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A Week in Pictures 28/2018

Ich glaube nicht an das Paradies, das jüngste Gericht oder irgendeine Art Pro-Contra-Liste, die man nach dem eigenen Tod vorgelegt bekommt. Prinzipiell glaube ich, dass einfach Schluss ist. Und das wäre auch vollkommen okay. Ich glaube nicht daran, dass man Ende noch einmal das eigene Leben im Schnelldurchlauf vorgespielt bekommt. Das einzige, was ich hoffe, ist, dass vielleicht noch einmal alle USB-Ladekabel, alle Feuerzeuge, alles Filterbeutel und Papes, die mir im Laufe meines Lebens so beim gemeinsamen Am-Tisch-Sitzen oder während eines „Kann ich das kurz mal benutzen?“ so geklaut wurden, auf einem großen Haufen sehe. Am liebsten mit so einer kleinen Tabelle daneben, auf der steht, wie viel Geld ich in meinem Leben gespart hätte. Nicht, weil ich mich um irgendetwas betrogen oder bestohlen fühle, sondern einfach nur, weil es dann so herrlich ironisch ist: Ich bin tot, Geld kann mir sowas von egal sein, aber dass ich 1.030 Euro allein für Ladekabel ausgegeben habe, die ich dann „mal kurz“ verliehen und nie wieder gesehen habe, 450 Euro für Filterbeutel, die beim Gehen irgendjemand anderes eingesteckt hat, das fände ich, so als Gerade-Verstorbener, wahrscheinlich sehr erheiternd.


Links: Ja ja, legen Sie die Mistgabel und die Fakel wieder weg. Ich weiß selbst, dass das niemand dort ernsthaft machen würde, egal warum. Ich glaube zwar nicht, dass alle still halten, weil sie Angst vor Trumps Atomraketen haben, vielleicht aber weil sie die Internetregel Nummer 1 befolgen: Don’t feed the trolls. Und nichts Anderes ist Donald Trump. Ein Troll, der von Verdrossenen und Ignoranten in die mächtigste Position der Welt gehievt wurde. Aber wie schon bei der „Mit Rechten reden“-Diskussion: Ich weiß einfach nicht, ob Stillhalten und Nett-sein noch die richtigen Strategien sind. Denn ich befürchte, dass jemand wie Trump gar nicht versteht, was man mit dieser Zurückhaltung ausdrücken will, sondern es im Gegenzug einfach nur aus Schwäche auslegt und sich selbst noch mehr bestärkt sieht. Ich denke deshalb nicht, dass man ihn beschimpfen, aber ich glaube, dass es vielleicht helfen könnte, unbequemer zu werden. Unbequemer im Umgang mit ihm und dann, wenn es hart auf hart kommt halt auch nicht davor zurückzuschrecken, ihn als das bezeichnen, was er ist, nämlich als Rassisten, Chauvinisten und Proll, der keine Ahnung hat, was er mit seiner Leck-Mich-Politik alles einreißt. Und dass er dabei total effektiv ist und dadurch glaubt, etwas vorzeigen zu können, hat auch nichts damit zu tun, dass er besonders gut ist in dem, was er tut, sondern nur damit, dass es immer schneller geht, etwas kaputtzukloppen als etwas aufzubauen. Oder anders ausgedrückt: Dekonstruktion ist zwar auch Kunst, aber noch schwerer als Konstruktion.
Rechts: Und dann kam „unser“ ganz eigener Vollhorst endlich mit seinem „Masterplan“ um die Ecke. Grausam, wirklich. Ich weiß momentan echt nicht, was abgeht. Warum alle in der Politik so dermaßen abdrehen und es irgendwie noch immer keine breite Front dagegen gibt. Normalerweise hätte ich in Anbetracht der Tatsache, dass da täglich im Mittelmeer Menschen verrecken, schon längst erwartet, dass es in jeder Großstadt Demos gegen das Stillhalten der Bundesregierung gibt (Und nein, 50 (!) Geflüchtete aufzunehmen macht es nicht besser). Das soll auch kein Vorwurf sein. Ich kenne genügend Leute, die sich liebend gern irgendwie engagieren, laut sein oder einfach nur irgendwie etwas dazu beitragen würden, dass der Aufstieg den Nazis nicht so leicht gemacht wird. Und ja, ich denke, ich formuliere das nicht zu drastisch. 2019 sind Landtagswahlen in Sachsen und Schwarz-Blau ist mehr als wahrscheinlich. Und dann wird’s echt eklig. Und auch mir geht es ja so, dass ich gern irgendetwas machen würde. Ich wäre so gern irgendein krasser Hacker, der tausende internete AfD-Dokumente erbeutet, in denen es darum geht, was die Verrückten schon alles für die Zukunft planen. Oder hätte so gern die Mittel dazu, über Nacht den Eingang des Bundestags mit 100 von Geflüchteten benutzten Schlauchboote zu verbarrikadieren. Ich kann aber halt nur Schreiben und Dummes Zeug reden. Und das auch nur so mittel. Aber wenigstens das geht und das krieg ich hin. Und zumindest die Reaktionen, die bisher kamen, waren alle sehr wohlwollend, dankbar und positiv und vielleicht mache ich das dann ja einfach weiter und erzähle in Zukunft öfter mal etwas über Politik oder Halte einen Bund Lauchzwiebeln in die Kamera, wenn ich von der SPD rede. So wie hier, als ich den „Masterplan Migration“ gelesen und erklärt hab, was da eigentlich so drinsteht:


