Kommentare 0

A Week in Pictures 28/2017

Wieso kommt immer alles in Wellen und damit auch immer gleichzeitig? Wieso machen neuerdings alle Podcasts? Und wieso jetzt erst? Wann wasche ich endlich mal Wäsche? Wieso bringe ich den Müll immer erst raus, wenn er fast schon alleine gehen kann? Welcher frustrierte Rentner hat mir das Ventil zerstochen? Was geht eigentlich mit dem? Wird das was bis September? Wie ging denn der erste Teil so plötzlich? Was passiert eigentlich mit dem anderen Ding? Bräuchte ich vielleicht so jemanden? Wie findet man die denn? Geht das im Herbst/Winter dann ruckzuck oder zieht sich das wieder bis in den Sommer? Was macht eigentlich der Vertrag? Warum trauen wir uns nicht mal, ein bisschen an den Ketten zu rütteln? Warum machen wir nicht mal wieder was, wo es nicht in erster Linie um Geld geht?
Und was war eigentlich Dienstag?


Oben: Jetzt geht der schon mit Buch zum Biertrinken. Es geht nur noch abwärts. Superposition von Kat Kaufmann. Muss ich dann wohl mal lesen. Ich bin ja gerade so ein bisschen bei Was ich liebte von Siri Hustvedt. Bisher eigentlich ganz gut, wenn auch noch nicht so der Oberhammer. Aber das kommt vielleicht noch. Wobei ich beim Nochmallesen von Karte von Gebiet merke, dass ich auch Houellebecqs Stil wirklich noch einmal neu kennenlerne. Dass mir zum Beispiel auffällt, wie oft er in einem Absatz bestimmte Wörter wiederholt. Wie oft er bspw. „Frédéric Beigebeder, der Auto von ‚Ein französischer Roman'“ schreibt oder immer und immer das Wort „Brustvergrößerung“ wiederholt, bis es fast schon ironisch klingt, was es ganz bestimmt auch tun soll. Und es wundert mich nur, weil a) man so etwas natürlich immer als Fehler bezeichnen würde, obwohl es natürlich kein Fehler ist, sondern eben Stil und b) mir das erst jetzt auffällt, obwohl ich Houellebecq schon immer wegen seines Stils mochte, allerdings nicht wegen der Ironie (eher wegen des Sarkamus‘), sondern der Nüchternheit, die ihm ermöglicht, mit der gleichen Egalheit seitenweise über die philosophischen Probleme eines Supermarkts zu schreiben (in denen man sich sooo wiederfindet), nur um direkt danach absolut kompromisslos irgendetwas total Ekliges oder Grausames passieren zu lassen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich die neue Houellebecq-Biografie lesen werde. Ein bisschen zu konservativ ist es mir schon lange. Außerdem war die alte eigentlich schon sehr erschöpfend und interessant. Ich glaube, ich muss einfach mal wieder eine gute Biografie lesen. Aber von wem? Die von Steve Jobs war gut. Oder die von Elon Musk. Oder so etwas wie die Anekdoten von Richard Feynman. Ein Buch über Maryam Mirzakhani stelle ich mir interessant vor. Egal. Ich hoffe, ich kann irgendwann mal Joachim Meyerhoff auf diese Weise lesen. Ich würde gern wissen, was es ist, das mich bei ihm kriegt (abgesehen von der Geschichte an sich).
Unten: Den Vertrag mit dem Teufel verlängert. Ich bin sehr gespannt. Keita und Forsberg bleiben, was schon mal sehr gut ist. Wobei Forsberg sicher im nächsten Sommer weg sein wird. Aber damit: Superguter Kader. Links und rechts hinten könnte vielleicht etwas hakelig werden, wenn da mal zwei Leute gleichzeitig ausfallen. Aber an sich finde ich die Abwehr extrem gut. Halstenberg/Franke, Orban/Compper, Upamecano/Konaté ,Bernardo/Klostermann, das kann sich schon sehen lassen. Mal gucken, ob Anthony Jung noch gehen wird. Und was mit Benno Schmitz so geht. In der Mitte ist alles großartig, vorn wird es nur noch besser. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, was das Erspielen von Torchancen und das Schießen von Toren angeht. Wenn die Mannschaft nur ähnlich intuitiv agiert, wie in der letzten Saison, dann kann man vielleicht sogar die CL-Gruppenphase überstehen. Wobei es auch interessant wird, wie alle mit der Mehrfachbelastung werden klarkommen können. Mal schauen, mal schauen. Aber spannend.


