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A Week in Pictures 36/2018

Bald ist endlich wieder Winterzeit. Die echte Zeit. Ich mag keine Sommerzeit. Wobei es mir eigentlich egal wäre, glaube ich. Wenn die Sommerzeit wenigstens echt wäre. Okay, die Winterzeit ist auch nur insofern echt, wie man sich irgendwann mal darauf festgelegt hat, dass 13 Uhr eben um 13 Uhr ist, Zeitzonen, diesdas. Genausogut könnte 13 Uhr natürlich auch Drölf Uhr heißen, was ich sehr toll fände, zugegeben, aber Sie wissen, was ich meine. Dass es die Sommerzeit nur qua Gesetz gibt, um die Tageshelligkeit besser ausnutzen zu können, d.h. Energie zu sparen, viel produktiver sein und folglich auch ganz viel mehr Geld verdienen zu können. Und vierzig Jahre Probe haben gezeigt: Hat nix gebracht. Nur nerviges Zeitumstellen und Zuspät- oder Zufrühkommen zweimal im Jahr. Insofern bin ich natürlich voll dafür, dass die Zeitumstellung in der EU bald vermutlich abgeschafft wird. Wobei ich ein wenig Bauchschmerzen habe, was die Abschaffung angeht. Denn wenn ich mir die pro-nationalen Kräfte dort und allgemein in der EU angucke, so glaube ich, dass die Abschaffung der Sommerzeit vermutlich nur bedeuten wird, dass jeder EU-Staat die Zeitumstellung abschaffen muss, sich aber gleichzeitig wird entscheiden dürfen, welche Zeit er fortan benutzen will. Heißt, dass es innerhalb der EU, wo es an sich schon vier Zeitzonen gibt, plötzlich Staaten geben wird, die an sich dieselbe Zeitzone, aber in Zukunft trotzdem unterschiedliche Zeiten haben werden, weil der eine eben die Sommerzeit und der andere die Winterzeit benutzt. Okay, man könnte sagen: Ach, die werden schon alle vernünftig sein. Aber wer weiß, ich könnte mir gut vorstellen, dass das ein oder andere Land einfach nur alle anderen Länder in der Zeitzone abfucken will und dann eben die andere Zeit nimmt als all die anderen. Und was mich auch nervt ist, dass in Deutschland dann garantiert die Sommerzeit genommen wird. Obwohl es nun mal nicht die echte Zeit ist. Das nervt mich jetzt schon. Genau so, wie es mich in der Grundschule immer genervt hat, dass gefühlt alle Kinder Sternzeichen Löwe waren und im Juli Geburtstag hatten und dann die Klassenlehrerin immer so etwas sagte wie: „Ach, Sommerkinder strahlen immer wie das Wetter, in dem sie geboren wurden.“, während sie bei mir immer nur meinte: „April, April, der weiß nicht, was er will“ und solchen Quatsch. Und ich dachte immer: „ABER GEZEUGT WURDEN SIE IM VERREGNETEN KACK HERBST! ICH BIN IM APRIL GEBOREN. RATE, WANN ICH GEZEUGT WURDE! IMMER FUCKING SOMMER! GRRRR!“ Ich will Winterzeit. Winterzeit ist Gerechtigkeit.