Wow, keine Ahnung, was da seit einiger Zeit (haha!) bei der ZEIT abgeht, aber es ist nicht schön. Erst titeln sie, dass Israel den Palistinensern abgejagt wurde, dann darüber, wie Feminismus die armen Männer unterjocht und verhandelt man auf Seite 3 bereits über Menschenwürde. Das ging fix. Nein, ist es absolut nicht okay, nicht einmal das Gedankenspiel. Und nein, es hat auch nichts damit zu tun, die ganze Bandbreite der gesellschaftlichen Meinungen diskutieren zu wollen. Nur weil ein großer Teil der Gesellschaft siebzig Jahre nach Nazideutschland schon wieder aufs Grundgesetz scheißt, heißt das nicht, dass das eine legitime und damit diskutable Meinung ist. Im Gegenteil, dass Journalist*innen einem/einer genau das weiss machen wollen, ist die eigentliche Schande. Hach, ich könnt mich aufregen. Hab ich auch gemacht, ein bisschen.

Nicht im Bild: Taco Tuesday.
Auch nicht im Bild: Wie asozial manche Leute sein können. Ich unterstelle den meisten Menschen ja erstmal keine Bösartigkeit oder sonstige Dummheit. Außer vielleicht, sie sagen mir gleich beim allerersten Treffen, dass ihr Lieblingsessen Kapern und Knorpel sind und sie die AfD wählen, dann, ja dann. Zwar glaube ich an die generelle Schlechtheit des Menschen, aber ich unterstelle ihm zuerst mal immer nur gute Absichten. Quasi so mönchmäßig bei den Buddhisten und so. Die sagen ja auch, dass sie ihren menschlichen Makel nur durch äußerliches Training und innere Formung im Zaum halten können. Aber natürlich sind sie dadurch im Endeffekt gut. Umso enttäuschender ist es dann aber, wenn sich Leute plötzlich als richtige Penner herausstellen. Und nicht nur so Wow-Fehler-gemacht-Penner, sondern halt solche Ich-seh’s-auch-gar-nicht-ein-Penner. Das ist schon hart. So etwas zerrt schon straff an der Gute-Absichten-These.


Links: Großartige Doku zum Thema „Wie funktioniert Rassismus“ und „Wie einfach ist es, Menschen dazu zu bewegen, rassistisch zu sein“, die einen Workshop nach Vorbild von Jane Elliot zeigt, in dem Menschen nach dem völlig willkürlichen Merkmal ihrer Augenfarbe plötzlich sehr nett (braune Augen) oder absolut diskriminierend (blaue Augen) behandelt werden. Wie gruselig, zu sehen, wie die Leute irgendwann wirklich anfangen zu glauben, dass all diese sinnlosen Theorien über die natürliche Überlegenheit der Braunäugigen bzw. Minderwertigkeit der Blauäugigen wirklich ein bisschen wahr sind. Unbedingt anschauen, wenn noch nicht geschehen.

Rechts: Hach Deutschland. Nette Initiative, aber mal wieder vollkommen peinlich aufgezogen. Wer kommt aus so eine Idee? Es ist immer dasselbe. Wahrscheinlich hat die „Werbeagentur“, die das verbrochen hat, sogar noch einen sechsstelligen Betrag für diesen MS-Paint-Quatsch bekommen.
Wobei die Initiative sich natürlich außerdem die Frage gefallen lassen muss, warum Abbiege-Assisten nach wie vor nicht bei allen LKW bzw. Fahrzeugen mit großem toten Winkel Pflicht sind? Oder wenigstens erstmal nur bei den ganz schweren und dafür dann bei allen, wenn es um neue Fahrzeuge geht.
Nicht im Bild: Wie ich aus unerfindlichen Gründen vier Tage hintereinander den verdammten Schleußiger Weg entlang fahren musste. Ich hasse den Schleußiger Weg. Er ist so langweilig und gleichzeitig zu lang. Und mittendrin denkt man, man wäre jetzt endlich in Plagwitz, aber nein, das ist ja erst Schleußig. Was mir aufgefallen ist: Ich muss dringend ab Herbst meinen Schwimmhallenplan zu Ende bringen und endlich alle Schwimmhallen in Leipzig besucht haben. Ich mag es überhaupt nicht, das noch offen zu haben, obwohl es so einfach zu beenden ist.


