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A Week in Pictures 27/2018

Vielleicht ist es so eine ganz weirde Art von Masochismus, vielleicht es auch nur meine ganz eigene masochistische Weirdheit, aber irgendwie finde ich es schade, dass ich ein Alter erreicht habe, in dem ich praktisch nie wieder eine Prüfung ablegen müsste. Ich habe Abitur gemacht, einen Bachelor, einen Master, habe aus Langeweile mal die Schwimmprüfungen bis einschließlich Gold gemacht und muss meinen Führerschein wahrscheinlich erst dann abgeben, wenn ich halbblind mit 90 Jahren durch eine Einkaufsstraße fahre und es dann auf mein Alter schiebe. Ich mache so einen lustigen Schreibkurs bei Shonda Rhymes und übe immer Französisch bei Rosetta Stone, aber beide werden nie von mir verlangen, mein Wissen in einer Prüfungssituation unter Beweis zu stellen. Ich will jetzt gar keine Diskussion über Sinn und Unsinn von Prüfungen anzetteln, sondern nur mal klarstellen, dass ich Prüfungen auch nie cool fand, es aber auch komisch finde, praktisch nie wieder welche zu haben. Natürlich komme ich immer mal wieder in Situation, in denen ich mich beweisen muss, aber niemals in eine solche, in der ich am Ende irgendein Zertifikat oder so etwas bekomme, einen Titel oder wasweißich. Das ist doch weird. Und natürlich finde ich es falsch, gleich eine Pflicht einzuführen, die Menschen dazu verpflichtet, immer mal wieder etwas Neues zu lernen, aber ich merke ja selbst, dass ich es auch nur mache, wenn ich quasi muss. Oder halt so lange allen davon erzählt habe, dass ich es irgendwann machen muss, weil mich sonst niemand mehr ernst nimmt. Keine Angst, ich mache nicht plötzlich einen Motorboot-Führerschein, lerne Segelfliegen oder anderes Midlife-crisis-Zeug. Ich vermisse es nur irgendwie, mich so wie damals bei der Führerscheinprüfung auf irgendetwas vorzubereiten, was nichts mit meinem restlichen Leben zu tun hat. Und dann da einfach hinzugehen, die Prüfung zu machen und danach so einen Zettel zu bekommen, der besagt, dass ich jetzt endlich einen Hummer fahren darf. Gibt es eine Prüfung für Produkttester von Tiefkühlpizza oder Chips? Die würde ich sehr gern ablegen.


Links: Jap, ist fertig. Dritte Version. Reicht jetzt auch langsam. Wobei ich schon wieder eine Stelle hätte, die ich gern noch einmal bearbeiten würde. Mache ich wahrscheinlich genau jetzt, während Sie das hier lesen. Und es stimmt natürlich, was der liebe Julius sagte: Kürzen hilft immer. Wobei es hier eher so war, dass ich an der einen Stelle massiv gekürzt und dafür an der anderen massiv hinzugefügt habe, sodass es am Ende doch wieder so lang war wie vorher. Aber es ist besser geworden. Und ich bin irgendwie zufrieden. So zufrieden, wie man sein kann, wenn man das Ganze jetzt so oft vor sich hatte, dass man schon gar nicht mehr wahrnehmmen kann, was es eigentlich ist, ob es gut ist oder wasweißich. Die Meinungen der Probeleser*innen waren allesamt gut, aber sie hatten auch alle etwas zu kritisieren. Was okay ist. Es wäre wahrscheinlich viel schlimmer gewesen, wenn sie gar nichts zu kritisieren gehabt hätten. Und lustigerweise hatten sie alle dieselben Kritikpunkte. Und die habe ich jetzt, so gut es mir möglich war, ausgemerzt. Ich bin sehr gespannt, wie das Buch laufen wird. Hoffentlich gut. Aber am meisten freue ich mich eigentlich auf zwei Dinge: 1) Die Buchpremiere und 2) das Einlesen des Hörbuchs Anfang September.


