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A Week in Pictures 35/2017

Manchmal setze ich mich an den Schreibtisch, muss dringend irgendetwas machen, dann werde ich wach und merke, dass ich seit zwei Stunden Videos darüber gucke, wie koreanische Frauen 48 KFC-Hühnchenteile essen ohne auch nur irgendwelche Probleme damit zu haben. Und dann denke ich: „Dafuq? Wie bist du denn dort gelandet? Und wieso hast du das Video jetzt tatsächlich sehr interessiert bis zu Ende geguckt?“ Dann überlege ich, wie toll das war, als ich nach dem Superbowl bei einem Kumpel mal einen ganzen Eimer KFC-Kram mitnehmen durfte und wie ich dann zwei Tage lang nur KFC-Zeug aß. Und dass das tatsächlich, wie die koreanische Frau es in diesem Video sagt, auch meine Definition von Erwachsensein ist: Erwachsen sein heißt, dass man halt auch einfach acht Eimer KFC-Zeug kaufen kann, wenn man Lust darauf hat. Hach, es waren sehr glückliche Zeiten. Und dann klicke ich auf das nächste Video, in dem die Frau plötzlich 8 Kilo Reis, Gemüse und Hamburgermatsch isst, wobei sie dann Ende „doch schon ein bisschen voll“ ist, sich aber trotzdem noch beim Essensgott bedankt, weil es so lecker war. Spätestens hier sind bereits alle Gedanken darüber, was für ein jämmerliches Dasein ich eigentlich führe, verschwunden, denn da sind jetzt nur noch Gedanken übers Essen und, viel wichtiger, übers Mit-vor-der-Kamera-esse-reich-werden, denn die koreanische Frau hat natürlich Millionen views. Das geht dann so weiter. Meist gucke ich noch irgendwelche Fail-Videos, den Typen, der einen Kaktus isst, Vlogs und anderen Quatsch. Bis dann irgendjemand anruft und fragt, was ich eigentlich so mache. Dann lege ich auf und versuche wieder, ein nützlicher Teil der Gesellschaft zu sein. Bis ich eine Viertelstunde später wieder Youtube öffne.


