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A Week in Pictures 31/2017

Das Schönste am Wegfahren ist, wenn man wieder nach Hause kommt und erstmal ganz viel Wäsche waschen kann. Bis vor kurzem fand ich das noch ein bisschen strange, aber dann habe ich in der inTouch gelesen, dass Charlize Theron das genau mag und seither geht es eigentlich. Ja, meine Güte, ich lese halt die inTouch. Und die Bravo, na und? Lesen Sie erstmal die ganzen Dostojewski-Bücher und dann reden wir nochmal darüber, wer hier etwas verpasst hat. Letztens fiel mir auf, dass der Sommer ja praktisch schon vorbei ist. August und das war’s eigentlich. Ich gucke mir ja immer die 20-Tage-Wettervoraussicht an, damit ich etwas zu talken habe, falls ich zufällig alten Leuten begegne. So transformiere ich ganz schleichend selbst zum Rentner. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich etwas zu lang am Fenster stehe und leblos nach draußen starre. Oder wie ich auf der Couch sitze, absolut nichts tue und das völlig okay ist. Ich glaube, den Grad an innerer Verrentung bestimmt man zuverlässig daran, wie lang man, ohne etwas zu tun, irgendwo sitzen kann, ohne dass man etwas vermisst oder eine*r/m langweilig wird. Und letztens, als ich nach ein paar Tagen zurück in meine Wohnung kam, da roch es ganz komisch und seither frage ich mich, ob das jetzt einfach daran lag, dass es tagelang draußen warm und die Fenster geschlossen waren oder ob das vielleicht mein eigener Geruch nach Tod ist. Vielleicht geht das jetzt ja los bei mir. Man selbst riecht es ja nicht, das wissen wir spätestens seit Jean-Baptiste Grenouille. Aber die anderen riechen es natürlich. Aber die sagen es einem ja nicht, solang sie noch so einen Funken Restrespekt haben. Stattdessen denken sie sich: „Ach je, der André. Jetzt hat er endgültig die Kontrolle über sein Leben verloren. Jetzt wäscht er sich nicht einmal mehr. Und Arbeit hat er ja auch nicht. Sitzt den ganzen Tag zu Hause und starrt auf seinen Wand. Hoffentlich stirbt er bald.“ Ich mache mir wirklich Sorgen. Ich möchte den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem ich innerlich zum Rentner werde, damit ich mich noch rechtzeitig davon abhalten kann, Ausländer zu hassen, die DDR zurückzufordern, AfD zu wählen und was nicht alles sonst noch. „Uns passiert so was nich“, „Wir bleiben cool“, pah! Das glaube ich schon lange nicht mehr. Stete Introspektion vorausgesetzt, glaube ich allerdings, dass man okay bleiben kann. Nicht jetzt ich, dafür bin ich eigentlich schon seit dem Kindergarten viel zu frustriert, aber ich habe ja noch Hoffnung für andere Menschen.


Oben: Nicht genug, dass alle Welt ausgerechnet dann auf die Idee kommt, irgendetwas von mir zu wollen, wenn ich mal ein Wochenende nicht da bin, nein, es muss natürlich auch noch eine der besten Bands der Welt nach Leipzig kommen, um mich und meine Abwesenheit zu verhöhnen. Ich hoffe, es war ein ganz furchtbarer Abend, oder anders: Ich weiß, dass es ganz sicher ein total guter Abend war, fände es aber gut, wenn man in meiner Gegenwart ausschließlich sagt, dass es total furchtbar war. Kann man nichts machen. Das ist Andrés Law, oder Murphy’s Law, wie es international genannt wird. Dieses Gesetz besagt, grob gesprochen, dass alles, was schief gehen kann, eventuell auch schief gehen wird. Und, dass es immer mir passiert. Naja, egal.
Unten: Mittwoch. Rumsitzen und Reden über Jean-Claude van Damme. Der übrigens die beste Domain der Welt hat. Nicht nur, weil sich sein Name so cool abkürzen lässt (JCVD, wie großartig ist das denn? Dschey Ssiieh, Wiiieeh, Diiieh, Gänsehaut!), sondern auch, weil er einfach ein „world“ drangehängt hat. JCVDWORLD, bam! So sieht’s nämlich aus! Warum bin ich nicht auf diese Idee gekommen? ANDREHERRMANNWORLD.COM. EY EYTSCH WORLD klingt einfach nicht so geil. Aber ich bin eben auch nur einen Bruchteil so cool wie Jean-Claude van Damme.
Nicht im Bild: Wie mein Plan zur Unendlich-Reichwerdung tadellos funktionierte, aber ich trotzdem nicht dabei war. Es ist eine Schande.
Auch nicht im Bild: Wie ich dringend mal wieder zum Friseur muss und schon Angst habe, wie immer komplett falsch verstanden zu werden. Man sollte denken „Nur die Seiten, oben bitte GAR NICHTS“ sei nicht schwer zu verstehen, aber da kennen sie meinen Abenteuerfriseur nicht. Ein einziges Mal hatte ich perfekte Haare, und das war so im Dezember 2016, davor und danach nichts als Chaos. Meist sehe ich aus, als hätte ich meinen Kopf in einen Mähdrescher gehalten. In meinem Kopf fühlt es sich recht ähnlich an. Ach, ich bin verzweifelt.


