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A Week in Pictures 39/2017

Was ich nicht mag: Dinge, die ich gern erledigen würde, nicht erledigen können, weil sie sich erst zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigen lassen, was mein Unterbewusstsein allerdings nicht davon abhält, mich immer wieder daran zu erinnern, dass es sie gern und ganz dringend jetzt erledigen würde, denn dann wäre ja alles viel entspannter und dann hätte ich endlich meine Ruhe. Also nicht Ruhe im Sinne von Rentner, sondern diese Grundruhe, die ich brauche, ehe ich etwas wirklich Cooles machen kann, Schreiben oder so. Ich muss ja auch immer erst aufräumen, ehe ich schreiben kann. Was nicht heißt, dass ich nicht alles zumülle, WÄHREND ich schreibe, aber Sie verstehen. Und so trommel ich halt noch eine Weile mit den Fingern in bestem Wissen, dass ich es nicht werde ändern können und beobachte nebenher interessiert, wie das meinem Unterbewusstsein völlig egal ist, was mich wiederum zu der weiteren Frage führt, ob ich vielleicht völlig verloren bin, denn bisher glaubte ich immer, man müsse Verhaltensmuster nur kennen und erkennen, um sie verändern zu können. Aber darüber denke ich dann nach, wenn ich Ruhe habe.


Wenn der Herr Kling in der Stadt ist, dann muss man da auch hingehen. Und ich hatte es zwar schon vermutet, verstehe jetzt aber noch weniger, wie man nach der Lesung schreiben kann, Qualityland wäre halt nicht so witzig wie die Känguru-Bücher. Es ist total witzig, man muss es halt nur mal einsehen, dass (so gut wie) kein Känguru darin vorkommt. Zumindest deute ich es so, wenn ich die ganze Zeit lachen muss und die Leute um mich herum noch viel mehr lachen (ich bin wählerisch). Ich bin sehr gespannt auf das Buch, wobei ich ziemlich sicher davon ausgehen kann, dass es sehr gut ist. Vielmehr meine ich, bin ich gespannt darauf, wie es gebaut ist. Mich interessiert ja mittlerweile so etwas, damit ich es später klauen und als meine Idee ausgeben kann. Und Boris mitzunehmen ist sowieso eine gute Idee. Es sollte überhaupt bei jeder Lesung immer mindestens eine Person auf der Bühne zugegen sein, die Nietenarmbänder und Bandshirts trägt. Sehr schön fand ich aber vor allem zwei Aspekte der Lesung: 1) Dass das Publikum in der Pause darüber abstimmen durfte, an welche Organisation die Hälfte (!) der Einnahmen des Abends gespendet werden. Und das ist bei einem ausverkauften Haus Auensee sicher nicht wenig. Und 2) Dass es bei jeder Lesung immer ein Kontigent kostenloser Karten für Menschen gibt, die sich den Eintritt nicht leisten können. Und dass man an die Karten ohne Angabe von Gründen kommt. Nur mit dem Hinweis, das Angebot nicht zu missbrauchen. Hut ab.