Fiktion einer Nichteinreise, auf so einen Unsinn muss man erstmal kommen. Und dann zu glauben, Österreich werde das schon mitmachen. Und sich dann ernsthaft wundern, dass Österreich das Ganze nicht so cool findet. Und sich dann als dieser Ork namens Seehofer nichts anders zu helfen wissen, als gleich wieder mit einer Aufsplittung der Union zu drohen. Wenn Angela Merkel noch einen Funken Respekt vor sich selbst hätte (und den wünsche ich ihr ganz weit ab davon, dass ich mit der CDU nichts zu tun haben will, aber dass sie Seehofer nicht direkt nach seiner ‚Ohne mich wäre diese komische Frau gar nicht, wo sie heute ist‘-Aussage rausgeworfen hat, ist für mich gänzlich unverständlich), dann müsste sie ihn spätestens jetzt rauswerfen. Was soll passieren? Die SPD würde eh alles mitmachen. Und ich glaube kaum, dass die CSU nur wegen Seehofer die Union zerbrechen lässt. Hinter Seehofer stehen noch ein paar weitere, ämtergeile Burschen (Dobrindt, Söder), die gern dessen Platz einnehmen würden, wenn sie dafür im Streit mit der CDU einfach kurz die Füße still halten müssten. Die AfD wird auch ohne zerbrochene Union stärker, was aber nicht am Unionsstreit liegt, sondern daran, dass man als verkappter Nazi (und davon gibt’s in Deutschland viele) lieber das Nazi-Original AfD als die billige Kopie des GroKo-Orbanismus wählt.
Aber vielleicht noch einmal kurz zum „Durchbruch“ der SPD. Nennt mich verblendet, aber was hat die SPD bitte erreicht? Die Umbenennung von Transitzentren in Transferzentren? Die auf keinen Fall geschlossen sein dürfen? Wobei Seehofer ja direkt danach meinte: Ja naja, was heißt geschlossen. Die Leute dürfen da halt nicht raus, aber geschlossen sind sie ja deshalb nicht. Und die SPD nickt. WTF. Und sowieso kämen da ja am Tag nur 4-5 Geflüchtete. Ach ja? Erzählst du nicht sonst immer, die deutschen Grenzen würden geradezu überrannt von Wilden aus dem Ausland? Und wieso ändert sich das plötzlich, wo ihr Grenzgefängnisse einrichtet? Aber ja, ich weiß, die SPD hat durchgesetzt, dass es im Herbst ein Einwanderungsgesetz geben soll. Aber nicht so eines, das Maßnahmen, Rechte und Pflichten von egal wem festlegt, der/dir hierherkommt, nein. Was die SPD unter einem Einwanderungsgesetz versteht, ist blanker Nützlichkeitsrassismus. Einwandern darf, wer uns im Rahmen des Fachkräftemangel etwas bringt. Liebe Andrea, wisst ihr, warum eure heißgeliebten Computer-Inder nicht hierher kommen? Weil sie den ganzen Tag lang wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden und ihnen abends beim Stadtfest von sportiven jungen Herren der Schädel eingeschlagen wird. Lustig übrigens, wenn sich kurz nach der Verkündung der SPD-Wohltat durch Andrea Nahles jemand von der Linken meldet und anmerkt, dass das „Einwanderungsgesetz“ schon im Juni von Seehofer angekündigt wurde. LOL.
Und noch einmal ganz generell: Das Ironische, das Tragische und das Traurige an der Situation der deutschen Bundesregierung ist eigentlich, dass zeitgleich, während all dieser Blödsinn passiert, täglich Menschen im Mittelmeer ersaufen und niemand tut etwas. Schlimmer noch: Unmenschen wie Seehofer möchten sogar noch jene Leute, die sich einfach aufmachen und diese Menschen retten, bestrafen und dafür sorgen, dass das Ertrinken ungestört abläuft. Denn wenn das nicht passiert, dann bricht hier in Europa nämlich die Hölle los, so wollen sie alle Welt Glauben machen. Deswegen hier: Scheiß auf egal welche Regierung, scheiß auf Europa: Helfer*innen helfen und Geld spenden, sei es für Seenotrettung an sich oder für die Rechtskosten der der Lifeline-Besatzung.
Edit 1: Was ist das eigentlich für eine kranke Ironie, dass sich zwei Komiker/Satiriker für Seenotrettung und gegen Kriminalisierung von Retter*innen stark machen müssen, weil die Komiker*innen der Bundesregierung damit beschäftigt sind, Grenzen dicht zu machen?
Edit 2: Und wieder einmal eine Idee, was ich mit meinem Geld anstellen würde, wenn ich Geld hätte: Was ich mich seit längerer Zeit frage: Wieso gibt es eigentlich kein politisches Format für Kinder und Jugendliche? Quasi so etwas wie Deutschland3000, aber mitunter viel grundlegender. Quasi so wie Crashcourse, aber eben noch kind- und jugendlichengerechter. Die AfD hat sich erst letzte Woche mit der Stiftung der verrückten Erika Steinbach zusammengetan. Warum? Weil sie einen nationalistischen Think Tank aufbauen wollen, der genau das tut: Ihre verquere Art der Welt als Bildung vermitteln. Also los los, bitte ein sehr wissenschaftliches, sehr objektives aber auch gleichzeitig kindgerechtes Videoformat entwickeln. Es wird funktionieren, da bin ich mir sicher.
Edit 3: Hier ein schöner Text über die nationalistische Aushöhlung des Europarechts und der EU.
Edit 4:Und hier vielleicht noch ein interessanter Gedanke dazu, wieso die SPD auf jeden Fall jeden Quatsch der Union mitmachen wird: Weil sie Neuwahlen aus finanziellen Gründen fürchten muss.


