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A Week in Pictures 33/2017

Wenn zu viel passiert, ist es dasselbe, wie wenn zu wenig passiert: Mein Kopf geht aus und der Rest ist bloßes Funktionieren. Und am Ende der Woche sitzt man da und denkt: „Was war eigentlich Dienstag? Ach ja. Genug, sodass es praktisch schon bis Freitag gereicht hätte. Aber so richtig genau? Keine Ahnung.“ Außerdem heißt, dass viel passiert, ja keineswegs, dass Wichtiges passiert. Genau so, wie wenig passieren kann und trotzdem ist viel los. Dafür, dass eigentlich nicht viel los sein sollte, denn es ist ja Sommerpause, ist jedenfalls eine ganze Menge los. Vielleicht hätte man sich das auch besser überlegen können. „Ach, da hab ich ja Zeit, da kann ich dann ja einfach dieses Riesenprojekt machen.“ Nur um dann direkt danach wieder das normale Pensum zu absolvieren. Was natürlich auch nur so halb stimmt, denn da will ja immer noch so ein Buch fertig geschrieben werden. Ich weiß jedenfalls mittlerweile schon genau, was ich werde sagen können, wenn mich jemand fragt, wo mir die Ideen kamen: Beim Rasenmähen. Und beim Abwaschen. Und beim Duschen sowieso. Wäre es nicht so eine Verschwendung, dann würde ich einfach den ganzen Tag lang duschen und in fünf Jahren hätte ich mehr geschrieben als Stephen King (Lesen Sie unbedingt On Writing!). Vielleicht duscht der ja auch die ganze Zeit. Nein, der ist einfach nur diszipliniert. Weitaus mehr als ich. Ich mag ja diesen Satz von hier: „Ich nehme mir sowieso zu Vieles vor und zu wenig davon tue ich dann wirklich. Wenn ich nur ein Viertel von dem täte, was ich mir vornehme, würde ich sicher doppelt so viel tun, als ich jetzt tue.“ Und vielleicht ist ja auch das der ganze Schlüssel zum stardome: Großkotzig genug sein, um sich einfach selbst zu zitieren.


Symbolbild: Deshalb denken alle immer, ich tränke ständig Bier. Dabei trinke ich nur ständig Cola. Was mich auch irgendwann umbringen wird, aber eben anders. Vielleicht werde ich irgendwann einfach von einer Horde Bienen zu Tode gestochen, wenn ich zufällig zu nah an ihrem Haus vorbeilaufe. Wobei das Quatsch ist, denn ich trinke ja meist ohne Zucker. Was, wie viele sagen, ja noch ungesünder ist.
Nicht im Bild: Tippen, tippen, tippen und plötzlich sogar mal ein Ende sehen.
Auch nicht im Bild: Wie ich jedes Mal beim Einkaufen denke „Aaaach, du kaufst doch eh nix, wozu brauchst du denn einen Korb geschweige denn einen Wagen!“ und auch wirklich nur ein paar Nudeln kaufen will, dann aber beim Waschmittel vorbeikomme und denke „Aaachja, Waschmittel könntest du mal wieder mitnehmen“, woraufhin ich spätestens beim Regal mit den Nudeln die Packung nur mit den Zähnen aus der Ablage ziehen kann, weil ich mit beiden Armen schon so viel Zeug zusammenhalten muss, dass es ohnehin schon ein halbes Wunder ist, dass mir noch nichts auf den Boden gekracht ist. Mir ist im Supermarkt ja noch nie etwas runtergefallen. Also kein Glas oder so, was mir auch unendlich peinlich wäre. Zumal ich gar nicht wüsste, wie man sich da verhalten soll. Ist das wie bei einem Unfall und man darf auf keinen Fall die Unfallstelle verlassen, sonst ist es Runterwerfflucht? Aber was, wenn zufällig kein Personal in der Nähe ist? Soll man anbieten, das Gurkenglas zu bezahlen? Andererseits fällt so etwas bestimmt unter Kulanz und Kundenbindung. Was aber wäre, wenn ich einfach jedes Mal, wenn ich in den Supermarkt gehe, ein Glas Rote Beete runterwerfe, einfach deshalb, weil ich Rote Beete total eklig finde? Ruiniere ich damit ganz langsam den Supermarkt, indem ich ihm schleichend einen immensen Verdienstausfall aufbürde? Was, wenn dann, nur meinetwegen, plötzlich eine arme Kassiererin entlassen würde, aus ihrem Loft in Schleußig ausziehen und bei mir unterm Küchenfenster bei den Junkies leben müsste? Hach, genau deshalb passe ich sehr genau auf, dass mir nie etwas runterfällt. Und falls doch, dann würde ich mich wahrscheinlich geistesgegenwärtig noch dazwischen werfen. Lieber gehe ich zu Bruch, als dass die arme Kassiererin zum Crystal greift.