Und dann waren wir in Brandenburg. Dort gibt es keine Menschen, das heißt, es gibt schon ein paar, aber die ernähren sich von rohem Fleisch und leben in clan-artigen Verbänden in den Wäldern, die es wirklich überall gibt. Nachts überfallen sie dann ahnungslose Tourist*innen, plündern deren Vorräte und hinterlassen rechtsradikale Botschaften auf den Fahrzeugen. Nein nein nein, natürlich ist das alles Quatsch. Weil wir die vermutlich einzigen Menschen sind, die sich daran halten, wenn die Festivalleute darum bitten, doch erst pünktlich zur Öffnung des Geländes anzureisen, aber gleichzeitig keine Lust hatten, am ersten Tag so viel zu fahren, verbrachten wir den Abend davor eben hier. Auf dem Foto sieht man auch praktisch den einzigen Fleck, an dem man ins Wasser gehen konnte, denn jeder weitere Meter war privatisiert und wurde von bösen Brandenburger*innen bewacht, die sich dort am See ihren Traum vom Doofsein erfüllen und jeden Zugang blockieren. Vielleicht reagiere ich übertrieben, aberisdochwahr! Wie kann es denn sein, dass man als Stadt oder Gemeinde den Zugang zu einem See privatisiert? Fehlt eigentlich nur noch, dass es wie auf dem Melt ist und es dann den abgesteckten Coca-Cola-Weg gibt, über den man zwar zum See gelangt, den man aber erst benutzen darf, nachdem man eine 30-minütige Umfrage ausgefüllt hat. Ich bin ja kein Freund von Flashmobs, aber ich hätte spontan Lust, mit 300 Leuten immer schön nacheinander bei den Seeblockier*innen vorbeizulaufen und zu fragen, wie man denn bitte zum See kommt. So lange, bis sie entnervt aufgeben und man endlich ihren blöden Privatweg benutzen kann.
Aber wir wollen nicht schimpfen. Es war doch so schön. Zwar wurde man mindestens einmal pro Sekunde von einer Mücke gestochen, aber was soll’s. Ich geb ja gerne. Und es ist doch auch schön, draußen rumzusitzen, Kreuzworträtsel zu machen, Heinz Strunk zu lesen und sich dabei so richtig schön rentnermäßig vorzukommen. Und wenn man dann noch auf irgendeinem Huckel schläft und sich der Rücken die ganze Nacht lang so richtig schön verdreht, dann bleibt dieses schöne Ü67-Gefühl auch noch am nächsten Tag.