Endlich mal wieder Schwimmen. Und natürlich am liebsten in eine Schwimmhalle. Freibad fetzt auch, aber da gehen halt auch viel mehr so Spaßbadeleute hin und ich persönlich bin halt gefühlter Leistungsschwimmer. Außerdem muss man im Freibad immer total früh da sein, damit man überhaupt irgendwie ungestört ist, was wiederum aber leider hart mit meinem Langschläferlifestyle kollidiert. Und in der Schwimmhalle kann man einfach um 11:45 Uhr ankommen und zack! auf einmal ist alles leer, denn mittags müssen die Rentner zum Essen, die Kinder auch und übrig bleibt praktisch niemand, bis vielleicht manchmal so eine verrückte Studentin, die völlig unverständlicherweise vor 13 Uhr aufgestanden ist und im Wasser sogar krault, weil sie angeben will. Wurscht. Falls Sie es nicht wissen: Im Sommer sind leider die meisten Schwimmhallen geschlossen. Was ziemlich kontraproduktiv ist, wenn man es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Schwimmhallen der Stadt durchzutesten. Aber, Glück im Unglück: Genau eine nichtgetestete Halle hat auf. Die Schwimmhalle Nord. Eigentlich ganz nett. Das Becken schön sauber und neu, die Umkleiden auch, guter Leipziger Standard, möchte man sagen. Aber 4 Euro Eintritt? Hallo? Ja, wahrscheinlich hat man dafür keine Zeitbegrenzung, aber was will ich denn vier Stunden in einer Schwimmhalle, die aus einem rechteckigen, mit Wasser gefüllten Loch besteht? Da reicht doch eine Stunde völlig. Ich komme da hin, schwimme meine achtzig Bahnen, föhne 30 Minuten lang meine Haare und zack! eine Stunde rum. Das reicht doch! Kostet das 4 Euro, weil es da noch das Kinderfreibecken „Robbe“ gibt? Aber wieso ist das dann geschlossen? Und wieso dürfen dort nur Kinder hin, aber ich soll dafür bezahlen? Zahlen die Kinder auch für jene Becken, in die sie selbst nicht dürfen? Jaha, Solidarität geht immer in zwei Richtungen! Ich zahl euch doch nicht euer spitzendmäßiges Außenbecken und darf dann selbst nicht mal dort hinein! Wo kommen wir denn da hin! Na wir werden sehen. Welche Hallen fehlen noch? Mitte (in Gohlis, lol), West (da irgendwo in Leutzsch, an der Autobahn) und Südost (da irgendwo ganz tief im Südosten, sodass man fast schon Morgenland dazu sagt). Ja, die Sachsen-Therme meinetwegen noch. Aber das kostet dort 10 Euro! Und „ich bin ja wohl nicht Rockefeller!“, wie meine Mutter immer zu sagen pflegte.


