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A Week in Pictures 33/2018

Ironischerweise ausgerechnet auf einem Festival bin ich über den Ausdruck „Depressiver Hedonismus“ gestolpert. Ich las ihn im Rahmen eines Vortrags, den ich leider schon verpasst hatte und von dem ich nicht mehr weiß, wer ihn gehalten hat. Aber das Internet sagt immerhin, dass der Ausdruck vom britischen Kulturwissenschaftler Mark Fisher geprägt wurde. Er beschreibt einen Zustand, in dem man sich mit dem Gegebenen abfindet und sich in Unterhaltung zerstreut, obgleich man sich sehr wohl bewusst darüber ist, dadurch alles nur noch schlimmer zu machen, was daraufhin zu depressiven Störungen führt, die wiederum dazu führen, dass man sich noch mehr mit dem Gegebenen abfindet usw. usf. Sehr interessant. Besonders auf einem Festival. Ist mir gerade wieder eingefallen. Muss ich wohl mal dieses Buch lesen. Und dann mal gucken, was dran ist. Auf den ersten Hör klingt es erstmal ganz vernünftig. Aber vielleicht auch nur, weil man das Zusammenfallen der beiden Wörter auf einem Festival praktisch alle fünf Minuten in gelebter Form sieht. Tragischerweise hat sich Mark Fisher offenbar im letzten Jahr das Leben genommen. Was aber zumindest seine Theorie unterstützten würde, ironischerweise.


Links: Es geht voran. Die letzten Änderungen sind eingebaut, der erste Schwung an Grammatik- und Rechtschreibung ist ausgebessert und das Buch grob gesetzt. Jetzt geht es zur Korrekturleserin, während ich es parallel auch noch einmal möglichst gewissenhaft (haha!) durchschaue. Bleibt noch die Sache mit dem Cover. Erinnern Sie mich bitte nicht daran. Ich bin mittlerweile fast soweit, das Cover einfach weglassen zu wollen und einen Stapel loser Blätter zu verkaufen. Das erscheint mir deutlich einfacher, als ein Cover für dieses Buch gestalten zu lassen. Und es gibt ein Cover! Was für ein Akt. Ich weiß gar nicht, wie lang es im Endeffekt gedauert hat. 14 Wochen? 13? Zwölf? Auf jeden Fall viel zu lang. Am besten, ich werde auch noch Grafiker und dann mache ich in Zukunft einfaach alles selbst. Vielleicht kann dann ja Tommy Jaud oder so das Buch zugehörige Buch schreiben. Dann ist es zwar schlecht, sieht aber gut aus und verkauft sich Bombe. Nein, natürlich nicht. Aber ich bin gespannt. So auf alles. Ob das nach acht Milliarden Änderungen überhaupt noch irgendwie Sinn ergibt. Ich glaube, es ist ganz witzig geworden. Und trotzdem sinnvoll. Auf jeden Fall besser als das erste. Das ist schon mal viel wert. Und man hofft ja doch immer, dass es aus den unerfindlichsten Gründen doch irgendwie vielleicht ein ganz kleines bisschen abhebt. Aber nein nein, da sollte man realistisch sein. Auch weil da noch ein gehöriges Stück fehlt Richtung Houellebecq (der Schreibstil, nicht die politische Einstellung), Thomas Mann oder wasweißichwenichsonstnochmag. Naja, abwarten und mal schauen.
Rechts: Meine Güte, was man nicht alles klären muss. Obwohl es eigentlich gar nicht so viel zu klären gibt. Aber hey: Kommenden Freitag auf der Parkbühne am Geyserhaus. Der Vorverkauf läuft noch bis Freitagnachmittag, danach gibt’s nur noch Abendkasse. Es wird sehr schön, denke ich.
Nicht im Bild: Endlich The Affair Staffel 4! Und endlich wieder super! Staffel 3 war so mittel, Staffel 1 der Oberhammer und Staffel 2 so kurz unter gut. Hach, ich muss mich zügeln, sonst ist es direkt wieder vorbei.