Ich mag ja Maschinen. Von mir aus könnten Maschinen gern jede nervige Arbeit der Welt übernehmen, damit die Menschheit mehr Zeit für die wichtigen Dinge (Playstation, Bücher und Döner) hat. Es soll sogar vorkommen, dass ich mich manchmal aus Versehen beim Pfand- oder Geldautomaten bedanke, weil Maschinen für mich absolut selbstverständlich geworden sind. Brotschneidemaschinen mag ich auch. Auch wenn ich alles mit Messern und Klingen immer ein bisschen unheimlich finde. Aber gegenseitiger Respekt ist schon okay. Die Maschine hat Respekt vor mir, weil ich Herr über die Elektrizität bin und ich habe Respekt vor der Maschine, weil sie mir ganz easy die Hände abhacken kann.
À propos Zerheckslung: Ich bin ja wirklich nicht der Game of Thrones-Fan. Für mich sind das nach wie vor Geschichten über Fantasy-Ritter, die man vor zwanzig Jahren noch nach 22 Uhr auf DSF in der Kategorie Soft-Porno gezeigt hätte. Und das einzig richtig Krasse daran ist halt, wie komplex die ganzen Zusammenhänge sind. Aber die Geschichte an sich, naja, eigentlich wollen ja alle immer nur Oberkönig*in werden. Aber egal, ist ja vollkommen okay, davon übelster Fan zu sein. Mich beeindruckt es jetzt nicht so, wenn jemand alle Ortschaften und Namen aus Game of Thrones benennen kann. Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte: Die siebte Staffel ist bisher super. Endlich geht’s mal los. Hach, ich würde gern spoilern, aber lieber nicht. Bei Game of Thrones sind die Leute empfindlich. Da werden die immer gleich so ruppig wie in der Serie selbst. Fließt direkt immer Blut. Obwohl ich ja nicht verstehe, wie die Drachenfrau so lang warten konnte, obwohl sie schon seit Ewigkeiten ihre drei Drachen hat. Was soll denn das? Ist doch klar, dass die Leute irgendwann eine Gegenwehr finden werden. Sie hätten also gar nicht davon erfahren dürfen. Oder man hätte direkt angreifen müssen, als die Leute davon erfuhren. Hach, warum bin ich Berater der Drachenfrau? Oder besser noch, der Eiszombies! Die sind die allercoolsten. Berater des Eiszombiekönigs, das wär’s. Und dann voll das Eiszombiekönigreich aufbauen. Da würde Elsa Augen machen.


Naja, und dann waren wir beim Resist to Exist, weil dort noch Leute gebraucht wurden, die so rein gar nicht wie Punks aussehen. Oder wie es der Typ am Einlass so schön sagte: „Das is DEINE Musik hier?“ Na gut, zugegeben, ich mag ja Hygiene. Und ich bin echt gern sauber. Insofern ist ein Punkfestival der ideale Ort für mich, denn wenn 99% der Festivalbesucher*innen auf keinen Fall sauber sein wollen, dann hat man am Samstag den Badesee auf jeden Fall für sich ganz allein. Leider sieht man gar nicht die schönen Sonnenbrände, die wir uns direkt am ersten Tag zugelegt haben, nachdem wir vielleicht anderthalb Stunden vorm Zelt saßen, ohne den Sonnenschirm aufzuspannen. Schade, wenn das einzige, worin man so richtig richtig gut ist, die Entwicklung von Sonnenbrand ist. Oder wie das Mädchen vom Zelt nebenan so schön sagte: „Geht ihr sonst nie raus?“ Aber best-investierteste 6 Euro seit langem: Der gute Kaufland-Sonnenschirm. Sowohl zum Wiederfinden des eigenen Zeltes als auch, um die schlimmere Version des Sonnenbrands auszuschließen. Sehr gechillt dort alle, übrigens. Auch wenn ich zuerst ein bisschen Angst hatte, den Billo-Gaskocher zu benutzen, nachdem die Leute vom Zelt hinter uns in der Nacht Stein und Bein geschworen hatten, sie hätten da vor ein paar Stunden einen Kumpel getroffen, der beide Arme eingegipst hatte, weil ihm sein Gaskocher um die Ohren geflogen war. Am schönsten ist jedoch, einfach vorm Zelt rumzusitzen und dabei zuzuschauen, wie den Leuten ein paar Meter ihr Pavillon zerbricht. Und wie sie das Ding schon oft geflickt und künstlich verstärkt haben, dass es praktisch nur noch aus Gaffa besteht und auf keinen Fall noch einmal jemals wieder stehen wird. Aber dann reißt man halt einfach zwei von vier Beinen ab und dreht die so entstandene Schräge einfach immer gegen die Sonnenrichtung. Was uns auffiel: Wir haben keine Ahnung, welche nun eigentlich DIE Zeltmarke schlechthin ist. Ja ja, ganz viele Leute haben diese Quechua-Wurfzelte, aber so sexy finde ich die nicht. Vaude vielleicht? (Ich Trottel habe das ja bis vorhin noch immer am liebsten französisch ausgesprochen, ehe ich dieses Video hier sah und seither ist mein mind komplett blown. Ich schäme mich!) Ich würde gern mal so ein richtig teures Zelt neben einem mittelteuren neben einem Billigzelt stehen sehen. Und dann mal auf- und abbauen und gucken, wie da genau die Unterschiede sind. Keine Ahnung warum, interessiert mich halt. Aber ich interessiere mich auch für Zahnpasta, ich bin eh längst verloren.
Nicht im Bild: Endlich wieder FCKR! Das wurde auch Zeit. Und obwohl ich es ihnen sehr gegönnt hätte, das so viele Leute wie möglich ihren Auftritt sehen (die Zeltnachbarin wollte auch unbedingt zu FCKR, also optimalen Platz ausgesucht!), umso passender war es dann vielleicht doch, dass es die ganze Zeit regnete und alle durch den Schlamm hüpfen mussten.