Keine Ahnung, wie lang die Tickets schon rumlagen und warteten. Aber am Freitag war es dann endlich so weit. Letztes Jahr in Leipzig hat es leider nicht geklappt, aber das war vielleicht ganz gut so, denn in Zwickau kennt einen immerhin niemand und keine Ahnung, wer auf die Idee mit der 80er-Verkleidung kam. Ich verkleide mich doch nie! Ich will auch überhaupt nicht auffallen. Auffallen ist total furchtbar. Aber naja, abgemacht ist abgemacht. Und immerhin Bonnie Tyler und so. In Zwickau. Ironischer geht es kaum. Das Publikum: Ein bisschen unerwartet wenig Jack Wolfskin, dafür völlig erwartbar eine Menge The North Face und (jetzt wird’s spannend!) auffällig viel Mammut. Ja, Mammut! Jaa! So hab ich auch geguckt! Immerhin: Die Bicolor-Fraktion war traditionsgemäß stabil vertreten, ebenso die Karohemden- und Jeans-Kombination. Ja, natürlich haben wir ein bisschen den Altersdurchschnitt gesenkt, ich allerdings nur äußerlich, denn in mir drin bin ich schon lange ein pöbelnder Rentner.
Das Konzert: Lustige Vorband, bestehend aus so einem Mann, den man in Zwickau vermutlich „einen echten Rocker“ nennt, den echte Rocker aber vermutlich nur lachend mit ihrem Motorrad umfahren würden, der erstmal erwartungsgemäß ein paar Klassiker vergewaltigt, nur um dann ein Lied über die DNA zu singen. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Angekündigt als brandneuen Song, fragt man sich spätestens nach Zeilen wie „Du gibt’s dein Geheimnis niemals preis. DNA, OHOHOHOHO!“, ob der Herr vielleicht gerade per Zeitmaschine aus dem Jahr 1960 hier angereist ist, kurz nachdem er eben jenen Song fertig geschrieben hat. Aber wir wollen nicht bissig sein. Die Leute finden’s super, also finden wir das auch super. Und dann kommt sie. Also noch nicht Bonnie Tyler, denn zuerst kommt die Frau, die offenbar die größte Influencerin Zwickaus ist, die ganze Zeit über in der ersten Reihe steht und ein Facebook-Live-Video macht, auf dem die Likes und Kommentare nur so durch die Gegend fliegen, dass ich echt beeindruckt bin. Überhaupt: Alle Leute haben Smartphones, alle machen Facebook-Live-Videos und bei allen geht es in den Kommentarbereichen so hart ab, dass ich kaum Bonnie Tyler zuhören konnte. Wobei hören eigentlich ausreicht, denn die gute Frau Tyler hat mittlerweile so viel Botox im Gesicht, dass von Mimik sowieso nicht mehr viel zu sehen ist. Aber ich will nicht gehässig sein. Ist mir auch wirklich egal. Vor allem, weil ich musikalisch ein absoluter Jünger von Bonnie Tyler bin. Und natürlich war das Konzert dahingehend auch absolut großartig. Hit an Hit an Hit, in Perfektion performt, die Massen elektrisiert und alles wird per Facebook-Livestream ins INternet geballert. Direkt aus Zwickau, der heimlichen Internethauptstadt Sachsens. Wahnsinn. Und wenn dann Frau Tyler auch noch 44sten Hochzeitstag hat und auf der Bühne noch ihrem Mann ihre eternal love sweart, dann, ach, dann ist doch alles super.
Nicht im Bild: Zurück nach Hause jetten, umziehen und tatsächlich noch rechtzeitig zum Reinfeiern beim Geburtstag sein. Halbstündige Vorträge über zu teures Bier in zu neuen Läden. Wohnzimmerdisko. „Mache FCKR an! FCKR bockt!“ „Du kennst nicht einmal ein Lied von FCKR!“ „Ey! Guck dich um! ALLE hier wollen FCKR!“
Auch nicht im Bild: Besorgungen nach der Feier. Nachmittags einschlafen bei Easy A und dann schon wieder weiter.