Habt keine Angst, ihr Menschen, die Rettung naht. Momentan ist Julius irgendwo verschollen und ich erreiche ihn nicht (wahrscheinlich wandern), aber spätestens nach der Sommerpause ist es endlich soweit. Garantiert keine Werbung für Betten oder schlechte Mobilfunkanbieter, garantiert keine Live-Shows sowie definitiv keine Kosenamen für unsere Hörer*innen (Wobei ich „unsere Zerstöris“ schon süß fände). Wahrscheinlich hören wir eh nach einer halben Folge wieder auf, also hängen Sie die Messlatten bitte tief. Außerdem hat es zwei riesige Vorteile: Wenn’s schlecht läuft, ist es für alle nicht so schmerzhaft und wenn’s gut läuft, sieht der Sprung über die Latte total easy und cool aus.
Nicht im Bild: Fußball. Mein Wunschhalbfinale steht! Und mein anderer Halbfinaltipp tatsächlich auch. Frankreich wird Belgien vermutlich besiegen. Es sei denn, die Franzosen verlieren irgendwann die Lust und die Belgier gewinnen wieder so ein Momentum wie gegen Japan, aber ich glaube eher nicht daran. Im Finale werden sie dann auf England oder Kroatien treffen. Beides Mannschaften, die zu diesem Zeitpunkt des Turniers bereits an ihren Konditionsgrenzen angekommen zu sein scheinen. Insofern ist es mir eigentlich egal, gegen wen Frankreich gewinnen wird, aber ich würde impulsartig mal vermuten, dass es, nee, kann mich nicht entscheiden. England fänd ich spontan witziger, weil die mit einem Finaleinzug wirklich glauben würden, sie könnten Weltmeister werden und hätten nicht einfach nur Glück gehabt, so weit zu kommen.


Links: Wie vermutet, habe ich mich nach Training, oder besser gesagt einen Tag später, wie Schrödingers Katze gefühlt: Gleichzeitig tot, aber trotzdem irgendwie noch am Leben. So wird das vermutlich noch einige Wochen weitergehen, aber nun ja, versprochen ist versprochen. und diese eine Sache würde ich ja wirklich noch gern gemacht haben, bevor ich dann bald Rentner bin.
Ich mag ja solches Sport-Blabla, von wegen „es macht so wunderbar den Kopf frei“ und „danach fühlt man sich so wunderbar klar“. Bei mir ist das anders. Ich denke nach dem Sport so etwas wie: „Aua! Fuck! Wie dumm bist du eigentlich? Wtf? Da hast du Muskeln? Aua! Wie soll ich denn jetzt noch nach Hause kommen? Jemand muss mich abholen! Ich kann unmöglich noch Fahrrad fahren.“ Und besonders klar fühle ich mich auch nicht. Allenfalls die ganze eklige Flüssigkeit, die sich in den hundert Blasen unterhalb meiner Füße gebildet hat, ist ziemlich klar.
Rechts: Endlich eine Kettensäge in meinem Schwierigkeitsgrad gefunden! Ich bin ja immer wieder erstaunt, wenn Dinge, die man sich vornimmt, am Ende wirklich funktionieren. 1) Weil man das richtige Werkzeug hat und 2) weil jemand mit Ahnung sich das mal anguckt. Auf jeden Fall stimmt eine Sache wirklich: Es ist super, wenn man eine Weile an etwas herumbaut und zack! ist es plötzlich fertig. Okay, man kommt direkt auf die nächste Idee und ist dann total ungeduldig, weil man das am liebsten auch sofort machen würde, aber 1) fehlt Material und 2) Muskelkater, aber hey. Ich glaube, ich höre auf mit Schreiben und baue und Zukunft nur noch krasses Zeug. Jetzt nicht unbedingt ein Haus, weil das muss ja wirklich dicht sein und bestimmt gibt es da irgendwelche DIN-Normen, die man einhalten muss, aber trotzdem. Ich baue dann einfach avantgarde. Mein Haus kauft man dann nicht, weil man keinen Schimmel will oder weil es nicht überall reinregnet, sondern mein Name draufsteht. Quasi wie bei Gucci-Taschen. Die sind auch hässlich, aber die Leute stehen drauf, weil eben Gucci draufsteht.

Was fehlt:

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