Da ist sie wieder, diese mysteriöse Zeit, in der man andauernd im Westen der Stadt ist. Keine Ahnung, wie das immer passiert. Normalerweise gehen wir uns ja eher aus dem Weg, der Westen und ich. Aber mal ist es dann doch ganz schön.
Nicht im Bild: Wie ich seit Mittwoch eigentlich jeden Tag versucht habe, einen Döner zu essen und es einfach nicht hinbekommen habe. Ich bin enttäuscht von mir.
Auch nicht im Bild: Ich lese ja gerne vor. Also jetzt einfach so, nicht auf der Bühne oder so. Ich denke, da habe ich im Moment so das richtige Pensum. Aber so ganz einfach Vorlesen, irgendein Buch, das mir gefällt, das fetzt. Und irgendwie überlege ich, ob ich das nicht einfach mal aufnehmen sollte. Vielleicht auch online stellen. Wird vermutlich eh wegen Copyright gelöscht, aber was soll’s. Keine Ahnung, ob das eine okaye Idee ist. Ich habe mal „Das Parfüm“ als Hörbuch gehört, gelesen von einem kleinen Jungen mit französischen Akzent. Das war super. Gibt’s leider auch nicht mehr. Ich wüsste auch nicht, was ich lesen sollte. Irgendetwas, das ich richtig doll mag oder etwas, das ich einfach lesen will, aber noch nicht kenne? Joachim Meyerhoff? Houllebecq? Die Räuberbande?
Und ebenso nicht im Bild: Wie ich so Papierfalten mittlerweile extrem entspannend finde. Ich habe im Frühjahr das hier gebastelt und es war total super, stundenlang am Tisch zu sitzen, im Hintergrund lief irgendeine Serie oder ein Hörbuch und dann nur Papier zu falten und zu kleben. Und wie viele Ideen man automatisch dabei hat! Natürlich sah mein Exemplar total deformiert und unsauber aus. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem. Bis mir dann Herr Bukowski diesen Typen hier zeigte und seither all meine Ambitionen ausgelöscht sind.


Mal eben nach Berlin fahren und wieder feststellen, dass es in dieser Stadt einfach keinerlei kostenlose Parkplätze zu geben scheint. Geschweige denn Parkautomaten, die man mit Scheinen bestücken kann. Immerhin diese leise Freude, wenn man dann schließlich in der Knesebeckstraße parkt und immer an diese Stelle aus Herr Lehmann denken muss („Ich hab eine Ausstellung in der Knesebeckstraße! Galerie und so!“), was dann doch irgendwie milde stimmt. Und dann zwischen all den reichen Leuten mit ihren Tausend-Euro-Taschen auf dem Kudamm zu stehen und Kakao zu trinken, während man wartet.
Und dann worky worky. Erst war ich skeptisch, dann ein bisschen verzweifelt, aber mittlerweile bin ich eigentlich nur noch überrascht, dass das wirklich zu funktionieren scheint. Und dass ich tatsächlich alles geschrieben habe. Wann eigentlich? Wie eigentlich? War ich überhaupt dabei? Vielleicht bin ich also demnächst dann sogar gespannt, aber bis dahin ist es dann doch noch ein kleines Stück. Aber nicht mehr so viel.
Zum Glück nicht im Bild: Der Transporter, der an der A9 auf Höhe der Ausfahrt Bitterfeld/Wolfen auf dem Feld stand, eingedeckt von einem Plakat mit der Aufschrift: Freiheit für Horst Mahler. WTF?!
Auch nicht im Bild: Die Rentnerhood, ein gescheiterter Versuch, in die Schwimmhalle zu gehen, der damit endete, dass wir einfach anderthalb Stunden im Allee-Center herumliefen und wie ich am morgen darauf im Bett lag und Durchlauferhitzer googelte. Thug life.


