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A Week in Pictures 36/2017

Manchmal denke ich „Könntest eigentlich mal wieder wischen“, dann erschrecke ich, ekele mich über meine eigene Spießigkeit und hole schließlich doch den Staubsauger. Ich bin ja ein sehr sauberkeitsliebender Mensch. Ich mag es, wenn es ordentlich ist. Vorher kann ich nicht wirklich anfangen, etwas zu machen. Was natürlich nicht heißt, dass es bei mir total sauber oder ordentlich ist. Prüft ja auch niemand nach. Und so lebe ich meist so eine Weile vor mich hin, mülle alles ein, verdrecke alles mal so richtig, dann bekomme ich meinen Sauberkeitswahn und zack! muss ich alles sauber machen und es kann von vorne losgehen. Und wenn dann alles sauber ist, dann freue ich mich. Dann sitze ich tatenlos auf meiner Couch, weil ich mich nicht traue, etwas zu tun, denn dann würde ja alles wieder dreckig werden. Ich bin so ein Mensch, der, wenn jemand sagt: „Ich müsste mal meinen Kühlschrank abtauen!“, denkt „Geil, das macht voll Spaß!“ und das auch wirklich meint. Backofen reinigen, supergut. Im Bad die Fliesen mit diesem ätzenden Spray einsprühen, wo man beim Aus-Versehen-Einatmen direkt merkt, wie es einem innerlich gerade irgendwas richtig böse kaputtmacht und wenn ein paar Tropfen davon auf den Duschvorleger kommen, dann wird der plötzlich blassrosa/pink, dieses Spray, dass aber dafür auch das kleinste Stückchen Ekeldreck einfach wegätzt, geil. Wischen fetzt auch. Nur das ganze Zeug vorher hochzustellen, das nervt. So, ich gehe jetzt Staubsaugen. Tschüss.


Oben: Mal wieder dort. Weiß gar nicht, ob und ich was darüber erzählen darf/soll. Ich war ein bisschen früh dran, weshalb ich den größten Teil des Weges zu Fuß gelaufen bin. Ich kaufte mir so eine coole Spezi von dieser Bierfirma, die in echten Bierflaschen abgefüllt wird, trank sie beim Laufen und wurde deshalb von vielen Omen und Open sehr abschätzig angeschaut. Na ja, das Ende vom Lied: Im MDR wurde gestreikt, alle Freien haben herzlich gelacht (und weitergearbeitet) und dann wurde uns unser Song über die AfD verboten. Alles super.
Unten: Und dann war plötzlich der glücklichste Moment meines Lebens, denn ich sah zum ersten Mal ganz nah ein paar Waschbären. Drei, um genau zu sein. Wie sie da auf der Wiese herumliefen und nicht so recht wussten, ob sie das jetzt cool finden sollten, bewundert und bestaunt zu werden und sich wahrscheinlich fragten, was sie denn jetzt wohl als nächstes waschen könnten. Ach, ich hätte am liebsten einen mitgenommen. Ja, ja, die sollen ja so Krallen haben und so aggressiv sein, ich weiß. Aber mein Waschbär wäre anders. Ich würde ihn überall mit hinnehmen, wie bei Unser Charly. Einen Affen namens Marcel hätte ich übrigens auch gerne, wie bei Friends. Aber dann unbedingt einen Schimpansen. Und einen Elefanten, der immer klein bleibt. Ihn würde ich vermutlich Benjamin nennen. Wussten Sie eigentlich, dass es 16 Staffeln Unser Charly gibt? Da hab ich also noch etwas vor mir. Letztens haben wir überlegt, welche Serien man unbedingt noch einmal gucken müsste. Sabrina – Total verhext natürlich, Neues vom Süderhof, Die Kinder vom Alstertal, Tanja, Die Schule am See und natürlich auch Unser Charly. Ich habe im Übrigens noch immer niemandem mit einem Blueray-Laufwerk im Computer getroffen, bei dem/der ich mal meine Mein Leben und ich-Blueray rippen könnte, damit ich das endlich am Computer gucken kann. Es ist ein Trauerspiel. Gut, dass es jetzt langsam kalt wird. Endlich kommen wieder gute Serien. American Horror Story (wobei ich da ein bisschen Angst vor habe, ob das wirklich so gut werden kann), Modern Family, Bojack Horseman, South Park, Shameless, hach. Andere Frage: Gibt es eine Serie, in der ein Waschbär vorkommt?


