, wir hatten trotzdem Glück und zufällig die schönste Reihenfolge ausgewählt. Wo man sich anstellen muss, um genau diese zu sehen, verrate ich aber nicht.
Vielleicht muss man wirklich vor der Vorstellung das Programmheft lesen. Dann versteht man 1) dass es sowohl um Hypezig als auch um den Balzac-Roman geht und kann 2) schnell wieder nach Hause rennen, weil man so peinlich davon berührt ist, den eigenen Namen auf Seiten 1 und 2 zu lesen. Ich bin nicht so gut in Kritik, daher zitiere ich einfach mal nachtkritik, weil ich’s genau so sehe: „Und nun? Viel erlebt, viel gesehen, vieles gemocht und doch ein wenig enttäuscht. Das hätte bestenfalls ein großes Theater-Spektakel werden können. Die Zutaten waren da, aber der Zusammenhang nicht zwingend.“


Wenn man es machen _muss_, macht es plötzlich keinen Spaß mehr. Ist irgendwie immer so. Und eine ganz schlechte Aussicht dafür, falls ich irgendwann doch mal wieder „normal“ arbeiten gehen muss. Wobei man vermutlich „einfach“ eine Arbeit finden muss, bei der es sich nicht nach müssen anfühlt. So wie jetzt halt. Denn selbst wenn ich weiß, dass ich gerade muss, ist es nie so richtig schlimm. Nicht arbeiten möchte ich zum Beispiel in der Hotline meines Handy-Anbieters. Wobei, vielleicht doch. Denn wenn man dort anruft, geht immer erstmal der Computer ran und stellt fünf Minuten lang sinnlose Fragen, wie zum Beispiel: „Wegen welcher Telefonnummer rufen Sie an?“ Häh? Na wegen der hier vielleicht? Na ja, wurscht. Normalerweise weigere ich mich ja, mit Computern zu sprechen. Zumindest am Telefon. Aber auch am Fernseher finde ich es irgendwie unheimlich. Nicht, weil es ich es uncool finde oder so. Sondern einfach nur, weil ich dann immer über Folgendes nachdenken muss: Wenn bspw. mein Fernseher in der Lage ist, auf Kommandos wie „Fernseher! Mache Netflix!“ zu reagieren, d.h. wenigstens ab dem Wort „Fernseher!“ alles Gesagte zumindest kurzzeitig speichert, dann könnte der Fernseher ja theoretisch auch einfach alles aufzeichnen, was ich jemals ab dem Wort „Fernseher“ sage, d.h. solang der Fernseher noch an ist (und ich glaube, in durchschnittsdeutschen Haushalten ist das sehr lang, wobei in durchschnittsdeutschen Haushalten vermutlich auch nicht sehr viel gesprochen wird). Egal. Auf jeden Fall sage ich also meine Telefonnummer und die Computerfrau sagt: „Sorry, diese Nummer bringt mir nichts! (Oder so ähnlich) Bitte wiederholen Sie die Nummer!“ Ich wiederhole also die Nummer. „Sorry, ich habe Sie nicht verstanden.“ Okay, denke ich, dann verbinde mich halt endlich mit einem Menschen, die dämlicher Programmierfehler! Und dann sagt Sie: „Es tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden. Ich beende jetzt die Verbindung. Vielen Dank!“ Und dann legt sie auf! Die Computerfrau legt einfach auf! Wo gibt’s denn so etwas! Und die macht das andauernd! Wie soll ich denn jemals mein Handyproblem lösen, wenn da ausschließlich Computer in der Hotline arbeiten, die immer auflegen, sobald ich anrufe? Muss ich erst hinfahren? Wobei die Computer bestimmt in Indien stehen, weil mein Handyanbieter ein kapitalistischer Schweinekonzern ist. Lange war ich frustriert darüber und wusste keine Lösung. Bis mich, oh Wunder!, der Handyanbieter von sich aus mal anrief. Per Mensch! Und der Mensch sagte: „Herr Herrmann, interessieren Sie sich für bla und blubb?“ Und ich: „Nein! Aber wo ich gerade mal mit einem Menschen von Ihrem Verein spreche, können Sie mir helfen?“ Und er: „Nope. Ich arbeite nur beim Vertrieb. Da müssen Sie den Kundenservice anrufen.“ Und legt auf. Ich hasse mein Leben.


Mhmmmmmmmmmm, ich enthalte mich. Gibt wieder nur Ärger.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

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