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A Week in Pictures 26/2018

Bei Zurück in die Zukunft 2 geht es darum, dass Biff in der Zukunft heimlich die Zeitmaschine stiehlt, um seinem Vergangenheits-Ich ein Heft mit allen Sportergebnisse zu geben, durch das er unendlich reich wird. Dadurch verändert sich die Vergangenheit so sehr, dass Marty beim Versuch, in die normale Vergangenheit zurückzufliegen, in die neue, veränderte Vergangenheit gerät, die auf den ersten Blick genau so aussieht wie die alte Vergangenheit, aber unglaublich schrecklich, weil unmenschlich und böse, ist.
Ich weiß nicht, ob ich jemals Zugang zu einer Zeitmaschine hatte, aber anders kann ich mir langsam nicht mehr erklären, was hier abläuft. Rechtsruck, eine Verrohung des Diskurses, die völlig normal gewordene Übernahme von rechtspopulistischer Sprache durch einzelne Medien, das Kreieren eines diffusen Untergangsmythos‘ sowie eines Feindbildes der Linken und Gutmenschen und die gleichzeitige Dämoniesierung dessen, was man früher gesunder Menschenverstand oder Humanität genannt hatte. Irgendwo muss ich falsch abgebogen sein und an der Stelle gelandet sein, an der sich entscheidet, ob in Deutschland das Vierte Reich entsteht. Und alles, was Marty machen konnte, um die „normale“ Vergangenheit wiederherzustellen war, an den Zeitpunkt zurückzureisen, da sich die Vergangenheit spliteten, um dort die Ursache für die Veränderung zu beseitigen, das heißt den Sport-Almanach zu finden und zu verbrennen. Klingt schwierig, ist aber doch noch verhältnismäßig einfach, wenn man es versucht, auf die Situation hier zu transferieren. War es die AfD? Ich glaube nicht. Die AfD war wahrscheinlich selbst überrascht von der Übernahme durch die Nazis. Aber was war es dann? Die nicht-zerschlagene NPD? Vielleicht. Eine Rot-Grüne Politik, die nicht die Wehen der Globalisierung abfedern konnte, obwohl sie genau dafür gewählt worden war? Auch. Eine verfehlte Aufarbeitung des Nationalsozialismus‘ und eine ebenso verfehlte Entnazifizierung? Jap. Ein gestörtes innerdeutsches Ost-West-Verhältnis? Auch das. Aber versuch mal, genau dort hinzureisen. Vor allem, wenn du vergessen hast, wo du die Zeitmaschine geparkt hast.


„Hamburger Gitter“ gucken. Wirklich treffender Untertitel: „Der G20-Gipfel aus Schaufenster moderner Polizeiarbeit“. Und die besteht unter anderem aus: Lieber agieren als reagieren. Lieber Zwangsmittel als keine. Keine Verpflichtung zur Aufklärung von Unstimmigkeiten. Massive Aufrüstung. Absichtliches Inkaufnehmen von Kompetenzüberschreitungen, weil mit einer Strafverfolgung derselben kaum zu rechnen ist, massivste Einschränkung von persönlichen Freiheitsrechten von Demonstrant*innen sowie auch hier das Vorab-Kreieren eines Feindbildes der potenziell beinahe terrorismusverdächtigen Demonstrant*innen, deren so hohes Gewaltpotenzial von vornherein auch ein viel zu hohes Gewaltpotenzial der Polizei legitimisieren, ja sogar erforderlich machen.
Kann man gut gucken, den Film, auch wenn ich mir von allem immer etwas mehr gewünscht hatte. Mehr Hintergründe, wieso die Polizei einfach so aufrüsten kann. Mehr Stimmen aus der Polizei, wie es sein kann, dass so viel Polizeigewalt toleriert wird. Mehr über das Strafmaß, das bei Demonstrant*innen angelegt wird. Mehr über Zukunftsperspektiven, wo das alles hingehen wird und welche Agenda dahinter steckt. Wer den G20-Gipfel verfolgt hat, die/der wird nicht soooo viel Neues erfahren. Aber das mag auch daran liegen, dass zuerst gar nicht geplant war, eine Dokumentation aus dem Material zu machen. Trotzdem: Lohnt sich.
Nicht im Bild: Schreibi schreibi. Buch überarbeiten. Lange habe ich mich ein bisschen gesträubt, weil es mitunter doch ein bisschen tiefgreifende Änderungen sind, aber mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass sie sich lohnen und das Ganze dadurch nur besser wird. Und es macht sogar Spaß. Manchmal. Ansonsten ist es wie immer: Geschrieben zu haben ist besser als schreiben.