Oben: Dass die Morgenpost nichts wert ist, darüber müssen wir nicht reden. Wohl aber darüber, wie diese ganzen Quatschblätter es wieder und wieder schaffen, sich selbst in puncto Fremdenfeindlichkeit, Deutschtümelei, Heimatstolz, Polizeiverherrlichung und Nazirelativierung zu überbieten. Wie kommt man nur auf die Idee, so etwas zu schreiben? „Privat Nazi sein, okay! Gerne sogar! Aber im Dienst? Auf gar keinen Fall! Nazi sein ist immer noch Privatsache! Das hat auf Arbeit nichts zu suchen! Ausländer hassen, das macht man immer noch zu Hause! Ich surf ja auch nicht auf Arbeit einfach so im Internet! Das kostet den Arbeitgeber nämlich jährlich ganz schön viel Geld, was da an Zeit verschwendet wird! Und Geld ist immer noch das Allerwichtigste! Und Deutschland natürlich!“ Pfui. Wo ist eigentlich die Diskussion darüber, was es bedeutet, was für eine Tragweite das hat, wenn die Selbstsicherheit der Nazis schon wieder so weit gediehen ist, dass ein Mitglied einer polizeilichen Spezialeinheit offen und selbstverständlich mit Nazisymbolik herumläuft? Wo ist diese Riesenwelle des Entsetzens und innerbehördlichen Aufräumens, wenn Polizisten sich Waffenlager anlegen und Todeslisten führen, weil sie schon mal für den Umsturz vorsorgen? Schade, dass Nazis keine Autos anzünden. Dann wär aber was los. Und schade, dass Nazis immer noch selbstverständlich in jeder deutschen Talksendung sitzen dürfen und eine wunderbare Plattform bekommen, um ihren menschenverachtenden Müll auszubreiten. Schlimmer noch: Die erste Sendung, in der dann schließlich mal keine AfD sitzt, ist ausgerechnet jene, in der Alice Weidel selbst das Studio verlässt.
Unten: Wie passend, dass jeden Tag heute ist.


Endlich endlich endlich! Ein neues Herr-Lehmann-Buch! Na, ich spoilere mal nicht. Aber es ist jedenfalls nicht gespoilert, wenn ich sage, dass es zwischen Der kleine Bruder und Herr Lehmann spielt, oder? Das wussten Sie doch, oder? Also ich wusste das vorher. Ich finde es zwar ein bisschen komisch, dass das Buch so recht schlechte Bewertungen hat, aber so ein bisschen kann ich das auch nachvollziehen. Es ist schon etwas klamaukiger gemacht als die vorherigen. Aber prinzipiell wurden die Bücher ja auch immer für ihren lakonischen Witz so gelobt. Dass das jetzt ein bisschen mehr ist, naja. Fällt schon auf, aber für mich nicht ins Gewicht. Ich finde, es gelingt, wie bei allen Büchern vorher, wieder total gut, sich in diese Kreuzbergkneipenwelt hineinziehen zu lassen. Die Dialoge sind topp, zur Handlung sage ich nichts, naja, das Cover ist nicht sooo sehr meins, aber auch nicht wirklich schlecht. Fest steht nur, dass 22 Euro für 300 Seiten Hardcover schon ein bisschen teuer sind. Ich meine, ich bin eh Herr-Lehmann-hörig, ich geb das eh aus und esse dafür drei Tage lang nichts, aber so für den normalen Buchladenmenschen? Ich weiß nicht. Wie gut, dass mein Buch nie in Buchläden steht. Da läuft es wenigstens nicht Gefahr, nicht gekauft zu werden. Fazit: Kaufen Sie sich das Buch, kaufen Sie alle Herr-Lehmann-Bücher. Lohnt sich. Okay, vielleicht ein Kritikpunkt: Diese ArschArt-Leute nerven mich einfach. Haben sie schon bei „Der kleine Bruder“ getan. Ist einfach so. Nicht sonderlich schlimm, aber halt ein Makel. Das ist wie mit Leuten, die sagen, Brokkoli sei ihr Lieblingsessen. Die nerven mich auch. Kann ich aber auch nicht ändern.


