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A Week in Pictures 26/2017

Komisch, dass alles immer funktioniert, wenn man sich dann einfach mal zwingt. Ich glaube mittlerweile irgendwie kaum noch an „die Muse“. Inspiration ja, aber alles andere, dieses „ich kann nur nachts schreiben“ und so weiter, das halte ich für Quatsch. Ich schreibe auch nachts am liebsten, ja. Aber nur, weil dann einfach niemand anruft und sich draußen zur Abwechslung keine Verrückten auf der Straße anschreien. Geht aber natürlich auch vormittags, nachmittags, völlig egal. Viel wichtiger ist, es einfach zu machen. Hinsetzen, nichts anderes tun und dann wird das schon. Und selbst wenn nicht, dann macht es die Konstanz. Trotzdem durchziehen, wenigstens ein, zwei Stunden lang, und dann am nächsten Tag gleich wieder. Einfach jeden Tag machen. Na gut, am Wochenende darf man dann vielleicht auch mal Pause machen. Aber der Großteil kommt vermutlich einfach aus der Konstanz. Selbst, wenn ich vier Tage lang Schrott schreibe, habe ich immerhin geschrieben. Und meist ist dann zumindest _irgendetwas_ dabei, aus dem sich später noch etwas machen lässt. Noch öfter ist allerdings der Fall, dass es dann irgendwann funktioniert. Und dann denkt man sich: Hm, warum hab ich das nicht eigentlich schon immer so gemacht? Naja, geht ja auch im Hauruck-Modus, dauert im Großen und Ganzen meist auch gleich lang und ist auch bloß nicht schlechter, aber dafür weitaus stressiger, weil man ständig etwas im Nacken hängen hat. Entschuldigung, ich langweile Sie. Hach, wie schön ist Meta-Schriftstellerei.


Orweeten, wir wie bei mir zu Hause sagen würden. Soll ja vorkommen, dass man das machen muss.
Nicht im Bild: Belohnungs-Halftime mit spätabendlichen Diskussionen über die ausschweifende Welt der Karatefilme und welche man unbedingt gesehen und auswendig können muss. Karate Tiger, natürlich. Lee Dai-Ger ist einfach der coolste. Und ob nun Seatle-Karate oder L.A.-Karate das bessere ist, darüber sollte man immer mindestens zwanzig Minuten lang diskutieren. Fest steht: Sollte ich jemals an die Westküste der USA fahren, muss ich unbedingt auch Blumen zum Grab von Bruce Lee in Seattle bringen. So wie Jason. Teil 2-9 kann man sich übrigens sparen. Okay, der Kickboxer geht noch, aber sonst, nee. Weiter im Text: Karate Kid, selbstverständlich. Teil 1, allein der Kranichtechnik und wax on, wax off wegen. Okay, die Theorie, dass Daniel in Wirklichkeit der Böse innerhalb der Karate-Kid-Filme ist, ist nach wie vor super. Teil 2 schon allein wegen des denkwürdigen Satzes: „Best way to avoid punch: Not be there.“ Oder der Stäbchen-Szene wegen. „Man who catch fly with chopstick – accomplish anything!“ Vielleicht bin ich deshalb damals unbewusst von Philosophie zu Kulturwissenschaft gewechselt; ich war einfach enttäuscht, dass Mr Miyagis Philosophie hierzulande so rein gar nicht gelehrt wird. Pah! Teil 3, ach kommen Sie. Der ist doch cool. Ich finde es supersympathisch, wie Mr Miyagi einfach keine Lust mehr hat, an Wettbewerben teilzunehmen. Findet er halt sinnlos. Muss sich ja nichts mehr beweisen, der Daniel. Außerdem ist das alles nur blödes show off. Ja, irgendwie ist es nur noch so halbcool, aber was soll’s. Da muss man als Fan halt durch. Teil 4, naja, der war dann wirklich zu viel. Aber dann: American Shaolin. Sometimes, I wonder, what I’m gonna do, cause there ain’t no cure for the summer time blues! Hach, wie dringend möchte ich jedes Mal, nachdem ich diesen Film gesehen habe, in ein Shaolin-Kloster ziehen und mich dort zur friedenssuchenden Kampfmaschine ausbilden lassen. So richtig mit Taube in der Tasche vorm Regen beschützen, in die heiße Asche reinboxen, Holzpuppen zerhauen und nachts mit meinem tauben Mönchskumpel Extra-Trainingseinheiten absolvieren. Und natürlich Ip man! Teil 1 ist mega, dann wird es leider immer schwächer. Deshalb lieber gleich weiter zu Bloodsport, nicht ganz so überschwänglich und pathetisch, wie ich es von Karatefilmen mag, aber natürlich absolut großartig. Vielleicht nur auf Teil 2 verzichten, obwohl Batista natürlich Batista ist. Ach, es gibt so viele Filme. Ong-Bak muss man eigentlich auch gucken. Aber wenn wir es auf Pathos beschränken, dann vielleicht doch lieber Sidekicks. Ich glaube, ich habe damals in Sport beim Seilklettern nur deshalb eine 1 bekommen, weil ich von Chuck Norris gelernt habe, wie man das macht – Das einen Fuß ums Seil wickeln, den anderen Fuß draufstellen und dann schööööön ziehen. Und wenn man dann noch Zeit hat, sollte man unbedingt darüber diskutieren, ob nun Jean Claude van Damme oder Chuck Norris cooler ist. Ich glaube, ich bin da doch bei JCvD, wie wir Fans ihn nennen. Allein schon Double Team wegen. JCvD im Gefängnis auf einer Insel, umgeben von Lasern, die über das Wasser lasern, damit man nicht per Boot wegfahren kann und jede Stunde muss er seinen Daumen auf ein Lesegerät drücken. Was macht also JCvD? Er übt in der Badewanne Luftanhalten, skalpelliert sich die Haut vom Daumen und baut mit einer Dose, einem Bleistift und einem Radiergummi eine automatische Daumen-aufs-Lesegerät-Drück-Maschine, damit er in Ruhe unter den Lasern durchtauchen und entkommen kann. Wahnsinn! Und wenn man damit durch ist, guckt man noch die ganzen coolen Kung-Fu-Filme, in denen die Leute immer so unnatürlich rumfliegen. Und danach kommt dann Silvester Stallone. Hach, ich seh schon. Ich könnte nie einen Karatefilm-Abend machen, ich bräuchte eine Karatefilm-Woche.


