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A Week in Pictures 30/2017

Sachsen-Anhalt bedeutet auch, dass man sehr wohl gleichzeitig im China-Restaurant sitzen und sich über die Ausländer beschweren kann. Oder wie der Mann am Nachbartisch es formulierte: „Ach, gegen Ausländer hab ich überhaupt nüscht. Is do nett hier bei’n Fitschi!“
Vielleicht reagiere ich über, wenn ich bei solchen Sätzen an diese Szene aus ‚Jim Caroll – In den Straßen von New York‘ denke, aber irgendwie muss ich meinen inneren Brechreiz schließlich verarbeiten.
„Gibt’s bei euch och so viele Schwarze?“
„Keine Ahnung, aber ist es okay, wenn ich ‚Fickdichfickdichfickdich!‘ antworte?“
Ihr interessiert euch für nichts. Ihr könnte nicht eine aktuelle Nachricht der Bundes-, Europa- oder Weltpolitik nennen (Nein, die Fernsehzeitung ist keine Zeitung!). Aber wenn ihr auf der Straße jemandem begegnet, der anders aussieht als ihr oder anderweitig nicht in eurer verkümmertes Wendeverliererweltbild passt, dann sammelt ihr eilig euer Hab und Gut zusammen. Denn jetzt fallen sie über uns her, vergewaltigen unsere Frauen (um den lieben Moritz Neumeier zu zitieren: Niemand will deine Frau anfassen. Du fässt deine Frau ja nicht mal selbst an!) und essen unsere Kinder. DIE! WIR! UNS! Das seine eure Kategorien. Ihr habt keine Ahnung, aber ihr wisst Bescheid. Und ihr stellt Schilder auf: „Nein Frau Merkel, wir schaffen das nicht – 1.200 Einwohner, 200 Asylanten“. Ihr regt euch darüber auf, dass sich Manager für Menschen erster Klasse halten und behandelt selbst andere Menschen wir Abschaum. Wie liebend gern würde ich euch genau jene Mauer, die in euren Köpfen herumtragt, rundherum um euer Kackdorf bauen. Und dann von außen Gülle rüberpumpen. Bis ihr zum Hals genau in dem steht, was sonst so euren grundfrustrierten Mund verlässt oder sonstwie in eurem hermetisch abgesteckten Kleingartenkopf herumspukt.
Ja, das war undifferenziert. Aber es gibt so Momente, da hab ich kurz mal keine Lust mehr auf Entgegenkommen, da will ich nur noch Abstand.


Was tun, wenn’s regnet?
Ein kleines bisschen Fußball gucken. Mhm, alles ein bisschen wenig aussagekräftig. Oder wenn überhaupt, dann nur insofern, dass es eben Sommertests sind. Niemand will weder das volle Potenzial nutzen noch zeigen, weshalb das Ganze hauptsächlich der Fitness und dem Einspielen dient sowie der Tatsache, dass die Bezahlsender so langsam mal wieder Geld verdienen wollen.
Außerdem: Endlich mal 4 Blocks gesehen. Mhm mhm. Ganz gut eigentlich. Wobei ich die Aussage „angenehm klischeefreier Blick“ ein bisschen schwierig finde, wenn es natürlich wieder die Araber sind, die die Drogen verticken und mit der eigenen Großfamilie das halbe Viertel unterdrücken. Ja ja, eigentlich möchte der Oberboss ja ein normales Leben führen, kann es aber nicht, weil die Ausländerbehörde ihn nicht lässt. Weshalb auch der gute deutsche Polizist (der ganz in Til Schweiger-Manier natürlich auch von gaaaaaaaanz unten kommt), der die bösen Araber ursprünglich zur Strecke bringen soll, irgendwann Mitleid bekommt und sich für sie in die Bresche wirft. Denn natürlich gibt’s da auch noch die bösen Rocker und die sind ja noch viel schlimmer, weil die haben ja nicht mal eine Familie! Ja, das Verratsding ist gut. Aber das hätte ich gern viel weniger skrupellos gesehen. Nicht falsch verstehen: Die Serie wirklich um Längen besser, als das Meiste, was es so an (ernsten) deutschen Serien gibt. Vor allem sieht sie auch besser aus. Und der Soundtrack ist super. Aber manchmal ist es mir eben doch ein bisschen zu sehr Klischee (ich stelle mir das alles eben ‚organisierter‘ vor), ein bisschen zu deutlich die Nachrichten rund um die Eisenbahnstraße verarbeitet und dafür dann mit einem vergleichsweise simplen Ende „aufgelöst“, wobei „beendet“ vermutlich das bessere Wort ist. Gucken Sie die Serie bitte trotzdem. Ich muss ja eh immer herummeckern. Besser hätte ich es trotzdem auch nicht hinbekommen.
Das perfekte Dinner hingegen ist wirklich perfekt. Wie spannend das ist, wenn man das jeden Tag guckt. Wie man irgendwann alle so gut kennt. Mirka, die steinreich geschiedene Immobilienmaklerin. Oder Daniel, der dafür sorgt, dass auf den Nachrichtenseiten ständig Bannerwerbung angezeigt wird, damit unsereins sie dann per Adblocker beseitigen kann. Klaus, der seit 15 Jahren Staumeldungen im Radio ansagt und deshalb sagt, er sei Journalist. Oder Nicola, die Stino-Psychologin, deren Menü mich allerdings doch überrascht hat. Ach ja, die Folge spielte übrigens in Wien. Ich war noch nie in Wien. Und irgendwie sind da grad immer alle und sagen dann, wie kraaass und wie toooll das da ist, was bei mir eigentlich immer nur hervorruft, dass ich unglaublich skeptisch werde. Vielleicht auch, weil Österreich von weitem immer wirkt wie Deutschland vor zehn Jahren. Doch doch, ich würd da schon mal hinfahren. Aber ich mochte von Bilderbuch halt nur ein Lied. Und Falco finde irgendwie immer nur ich super. Aber zurück zum Perfekten Dinner: Auch weird finde ich, dass anscheinend alle Menschen über 25 im Besitz sämtlicher Küchengeräte sind, nur ich nicht. Ich habe einen Sandwichtoaster und zwei Töpfe, das war’s. Zwei von vier Leuten aus der Woche hatten sogar eine Kitchenaid. Das ist quasi der Thermomix für freche junge Eltern. Oder eine Eismaschine. Alle haben eine Eismaschine. Wozu? War im Schrank noch Platz neben der Nudelmaschine, die man nie benutzt?
Wobei alltime favorite natürlich immer noch die Folge mit Niels Ruf ist. Jaaaa, vielleicht hab ich mir dafür jetzt auch das Plus-Abo von tvnow geholt, aber es war ja auch nur der Gratismonat. Und immerhin kann ich jetzt _alle_ Goodbye-Deutschland-Folgen der Welt gucken. Oder meine neue Lieblingssendung: Detlef muss reisen. Ein cholerischer, dicker Mann wird von seinem Kamerateam gezwungen, in eine ihm unbekannte Stadt zu reisen und er findet einfach alles kacke. Das ist so mein Level an Unterhaltung.