Und wenn man dann schon mal in Berlin ist, dann kann man auch gleich zur Wiener Straße fahren. Wobei die Wiener Straße lustigerweise ganz nah beim S036 liegt, wo wir eigentlich hin wollten. Und ich früher oft in der Wiener Straße war, ohne es zu wissen. Nein, nicht wegen Drogen. Und wenn das alles schon so nah ist, dann kann man auch ruhig noch mal im Elefanten vorbeischauen und gucken, ob man die Passage aus dem Buch noch korrekt zitieren kann. Wobei die Kneipenleute davon sicher genervt gewesen wären.
Der eigentliche Grund des kurzen Berlin-Besuchs: Mühlheim Asozial. Eigentlich aus Köln, ja, aber wenn man sie schon in Leipzig verpasst, dann eben hier, also da, Sie verstehen. Lohnt sich. Vor allem im Kontrast zum Vorprogramm. Und wenn das halt stimmt, dass die wirklich ihre Instrumente nur so halb beherrschen. Oder das Publikum zur Hälfte eigentlich nur da zu sein scheint, weil „irgendein“ Konzert war und die andere Hälfte tatsächlich wegen der Band.


Oben: Kleine Vorschau auf den Youth-League-Start kommenden Mittwoch. Da muss schon noch ein bisschen justiert werden, würde ich sagen. Aber trotzdem, ich freue mich drauf. Erst Youth League, dann Champions League. Und wie man fast wieder ein bisschen nostalgisch werden kannn, wenn man bedenkt, wie wir da vor 80 Jahren fast alleine im B-Block standen und jetzt findet man dort zwei Stunden vor Spielbeginn keinen Platz mehr, weil alles mit Handtüchern reserviert ist. Schon schön, dass mit angesehen zu haben. Aber die Handtuchleute würde ich trotzdem rauswerfen.
Unten: Und da ist er jetzt also eröffnet, der Kupfersaal. Ganz schön voll war es. Und ganz schön viele Leute in Anzügen, die selbst bei freiem Eintritt total Wert darauf legen, auf der Liste zu stehen. Und wenn man dann mal kurz nicht aufpasst, haben die schon das ganze Buffet leer gegessen, weswegen es dann sehr hilfreich ist, wenn es kurz vor zwölf doch noch mal Pizza gibt.
Nicht im Bild: Das Double von René Kindermann, Gespräche über Hummer und meine Überzeugung, dass ich es nicht für ein Zeichen von Wohlstand halte, Hummer zu essen. Denn, mal ganz unabhängig davon, dass ich es einfach barbarisch finde, wie Hummer zubereitet wird (nebst meiner zweiten Überzeugung, dass so viele Leute (mich eingeschlossen) Hardcore-Vegetarier wären, wenn der Herstellungsprozess von Fleisch viel mehr offen gelegt würde), ist es doch das Letzte, was ich tun will, wenn ich reich bin, mit so einer Zange herumzuhantieren und ewig herum puhlen zu müssen, ehe ich etwas Essbares vor mir habe. Und dann vielleicht noch ein Lätzchen zu tragen. Das ist doch absurd. Wobei Reichtum an sich ja absurd ist und sich damit womöglich der Kreis auch wieder schließt.
Auch nicht im Bild: Die Diskussion darüber, ob es okay ist, getragene Unterwäsche für 1.000 Euro zu verkaufen bzw. ob es generell okay ist, so weirde Strömungen der Gesellschaft auszunutzen, wenn es einer/m selbst praktisch keinen Aufwand abfordert, außer wegzusehen und das eigene Nicht-Tun ja nicht dazu beiträgt, das Ganze zu verhindern. Trotzdem: Ich denke, man muss so etwas nicht machen. Einfach, weil es trotzdem total weird ist und ich einfach nichts damit zu tun haben möchte. Es glaubt mir ja niemand, aber ich möchte einfach nur meine Ruhe. Aufstehen können, wann ich will, mein Zeug machen, damit klar kommen und dann in Ruhe gelassen werden. Ich habe noch nie verstanden, wie Leute sich bspw. wünschen können, auf der Straße erkannt zu werden. Würde ich nie wollen. Mich stresst es schon, wenn mir Freunde sagen: „Hey, ich hab dich letztes da langlaufen gesehen!“ und ich denke „Oh Gott! Hoffentlich war ich überhaupt geduscht!“ Vor allem, weil man dann ja auch immer mit den Leuten reden muss und es da einfach oft dieses Ungleichgewicht des Kennens gibt, falls Sie verstehen, was ich meine. Mich erkennt jemand, den ich aber nicht kenne, er glaubt, wir hätten da irgendeine Verbindung, die wir nicht haben und ist dann enttäuscht, weil ich total komisch reagiere, wenn er mich behandelt, als würden wir uns total gut kennen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn mich irgendjemand irgendetwas Humanes fragt, überhaupt nicht, aber das ist dann ja auch eher selten der Fall. Wenn, dann kommen immer so abgespacte Dinge: „Hallo André, könntest du vielleicht irgendeinen coolen Spruch auf ein Frühstücksbrettchen brennen, weil mein Freund, der isst total gerne Frühstück, mag dein Buch und das wäre ja mal megasuper, wenn du dann Sonntagmorgen mit dem Frühstücksbrettchen bei uns in der Küche sitzen und das dem Achim überreichen könntest!“ Eh, nee? Wäre es nicht! Wie kommt man auf solche Ideen? Ist einem das nicht peinlich? Mir wäre das unendlich peinlich. Ich habe ein Mal Laura Jane Grace vor einem Konzert gefragt, ob ich ein Foto mit ihr machen könnte und das hätte ich schon am liebsten direkt wieder sein lassen.
Ebenfalls nicht im Bild: Nicht-Hangover-Pizza mit lustigen Gesprächen.
A: I don’t know, are tomatoes
fruit or vegetable?
E: Vegetable. Or fruit.
A: No, they are vegetables.
R: I think they are fuit, because they grow above the ground.
A: Didn’t we look this up one time?
E: Oh yes, we did! They’re both! They are fuit and vegetable!
R: Right, and it’s totally okay that they are, because this is 2017 and gender is over. But I can imagine how people would talk about tomatoes now.
E: It’s just not natural! You are either fruit OR vegetable! That’s the way it’s always been!
A: They are literally everywhere nowadays! They invade our gardens!
R: They are turning other vegetables fruit and vice versa!
A: And that’s why I don’t like tomatoes!