Und dann sitzt man am Samstag beim Essen und es heißt: „Naja, also wenn ihr mal irgendwohin wollt, sagt Bescheid. Aufs Melt oder so.“ Und man denkt sich: „Jaaaaa, sichi“ und sagt erstmal nichts, weil das wäre ja schon ein bisschen krass, so einfach so und auch so spontan, immerhin bin ich ja total unspontan und bereits davon überfordert, wenn jemand an der Tür klingelt, obwohl ich überhaupt niemanden erwarte. Und dann sitzt man später rum und denkt: „Naja, aber man könnte ja wenigstens mal fragen. Guck dir mal das Lineup an. Also Kills und Die Antwoord wäre schon gut. Und fragen kostet ja nichts. Und wenn es halt nein heißt, dann hat man ja wenigstens gefragt und es ist auch okay. Immerhin haben Sie’s ja angeboten. Aber auch wenn nicht, wir kriegen den Sonntag schon rum, immerhin gibt’s noch drei ganze Staffeln Downton Abbey.“ Naja und dann fragt man irgendwann nachts wirklich und es heißt nur: „Ja klar, kein Ding. Morgen Nachmittag geht’s los.“ Und dann sitzt man da und denkt sich: „Na gut, fahren wir halt spontan aufs Melt. Vielleicht mal schlafen gehen. Aber vorher noch eine Folge Downton Abbey!“
Punkt 17 Uhr Landung in Ferropolis, wobei ich das immer recht lustig finde, weil ich bei Gräfenhainichen nie zuerst ans Melt oder das Splash, sondern an meine Oma denken muss, die sich immer so gefreut hat, wenn „die jungen Leute“ den Bahnhof bei ihr vor der Tür bevölkert haben, weil die ja immer alle so nett und so friedlich und freundlich waren. Oder wie ich die große Grube da noch ohne Wasser kenne und mich auf dem Weg zu meiner Oma immer gefragt habe, ob man da iiiiirgendwann mal würde baden können, denn es hieß jahrelang, dass da Wasser rein liefe aber es wurde und wurde einfach nicht voller. Und dann, zack!, voll, Splash und Melt dort und sofort kennen alle den Wohnort meiner Oma. Und nur ich kannte den schon, da war der noch real! Egal. Um 17 Uhr ist das Festivalgelände noch erschreckend leer. Angeblich sollen ja auch zehntausend Leute fehlen, wobei ich nicht weiß, ich ob die einfach schon abgereist sind oder doch vermisst werden (oder nur herzlich oder doch im Wasser, wer weiß). Geld aufladen und einmal herumlaufen. Ich mag den Sleepless Floor, weil dort genau die Art Techno läuft, die ich aushalte. Nebenbei zufällig Leute treffen, die getränketechnisch schon viel weiter sind, als es die Uhrzeit suggeriert, sodass man von „Gesprächen“ jetzt nicht wirklich reden kann. Die Leute aber durchgehend harmlos und völlig entspannt. Manche haben ganz schöne Teller im Gesicht, aber so richtige Ausfälle schien es auch nicht gerade zu geben. Dann noch einmal das ganze Gelände ablaufen. Immer noch recht leer, was ich später bei den Kills echt schade finde, denn vor einer halbvollen Mainstage zu spielen, fetzt bestimmt auch nicht soooo sehr. An manchen Ecken vielleicht auch wirklich ein bisschen sehr kommerzig, Hey-nehmt-doch-mal-an-unserer-coolen-Umfrage-teil-dann-könnt-ihr-auch-in-unsere-Sponsorenarea-rein-da-legt-auch-ein-DJ-auf-mäßig. Und genau deshalb gibt’s dann wohl auch überall diese DIY-Attitüde, Selbstgezimmertes hier, irgendwas Verstecktes da, um das Gefühl hochzuhalten, man wäre hier doch irgendwie auf der Fusion und Geld wäre eh egal, Hauptsache man kommt auf null. Glaub ich ja auch, dass es den Leuten momentan gerade eher darum geht. So ein Wochenende irgendwohin, wo es liebevoll gemacht ist und dafür lieber einen nur halb so krassen Headliner. Wobei Die Antwoord natürlich extrem krass war. Da konnte Frau Tyler nicht mithalten. Und spätestens da war es dann auch wieder unendlich voll. Keine Ahnung, wieso wir plötzlich auf den Turm durften, aber sehen Sie selbst im Video.


Arroganter Typ, bäh. Ekelhaft.


Oben: Beim Arbeiten. Lesebühne in der Arena am Panometer. Und ein paar Leute waren auch da.
Unten: Die 80er-Verkleidung. Geben Sie es zu: Ich sah aus, als gehörte mir eine hippe Bar im Leipziger Osten. Das war also der erste Oliba meines Lebens. Ja ja, noch so ein Einsteigermodell, das geht mit etwas Geduld und Pflege schon noch dichter, aber trotzdem. Und ich habe gelernt, dass ich verdammt viel Respekt vor Oliba-Träger*innen habe, denn das juckt ja praktisch die ganze Zeit. Und dann erst diese Ewigkeit, in der man den kompletten Bart wachsen lassen muss, sodass man, wenn man alles bis auf den Oliba absenst, direkt einen schönen Oliba hat den nicht so peinlich peu à peu heranzüchten muss, während man sich normal weiterrasiert. Wie das alles juckt. Furchtbar. Ich könnte nie im Leben einen Vollbart haben. Also physisch schon nicht, das ist mir klar. Aber psychisch erst recht nicht. Man wird ja wahnsinnig, wenn das die ganze Zeit so krabbelt. Stabile zwei Millimeter, eine Woche wachsen lassen (irgendwann in der Mitte sieht’s immer am besten aus) und dann repeat, das reicht. Außerdem sehe ich mit Oliba halt wirklich aus wie einer von New Kids. Und eigentlich darf man Oliba auch nur tragen, wenn man die 80er auch wirklich lebt. Und ich fühle die halt eher. Außerdem, oben bereits angesprochene Problematik, würde ich meinen Oliba natürlich auch perfektionieren (denn alle Oliba-Träger*innen sind Meister*innen der Oliba-Pflege), sodass ich damit natürlich auch sehr auffallen würde. Weil alle ständig denken würden: „WOW! Dieser Oliba! Mannometer!“ Und mein Problem ist halt: Ich will ja gar nicht auffallen. Also lieber kein Oliba für mich.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

Kommentar verfassen