Wenn im Schwimmbad das Wasser so kalt ist, dass man gerade mal kurz hin und her schwimmt, dann hat sich der Ausflug trotzdem noch immer gelohnt, denn man kann ja die ganze Zeit auf der Wiese liegen und lesen. So habe ich zum Beispiel endlich mal Fleckenteufel gelesen. Bisschen komisches Ende, aber ansonsten stellenweise so unendlich lustig, dass ich mich halb kaputtgelacht habe. Nicht so mega wie Junge rettet Freund aus Teich, wo es im Hörbuch diese eine tolle Stelle gibt, wo Heinz Strunk selbst sich nicht mehr einkriegt, aber gut. Jürgen fand ich leider ein bisschen schwächer. Wobei ich es so allgemein sehr lustig finde, wie offensichtlich es ist, dass sich alle Bücher quasi immer um ein und dieselbe Person drehen und immer derselbe Kosmos bespielt wird. Und ich finde es sehr krass, wie viele Bücher man aus einer einzelnen Jugend so basteln kann.
Ansonsten ist im Schwimmbad aber vor allem der Kiosk das Beste. Man muss im Schwimmbad einfach immer Pommes essen. Und Currywurst! So ein Kiosk scheint sich auch nie zu verändern. Es gibt dort noch immer Gummischlümpfe, Riesenschlangen und Kaffee für knapp einen Euro, was sehr schade ist, denn ich trinke keinen Kaffee, würde mir dort aber gern ein günstiges Getränk kaufen. Außerdem arbeiten dort seit 80 Jahren dieselben Leute, was ich jetzt schwer nachprüfen kann, denn 1) sind meine Eltern früher immer nur an den See gegangen und 2) gehe ich ja mittlerweile auch in gänzlich andere Schwimmbäder. Dennoch sehen die Leute im Schwimmbadkiosk exakt so aus, als würden sie immer per Zeitmaschine von ihrem Kiosk im Jahr 1990 und den im Jahr 2017 hin und her reisen (die Idee ist übrigens vom wunderbaren Lesebühnenautoren Andreas Krenzke in seinem Buch Imbiss wie damals erfunden worden). Und deshalb schmeckt das einfach alles noch wie damals, als ich noch mit einem Fünfmarkstück ins Schwimmbad gehen, Eintritt bezahlen UND mir noch eine Portion Pommes kaufen konnte. Ganz ohne zusätzliche Prostitution oder Glücksspiel. Das Einzige, was ich wirklich vermisse, ist das ganze „Heißen Hexe“-Zeug. Sie wissen schon, diese ekligen Papiertüten, die die Kioskfrau dann immer in die Mikrowelle gepackt hat, bis sich der Beutel aufgebläht hat. Dann nahm sie ihn raus, schnitt das Papier auf, es dampfte wie verrückt und zum Vorschein kam: Ein labbriger Burger, den aber trotzdem alle unendlich geil fanden. Leider war das „Heiße Hexe“-Zeug etwas teurer, weswegen ich damals nur sehr selten in den Genuss kam. Wir hatten ja nüscht. Meine Oma ist damals immer nachts ganz allein mit’m Bollerwagen, Sie wissen schon. Heutzutage, wo ich es mir manchmal leisten könnte (also könnte nicht, aber ich würde einfach), da gibt es das leider nicht mehr. Das einzige Mal, dass ich also wirklich bewusst so ein „Heiße Hexe“-Mikrowellenbeutelessen aß, war es der 2. Weihnachtsfeiertag. Keine Ahnung, wie alt ich da war. Zehn oder elf. Ich hatte so Weihnachten einen Adidas-Kapuzenpullover (mit so coolen Streifen) bekommen und dazu ein paar Eddings (ja, ich bin leicht zu begeistern). Meine Eltern mussten am zweiten Weihnachtsfeiertag arbeiten, denn meine Eltern sind ehrliche Arbeiter*innen und weil man mich anscheinend nicht allein lassen konnte, musste ich mit zu Mutters Arbeit. Ich saß die ganze Zeit im Speiseraum, taggte alles voll (also eigentlich nur ein Blatt Papier, aber in meiner Vorstellung quasi das ganze Gebäude) und als meine Maama fertig war, gingen wir durchs Schneegestöber (ja, liebe Kinder, damals gab es noch Schnee!) nach Hause. Und weil ich solchen Hunger und meine Maama mich lieb hatte, sagte sie, ich dürfe essen, was ich wolle, weil es sei ja Weihnachten. Und genau in diesem Moment kamen wir an einer Tankstelle vorbei. Herrlich war das. Keine Ahnung, wie meine Mutter die mitleidigen Blicke des Tankstellenpersonals ausgehalten hat oder was die Leute sonst von uns gedacht haben, aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es eins meiner besten Weihnachtsessen ever war.
Achtung! Das nächste Bild ist wieder ein Game-of-Thrones-Staffel-7-Folge-8-Spoiler. Wenn Sie den nicht sehen wollen, klicken Sie bitte hier, dann überspringt ihr Browser das Bild automatisch. Versprochen.


