
In Leipzig gibt es überall Smilies. Aber das hier ist der erste, den ich mit Basecap gesehen habe. Sehr ziemlich lässig aus, der Gute. Ob ihn sein Job als Schranke nervt? Oder ist er vielleicht so eine Art Alf, der das alles einfach genießt? Wo wir gerade dabei sind: Schauen Sie mehr Alf! Ich bin dafür, dass jeder Mensch auf diesem Planeten seinen eigenen Alf haben sollte. Oder wenigstens jede Familie. Ich würde zwei nehmen. Oder wahlweise einen Tapir, da bin ich nicht so wählerisch.

Ich hatte es schon eine Weile aufgeschoben, aber jetzt habe ich endlich mal diese zwei Filme zum Entwickeln gebracht, die ich seit ungefähr 4 Jahren in meinem Rucksack mit mir herum trug. Viel war nicht mehr drauf, aber das ist vielleicht auch gut so. Die Bilder sind tatsächlich von 2008, hier irgendein Zugfoto, das ich mit einer Einwegkamera gemacht habe.

Ein kleiner Schatz aus dem Plattenladen, geborgen für eine Geburtstagsfeier. Ich glaube, ich habe es erst vor ein paar Monaten geschrieben, aber es bleibt unverändertn: Over the Top ist einer der besten Filme der Welt. Wenn ich ein Auto hätte, einen Smart oder so, würde ich mir auch so Gewichte einbauen, damit ich unterwegs meinen Armdrückarm trainieren könnte. Dazu gab's ein Stück originale DDR-Kernseife, die ich in einem Antiquariat gefunden hatte. Macht sich gut für Tattoos und Bewerbungsgespräche, habe ich mir sagen lassen.

Wenn man im Leipziger Zentrum, schräg gegenüber der Kaffeehaushölle in der Nikolaistraße, an der Baustelle die Plane beseite schiebt, sieht man das hier. Wer weiß, was hier gerade gebaut wird. Ich nehme an, irgendein total individuelles Hotel, eine total neue Kaffeehausidee oder aber eine total neue Boutique, die total neuen Schrott verkauft. Jüngst schrieb ich vom offenen Brief an Leipzig eines ehemaligen Kreuzer-Mitarbeiters. Jetzt hat der Oberbürgermeister aus Sicht der Stadt geantwortet. Hört sich halbwegs vernünftig an. Nur dass er selbstredend nicht darauf eingeht, warum das so unbedingt nötige Wirtschaftswachstum ausgerechnet mit hässlichen Konsumtempeln und einem Hotel neben dem anderen hergestellt werden muss? Oder warum man einen Kulturdezernenten haben kann, der die freie Szene, also genau das, wofür man Leipzig so schätzt, schlichtweg verachtet. Und der Kreuzer-Mann hatte schon irgendwie recht, als er Leipzigs Normalisierung beklagte. Auch wenn der letzte Satz im Antwortbrief schön ist: 'Ich freue mich auf Dich und brauche Dich und Deine Generation, Eure Träume. Aber klebt nicht an den Plätzen Eurer Jugend, entdeckt neue!' Also: Auf nach Grünau, das Zentrum ist Geschichte!

Ich merkte dann relativ schnell, dass das ohne Vorhänge einfach nicht funktionieren würde. Jeden Morgen begrüßte mich eine Mädchen-WG direkt schräg links gegenüber und macht immer traurige Gesichter, ewnn ich tatsächlich etwas anhatte. Ich hatte schon längst vergessen, dass dort hinten ein leerstehendes Haus war. Mittlerweile ist dort drüben nichts mehr unsaniert. Und womöglich klettert der Wäschereimitarbeiter schon lange nicht mehr in den Mittagspausen aufs Dach, um in Ruhe rauchen zu können. Man kann das alles ein bisschen vermissen. So wie die Parties ja auch irgendwann immer langweiliger werden, bzw. immer seltener wirklich cool sind. Vielleicht, weil der eigene Anspruch steigt. Oder weil man schlichtweg harmloser wird.

Und weil ich so harmlos, aber gleichezeitig zu geizig bin, mir irgendwelche Stadtführer zu kaufen, schreibe ich einfach alle coolen Sights für Chicago, Detroit, Toronto und New York aus dem Internet ab. Zusammen mit haufenweise Funfacts. Das wird sicher ganz witzig dort. Auch wenn man uns wahrscheinlich überall sofort ansehen wird, dass wir blöde Touristen sind, die sich tolle Papierhüte aus ihren Stadtplänen falten und dann 'HIER! BRIGITTE! DIE STÄTTJUH OFF LIBBERTIE! HOHOHO! IS DAS DOLL!' rufen. Am besten, ich suche mir einfach in jeder Stadt gleich einen Job und falle nicht weiter auf. Das ist vielleicht das Beste.

Zweiter Teil meiner US-Vorbereitungen: Ich übe mich im Essen tradioneller amerikanischer Küche. Hier gab es ein paar Wiener Würstchen im halben Schlafrock, oder wie die Eingeborenen es nennen: Hot Dogs. Natürlich übe ich mich auch darin, _wie_ man Hot Dogs am besten isst. Ein Tag bleibt noch zum Üben, dann wird es ernst. Ob ich aufgeregt bin? Naja, nicht wirklich. Ich gehe ja noch immer davon aus, dass man mich direkt am Zoll wieder zurückschickt, weil ich eine Casio-Uhr habe, aber mal gucken.

Und falls ich doch ins Gefängnis komme, nehmt das hier als Andenken. Ist glaube ich das erste Foto, das ich jemals in dieser typischen Facebook-Manier von mir gemacht habe. Ich fühl mich auch immer noch schlecht. Auch können das Andere viel besser als ich. Darum entschuldigen Sie, wenn dieses Bild so aussieht, als wäre es in der Hogwarts-Schule für Zauberei aufgenommen worden, wo ich mich gerade zum Hipster-Surfer-Boy ausbilden lasse.









ben
16. Juli 2012
Hihi, du hast mich wieder an den Leipziger Alf Hoax Skandal erinnert.
“Zur Umschreibung der Position Alfs innerhalb der Serie wie auch der damit einhergehenden Vorgänge lässt sich auf Georg Simmels Begriff des »Fremden« sowie Siegfried Kracauers Formel der »Extraterritorialität« zurückgreifen.16 Andrew Rice bemüht in dem eingangs erwähnten Sammelband, wenn auch eher am Rande, den ähnlich gelagerten Ausspruch Jaques Derridas von der »Gestalt der Nicht-Gestalt«.17 Der »Fremde« – so kann Alfs Verortung innerhalb der Serienkonstellation der Familie Tanner wie auch der imaginären Vorstadtsiedlung von Los Angeles, in der die Tanners zuhause sind, in Anlehnung an Simmel beschrieben werden – steht in einem Verhältnis von Nähe und Distanz zu dem ihn umgebenden Milieu”
http://bonjourtristesse.wordpress.com/2012/02/18/suburban-alien/