Es tut sich was! Das neue Buch ist im Druck, erscheint am 28. September und auch das Cover darf man jetzt bestaunen. Ja, Vorbestellen geht schon, aber am allerbesten natürlich nicht beim großen bösen A, sondern im kleinen Buchladen um die Ecke, denn der freut sich viel mehr.
Und: Das Hörbuch ist fertig aufgenommen, Korrektur gehört und ich kann sagen: Es ist randvoll mit geil. Hörbuch-einlesen macht sehr viel Spaß, wobei ich für mein Zukunfts-Ich hiermit festhalten will: Lieber Antreh, das Einlesen ist trotzdem anstrengend und es dauert ewig. Außerdem verliest du dich nicht nur ständig, sondern liest auch in jedem Kapitel mindestens drei bis viermal irgendetwas falsch, sodass du es danach noch einmal einlesen musst. Und das magst du nicht. Aber ansonsten macht es Spaß. Auch wenn ich mich merklich in die Zeit meiner einjährigen 40-Stunden-Wochenarbeit zurückversetzt fühlte. Jeden Tag von 9 bis 18 Uhr, da bleibt gefühlt irgendwie gar nichts mehr vom Tag übrig. Und es nervt, wie wenig man zwischendurch mitbekommt, weil man irgendetwas anderes machen muss. Ich hoffe, ich muss das nie wieder machen, das fetzt einfach nicht. Und sobald ich Oberbürgermeister von Leipzig bin, verbiete ich die 40-Stunden-Woche im Stadtgebiet. Das wird man doch irgendwie festlegen können. Danke jedenfalls an Maik (nein, nicht der Maik) fürs Aufnehmen, Schneiden, Mastern und so weiter. Ich glaube, ich werde in wohlwollender Erinnerung jetzt wieder öfters zum Mittag eine Fünf-Minuten-Terrine essen, weil ich weiß, dass ich das Gefühl kulinarischer Schäbigkeit mit jemandem teilen kann.
Interessant jedenfalls, dass das Buch jetzt tatsächlich so langsam fertig ist. Und wie sicher ich mir mittlerweile bin, dass ich es absolut nicht auf die Reihe gekriegt hätte, das Ding schon im März rauszubringen. Schauen wir mal, was draus wird.
Nicht im Bild: Die guten Nachrichten. Wow, nicht schlecht. Das hätte ich nicht gedacht. Hoffentlich bringt es was. Ja ja, Sie erfahren schon noch, wovon ich spreche. Ganz bestimmt. Nur noch ein bisschen abwarten.


Rechts: Ich werde also doch noch berühmt. Endlich wird es sich auszahlen, dass ich Zeit meines Leben Cola trinke und mich weltmännisch durch die Welt der Cola-Sorten bewege. Dass mich noch kein Cola-Hersteller sponsort, ist ein einziger Witz, immerhin sponsore ich so gut wie alle Cola-Hersteller, seit ich denken kann. Cola (na ja gut, Döner auch) ist einer der Gründe, warum ich die Haushaltsbuch-App auf meinem Handy nicht mehr benutze, weil es mir peinlich ist, zu sehen, wie viel Geld ich für Cola ausgebe. Solche Daten darf ich meiner Nachwelt auf keinen Fall hinterlassen, das macht mich nur unglaubwürdig. Das hier ist übrigens keine Werbung für Fritz-Cola. Es gibt noch genügend andere Cola-Hersteller. Coca Cola, Pepsi, VitaCola und natürlich Dr Pepper zum Beispiel. Nur damit es nachher nicht wieder fiese Emails gibt.
Links: Langsam bin ich echt ein wenig ratlos. Schon beim Hutbürger, der beim LKA arbeitet, dachte ich ja: Okay, krasser geht’s in Sachsen eigentlich nicht. Tiefer und brauner versumpft kann das ganze Gebilde doch gar nicht sein. Dann kamen der Nazimob und die Hetzjagden in Chemnitz. Und ich dachte: Was geht hier eigentlich ab? Is this real life? Dann der geleakte Haftbefehl. Puuuh. Und dann kam Michael Kretschmer, der nichts Besseres zu tun hat, als sich hinzustellen und zu sagen: Das, was wir da gerade an mehreren Tagen in Chemnitz gesehen haben, das gab es nicht. Wow. Was es auf jeden Fall mal gab: Politiker*innen, die noch zurücktraten, wenn sie den Verstand verloren hatten. Aber das ist auch ein Verdienst der Diskursverrohung der AfD. Denn nicht nur Nazis dürfen jetzt erst einmal alles sagen, auch CDU-Politiker*innen dürfen mittlerweile fröhlich Wunschvorstellung und Wirklichkeit vermischen oder gar austauschen. Meine Güte, der Mann ist Ministerpräsident von Sachsen. Unfassbar. Nun ja, ich musste also wieder ein Video machen, damit die Internetnazis wieder jemanden haben, den sie Hurensohn nennen können. Sehen sie selbst:


