
Die Woche begann in Frankfurt, wo ich bei der fabelhaften Lesebühne Ihres Vertrauens Vertretung sein durfte. Es war, wie immer, super. Zum Beispiel habe ich Handkäs gegessen. In einer dieser original Frankfurter 'Hier kommt demnächst ein Biosupermarkt hin!'-Locations. Weiß auch nicht, warum ich Frankfurt so mag. Vielleicht, weil ich meinen Onkel so mochte, der gleich nebenan gewohnt und immä so lusdisch gesproche hadd! Oder vielleicht, weil es sich in vielerlei Hinsicht so anfühlt wie Leipzig, oder umgekehrt. Und wieder einmal habe ich viel gelernt. Zum Beispiel das schöne Spiel namens 'Bier tringe oder gleisch'n paar uff de Fresse!' Außerdem hat mich ein morgendlicher Besuch (6.30 Uhr) im gruseligsten McDonalds der Welt (Bahnhof Frankfurt) wieder erneut in meinem Vorhaben bestärkt, mein Studium erfolgreich abzuschließen. Sollte ich mal ein Buch schreiben, muss ich es unbedingt zweimal rausbringen. Einmal in Leipzig, wesch'n de Heimadd und so. Und dann noch einmal in Frangfurd, wesch'n Bier tringe oder gleisch'n paar uff de Fresse.

Nachts entdeckte ich in Frankfurt dann das hier: ein illegales Second-Hand-Kinderlager in Bornheim. Fragt sich, wann irgendein Tatort-Drehbuchschreiber auf die Idee kommt, so etwas einzubauen. Ich bin zwar wahrlich kein Tatort-Fachmann, aber die wenigen, die ich gesehen habe, krankten immer an diesem gewollten, aber total verfehlten CSI-Feeling, das sich leider immer in totaler Unglaubwürdigkeit verläuft. Und dann auch noch mit Post Rock unterlegt wird. Grr! Das kann das Großstadtrevier besser. Da läuft im Hintergrund ausschließlich Truck Stop oder Seemannsmusik und dauernd sieht man Leute Fischbrötchen essen. Aber Dirk Matthies ist auch quasi der John Wayne der deutschen Polizeiserien.

Ein bisschen Urlaubsnostalgie muss erlaubt sein. Zumal ich dieses tolle Foto erst heute auf meiner Speicherkarte entdeckte. Da habe ich in Toronto wohl den besten Laden der Welt entdeckt. Auch, dass der lustige Anzugmann gerade mit gesenktem Kopf vorbei läuft, passt hervorragend. Sollte ich jemals meine Eisdielen-vor-den-Häusern-meiner-Feinde-Kette errichten, werde ich per Bewegungsmelder auch Buhrufe abspielen lassen. Und mein großes Schaufenster werde ich mindestens genau so toll dekorieren. Was wohl dort verkauft wird? Wahrscheinlich Hassartikel für Groß und Klein. Passend auch, dass sich der Laden auf der größten Hipsterstraße Torontos befand. Hätte Wednesday Adams jemals einen eigenen Laden eröffnet, er hätte wohl so ausgesehen.

Und dann kaufte ich mir seit Jahren mal wieder Dickmanns. Die netten Leute aus der Fabrik hatten eine Tube mit Zuckerschrift beigelegt, da konnte ich einfach nicht anders, als Rage-Küsse zu basteln. Ich finde, sie sind sehr hübsch geworden. Nichtsdestotrotz hat sich die Dickmanns-Firma noch immer nicht bei mir gemeldet. Obgleich ich Ihr doch wirklich gern als Dickmann-Designer zur Verfügung stünde. Ich bin sicher, wir könnten großartige Überdickmanns designen.

Noch mehr Urlaubsnostalgie. Hier brachen wir gerade das Gesetz und folgten einem Lastwagen mit 'Bitte nicht folgen!'-Schild. Ziemlich riskante Aktion, ich weiß. Aber so ist das Gangsterleben nun einmal. Andere illegale Dinge, die wir so auf unserer Reise gemacht haben: Bei rot über die Straße gehen, beim tip manchmal nur 10 statt 15 Prozent geben oder im Dunst der Niagarafälle in die Luft spucken und so tun, als sei es Spritzwasser.

Zweite Runde Dickmann-Design. Wie man sieht, habe ich mich technisch schon unglaublich verbessert. Vielleicht werde ich demnächst noch eine Packung kaufen und mich dann daran machen, die Sixtinische Kapelle auf die Schokoüberfläche zu übertragen. Ihr wisst, was das bedeutet: Documenta 14, ostdeutscher Pavillon, dann mit mir. Diktatur der Langeweile! Jonathan Meese kann einpacken!

Und dann Vertretung bei der Lesebühne Sax Royal in Dresden. Der Backstage ist einer dieser coolen, mit ganz vielen Postern und so weiter. Ein sehr guter Einstand in die neue Saison war das. Und wenn man ganz genau hinschaut, dann kann man sogar einen TTZ-Aufkleber erkennen. Wer ihn entdeckt, bekommt ein Lob.

Familie Whack auf Reisen. Man kann es wirklich auch übertreiben. Obige Personen haben eine Stunde lang im Zug ihren Freunden erklärt, wie fortschrittlich und sicher es wäre, seine Koffer in Frischhaltefolie einzuwickeln, dann noch einen Gurt drumherum zu spannen und diesen dann sogar noch festzukleben. Dass man mit jeder zusätzlichen Sicherung dem internationalen 'Woran erkennt man Deutsche?'-Ausweis näher kommt, verschwiegen sie leider.

Und zum Abschluss: Natur. Nicht mehr und nicht weniger. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.
Was fehlt: Studiotag Nummer 6 und not yet finished. 7-2 Nächte.









Kathrin
17. September 2012
Aufkleber entdeckt :) Lob bitte!
Lena Reinhard via Facebook
17. September 2012
Das ist sehr große Kunst. Wirklich.
Tilman Birr via Facebook
17. September 2012
Du bist der erste, der meine Einschätzung über Frankfurt und Leipzig teilt. Nur das “Bier oder gleisch e paar uff die Fress”-Spiel kenn ich nicht. Nur das “Brause gibts hier net, du trinkst e Bier, Arschloch!”-Spiel.
André
17. September 2012
Sehr gut!
André Herrmann via Facebook
17. September 2012
Dankeschön :)
Tilman Birr via Facebook
17. September 2012
Bitte.