Oben: Müdzekatze! Hat auch ja auch nur geregnet! < Rentnermodus an > Was ist das nur für ein Sommer! Danke Merkel! Das gab’s früher nicht! Und deshalb AfD! < /Rentnermodus aus >
Unten: Muss ja, muss ja! Muss ja auch weitergehen.


Und dann waren wir bei bei diesem kömischen Möbelhaus. Shame! Shame! Shame! Aber nix gekauft, nur am Fenster gesessen und Menschen angeguckt. Menschen, die schon mit geballten Fäusten in der Essensschlange stehen, weil wer sagt denn, dass die Schnitzel auch für alle reichen? Verheiratete Menschen, die ächzend säckeweise Krempel zu einem Tisch wuchten und sich dann bei einer Portion Köttbullar anschweigen, weil ihre Beziehung schon vor acht Jahren zerbrochen ist und die Scherben nur noch vom IKEA-Nestbautrieb zusammengehalten werden. Und Menschen, die unten auf dem Parkplatz versuchen, eine sechs Meter breite Küchenzeile in ihren Twingo zu schieben, was komischerweise irgendwie nicht funktioniert („ISCH HAB DOCH GEMESS’NE!!!“). Das Leben ist schön. Ich hoffe, ich werde nie so. Bisher stehen die Zeichen ganz okay. Immer, wenn ich mir etwas kaufe, hasse ich mich dafür und denke, dass ich jetzt erst einmal vier Jahre lang nichts mehr ausgeben darf. Außer bei Döner vielleicht. Aber Essen zählt nicht. Klamotten eigentlich auch nicht, aber ich hasse es einfach, Klamotten zu kaufen. Es überfordert mich total. Außerdem gibt es sowieso nie das, was ich haben will (schwarz, schlicht, keine Logos). Oder es kostet immer 400 Euro. Es bleibt anstrengend.
Nicht im Bild: Der talentierte Mr Ripley gucken. Geht so. Stand irgendwie noch auf der „Wollte ich schon immer mal gucken“-Liste. Hab ich jetzt also geguckt. Hätte ich auch lassen können. Komisches Ende jedenfalls. Und dann noch aus Nostalgiegründen Alpha Dog geguckt. Weil da spielt Justin Timberlake einen total krassen Drogengangster und ich fand ja Justin Timberlake schon immer cooler als Nick von den Backstreet Boys. Der Film ist so mittel. Aber kann man ruhig mal gucken. Auch wenn der synchronisierte Slang teilweise grottenschlecht ist. Ach ja, und Das Leben der Anderen auch noch gesehen. Mag ich. Ich mag ja Filme, in denen die Arbeit von Schriftstellern wie so eine total romantische Arbeit aussieht. Und auch tatsächlich wie Arbeit. Und ich mag Martina Gedeck. Wobei ich ja immer noch einmal gern diesen Film mit ihr sehen würde, wo sie irgendeine Arbeiterin in einer Chemiefabrik in Bitterfeld-Wolfen spielt. Aber ich finde ihn einfach nicht. Ich weiß ja nicht einmal, wie er heißt oder worum es da genau ging. Nur, dass ich ihn mal vor tausend Jahren im Fernsehen gesehen habe. Aber mein Erinnerungsvermögen ist manchmal tückisch. Immer, wenn mir etwas nicht einfällt, sage ich: „Moment, Hauptstadt von Frankreich, mir fällt’s gleich ein! Moment!“ und mein Erinnerungsvermögen ruft: „MIT E! MIT E!“ und ich sage: „Mit E!“ und jemand sagt: „Paris!“ und ich sag „Mit E! Sag ich ja!“. Wahrscheinlich hat Martina Gedeck in dem Film also gar nicht mitgespielt. Vielleicht gibt es den Film auch gar nicht. Ich werde es vermutlich nicht erfahren. Aber ich glaube, der Titel hieß irgendwas mit E.