Gib der Youtube-Tante, Angy, gib ihr! Hach, da wollt ihr immer so große Medienasse sein, die Speerspitze der digitalen Zukunft, so lässig und nah ihren Rezipient*innen dran und dann wird eure „Youtuber*innen fragen Angela Merkel“-Sendung mal so richtig schön unlocker und verkrampft. Schlimmer noch, es bleibt tatsächlich beim langweiligen Konzept „Irgenwelche Youtuber*innen lesen Standardfragen vor und Merkel gibt Standardantworten“. Keine Rückfragen, keine wirkliche Einbindung eben dieser „Nähe“ der Zuschauer*innen, die das Format eigentlich so besonders machen sollte. Und wieso wird überhaupt nur Merkel befragt? Weil Sie Gott ist und sowieso Bundeskanzlerin bleibt? Ja ja, es war ja so wenig Zeit. Aber kein einziges Wort zu Fremdenfeindlichkeit, Wohnungsfrage, und so weiter? Stattdessen 15 Minuten lockerer Talk über Autos? „Wie kann Deutschland die Autonation bleiben?“ Das sind die Fragen, die euch bewegen, ehrlich? Setzt euch doch bitte in eure von Youtube-Money finanzierten 5er-BMWs und fahrt ganz weit weg. Wenn es wenigstens irgendwie besonders schlecht geworden wäre. Aber es ist einfach nur eine egale Veranstaltung geworden.
Nicht im Bild: Der aufgeregte Wuschelhund, ein Korb voller Mikrozwiebeln und das krasse Unwetter, dass natürlich exakt dann losgeht, wenn wir mit dem Auto losfahren.


Reden wir nicht drüber. Allgemein schlecht gespielt, überhaupt keine Ideen, dazu zwei große Fehler, die zu zwei Toren führen, obwohl Schalke selbst sonst auch nicht wirklich ins Spiel kam. Ich glaube nicht an das Gerede von der Mehrfachbelastung, die notwendigerweise zu einem schlechten Platz in der Liga führt. Und ich glaube auch nicht daran, dass Schalke am Ende Vizemeister werden wird. Zumindest nicht so, wie sie jetzt gespielt haben. RB auch nicht, das sei nur gesagt, damit Sie mir nicht vorhalten, ich wäre bockig oder so. Mich nervt so etwas nicht. Mich nerven nur offensichtliche Fehlentscheidungen. Einfach deshalb, weil ich nicht verstehe, wie in einem Sport so viel Geld unterwegs sein kann und dann akzeptiert man Willkürlichkeiten, weil „sets se geyhm!“ Reden können wir also gern darüber, wie großartig die Sache mit dem Videobeweis funktioniert, wenn man trotzdem ein eindeutiges Handspiel im Strafraum übersieht. Oder wenn der Videobeweis am Nachmittag überhaupt nur in drei Stadien funktioniert. Überhaupt schlägt die Bundesliga gerade eine sehr komische Richtung ein. Schon allein, was die Rechtevergabe angeht. Was ist das für ein Quatsch, dass man neuerdings mindestens Sky und Eurosport braucht, um alle Spiele sehen zu können?
Nicht im Bild: Das Straßenfest vorm Haus, das eigentlich total süß und liebevoll gemacht war, wenn es da nicht dieses Open Mike gegeben hätte, sodass ich mir beim Duschen plötzlich grottigste Gedichte anhören musste à la „Ich habe ein Gedicht geschrieben. Es heißt ‚Traum‘ – Ich hatte einen Traum. Einen Traum von dir und mir. Hand in Hand.“ Glücklicherweise kann man in der Dusche das Erbrochene direkt wegspülen und ist direkt wieder sauber.
Auch nicht im Bild: Barschicht von 3 bis 5 Uhr. Mit Kandidat*innen wie der Dame, die sich beschwert, dass alles so unhygienisch sei und dann ihren Becher mit ihrem T-Shirt auswischt.

Was fehlt:

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