
Wir in Leipzsch haben ja nicht viel, aber unsere Bibliothek sind hübscher als eure! Ich hab das wieder mal ausprobiert. Zu Hause bekommt man beim Fachtexte-Lesen ja doch zu oft Lust, mal kurz das Bad zu putzen oder das Geschirr sauber zu lecken. Am Besten ist die Bibliothek, wenn man ganz früh hingeht. Dann, wenn man noch kaum jemand da ist und die Angestellten noch ungestüm durch die Lesesäle schreien: 'BÄRBL, ISCH BRAUCH NOCH DES OLLE BUCH AUSM MAGAZIN! DIE FRAU, DIE DES BRAUCH, DIE KOMMT DOCH IMMER SO ZEITSCH!' Da momentan die Schließfächer renoviert werden, darf man sogar alles, was man bei sich trägt, mit in die Lesesäle nehmen. Das Problem ist nur, dass ich seither versuche, immer so viel wie möglich mitzunehmen, um mich in der ungewohnten Umgebung möglichst heimisch zu fühlen. Die Bibliothekarin guckt schon immer so komisch. Ich werde sie ab jetzt heimlich Bibliothe-Karin nennen.

Den Bildern nach zu urteilen, mag es so aussehen, als würde ich im Moment eigentlich nur Bowlen, durch die Weltgeschichte gondeln und die schöne Landschaft fotografieren. Stimmt aber so nicht. Derartige Aktivitäten sind nur der Höhepunkt von ansonsten ziemlich langweiligen Tagen. Außerdem fetzt Bowling sehr, da kann man nichts sagen. Und um den Status als Führenden in der Allzeit-Bowling-Rangliste auch halten zu können, muss man eben in Form bleiben. Ich glaube ja, dass ich, wenn ich reich wäre, total anfällig dafür wäre, mir allerlei sinnlose Gadgets zu kaufen. Eine eigene Bowlingkugel zum Beispiel. Oder so einen fancy Handstabilisierungshandschuh. Vermutlich würde ich mir auch ein Fixie kaufen. Oder eine Slackline. Und nicht zuletzt auch ein iPhone. Insofern ist Arm-Sein vielleicht gar nicht so schlecht. Man kommt zwar auf reichlich dumme Ideen, aber kann sie partout einfach nicht umsetzen.

Und das mache ich gerade wirklich. Bibliographische Daten in eine Literaturverwaltung eingeben und anschließend Texte exzerpieren. Wobei ich auch noch tausend Semestern Studium immer noch nicht weiß, ob es nun 'exzerpieren' oder 'exzerptieren' heißen muss. Egal. Ich bin mir auch zu fein, es zu googlen. Immerhin hab ich studiert. Das Tolle an meiner Arbeit ist, dass ich praktisch nur ganz wenige Bücher anfassen muss. Der Rest meiner Literatur besteht ausschließlich aus Texten in Fachzeitschriften, die man sich mühsam aus irgendwelchen Datenbanken zusammensuchen muss. Aber ich glaube, man beeindruckt die Bibliothekarinnen schon ziemlich hart, wenn man morgens einfach in die Bibliothek läuft, den Laptop aufklappt und einfach davor sitzen bleibt, ohne je ein einziges Buch anzurühren. Zumindest stelle ich mir vor, dass sich mich dafür sehr hart respektieren. Aber im Prinzip rufen sie dann doch immer nur: 'Ich kann an der Art Ihres Tippens hören, dass sie chatten!' Die Frauen machen wir Angst.

Davon ab, dass gleich neben diesem Park drei Hochhäuser stehen, die aller Voraussicht mal jeweils in Gold, Silber und Bronze gestrichen werden sollen (Gold und Silber sind schon da) und dass rundherum komische Menschen in komische Stadtvillen ziehen, ist der Johannapark mein All-Time-Park-Favorit. Nicht zuletzt, weil irgendeine der Enten im Teich ja der gute Holger sein muss. Ok, im Sommer liegen zu viele Studenten auf der Wiese und spielen dieses hässliche 'Ich zieh mal mein Oberteil aus, leg mich auf die Wiese und schau, ob mich hübsche Babes ansprechen'-Spiel mit sich selbst. Aber naja. Die Brücken sind toll. Auch wenn praktisch jedes Hochzeitsfoto in Leipzig dort aufgenommen wird. Aber gut. Ich will ja nicht meckern. Sonst reißen die vielleicht einfach den Park weg und pflastern doch Mies-van-der-Rohe-Stadtvillen hin. Und das will ja niemand.

