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A Week in Pictures 29/2017

Frage: Wenn ein Riese neben mir stünde und ganz normal reden würde, dann wäre das ja total laut für mich. Für einen kleinen Vogel bin ich quasi solch ein Riese. Wenn so ein Vogel allerdings so laut zwitschert, dass selbst ich als vergleichsweiser Riese total laut finde, heißt das dann, dass sich die Vögel draußen praktisch die ganze Zeit anbrüllen? Und was brüllen sie dann die ganze Zeit?
„ICH BIN EIN SPAAAAAAAAAAATZ!!1eins“ und so weiter? „ICH BIN EINE AMSEEEEEEEEEL!!!1“ „ICH BIN PAARUNGSWILLIIIIIIIIIIIIIIIG!!!1111“ „ICH AAAAAAAUUUUUCH!!! ABER ICH BIN EINE AMSEL, DAS KÖNNEN WIR NICHT MACHEN!!!!!!!111“ „WARUM NIIIIIIIICHT?!?!?!“ „DAS KLAPPT NIIIIICHT!! WAS SOLL DA RAUSKOMMEN??? EINE SPAMSEL???!“ „ODER EIN AMTZ!“
Ja, das sind so Dinge, über die ich mir Gedanken mache. Sorry.


Mittagspause machen, während achtmal die Polizei mit Blaulicht vorbeifährt und doch mal anfangen, Superposition zu lesen. Es lohnt sich. Sehr schöne Sprache, sehr gute Dialoge. Gefällt bisher.
Nicht im Bild: Tippen, tipp, tippen. Ungewohnt, diese Arbeit, die man nicht sieht, aber auf keinen Fall schlecht. Nur anders. Sieht man ja irgendwann dann. Wenn man’s weiß. Und wenn nicht, dann halt nicht.
Auch nicht im Bild: Die talks, die talks. Schon witzig, wie alle an irgendwelchen Punkten stehen. Mir ist Bekanntheit egal. Ich mag es, Dinge in die Welt zu pusten. Wenn dabei jemand zuhört, nur zu. Von mir aus auch viele. Aber ich brauche um Himmels Willen meine Ruhe. Hauptsache, ich schreibe irgendwann mal die Beste Serie der Welt. Oder irgendetwas, wo es dann nicht auf Budgets und solches Zeug ankommt. Oder noch wichtiger: Mein Buch wird ein Bestseller. Falls es denn überhaupt mal ein zweites gibt. Ja ja, wird es geben. Aber erst nächstes Jahr.
Ebenfalls nicht im Bild: Aufstehen um 7 Uhr, weil verrate ich nicht. Viel wichtiger ist sowieso die Tatsache, dass geschätzt seit 20 Jahren nicht mehr willentlich um 7 Uhr morgens wach war, ohne betrunken zu sein oder einen Termin zu haben. Es ist eine völlig andere Welt, die man da kennen lernt. Wussten Sie bspw., dass der Supermarkt erst um 8 Uhr öffnet? Und dass man um diese Tageszeit auf der Straße Leute trifft die gerade vom Joggen ZURÜCK kommen? Was für ein seltsames Gefühl, wenn man ab 8:30 Uhr am Schreibtisch sitzt, irgendetwas macht und dann Punkt 11:30 Uhr zu sich kommt und denkt: „Eigentlich ist mein Tag jetzt quasi vorbei. Mehr Stunden hat mein Tag sonst auch nicht.“ Aber man kann ja nicht um 11:30 Uhr wieder ins Bett gehen. Müde genug wäre ich gewesen, kein Zweifel. Wie endlos so ein Tag aber erst wirkt, wenn es dann irgendwann 22 Uhr ist. Kleine Notiz am Rande: Ab 18 Uhr war ich sowieso schon totmüde. Und ich kann mittlerweile alle Menschen verstehen, die um 7 Uhr aufstehen und um 21 Uhr ins Bett gehen. 1) Brauche ich meine 10+ Stunden Schlaf und 2) wie viele Stunden muss ein Tag denn auch haben? Um 21 Uhr ist man dann ja schon 14 Stunden wach, das reicht doch. Mehr Menschen und Welt ertrage ich zwischen zwei Schlafintervallen auch gar nicht.