Und dann waren wir bei Jan, der einfach mal (fast) komplett um die Welt gereist ist und ein bisschen davon erzählt hat. Leider weiß ich jetzt auch, dass ich dringend noch nach Tibet, Nepal, Alaska, Mexiko und und und muss, weil das auf Instagram einfach wahnsinnig gut aussieht.
Ich weiß nicht, ob ich so eine lange Reise machen würde. Ich bin ja wirklich gern zu Hause. Beziehungsweise fahre gern weg, komme aber auch gern wieder. Vielleicht halt nicht so 600 Tage am Stück weg sein, sondern vielleicht mal einen Monat oder ein paar Monate, dann kurze Pause, dann noch einmal. Ein bisschen Verarbeiten wäre mir, glaube ich, wichtig. Und außerdem muss ich dann irgendwann tatsächlich auch mal wieder irgendwo sein, wo es einen Schreibtisch gibt. So komplett und ausschließlich mit Rucksack und das die ganze Zeit, ich glaube, das wäre nichts mehr. Ich habe nichts gegen eine Zeit lang kein Internet oder keinen Strom, aber am Ende bin ich wahrscheinlich doch ein zu großer Freund der Steckdose.


Links: Fresskoma.
Rechts: Der Teichbau aka Sonnenbrand aus der Hölle.
Nicht im Bild: WM und so. Ja ja ja, Kroatien hätte gewinnen müssen. Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so eine Vielfalt an negativen Emotionen abbekommen, als ab dem Zeitpunkt, da sich gerade alle als Kroatien-Anhänger geoutet hatten und schon vom kroatischen Sieg träumten, dann schließlich ich gefragt wurde und sagen musste, dass ich 4:1 für Frankreich getippt habe. So viel Hass, wow. Das heißt nein. Erst haben mich alle ausgelacht, weil sich alle sicher waren, dass es eine knappe Kiste wird. Und dass natürlich Kroatien und nicht Frankreich gewinnt. Beim 1:0 war der Hass noch relativ klein. Beim 1:1 überwog wieder das Gelächter. Und als es dann plötzlich 4:1 stand, da fand mich plötzlich überhaupt niemand mehr cool. Zum Glück hat dann Lloris wenigstens noch diesen Riesenfehler gemacht, sodass alle noch sagen konnten, dass es OHNE SCHWALBEN UND EIGENTOR JA EIGENTLICH GLEICHSTAND IST!!!11 Wie gut, dass mir Fußballergebnisse relativ egal sind. Außer vielleicht bei dem Verein des Teufels und ein paar anderen. Aber ich bin glücklicherweise nie so verbissen, dass es mir ernsthaft den Tag versauen würde, wenn es anders ausginge, als ich es wöllte. Das einzige, was mir halt wichtig ist, dass es halbwegs gerechtfertigt ist. Und ja, das vor dem 1:0 war eine Schwalbe. Und das Eigentor war Pech. Und ja, Kroatien hat mehr geackert. Aber Ackern ist eben nicht der Erfolgsgarant, sondern noch immer Tore. Und die hat eben Frankreich gemacht. Und natürlich ist Frankreich die bessere Mannschaft. Ich sage ja gar nicht, dass Kroatien schlecht ist. Kroatien ist sogar _die_ Überraschung des Turniers gewesen. Und ich fand es auch sehr erfrischend, dass die Kroaten sich noch richtig darüber gefreut haben, das erste Mal so weit zu kommen. Wie gern wäre ich mal bei einem Spiel in Kroatien gewesen. Aber trotzdem bleibt es am Ende dabei, dass Frankreich abgezockter war und die besseren Spieler hat und deshalb, abgesehen von Glück, Pech und höherer Gewalt, erst einmal Favorit ist. Und eben dieser Favoritenrolle sind die Herren gerecht geworden. Es ist mir wirklich egal, wenn Leute natürlich trotzdem für Kroatien sind, wirklich. Aber ich finde es eben ungerecht, wenn man mir ernsthaft weiss machen will, dass es von höhrerer Qualität einer Mannschaft zeugt, wenn man das WM-Finale erst durch zwei Elfmeterschießen und durch eine Verlängerung erreicht, statt sich in jedem Spiel binnen 90 Minuten als spielerisch stärkere Mannschaft durchzusetzen. So, aber jetzt bin ich eigentlich ganz froh, dass erstmal wieder kein Fußball ist. Ganz unabhängig vom deutschen Vorrundenaus fand ich es diesmal leider wirklich nicht soooo unterhaltsam. Und ja, das Russland-Ding stört mich wirklich. Auch wenn es natürlich am Ende doch geguckt habe. Aber Qatar nervt mich jetzt schon.

Was fehlt:

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