
Weil ich etwas ausschneiden musste, kaufte ich mir ein Skalpell. Nein, ich handle nicht neuerdings mit Organen. Es ging um etwas Anderes, egal. Und als ich zu Ende gesäbelt hatte, fing ich einfach an, Kunst zu machen. Hier also ein Frühwerk von letzter Woche Montag. Es trägt den mysteriösen Titel 'Oh man, du bist über 20!' und kostet lächerliche 5000 Euro. Erstaunlich, wie viel Schmerz man allein in der Linienführung lesen kann und wie gleichzeitig filigran mir die Arbeit gelungen ist. Also: Kaufangebote in die Kommentare posten.

Von meinen ersten Erfolgen angefixt, wagte ich mich sofort an ein neues Projekt. Größer sollte es werden, aufwändiger. Und so brach ich aus aus den Engen der Amazon-Pappverpackung aus und wechselte zum A2-Block. Das hier enstehende Werk nenne ich 'Einfamilienhaus 1' und es wird vermutlich mein erstes Werk im fünfstelligen Bereich sein. Nein nein, ich werd nicht plötzlich zum bildenden Künstler, obwohl ich früher fast ausschließlich gezeichnet habe und dann zu viel Schiss hatte, mich für ein Kunststudium zu bewerben. Also gerade noch mal Glück gehabt, ihr Rauchs, Burgerts und Meeses! Aber Plattenbauten zeichnen fetzt trotzdem. Ich halte Sie auf dem Laufenden, wie sich das Schattieren, sei es nun mit Graphit oder Tusche, so gestaltet.

Als ich im Oktober 2007 nach Leipzig zog, kostete ein Fahrschein für die Straßenbahn 1,30€. Ab August 2012 wird ein Fahrschein nun 2,30€ kosten. Das gute Stück gilt für eine Stunde und wenn man sich ein bisschen was traut, kann man damit sogar an die umliegenden Seen fahren, obwohl der Fahrschein bis dorthin gar nicht mehr gilt. Man kommt auch nicht zu Ikea mit dem Ding, da clevererweise genau vorher die Stadtzone endet. Dafür bekommt man hochmoderne Bahnen, deren Ausfallquote direkt proportional zur Schneehöhe auf den Gleisen ist. Und auch, dass diese fürchterlichen 1-Euro-Jobs, bei denen die einzige Aufgabe zu sein scheint, den ganzen Tag lang durch die Stadt zu gondeln, noch nicht abgeschafft wurden, ist fürchterlich. Aber ich will nicht meckern, immerhin habe ich ein (wirklich) spottbilliges Semesterticket und das neue Abo-System sieht auf den ersten Blick gar nicht sooo übel aus (wenngleich mich praktisch nur die normale Monatskarte interessiert). Trotzdem, halbjährlich die Preise anzuheben und innerhalb von 5 Jahren fast den Ticketpreis verdoppelt zu haben, das schafft man wahrscheinlich nur, wenn man sich großzügige Pensionen einplant (auch wenn die im Nachhinein wieder gekürzt werden, aber versuchen kann man's ja). Oder gibt es da Rechenschaftsberichte?

Da wir nicht so recht wissen, wohin mit all dem Geld, fuhren wir einfach mal ins Zittauer Gebirge, um zeremoniell einige Koffer voll Gold einzuschmelzen und damit die Berge anzupinseln. Leider verfolgte uns die gesamte Fahrt über ein Gewitter, das neben uns Blitze einschlagen und uns nur in andauernder Todesangst weiterfahren ließ. Dazu ein elender Regen, der den Provianteinkauf zur Folter werden ließ und gleich mal gehörig den ersten Abend verwässerte. Das hier war auf der Autobahn. Wie man sieht, sieht man nichts. Aber da wir ohnehin 240km/h fuhren, spielt das eine eher untergeordnete Rolle.

Natürlich sind wir gewandert! Wie immer wollten wir zur Anbetung Gerhard Richters die Lausche besteigen, nur waren wir irgendwie konditionell nicht mehr ganz dazu in der Lage und beließen es bei der Hälfte, Szegendiner Gulasch beim besten Koch Tschechiens und einem Bremsenstich am Unterarm, der seines Gleichen sucht. Soll heißen: Wenn ich mir mit einem Edding noch einen Anker auf den Unterarm malen würde, sähe ich Popeye gerade zum Verwechseln ähnlich. Achja: Und Schwarzwaldmädel verkaufen sie im Zittauer Gebirge. Normalerweise soll soetwas ja illegal sein, aber wer weiß.

Eenfuftsch, so der Name dieses tollen Ladens. Da hat jemand wirklich Geschmack bewiesen. Der Laden nebenan heißt übrigens 'Zweenfuftsch', und der davor 'Fuftsch'. Ist ein bisschen schwierig, wenn die Namen der Läden nichtmal mehr auf die eigentliche Profession hindeuten, aber das kriegt man schon mit. Immerhin weiß jeder, dass man für die besten Esswaren einfach in 'Mandys Gebirgsladen' gehen muss. Spätestens dort wird alles gut.

Eigentlich wollte ich nur mein Eispapier am Marktplatz dieses kleinen, aber malerischen Ortes entsorgen, als mir das hier auffiel. Der einzige öffentliche Mülleimer weit und breit und was ist drin? Vier Wurst-Büchsen à 10 Fleischpeitschen. Also insgesamt 40. Was war das los? Ein Zittauer Wurst-Flashmob mitten im Gebirge? Oder ist den Gebirgsjugendlichen einfach das Roochen und Saufn zu uncool, weshalb sie aufs Wurstessen umgesattelt sind? Treffen sich seit Jahren alle Jugendlichen jeden Abend am Markt, jeder zieht eine Büchse Bockwürste heraus und dann geht's ab in Richtung Delirium? Das hätte ich zu gern gesehen.

Und das hier hätte van Gogh auch nicht besser machen können. Höchsten, indem er es gemalt und nicht fotografiert hätte. Vielleicht gab's bei dem noch keine geteerten Straßen, aber was soll's. Das nur mal so als Beweis, dass es am vergangenen Wochenende durchaus mal gutes Wetter gegeben hat. Es muss irgendwie zwischen der Grenze und Bautzen sein. Ja, da wo der Senf herkommt und alles so toll barock aussieht. Und wo Silbermond herkommen. Ja, diese komische Band, die bisher auf unerklärliche Weise noch nicht von einem herabfallenden Meteoriten getroffen wurde, obgleich ich praktisch seit meiner Schulzeit regelmäßig dafür bete. Ich weiß nicht, was Silbermond jetzt so machen, aber ich erinnere mich, dass bei meiner Führerscheinausbildung regelmäßig Symphonie im Radio des Fahrschulautos lief und ich mehrmals versucht war, das kleine Gefährt einfach gegen einen Baum zu lenken.

Und das ist Rambo. Rambo 1 ist einer dieser fantastischen Filme, die voller bombastischer (ein Kollege von uns würde 'barbarischer', 'barbarian' oder 'viehischer' sagen) Zitate stecken. Solche Filme, die man unbedingt einmal im Jahr gucken muss, weil sie einerseits so absurd und andererseits so großartig sind. Aber am meisten wegen der Ziatete. So eines wie dieses hier. Na, was hab ich gesagt? Ich sag ja: Barbarisch. Barbarian. Viehisch.