Links: Nicht im Bild: Unendlicher Muskelkater. Wenn man auf dem Rückweg vom Training schon merkt, dass Fahrradfahren nur noch so halb funktioniert, dann sind das keine guten Aussichten für die kommenden Tage. Mein Körper denkt sich vermutlich, ich habe jetzt vollends ein Rad ab. Jahrelang total viel Sport, dann jahrelang gar keiner und jetzt immerhin so ein bisschen. Ich weiß gar nicht, was ich schlimmer finde: Dass es bald, wenn ich vom Training komme, schon wieder dunkel ist und ich dann zwangsläufig irgendwann gegen eine Laterne fahren werde, oder dass ich jedes Mal bis nach Kleinzschocher muss. Und dass ich dann jedes Mal überlegen muss, wie man Kleinzschocher überhaupt ausspricht geschweige denn schreibt. Nee, also, nee. Leipziger Westen und ich, das ist sowieso schon schwierig. Aber dann auch noch dort unten. Okay, es gibt schöne Häuser, wenn man nicht so weit nach unten fährt zumindest, wo dann irgendwann nur noch die übelsten Neubausiedlungen sind.
Rechts: Fragen sie nicht. Manchmal bin ich selbst erstaunt, wieso ich noch nicht längst zum Wutbürger geworden bin. Prinzipiell sind alle Voraussetzungen vorhanden: Ich habe keine Ahnung, fühle mich übergangen und bin mir sicher, dass ich normalerweise ganz oben mitspielen müsste. Wahrscheinlich braucht es bei mir wirklich nur noch den finalen Tropfen und zack! trage ich einen Deutschland-Fischerhut und fange an, Kamerateams zu bepöbeln. Das haben Sie mitbekommen, oder? Ganz traurige Geschichte. Vor allem, weil man den Polizist*innen ihre Überforderung so hart anmerkt. Und wie sie vor dem Deppen mit dem Anglergut kuschen, nur weil er laut und unnachgiebig ist. Und wenn sich dann am Ende sogar noch der Ministerpräsident von Sachsen hinstellt und twittert: „Ja, der Vorfall muss aufgeklärt werden, aber die Polizei hat erstmal nichts falsch gemacht!!“, dann ist das doch unglaublich traurig, was mittlerweile abgeht. Erschreckend, wie sehr mein letztes Video genau dazu passt, dass ich der sächsischen CDU irgendwie nicht glauben kann, wenn Kretschmer sagt, die CDU werde nach der sächsischen Landtagswahl 2019 auf keinen Fall mit der AfD koalieren. Warum nicht? Die sächsische CDU macht doch längst Politik für und mit der AfD?!

Aber sehen Sie selbst:


Links: Siehe oben. Okay, an der Farbkorrektur arbeiten wir besser noch. Und ich weiß immer noch nicht, warum es ausgerechnet bei mir immer ein bisschen hallen muss, obwohl in so ziemlich allen Youtube-Video immer ein absolut cleaner Aufnahmesound zu hören ist. Naja, ich finde es schon noch raus.
Rechts: Gleich doppelt in der letzten Woche. Einmal die U19 und einmal die U17. Und beide erstaunlich gut. Von der U19 habe ich es erwartet, weil sie hauptsächlich aus der alten U17 besteht, die in der Staffel eindeutig die beste Mannschaft war. Bei der U17 hingegen war ich mir nicht so sicher, weil der Sprung von der U16 in die U17 schon etwas krass ist, zumal die U16 erst Regionalliga spielt. Aber auch die Jungs waren sehr gut. Ein bisschen zu wenig zwingend, aber das kann man ja trainieren. Auf jeden Fall scheinen sich die Jungs zu kennen und motiviert zu sein, was manchmal fast wichtiger ist, als technisch überlegen zu sein.