Und als ob das alles noch nicht schlimm genug gewesen wäre, kommt auch noch unser Bundesinnen-Ork und sagt so etwas. Selbst, wenn bei Kretschmer jemand noch den leisesten Zweifel bzgl. der Notwendigkeit eines Rücktritts hatte, so ist sie hier absolut unverkennbar. Wieso darf so jemand einen Regierungsposten bekleiden, noch dazu eines der wichtigsten Minister*innenämter der Regierung? Und wieso tut Angela Merkel nichts anderes, als zu sagen, dass sie das anders aussieht. Leute, da kommt ein paar Tage später der Präsident des Bundesverfassungsschutzes und sagt einfach so, dass er sich vorstellen könne, dass die Videos von den Jagden in Chemnitz gefälscht und gezielte Falschinformationen seien. Ohne Gründe dafür zu nennen oder Beweise dafür zu liefern. Dicker, wenn es jemand ganz genau wissen sollte, dann ja wohl du. Und auch der muss nicht zurücktreten, weil Rücktritt längst schon nicht mehr zur politischen Kultur gehört. Wahnsinn, was hier abgeht. Und momentan weiß ich gerade echt nicht, wie das jetzt in kürzester Zeit anders werden sollte. Aber hier, lieber Horst, lieber Micha, lieber Hans-Georg, nochmal „zum Mitschreiben“ (Schäm dich, CDU Sachsen, du unterirdische Niveau-Raupe!): Keine Mobs, keine Pogrome, keine Hetzjagden.


Links: Um bestimmen zu können, in welches Land wir nach der Machtübernahme der Faschisten flüchten können, müssen wir vor allem herausfinden, wo das Essen am Besten ist. Mexiko scheint schon mal ein sehr gutes Land zu sein. Oder halt die USA, Chicago oder so, weil es dort so viele mexikanische Einwander*innen gibt. TRUMP! Ich weiß. TRUMP! Ist ja gut. TRUMP! Ja ja. Ganz ehrlich, momentan macht mir die Lage hier mehr Sorgen. JA ABER TRUMP! Bleiben wir doch mal sachlich: Die USA sind nicht Nordkorea. Wenn ich jetzt nach Syrien oder in die Türkei reisen würde und Journalist wäre, dann würde ich mir vielleicht ein paar Sorgen machen. Oder andersrum lieber mal eine große Warnung an alle Deutschlandurlauber*innen raushauen, dass man sich das vielleicht überlegen sollte, mit einer Hautfarbe, die dunkler als Weißbrot ist, hier herzukommen, wo die Leute ja so entspannt mit Andersaussehenden umgehen.
Rechts: Was für eine weirde Entwicklung, dass sich in den letzten Jahren in vielen Großstädten Oktoberfeste etabliert haben. Besoffene deutsche, die die weirde Traditionen eines kleinen Alpenvolks zelebrieren, das kann ja nur toll werden. Ja ja, soll ja jede*r tragen, was sie/er will, in Bayern verstehe ich es ja vielleicht noch. Aber hier? Ich lauf doch auch nicht mit so einem chinesischen Kung-Fu-Outfit rum, obwohl ich das supercool finde und es bestimmt übelst bequem ist.