Und hier war ich bei Tiere streicheln Menschen. Ich kann ja nur empfehlen, einfach alle Videos von Gotti anzuschauen, denn seine Texte sind sehr lustig. Und dann noch die Lieder von Sven von Thom. Und wenn dann auch noch einer meiner Lieblingsslammer Micha Ebeling als Gast da ist, dann kann es ja nur gut werden. Micha Ebelings Buch war übrigens das erste Buch eines Slammers, das ich besaß. Ich fand es großartig (ist es auch immer noch), weil ich Micha Ebelings Schreibe einfach supersupersuper finde. Hach, war das schön. Und dann nach Hause fahren und Goodbye Deutschland gucken. Schöner geht es eigentlich nicht.


Weil ich von einem anderen Planeten komme, habe ich manchmal so Ahnungen und die stimmen auch sehr oft. Falls nicht, dann nicht, weil meine Ahnungen falsch sind, sondern weil es vielleicht nur ein Bauchgefühl war, das ich jedoch als Ahnung fehl gedeutet habe. Mein Bauchgefühl ist relativ unzuverlässig, wobei, eigentlich nicht, aber es sagt eben meist nichts Anderes als „Diggi, gib Essen!“ Auf jeden Fall hab ich schon auf dem Weg zur fröhlichen Abendgestaltung irgendwo im Nirgendwo gesagt: „Na wenn da mal heute nicht die Polizei kommt!“ Und dann, als die Musik irgendwann so verdächtig leise wurde und wir irgendwie sowieso schon viel zu lange auf Hits gewartet hatten, wer stand da am Eingang? Genau, die. Manchmal frage ich mich, warum ich nicht einfach mal ahnen kann, dass ich einen Koffer voller Geld finde. Wobei ich erst letztens beim Großstadtrevier-Gucken darüber diskutiert habe, was ich machen würde, wenn ich bspw. eine Sporttasche voller Heroin finden würde. Schwierig. Vor allem, weil es eine derart wahrscheinliche Situation ist. Aber selbstverständlich habe ich mir darüber schon Gedanken gemacht, denn ich will ja für alle Fälle des plötzlichen Reichtums gewappnet sein. Also, so würde es ablaufen: Zuerst hängt das Ganze davon ab, ob es draußen hell oder dunkel ist. Falls es dunkel ist, entfällt Schritt 1. Schritt 1: Ich finde eine Sporttasche voller Heroin, denke „OH! EM! DSCHIE! Das ist eine Sporttasche voller Heroin! Habt ihr echt so wenig Style, dass ihr das in einer Sporttasche herumtragt?“ und versuche gleichzeitig, mir den Fund nicht anmerken zu lassen. Ich lasse sie liegen, gehe aber sofort ins nächstbeste Kaufhaus und kleide mich dort unauffällig ein. Dann warte ich, bis es dunkel ist und kehre zum Fundort zurück (mit Mütze, Sturmmaske etc natürlich). Ist sie weg, hab ich mir umsonst hässliche Klamotten gekauft, aber immerhin wird mich vermutlich niemand umbringen. Ist sie noch da, lasse ich sie liegen, tarne sie aber so ein bisschen, damit niemand anderes sie findet, ein*e potenzielle*r Abholer*in sie jedoch ohne größere Schwierigkeit dennoch dort vorfindet. Dann beobachte ich den Ort ein paar Tage lang. Am besten wären natürlich 1-2 Wochen, aber wie lang soll man denn warten? Am besten wäre natürlich, wenn ich so cool wäre, dass ich einfach zwei Wochen lang nicht hingehe und dann erst wieder. Aber das würde ich vermutlich nicht hinbekommen vor lauter Aufregung. Naja, und dann würde ich sie mitnehmen. Verkaufen würde ich das Zeug natürlich nicht. Ich würde es sofort zur Polizei bringen. Und mit denen dann Hälfte Hälfte machen, hoffentlich.
Nicht im Bild: Einmal Fahrradtour durch die Stadt, rein im Dunkeln, raus im Hellen.
Auch nicht im Bild: Wie ich mich verdächtig lang über Minigolf unterhielt. Es könnte aber auch Paris Saint-Germain gewesen sein. Oder Kunst. Ich weiß es nicht mehr so genau.

Was fehlt:

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