Links: Festival auf dem Land. Und es ist wirklich bemerkenswert, wie sehr sich Dorf- und Kleinstadtbevölkerung, egal wo man ist, doch gleichen. Männer tragen einfach alles, was der New Yorker so hergibt, zwingend jedoch T-Shirt und kurze Cargo-Hose, dazu ganz viele Tribal-Tattoos, dazu Fußballer-Gel-Scheitel-Frisur und verspiegelte Sonnenbrille. Hiermit steht man auffällig lange vorm gebraucht gekauften und anschließend getuneten 5er-BMW, weil die Freundin, die offenbar erst vor kurzem über Stunden hinweg unter einer Solarium-Bank eingeklemmt war, noch schnell ihren viel zu pinken Lippenstift nachziehen muss. Viele dieser Pärchen haben Kinder. Die Kinder heißen meist „Dscheys’n“, „Dschonnie-je“ oder „Dschuhn“ und werden je nach Geschlecht im Stile des jeweiligen Elternteils gekleidet. Vati scheint viel Zeit im Fitnessstudio zu verbringen, allerdings trainiert er dort ausschließlich Oberkörper, denn Beine sieht man bekanntlich im Club nicht. Beruflich ist er Versicherungskaufmann, Besitzer eines Handyladens oder arbeitet einfach direkt im Fitti. Wo wahlweise auch die Mutti arbeitet, wenn sie nicht gerade zu Hause bleibt, um auf die/den kleine/n Dschäcks’n/Dschennie-je aufzupassen. Sorry für all diese Klischees, aber ich war doch da, ich hab’s doch gesehen. Wie schlagartig man sich in solch einem Fall plötzlich wieder in die Heimat zurückversetzt fühlt. Wie anders mein Leben verlaufen wäre, wenn ich bspw. mit 15 schon meinen Moped-Führerschein gemacht und mir anschließend „’ne Simmich!“ gekauft hätte. Oder wenn ich wenigstens einen tiefergelegten VW-Golf gehabt hätte. Wahrscheinlich würde ich mit meiner Frau Dschessie und dem kleinen Dschimmie-je-Blue in Wurzen oder Eilenburg wohnen, hätte einen riesigen Fernseher, eine Playstation 4 und würde, wenn ich bei Youtube zufällig auf ein Video von jemandem wie mir stoßen würde, nur denken: „Aaaaldr, was für ein Kunde!“ Und ich hätte auch irgendwie Recht damit.
Rechts: Mastodon ist also das neue Twitter. Und es klingt tatsächlich erstmal ganz vernünftig. Wenn auch diese ewig Benutzerkennungen bestimmt zum Hindernis für den Erfolg werden. Aber es nervt schon tierisch, dass Twitter einfach Features streicht, an die man sich so sehr gewöhnt hat und die auch so sinnvoll waren. Ich mag ja Twitter sehr. Und natürlich mag ich es zum Teil auch deshalb, weil die Zahl meiner Follower nicht so ganz klein ist. Aber so ein bisschen fängt es schon an, zu nerven. Auch wenn das noch lange nicht ausreichen wird, damit mehr als 50 % bspw. zu Mastodon wechseln. Viel mehr merke ich es gerade an Facebook. Wie hart mich diese Plattform einfach nervt und wie egal es mir ist, was dort abgeht. Es wirkt mittlerweile fast so, als würden auf Facebook nur noch zwei Dinge funktionieren: Videos und alles Gesponsorte. Wobei Letzteres auch nicht mehr so gut. Auch ist es unglaublich frustrierend, wie mühselig es ist, grenzüberschreitende/illegale/geschmacklose oder geklaute Inhalte zu melden. Und dann werden sie meist nicht einmal gelöscht. Lustigerweise ist bspw. Instagram was geklauten Content angeht extrem schnell und zuvorkommend. Facebook scheint entweder total überfordert zu sein oder es ist allen mittlerweile relativ egal geworden, wie lang dort Videos online stehen, in denen zerhackte Menschen gekocht werden. Wobei, ein solches Video hat Facebook dann immerhin doch mal relativ schnell gelöscht. Den Account des Video-Posters zu schließen, war aber dann doch zu viel des Guten.

Was fehlt:

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