Ich befinde mich in so einer kleinen Zwickmühle. Einerseits ist es mir vollkommen egal, dass die deutsche Mannschaft ausgeschieden ist. Es bringt mir persönlich nichts und für Timo Werner freut es mich, dass es wenigstens ein bisschen frei hat. Ich mag spannende Fußballspiele und die bekomme ich auch ohne deutsche Beteiligung. In Anbetracht dieser desaströsen Form vielleicht sogar noch eher als mit deutscher Beteiligung. Auch muss man jetzt nicht unbedingt die FIFA oder Russland unterstützen (ich freue mich schon auf Qatar). Andererseits ist es natürlich ein bisschen schade, weil so ein bisschen spannender macht es das Ganze natürlich trotzdem. Oder was heißt spannend, sagen wir, es ist halt einfach mehr los und ich fand es schon immer ganz witzig, wie schön leer die Straßen plötzlich sind, nur weil irgendwelche Leute gerade irgendwo Fußball spielen. Aber ja: Diese Mannschaft hatte es auch einfach nicht verdient, weiterzukommen. Da nützt all die beschworene Selbstkritik nichts, wenn man nie wie eine funktionierende Mannschaft auftritt, mehr als drittklassig spielt, kein Momentum hat und zeitgleich die Presse schon die Gegner bis zum Finale herbeiorakeln will. Wie gut, dass diese ganze Arroganz jetzt endlich mal ein Ende hat oder wenigstens nicht mehr so öffentlich breitgetreten wird. Natürlich wäre es hart, sich von Löw zu trennen, aber warum nicht? Wenn ich eines aus den zwei Three-Peats der Chicago Bulls gelernt habe, dann vielleicht, dass Erfolg nicht ewig währt und es auch darauf ankommt, zu wissen, wann man vielleicht genug erreicht hat, statt sich immer saurer werdend an irgendwelche Posten zu klammern, die man eigentlich schon lange nicht mehr bräuchte. Und dann natürlich gleichzeitig dieser ganze Hass. Dieser, wenn man sich allein die Statistik anguckt, haltlose Hass auf Özil und dieser Rückfalls ins Blutdeutsche, wtf? Ich glaube kaum, dass eine weißere Mannschaft besser gespielt hätte, wahrscheinlich hätten „wir“ „uns“ eher im Gegenteil eine schwärzere Mannschaft zulegen sollen, siehe Frankreich. Die gewinnen wenigstens. Nun ja: Wenigstens nehmen die ganzen Erfolgspatridiot*innen jetzt ihre dämlichen Fahnen ab. Und beim Fußballgucken sind dann endlich wieder nur jene, die wegen Fußball gekommen sind. Mein Tipp: Halbfinale Frankreich – Belgien. Dann vermutlich Frankreich im Finale. Gegen Kroatien. Oder England. Aber eher Kroatien.


Links: Wer weiß, ob mein Mitgliedsausweis überhaupt gültig ist, wenn der Name darauf nicht meiner ist.
Nicht im Bild: Wie ich wieder etwas abflexen musste und es wieder gruselig fand. Keine Ahnung, eine Flex ist einfach ein gruseliges Gerät. Wenn ich die Scheibe (natürlich im Ruhezustand) anfasse, dann kann ich mir einfach überhaupt nicht vorstellen, wie dieses Ding durch irgendetwas durchschneiden können soll. Und dann bringt man es zum Rotieren und schon geht das durch Metall wie Butter. Gruselig. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mal einen Kumpel im Krankenhaus besucht habe, der ohnmächtig geworden und mit den Zähnen auf einen Bordstein gefallen war. Und dass er tagelang im Krankenhaus als der Patient bekannt war, der es am härtesten erwischt hatte. Bis dann der Typ eingeliefert wurde, der sich ins Gesicht geflext hatte. Da dachten alle: „Nee nee, dann lieber Bordstein und keine Zähne.“ Ja ja, der Typ hatte sich nicht ins Gesicht geflext, sondern hatte sich mit der Kreissäge ins Gesicht gesägt. Aber ich fasse ja auch keine Kreissäge an! Aber Flex muss halt. Wie steht man denn sonst da! Außerdem wird das schon irgendwie halten. Und wenn die Scheibe abfliegt, dann ist es alles vorbei.
Rechts: Ich hatte völlig vergessen, wie meditativ Schnippeln ist. Und welche Gräben sich durch Vorstellungswelt des „richtigen“ Kartoffelsalats ziehen. Also mache ich lieber beide. Und gucke nebenbei Dark. Ganz gut bisher, gefällt mir, auch wenn es schon hart wie Stranger Things ist, nur eben auf deutsch und mit Zeitreisen statt mit dieser komischen anderen Welt.
Auch nicht im Bild: Lagerfeuer und Loisel und großartige Gutenachtgeschichte.
Auch nicht im Bild: Ich brauche neue Serien. Gute Serien! Ich mag The Handmaid’s Tale, Mindhunter, Manhunt: Unabomber, Breaking Bad, The Bridge, The Sopranos, Fargo, Hannibal, Deutschland 83 und Downton Abbey. Los geht’s!

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

3 Kommentare

  1. Elisa

    Wir scheinen serientechnisch auf der gleichen Wellenlänge zu sein, deshalb hier meine Tipps: Patriot, Baskets, Catastrophe, Preacher, Legion, Killing Eve, Detroiters, Search Party, Schitts Creek, The OA, Atlanta. Könnte ewig so weiter machen, aber reicht vielleicht erstmal :)

  2. Silke

    Ich habe großen Respekt vor dir, dass du dir die ganzen Artikel durchlesen kanst ohne Alpträume zu bekommen oder die ganze Zeit zu heulen. Ich bin zu nah am Wasser gebaut. Nach den Österreichartikeln musste ich aufhören, sonst könnte ich heute Nacht nicht mehr schlafen. Mir macht das ganze sehr viel Angst.

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