Also: Qualityland kaufen, ist gut!
Themawechsel: Es tut mir leid. Wirklich. Letzte Woche habe ich die SPD dafür gelobt, freiwillig in die Opposition zu gehen und geschrieben, dass sei der erste vernünftige Move seit achttausend Jahren gewesen. Das tut mir leid. Ich hätte wissen müssen, dass die SPD es natürlich noch schaffen würde, den Karren zwei Minuten später wieder in den Dreck zu fahren. Ach, was heißt Dreck. Direkt unter die Erde gefahren. Und eigentlich sollte man das so wie bei der AfD machen und vielleicht einfach nichts mehr über die SPD schreiben, damit man den Verrückten kein Forum bietet. Es wundert mich ja selbst. Ich habe rein gar nichts mit der SPD zu tun und werde mich auch tunlichst davor hüten, aber ich kenne halt doch ein paar Leute, denen es nicht so gut geht und die schon lange SPD haben und vielleicht deshalb mache ich mir eben immer so ein paar Sorgen. Andrea Nahles als SPD-Franktionsvorsitzende? Ernsthaft? Wolltet ihr euch nicht gerade runderneuern? Altes Fehlverhalten ausbügeln? Besonnen analysieren und dann jung und gestärkt neu anfangen? SPD++ oder wie der Quatsch heißt (ihr wisst übrigens schon, dass ++ in der Programmiersprache C++ eine Inkrementierung um exakt 1 bedeutet? Und dass man, wenn man euch um 1.000 erhöhen würde, noch immer im Minus wäre?) Und dann wird Andrea Nahles Fraktionsvorsitzende? Ich pack es ja nicht. Warum nicht eine dunkelrot angestrichene Holzlatte zum Vorsitzenden machen? Die hat mindestens genau so viel Profil, Charisma und politische Kraft wie Andrea Nahles, wobei ich mir bei der Kraft bei Nahles gar nicht so sicher bin. Ihr wollt tatsächlich auch noch die 15 Prozent nach unten knacken, oder? Und was ist das Erste, was die Tante macht? Okay, das Zweite, denn zuerst kam ja dieser „in die Fresse“-Satz Richtung Union. Weil die SPD ja jetzt wieder voll links und nicht nur die linke Seite der Union ist. Weshalb sie den Satz natürlich kurz darauf schon wieder bedauert. Direkt wieder umgefallen, herzlichen Glückwunsch! Aber nein, was tut Nahles dann? Statt vielleicht mal zu sagen: Wir wollen kapitalismuskritische Politik machen, Arbeitnehmerperspektiven einnehmen, Digitalisierung fördern, Breitband ausbauen, Bildungs- und Wohnungspolitik machen und endlich aufhören, uns von Konzernen die Politik diktieren zu lassen, nur um am Ende unserer Amtszeit in einem Aufsichtsrat in Russland sitzen zu können? Genau, sie erklärt erstmal, dass man konsequentere Flüchtlingspolitik machen muss. Dass man Grenzen als starker Staat auch mal schließen dürfen muss. Und sich dann wundern, wenn die Leute trotzdem AfD wählen, weil die das mit dem Nazi-Sein wenigstens durchziehen. Ihr habt’s echt nicht verdient, wirklich nicht. Geht bitte unter.


Und dann waren wir bei einer Ausstellung, denn da fühlt man sich immer direkt viel bildungsbürgerlicher und wichtiger, obwohl man ohne fachkundige Erklärung (heimlich neben den Künstlern stehen und zuhören) keine Ahnung hätte, was die Ausstellungsstücke jetzt so besonders macht. Ich mag ja Kunst. Insbesondere solche aus der Kategorie „‚I could do that!‘ – ‚Yeah, but you didn’t!'“ Und wenn an der Decke riesengroß aus Neonröhren „Sinnlos“ geschrieben steht, dann will ich eigentlich direkt einziehen. Außerdem finde es immer gut, wenn jemand Geld in die Hand nimmt, um Kunst damit zu machen, einfach weil es sicherlich unheimlich teuer ist, das Frühstück der Ruderer aus Neonröhren nachzubauen und man ja nicht wissen kann, ob das jetzt gut ankommt oder nicht. Wenn man quasi das eigene Schöpfen über das potenzielle Interesse eines Publikums stellt, das finde ich immer gut. Nicht immer die Ergebnisse (ich denke da nur an acht Millionen schlechte Bücher, die jährlich erscheinen), aber dieses egoistische Schaffen an sich. Klappt halt nicht bei allen. Und bei denen, wo es klappt, spaltet sich das Ganze ja leider noch einmal in Leute, die entspannt und dankbar bleiben, weil sie wissen, wie privilegiert das ist und Leute, die fortan glauben, sie wären Superhelden und SO knapp davor, dass ihnen auch so Messer aus den Händen rausfahren würden, wie bei diesem coolen X-Man (ja ja, ich weiß, dass der Wolverine heißt).
Nicht im Bild: Wie ich am gleichen Tag irgendwann vormittags die ersten zehn, zwölf Sekunden dieses Videos geschaut habe und seither völlig traumatisiert bin. Boah, wie grauenvoll. So etwas wird mir auch irgendwann passieren, ich weiß es. Ich hatte das ja schon mal mit den Knien. Lange nicht so schlimm, aber doch schlimm genug, dass man irgendwann mal nicht mehr in die Wohnung im fünften Stock kommt, weil man ab dem dritten Stock ob der Knieschmerzen nicht mehr kann und beschließt, ab jetzt lieber auf der Treppe zu wohnen. Knie und Ellenbogen, eigentlich alle Gelenke, sind für mich das Allerallerschlimmste. Erstens, weil ich z.B. Knie einfach so schon nicht cool finde (Gibt es Kniefetischisten? Bestimmt, es gibt alles! Pfui!) und zweitens, weil das in meiner Vorstellung alles nur so lose durch irgendwelche Bänder und Sehnen gehalten wird, dass es überhaupt schon ein Wunder ist, dass man sich nicht jeden Tag das Kreuzband reißt. Ich hoffe inständig, dass ich mir niemals das Kreuzband reißen werde. Ich glaube, das würde ich nicht überstehen. Am Hauptbahnhof habe ich mal jemanden mit so einem Gestell gesehen, wo so Metallstifte von außen ins Bein rein gingen. Und damit humpelte der da rum, als ob nichts wäre. Hätte ich so Metallstifte, die in mein Bein reinragen, ich würde nur noch nach oben gucken, weil mir sofort schlecht werden würde, wenn ich das sehen müsste. Boah, ist das eklig. Und wie lang so etwas dauert. Ich bin doch so ungeduldig. Und dann müsste ich mir ein halbes Jahr lang bei Instagram immer vor Augen führen lassen, was für ein cooles und aufregendes Leben alle um mich herum haben und ich hätte Metallstifte, die in mein Bein hineinragen, nein Danke. Mir tut schon jetzt beim Schreiben das rechte Knie weh. Ich werde sterben. Also ja, das sowieso. Aber an Knie halt.