Wie großartig war das denn? Der Eiszombiedrache macht alles kaputt. Wuuuuusch! Einmal Eis gespuckt und zack! ist eine blöde Mauer einfach kaputt. No borders, no nation, Eiszombie celebration! Geil! Zwar passierte ja in der Folge sonst nicht soooo viel. Okay, die Überzeugungsarbeit mit dem Zombie war schon witzig, aber sonst fast schon wie in Staffel 6: Laber laber laber. Und dann am Ende, Eiszombiedrache! Ich bin immer noch völlig begeistert. Ich bin so begeistert davon, dass ich manchmal total vergesse, dass es gar keine Eiszombiedrachen gibt und wenn es mir dann einfällt, dann bin ich plötzlich total enttäuscht. Hach, ich hätte gern einen Eiszombiedrachen. Alles wäre einfacher. Im Supermarkt drängelt sich wieder eine Oma vor? Eiszombiedrache! Sie brauchen Einkommensnachweise, weil Ihnen meine Situation als Selbstständiger „zu unsicher“ ist? Eiszombiedrache! Ich laufe mit dem Knie volles Ballett gegen die Ecke meines Betts, es tut höllisch weh und ich muss es dringend kühlen? Eiszombiedrache!
À propos Tiere: Ohne Witz, ich wollte früher mal unbedingt das Jumanji-Spiel nachbauen. Einfach, weil ich es unglaublich krass fand. Leider merkte ich sehr schnell, dass ich das nicht hinbekommen würde. 1) Weil ich den Film nur einmal im Fernsehen gesehen hatte und quasi gar nicht mehr wusste, wie das Spiel überhaupt genau aussah 2) Weil ich den Film auch sonst nicht irgendwie ranbekam und 3) Weil meine Handwerksskills doch etwas beschränkt sind. Wobei „ein bisschen beschränkt“ hart untertrieben ist. Ich kann eigentlich gar nichts. Bzw. habe durch harte Fehlschläge irgendwann beschlossen, einfach nichts Handwerkliches mehr selbst zu machen. Das ist einerseits total unmännlich aber andererseits ist gender halt over und weiterhin finde ich es auch irgendwie cool, zu sagen: „Hammer? Kann ich nich. Mach ich auch nich.“ Was allerdings doof ist, weil man kann ja auch schlecht irgendeinen Handwerker anrufen und sagen: „“Hallo, hängen sie auch Vorhänge auf? Was kostet das?“ Das geht einfach nicht. Die lachen einen doch aus. Wobei sie sich doch eigentlich freuen müssten, immerhin bin ich ja zahlungswillig. Ich lache doch auch nicht, wenn die mich fragen, ob ich ihnen irgendwas schreiben kann. Wobei, vermutlich schon. Aber darum geht es gar nicht. Eigentlich wollte ich nur meinen allergrößten Neid ausdrücken, weil dieser Typ im Internet sich einfach so mal ein komplettes Jumanji-Spiel selbst gebaut und mir damit all meine Träume zerstört hat.


Ich war damals aus irgendeinem Grund in Köln und als ich am Morgen nach dem Auftritt so durch die Bahnhofsbuchhandlung strich, fand ich Magical Mystery und kaufte es sofort. Im Zug las ich dann fast die Hälfte, zu Hause den Rest und fand es super. Dann verlieh ich das Buch und sah es nie wieder. Beziehungsweise nur so eine völlig zerfledderte Version, für die ich mir dann gütigerweise einfach das Geld zahlen ließ, um mir ein neues Exemplar zu kaufen. Naja und als es dann hieß, da komme ein Film, mussten wir natürlich sofort hin. Wobei ich so ein bisschen Angst hatte. Denn immerhin spielt die Handlung ja nur fünf Jahre nach Herr Lehmann, also unter 30 bis 35-Jährigen und plötzlich sind da alle Schauspieler*innen 50 und spielen die hippe Technoszene der Anfang-90er. Aber man kann den Film schon gucken. Gibt viele schöne Szenen. Obwohl mir halt dieses Altersding immer wieder aufgestoßen ist (neben den Nachos, die trotzdem sehr lecker waren). Für mich hätte es das Liebeszeug nicht gebraucht, aber das ist ja immer so. Und ich finde, wenn Detlef Buck schon mitspielt, dann soll er wenigstens auch wieder Karl spielen. Der Herr Hübner hat das prima gemacht, vielleicht sogar besser, aber es fetzt einfach nicht, wenn Detlef Buck (der damals auch ein super Karl war, haha, Superkarl!), plötzlich eben nicht Karl spielt. Und das Altersding halt. Ich spiel doch auch keinen 17-Jährigen. Wobei viele sagen, dass ich das tue, wenn ich wieder das gedankenverloren beim Abwaschen das Intro von Mila Superstar singe. Aber darum geht es ja gar nicht. Gehen Sie ins Kino, schauen Sie den Film. Ich glaube nur, einmal gucken reicht dann auch. Was ein größeres Lob ist, als ich den allermeisten deutschen Filmen jemals geben würde. (Kleine Seitenkritik: Warum sind US-Filme so viel besser? Weil die sich trauen, da mehr Geld hinein zu investieren. Genau deshalb ist deutsches Fernsehen nämlich auch kacke und wird auch immer kacke bleiben. So, jetzt hab ich’s gesagt!)