Was fehlt:

  • Beruhigend, zu wissen, wie sicher so eine Wahl in Deutschland abläuft. Nämlich absolut unsicher. Moneyquote: „Was würde etwa passieren, wenn mit dem vorläufigen Ergebnis am Wahlabend verkündet würde, die AfD sei an der Fünfprozenthürde gescheitert – dieses Ergebnis dann aber später korrigiert werden müsste, weil die AfD tatsächlich sieben Prozent der Stimmen bekommen hat? Wie verliefe dann die Diskussion in Deutschland? „Das wäre wahrscheinlich verhängnisvoll“, sagt Bennemann, der Gemeindewahlleiter.“
  • Fragen Sie nicht, wieso, aber es gab letzte Woche eine Zeit, in der ich viele Blitzeinschlagvideos geschaut habe. Zum Beispiel dieses hier.
  • „Ich weiß nicht, wie Sie’s halten, aber ich merke mir solche Leute. Gerade solche, die von unserer als der freiesten aller Gesellschaften schwafeln, aber sich in wütendste Apologeten der Staatsgewalt verwandeln, sobald sie das Gefühl haben, dass nun doch der Ausnahmezustand vor der Tür steht.“ – Leo Fischer über die Umfaller nach G20.
  • Das ZDF zeigt heldenhaft eine Doku über den „drohenden Terror von links“ und offenbart damit wunderbar, was in Deutschland gerade abgeht: Die Relativierung rechter Gewalt.
  • Hodor beim Familienduell.
  • Misogynie bei Big Bang Theory.
  • Ich hasse Til Schweiger. Vor allem, weil ich schon genau weiß, wie der Film aussehen wird. Wie er anfängt, wie er endet. Dass Til Schweiger selbstverständlich den nachdenklichen Typen spielt, der gar nicht mitkriegt, dass alle auf ihn stehen. Hass, Hass, Hass.
  • Viel besser: Die Gott-Sketche von Gute Arbeit.
  • Mein Leipzig lob ich mir: Das Gästehaus des Ministerrates der DDR wird von gesichtslosen Geldverdienern saniert und es verwundert höchstens, dass es überhaupt noch jemanden wundert. Falls das jetzt jemand zu hart findet, denn es ist ja nicht alles schlecht, was modernisiert wird und Leipzig ist doch auch voll sozial und so, dem/derjenigen sei folgender Satz ans Herz gelegt: „Den Quadratmeter wird es kalt ab einem Mietzins von 10 Euro aufwärts geben. Damit aber trotzdem jeder die Möglichkeit hat, sich eine Wohnung in dem Gebäude zu leisten, würden die Wohnungen eben kleiner ausfallen.“
  • Wenn Game of Thrones in der Neunzigern gedreht worden wäre.
  • Geisterbeschwörung mit Aluminium und Quecksilber.
  • Berufswunsch: Competitive eater.
  • Virtual-Reality-Rutsche.
  • Hihi.
In Kategorie: a week in pictures

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