Kontemplation aka Komm, lass nochmal irgendwohin gehen, wo es nicht nur Sterni gibt.
Nicht im Bild: Wie ich einen Herd einfach nur deshalb kaufte, weil er so lustige Knöpfe hat, die man verschwinden lassen kann und total begeistert davon war, mir das aber nicht in Gegenwart des Verkäufers anmerken lassen durfte. Keine Ahnung, was so ein Herd können muss. Das ist fast noch schlimmer als beim Friseur, wo ich nicht mehr als „Na oben so ein bisschen länger und an den Seite nich“ sagen kann. Beim Herd weiß ich eigentlich nur, dass er „warm“ machen können muss. Okay, Umluft, Grill und so. Aber dann ist es eigentlich auch schon vorbei. So ist es eigentlich vollkommen klar, dass Verschwindeknöpfe für Leute wie mich ein echtes Kaufargument darstellen. Meinen Kühlschrank habe ich auch nur gekauft, weil er einfach übelst cool aussieht mit seiner krassen Edelstahltür und so. Ob der jetzt besonders cool ist, weiß ich nicht. Er kann keine Eiswürfel machen, also jedenfalls nicht so in der Tür. Das ist schon ein kleines Manko. Aber ich brauche eigentlich auch keine Eiswürfel, denn ich finde, Eiswürfel verwässern das Getränk und nur und warum in aller Welt sollte ich Cola mit Wasser trinken wollen? So schnell kühlen die eh nichts. Keine Ahnung jedenfalls, wozu das mit den Knöpfen, die verschwinden können, überhaupt gut sein soll. Vielleicht werden die dann nicht so schnell so siffig? Wobei die Knöpfe an meinem alten Herd auch nicht siffig waren. Vielleicht also doch Quatsch gekauft? Ach, was soll’s. Viel problematischer ist sowieso, dass der Herd von Hermes „geliefert“ wird. Vielleicht wird er also einfach aus dem vorbeifahrenden Transporter geschmissen. Oder in irgendeinem Lottoladen in Grünau abgegeben, von wo ich ihn dann abholen darf. Oder er kommt gar nicht erst an. Es bleibt spannend.