Ich spoilere mal. Falls Sie das nicht ertragen oder diese großartige Serie namens Downton Abbey einfach selbst genießen wollen, dann lesen Sie bitte erst unter dem nächsten Bild weiter. Los geht’s, ich habe Sie gewarnt:
Oh! Mein! Gott! Was für ein Drama. Da hat man gerade den Tod von Lady Sybill verwunden (Die großartige, warmherzige, herzensgute Lady Sybill! Hätte sie wirklich gerettet werden können? Warum nicht? Wir haben doch längst das Jahr 1920 oder so! Ihr könnt Wasseransammlungen aus dem Herzen abpumpen, aber nicht Lady Sybill retten? Mein Herz blutet noch immer! Warum, lieber Gott, nimmst du nicht einfach Lady Marry? Okay, das war vielleicht etwas drüber. Aber ich spreche doch nur aus, was alle denken!), da geht es einfach munter weiter und Matthew wird dahingerafft! Und ich hab’s mir noch gedach: Naaaaaa, die Straßen sehen immer verdächtig eng aus. Da hätte ich Schiss, da würde ich nicht so entlang heizen! Das hab ich schon im Urlaub in Irland gedacht. Lieber fünfzehn Minuten später ankommen, als überhaupt nicht. Und dann heizt er da freudestrahlend entlang und zack! der Laster, welch Drama. Ich meine, ich war jetzt nie so der Matthew-Fan. Aber wer bleibt wieder wie durch ein Wunder unversehrt? Lady Marry. Ich sag’s nur. Ich urteile nicht. Ich zeige nur Tatsachen auf. Und wieso darf Lord Grantham eigentlich immer noch mit Geld hantieren? Jede*r weiß doch, dass er die Familie schon einmal an den Rand des Ruins getrieben hat. Weil er sich verspekuliert hat. Wobei man das wohl kaum Spekulation nennen kann, _alles_ Geld in _eine_ Firme zu stecken. Das ist Spekulation auf Verlust, ja. Mit ziemlich hoher Erfolgswahrscheinlichkeit. Und wieso ist Thomas eigentlich immer noch da? Ich hasse Thomas. Ja, okay, bei der Nanny hat er Recht gehabt. Aber trotzdem ist Thomas der Teufel mit menschlichem Antlitz. Ja ja, vielleicht nehme ich mir das alles in bisschen zu sehr zu Herzen. Aber ich lebe die Serie eben. Ich identifiziere mich damit. Ich bin _so_ kurz davor, mit Sturm der Liebe oder etwas Ähnlichem anzufangen. Dieser tägliche Nervenkitzel. Das Warten auf neue Folgen und das Einbauen des Fernseherlebnisses in den gesamten Tag. Wie bei meiner Oma und Verbotene Liebe damals. Da war es einfach vollkommen abgemachte Sache: Von 17:50 Uhr bis 18:35 Uhr konnte der kleine Antreh all die Dinge tun, die sonst verboten waren, denn da guckten alle Verbotene Liebe. Und später dann natürlich auch noch Marienhof. Hach, und wie simpel die Leiden der Figuren immer waren. Und wie dramatisch sie aufgeladen wurden. Warum schreibe ich eigentlich nicht bei so etwas mit? Wo kann man sich da bewerben?
Nicht im Bild: Gar nicht mal so unlustig: The Standups. Insbesondere Folge 2 und Folge 3.
Auch nicht im Bild: „Hast du Lust, nebenbei was zu basteln?“


Das wirklich letzte Mal Vorlesen bis September. Reicht auch erstmal. Aber wie schön das im Z/KU ist, drinnen wie draußen, aber draußen eben noch mal viel toller. Auf der Bühne sitzen, während im Hintergrund Flugzeuge starten und im Hafen Container hin und her gefahren werden und nebenbei den Kolleg*innen zuhören. Es ist witzig, monatlich in Berlin zu sein, wo ich doch früher immer unbedingt nach Berlin ziehen wollte und jetzt eigentlich gar nicht mehr das Bedürfnis danach habe. Kommen ja eh alle nach Leipzig. Und irgendwie ist es mir viel zu voll geworden in Berlin. Tausend Leute, die dasselbe machen, wie ich. Und 500 davon, die es viel besser machen. Was soll ich da noch? Außerdem gibt es am Hauptbahnhof mittlerweile Sellerie-Eis, in der U-Bahn fährt niemand mehr schwarz, aber alle haben etwas Veganes dabei. Jede*r hektet von einer Craft-Beer-Bar-Eröffnung zur nächsten, nur um dauernd dieselben Leute in langweiligen Instagram-Stories zu verlinken. No endorsement, versteht sich. Und Dreiecke, überall Dreiecke, kostenloses Büfett und Aperol. Ein einmaliger Lifestyle, der nur auf allen Kanälen derselbe ist. Irgendwie war das alles cooler, als noch nicht alle cool waren. Oder ständig darauf achten mussten, cool auszusehen. Außerdem: Wo sind die ganzen Verrückten hin, die die Mieten unten halten?
Nicht im Bild: „Ja ja, wir laufen nach Hause“ und dann geht kurz vor der U-Bahnstation die Welt unter. Warten unter dem Dach der Apotheke, während das Wasser auf der Straße steigt und steigt. Vergebliche Versuche, einen Blitz zu boomerangen. Philosophieren über die Frage, ob man weniger nass wird, wenn man durch den Regen rennt (Antwort: Nein, denn man rennt ja schließlich auch in den Regen hinein). Und dann am Küchentisch zu später Stunde Houellebecq-Weisheiten droppen: Ein*e Künstler*in ist jemand, die/der plötzlichen Neigungen folgt, ganze Schaffensperioden aus einer Laune heraus vernichtet, auch wenn es manchmal heißt, dass sie/er danach ohne einen Plan dasteht, wie es nun weitergeht. Das heißt: Lieber keine Comedy machen, nur um etwas zu machen. Kein Kabarett. Kein Rap. Kein Snapchat. Keine Podcasts und keine Videoblogs. Weil eigentlich war es immer dann am schönsten und fruchtbarsten, wenn es irgendwie völlig unsicher war, wie es denn jetzt weitergehen sollte. Als irgendwie nichts so richtig zu passen schien und dann, plötzlich, passte etwas umso besser. Und irgendwie wird es ja sowieso immer. Kommt immer was. Und ist ja auch immer etwas da. Aber wichtig ist: Abschneiden, loslassen und kappen, wenn es nicht mehr so fetzt.