Es ist ja nicht so, dass ich schon ewig bei Twitter bin. Zwei Jahre jetzt. Twitter gibt's immerhin schon satte 6 Jahre. Trotzdem kommen die Medien jetzt erst drauf, dass Twitter so mordsmäßig geil ist, dass fast jeden Tag irgendwo erklärt wird, warum Twitter momentan der heißeste Scheiß in Berlin oder sonstwo ist. Heraus kommen dabei leider meist sehr schlechte Texte, wie der, der jetzt im Kulturspiegel erschienen ist. Weiß auch nicht, warum ich das überhaupt gelesen habe. Hoffnung vielleicht. Ich will es ja meist selbst nicht wahr haben, weil es bei meinen Misanthropie-Freunden nicht so gut ankommt, aber ich habe ja manchmal sowas wie Hoffnung. Ist vielleicht nur meine schrecklich humanistische Seite, die manchmal rauskommt, weil man mich im Kindergarten zu selten den Hang hinunter geschubst hat. Jetzt macht das ja keiner mehr. Und ich ja sowieso nicht. Das wäre unfair.

Auch so eine meiner Anwandlungen, die ich nicht verstehe: Ich mag Stadien. Hier zum Beispiel das Zentralstadion aka RB Arena im wunderbaren Leipzsch. Es spielte Leipzig gegen Leipzig und Leipzig gewann deutlich. Ich bin mittlerweile ein ziemlich großer Wochenendfan geworden. Aber damit meine ich nicht 'Komm, wir gehen in den Park'-Wochenende oder 'Komm, lass uns einen Ausflug machen'-Wochenende. So etwas fühlt sich an Wochentagen viel besser an. Nein, Abwaschen zum Beispiel, Saubermachen oder Einkaufengehen kommt am allerbesten ganz früh an einem Samstagmorgen. Falls Ihnen das schon zu verrückt vorkommt: Ich finde auch Freitagabende praktisch uneträglich. Ein Freitag ist nur bis ca. 14 Uhr super. Danach verdirbt er in der Aussicht, dass gleich darauf Samstag folgt, auf den immer Sonntag folgt, woraufhin gleich wieder Montag ist. Samstagvormittag ist dabei eine Ausnahme. Aber nur bis maximal 11 Uhr. Danach ist praktisch das ganze Wochenende hinüber. Außer man geht z.B. in ein Stadion. Da verlässt man meist gegen Mittag das Haus und ist um 16 Uhr wieder zu Hause. Perfekt, um vorher noch nicht allzu vergrämt und zu sein und anschließend richtig schön traurig zu werden, dass das Wochenende nun wohl doch vorbei ist.

Hab ich mir gegönnt. Das Phänomen Houellebecq. Ich bin noch nicht wirklich weit, aber vielleicht kann ich schon so viel sagen: Es ist für meine Begriffe ein bisschen sehr literaturwissenschaftlich. Und wird dann manchmal doch wieder ein bisschen flach, wenn z.B. kurze Zeitungsrezensionen abgedruckt sind. Aber da ich nunmal ein absoluter Houellebecq-Fanboy bin, lese ich es trotzdem gern. Man erfährt ja doch immer Neues.

Bonus: Einfach mal aufs Bild klicken. Ganz nettes Panorama. Da war es allerdings noch nicht wirklich voll. 24795 Zuschauer sollen es am Ende gewesen sein.
Was fehlt: Tausende verschickte Pressemitteilungen. In Leipzig geht's bald wieder richtig los. Die Brüder Karamasov (verzwickt und mit komischem Ende, aber gut). Die letzten Aufnahmen für das großartige TTZ-Album ab Montag.









Hazel Brugger via Facebook
3. September 2012
You ain’t no Houelle-a-becq girl.