Hier wusste ich noch nicht, dass ich das Feuer vielleicht etwas zu sehr hochgeregelt hatte. „Geschürt“, wie der Fachmann oder der Erzähler auf der Pumuckl-Kassette, die ich früher hatte, sagen würde. Vielleicht bin ich da sowieso ein bisschen zu enthusiastisch, wenn es um Feuer geht. Um nicht zu sagen: Ich bin zu sehr Feuer und Flamme. Witzig! Ich sollte was mit Witzen machen. Dazu: Arbeiterlieder und Pankrock.
Nicht im Bild: Eeeeendlich wieder Modern Family. Und immer noch super. Einfach wieder das Level gehalten. Wahrscheinlich schreibt sich mittlerweile auch ein Großteil der Folgen von selbst. Das ist dann halt der Lohnt dafür, wenn man rund zwölf perfekt ausdefinierte Charaktäre hat, bei denen man immer schon weiß, wie sie handeln und was sie sagen würden. Okay, Joe finde ich ein bisschen egal. Den hätte es nicht geben müssen. Das war ein Versuch, der ging nicht ganz so gut auf und jetzt ist er halt da. Und ich fand Lilly cooler, als sie noch kleiner. Genau so Luke. Aber bei den Kindern von Phil und Claire geht es mir generell so, dass sie kleiner cooler waren. Jetzt wirkt es einfach so, als ob da oft irgendwelche Szenen herbeiorakelt werden, Hauptsache es führt dazu, dass die Kindern aus irgendwelchen Gründen doch noch zu Hause bei ihren Eltern leben müssen. Aber das schmälert nicht viel. Ed O’Neal finde ich immer großartiger. Für mich ist er schon lange nicht mehr der von „Eine schrecklich nette Familie“ (was auch eine schreckliche Serie war), sondern halt der von Modern Family. Ach, ich freu mich schon so auf Shameless.
Auch nicht im Bild: Jerry Before Seinfeld. Kann man machen. Ist wirklich ganz gut. Jetzt nicht bahnbrechend, aber schon lustig. Besser als das Meiste auf jeden Fall. Ich finde es ja immer wieder toll, wie „nett“ Seinfelds Humor ist. Dass er wirklich aus Allem etwas Lustiges machen kann. Und das fällt hier mal besonders auf.
Bald im Bild: Es ist Herbst. Zeit, mal wieder Six Feet Under zu gucken.

Was fehlt

  • Lesetipp: Die 1000 Fehler der SPD (aus Sicht eines SPDlers).
  • Was mich glücklich machst: Zu sehen, wie Bussitze gereinigt werden.
  • Dass der sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich nicht der allergeilste Politiker ist, um es mal hart zu untertreiben, wissen wir ja. Dass er nicht gerade einen Blick für Realpolitik hat und seine politische Furche am liebsten ganz rechts beackert, merkt man auch. Dass er allerdings absolut realitätsblind ist, hat mich jetzt nicht sooo sehr verwundert, wohl aber, dass er es ganz offen in einem Post-Wahl-Interview zugibt: „‚Was hat die CDU in Sachsen falsch gemacht?‘ – ‚Wir haben womöglich in Sachsen nicht die Themen angesprochen, die wir in der Vergangenheit mit den Menschen diskutiert haben und ihnen zugesagt haben, uns darum zu kümmern. Aber, wissen Sie, dass ausgerechnet der Görlitzer Abgeordnete Michael Kretschmer, der so gekämpft hat, sein Mandat verloren hat, das hat doch nichts damit zu tun, dass er etwas falsch gemacht hat oder wir etwas falsch gemacht haben. Das ist einfach im Großen und Ganzen der Bundestrend. Die Schuld ist genauso wenig allein auf Bundes- oder auf Landesebene zu suchen.'“
    – Ganz arm.
  • Leipzigs OBM weiß schon, wie man alles löst: Mehr Polizisten, die durchs Viertel schlendern. (Ja ja, der Artikel sagt schon etwas mehr.
    Aber auch nicht wirklich viel mehr. Und schon gar nichts Genaues.)
  • Wie konnte das nur passieren, dass die AfD so stark in den Bundestag eingezogen ist? Haben die Deutschen wirklich so viel Angst? Aber wer schürt denn diese Angst? Doch nicht etwa auch die Medien? Nein, das kann nicht sein. Die Medien haben noch nie der AfD den Boden bereitet,
    schon gar nicht Peter Hahne.
  • Wie man ein russischer Oligarch wird.
  • Auf der Eisenbahnstraße weht jetzt ein anderer Wind!
In Kategorie: a week in pictures

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