Das war vielleicht schön! Das nenne ich mal wirklich DIY. So liebevoll das alles, Wahnsinn.
Nicht im Bild: Ausschweifungen im Karaoke-Wagen. Die Waschtrommel-Lampen. Aus Versehen in den Moshpit geraten und sich direkt die Jacke ruinieren.
Auch nicht im Bild: Wie ich irgendwie darauf kam, unbedingt mal wieder Puzzlen zu wollen und dann genau das tat, was ich immer tue, wenn ich plötzliche Lust auf Geldausgeben habe: Ich gebe es nicht aus, sondern warte erst einmal eine Weile, um zu gucken, ob ich dann immer noch Lust drauf habe. Meistens nämlich nicht. Aber auf Puzzlen habe ich immer noch Lust. Wobei ich leider die meisten Puzzlemotive echt daneben finde. Irgendwelche hässlichen Karten, Blumen oder Landschaften, bäh. Das hat mich schon bei Malen nach Zahlen immer genervt. Warum konnte man da nie z.B. eins der Grauen Bilder von Gerhard Richter malen? 2 x 1,5 m Originalgröße oder so! Glücklicherweise findet man bei Puzzlen doch irgendwann mal halbwegs coole Motive. Und anscheinend verhält sich mein Puzzle-Geschmack ähnlich wie mein Klamotten- oder Einrichtungsgeschmack: Wenn es mir gefällt, dann ist es meist auch das Teuerste. Wobei teuer an sich nie heißt, dass es mir gefällt. Es ist kompliziert, Sie merken es. Bei Puzzlen gefällt mir also anscheinend immer das Schwerste. Bzw. etwas Schweres. Ich würde zum Beispiel gern die Guernica (gern die Guernica, witzig!) von Picasso puzzlen. Die hat 3.000 Teile und nur drei Farben. Das wird sicher total easy. Ich mag Picasso sonst eher nur so zu der Braque-Zeit, aber das passt ja halbwegs. Und Gerhard-Richter-Puzzle gibt’s ja nicht. Mal sehen, ob ich das machen werde. Glücklicherweise kommen mir solche Ideen ja immer dann, wenn ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe. Und wenn ich dann mal Zeit habe, langweile ich mich. Es bleibt anstrengend.
Nicht im Bild: Besuch beim Wuschelhund mit den kahlen Stellen. Natürlich regnet es bei der Rückfahrt.


Und hier war ich dann beim Frauenfußball. „Lehrgeld bezahlt“, wie es später so schön hieß. War wirklich so. Ansonsten ist das echt schön, wenn man mal die Unterschiede zu den Männern sieht. Da liegt fast nie jemand am Boden. Und wenn doch, dann nur, weil wirklich etwas ist. Da wird auch nicht sinnlos aufeinander eingedroschen oder der/die Schiedsrichter*in beleidigt. Wobei natürlich unbedingt Männer drumherum stehen müssen, die alles besser wissen (Frauen übrigens auch). Und es sind sowohl Männer als auch Frauen, die offenbar nichts Besseres zu tun haben, als immer wieder zu brüllen, dass da die ein oder andere Spielerin überhaupt nicht „wie eine echte Frau“ aussieht und man da „ruhig mal das Geschlecht überprüfen“ dürfe. Ich hasse solche Menschen. Und wenn ich erstmal König bin, dann ändert sich hier Einiges. Zum Beispiel verbiete ich Fußball. Nee, das wäre auch doof. Aber vielleicht verbiete ich einfach Fans, deren IQ niedriger ist als der ihres Camp-David-Shirts.
Nicht im Bild: Die seeeeeeeehr guten Nachrichten. Ich bin jetzt cooler Mhmhm-mhmhmhm-mhmhm-Autor. Ja, genau! Knien Sie nieder!

Was fehlt:

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