Lesung im Erzgebirge, gemeinsam mit Max Rademann und Erik Neubert. Das war sehr schön. Auch wenn ich ein wenig verwirrt war, dass mich das Navi auf dem Rückweg einen vollkommen anderen Weg geleitet hat als auf dem Hinweg. Und wenn man dann nachts irgendwo durch die sächsische Pampa fährt und das Navi nur noch sagt: „An der nächsten Kreuzung rechts abbiegen auf K20759“, da wittert man schon mal ganz kurz die Machtübernahme der Maschinen und hat Angst, dass das Navi einen einfach direkt eine Klippe hinab leitet, weil es einen aus dem Weg schaffen will und dafür sogar in Kauf nimmt, selbst mit drauf zu gehen. Wobei Maschinen natürlich nicht sterben, zumindest nicht ihr kollektives Cloudbewusstsein. Naja und dann denkt man so darüber nach und plötzlich erreicht man doch das Ortseingangsschild Leipzig. Grad noch einmal Glück gehabt.


Links: Und dann gibt es natürlich gleich den nächsten Toten. Und man weiß sofort, dass die Mehrheit wieder nicht erstmal abwarten wird, bis sich all die Umstände und Hintergründe geklärt haben. Bleibt nur zu hoffen, dass das Ganze nicht zum nächsten Chemnitz gemacht wird. Natürlich spielen solche Vorfälle der AfD in die Hände. Aber halten wir stattdessen einfach mal fest: Arschlochhaftigkeit ist keine Eigenschaft von Geflüchteten, sondern das Hauptmerkmal von Arschlöchern. Und Arschlöcher gibt es leider überall. Ihnen gegenüber darf man gern die gesamte Bandbreite des Gesetzes walten lassen, egal woher sie kommen, wie sie heißen oder wie sie aussehen. Ich muss bei so etwas immer an K-Pax und den Dialog über Recht und Unrecht auf dem außerirdischen Planeten denken. Jeder Mensch weiß doch, was Recht und Unrecht ist. Und ich glaube auch, dass die Besorgten-Bürger-Nazis wissen, was sie tun. Das Gruselige ist, dass es ihnen egal geworden ist, Unrecht zu tun. Ich glaube, ich muss einfach nach K-Pax auswandern.
Rechts: Noch eine Heirat. Bald sind alle Menschen in meiner Umgebung verheiratet. Wobei diese hier ein klein wenig anders war. Oder wie die Standesbeamtin beim Rausgehen sagte: „Och, das war doch aber doch ganz schön. Auch wenn’s einfach bisschen wild war.“ Haha. Die arme Frau. Da durfte sie keine gestelzte und stinklangweilige Rede halten, sondern sollte einfach nur kurz das Ding mit dem Ja-Wort machen. Keine Ahnung, warum Standesbeamtinnen (gibt es davon eigentlich auch Männer? Ja, ich frage ernsthaft) allesamt so grauenhafte Rednerinnen sind. Ist es nicht eigentlich Grundvoraussetzung, irgendwie ein bisschen Vortragstalent zu haben? Oder ist die Standesamtsszene derart von „Ostmuttis“ (entschuldigen Sie den diskriminierenden Begriff, aber ich finde, er fasst perfekt das zusammen, was ich meine. Wenn man „Ostmutti“ hört und es so ä bissl säggsisch ausschbrischt, dann versteht man sofort das Problem) eingenommen, dass sie erst gar nicht zulassen, dass dort jemals eine Frau arbeiten darf, die womöglich nicht nach jedem Wort eine Pause macht und ihre Sätze so komisch betont, wie es sonst nur „Poesiebegabte“ aus der eigenen Verwandschaft können. Man weiß es nicht.
Aber es war sehr schön.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

1 Kommentar

  1. Silke

    Ich schlage als Land Namibia vor. Essentechnisch nehmen die alles auf, was gut ist. Im Moment gibt es dort einen Mix aus guten Grillfleisch, Pasteten, Chinesisch, Kubanisch und Europäischer Küche. Und sie Leute dort sind echt nett und entspannt (vor allem die aus dem Norden :-) )

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