Und dann, nach Jahren des Verpassens, Mal-wieder-nicht-da-seins oder anderweitigen Verfehlungen: Endlich Knochenfabrik! Dafür darf sogar mal meine schöne Sonnenbrille während des Konzerts draufgehen. Wie herrlich egal den Herren alles zu sein scheint. Punkrock mit grauem T-Shirt und Schlumpihose, weil alles Andere wäre auch viel zu anstrengend, so gefällt mir das. Und die Leute feiern es trotzdem, oder gerade deshalb.
Nicht im Bild: Rückfahrt mit Flake, was sehr beruhigend ist. Vor allem, weil man sowieso alle 30 Minuten lang für 30 Minuten in stockenden Verkehr gerät, der einzig und allein deshalb zustande kommt, weil die Menschheit nach wie vor nicht in der Lage ist, das Reißverschlussverfahren durchzuführen. Wenn ich mal König bin, dann gibt’s zum Führerschein die Sonderqualifikation „Autobahn“ und dann gibt’s sowieso erstmal 50% weniger Leute, die ich dort drauf lasse. Ach, sie überholen gern mit 100 km/h auf der linken Spur, auch wenn sie nur 2 km/h schneller als die Oma vor Ihnen fahren? ZACK, Führerschein weg! So so, erklären Sie doch mal, wie macht man das richtig? Nach links ziehen und immer erstmal auf die Bremse treten? Genau, ZACK, weg! Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will überhaupt nicht heizen, aber ich will flüssigen Verkehr. Denn meine Theorie ist, dass die Autobahn, rein theoretisch, absolut perfekt geregelt ist. Eigentlich müsste niemals jemand bremsen, wenn sich alle an die Regeln hielten. Und man könnte ohne Probleme sowohl schnell als auch langsam fahren, ginge alles! Aber halt nur, wenn es alle machen. Sobald es eine Person falsch macht, wird alles zur Katastrophe. Das ist wie bei roten Ampeln. Rein theoretisch könnten, sobald die Ampel auf grün springt, ja alle Autos gleichzeitig losfahren und es kämen viel mehr Leute über die Ampel. Klappt aber nicht, weil Mensch. Eigentlich ein super Titel: Klappt nicht, weil Mensch. Warum erfindet ihr das nicht mal, liebe Autobauer*innen? Nimmt das faken der Abgaswerte so viel Zeit in Anspruch? Ja ja, ich weiß, das müssten dann ja alle machen und das geht ja dann wieder nicht, bla bla. Geht wohl! Muss man nur wollen. Gesetzliche Verpflichtung: Ab 2020 müssen alle Autos mit Herrmannscher Losfahrvorrichtung (ein bisschen Credit will ich schon) ausgestattet sein, sonst illegal und schön läuft das. Kann man doch sicher mit so automatischen Sensoren an Kreuzungen überpüfen. Ja, ja, das ist natürlich teuer. Aber wir refinanzieren die Kosten dadurch, dass jeder Verstoß wird mit 800.000 Euro Strafe geahndet wird, fertig. Da gibt’s dann erstmal ordentlich Kohle. Und weniger Verkehr. Hach, das Land von König André wäre ein so schön ruhiges Land. Echt grausam, aber halt auch sehr ruhig.

Was fehlt:

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