Und dann mal eben nach Chemnitz zu den Herren hier. Antizyklische Stadtentwicklung, wenn man so will. Wird Chemnitz das neue Leipzig? Ich glaube nicht. Viel zu weit weg, nicht gut angeschlossen und in sich selbst viel zu breit und auseinander gezogen. Wird also leider nix mit dem Hype, sorry. Aber davon ab: Schönes Konzert. Ganz viele Hits. Aber keine Facebook-Livestreams wie in Zwickau. Im Gegenteil: Ich habe sogar noch waschechte Digitalkameras gesehen. Und erfolgreich den Altersdurchschnitt gedrückt. Wobei das schon ein wenig gruselig war, dort eine Stunde vor Konzertbeginn anzukommen, man steht vor den Absperrungen und es ist totenstill. Niemand da, nichts zu hören, absolut still. Und dann fängt man ja an zu zweifeln: Ist das jetzt wirklich Chemnitz? Oder haben wir nachmittags zu lang geschlafen und es ist eigentlich längst schon Sonntag? Aber nein, Kontrolle besagt: Stimmt alles. Also mal weiter drumherum laufen. Und drinnen sind dann praktisch nur hundert Leute, Musik läuft gerade mal so laut, dass man sie hört, sobald man ein Ohr an die Box legt. Ist das so an einem Samstagabend in Chemnitz? Ja ja, später kamen dann die Leute, aber vorher? Aus dem Umland? Aus Tschechien? Nein nein, ich will gar nicht unken. Ich wundere mich nur. Da hat man schon einmal Deutschlands größtes Zweirad-Center in der Stadt und dann ist da niemand. Ist doch komisch. Darf man sich doch mal wundern. Ich bin ja immer nur wirklich wirklich froh, wenn ich wieder einmal merke, dass ich aus purem Glück in die richtige Stadt gezogen bin. Obwohl ich hier auch niemals die Innenstadt betrete.
Nicht im Bild: Der etappenhafte Wiedereintritt in die Welt der Lebenden am Samstag mit den Stationen Viiiiel-Wasser-trinken, Dringend-etwas-Fettiges-essen und Noch-dringender-nochmal-Hinlegen.
Auch nicht im Bild: Auf der Landstraße darüber reden, dass das eigentlich schon ziemlich nach einer passenden Stelle für Wildwechsel aussieht, nur um direkt danach einem Reh gegenüber zu stehen, das mindestens genau so doof geguckt hat. Darauf hätte ich ja mal überhaupt keine Lust gehabt, mitten in der Nacht irgendein Reh umzufahren, vor allem weil seine Reh-Buddies sich ja sicher auch Sorgen machen und vorher noch meinten „Pass besser auf, das hier sieht nach einer ziemlich passenden Stelle für Autoverkehr aus“ und dann ruinieren wir uns gegenseitig den Abend. Muss ja alles nicht sein.


Statt Selbstvergewisserungsselfie: Ooooch.
Nicht im Bild: Wie kurz danach die Rehe auftauchten (Diese Rehe, ey!) und urplötzlich all die gute Erziehung vergessen war, bis es zur Ablenkung zum Glück Wurst gab. Und wie heißt das Sprichwort so schön: Lieber ein Stück Wurst in der Tasche als ein Reh auf dem Feld, oder so.
Auch nicht im Bild: Unkrautbekämpfung, „Das glaub ich jetzt nicht!“ und Fallada.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

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