Schön, wenn sich mein Postkartenstil auch bei anderen Leuten durchsetzt.
Nicht im Bild: Unterlagen wälzen und vorbereiten. Eklige Arbeit. Also für mich. Hab ich keine Lust drauf. Weil will ich nicht. Ich find’s gut, wenn Leute das gerne machen, muss es ja geben, aber ich will es nicht mehr machen. Geb ich lieber anderen Leuten Geld für, damit sie es für mich machen, sodass ich in der Zwischenzeit etwas machen kann, das mir Spaß bringt. Ich glaube, das ist nur gesund, mit der Zeit einfach alles abzustoßen, was einem selbst nicht genügt, weil es keinen Spaß macht. Das ist sollte im besten Fall auch das einzige Kriterium sein: Macht’s mir Spaß? Dann machen. Wenn nicht, dann nicht. Und dann regelmäßig alle Dinge, die man macht, hinterfragen und im Fall der Fälle dann halt sein lassen. Auch für den Fall, dass dann da plötzlich eine Lücke ist. Die Lücken füllen sich eh immer irgendwie von ganz allein. Letzten Sommer habe ich aus reiner Langeweile einen ganzen Serienpiloten geschrieben. Nur deshalb, weil sonst nix los war und ich ein bisschen lernen wollte, wie Final Draft funktioniert. Das war schön. Obwohl ich ja eigentlich den ganzen Sommer lang Zelda spielen wollte. Oder dieses coole Trommel-Spiel. Und genau so sollte es sein. Ich mache ja eh nie nichts. Kann ich gar nicht. Spätestens nach einer Woche werde ich unglaublich unruhig. Und wenn es nur blödes Dokumentieren ist. Klar, ich kann den ganzen Tag im Bett liegen, aber dann lese ich auch ein ganzes Buch dabei oder schaue eine Staffel irgendeiner Serie. Klar, Seriengucken ist Bildung! Ich hab ja nicht so viele Felder, auf denen ich mich (wenigstens so ein bisschen) auskenne. Karatefilme, Zurück in die Zukunft, Bücher und Serien. Und wenn man dann irgendwo ist und jemand fängt an, von Thomas Mann zu reden (sie merken schon, auf welch gruseligen Veranstaltungen ich mich offensichtlich herumtreibe), dann muss ich mich immer ganz schön zurückhalten, denn sonst werde ich sehr schnell empathisch. Und ich diskutiere da wirklich gern drüber, aber ich hab da halt auch oft eine recht feste Meinung zu einem Buch oder einer Serie oder meinetwegen auch Thomas Mann. Ich klinke mich ja da nicht ins Gespräch ein, um meine Meinung zu bilden. Zu schleifen, gerne. Aber wenn ich mich äußere, dann habe ich meist schon so sehr darüber nachgedacht, dass ich da auch nette Argumente auf Lager habe und sich die Meinung dann so schnell nicht mehr umstoßen lässt. Kommt aber natürlich auch mal vor. Und wenn dann jemand sagt: „Du, die Buddenbrooks, das ist ja mal ein Scheißbuch!“, obwohl sie/er es nur unter Zwang oder im schlimmsten Fall gar nicht gelesen hat, dann muss ich da halt auch schon mal einen Kurzvortrag halten, weil das Buch halt einfach super ist.


Der innere Zwölfjährige war mal wieder einkaufen. Reden wir nicht drüber. Okay, doch, vielleicht über dieses Knisterzeug. Wie sehr habe ich das vermisst? Gibt’s das noch? Also so ganz ohne dieses Fuß-Lutscher? Komisches Wort, Fuß-Lutscher, aber Sie wissen, was ich meine, wenn Sie es kennen. Und das gab’s definitiv. Mit so einem Außerirdischen vorne drauf. Und bitte schreiben Sie jetzt nichts über Center Shocks. Die waren weder jemals sauer noch irgendwas. Völlig überwertet. Schlimmer als Jumanji 2. Und das will was heißen.
Nicht im Bild: Nudelsalat bei der VoKü. Wobei mir VoKü immer ein bisschen komisch aufstößt. Also nicht der Nudelsalat, sondern der Begriff. KüFA ist doch viel netter und hat auch nicht dieses blöde Volk drin. Und anschließend Abhustlen im Park mit Diskussionen über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens: 1) Warum ist es gesellschaftlich inakzeptabel, allein zu grillen? 2) Warum habe ich eigentlich keinen George Foreman Grill? Natürlich die Premium-Version, obwohl man mit der Compact-Variante (wie das klingt …) angeblich auch wunderbar auf dem Fensterbrett grillen kann. 3) Warum besitze ich eigentlich keinen Nicer Dicer? Plus-Variante, versteht sich. Nee, einen Thermomix will ich nicht. Eigentlich reicht mir mein Sandwichtoaster. Obwohl ich da in Zukunft wirklich mal den geilen kaufen sollte. Ich esse das so gern und so oft, warum also nicht endlich das game upsteppen? Wobei ich glaube, zu wissen, warum ich das noch nicht gemacht habe: Ich habe mich einfach noch nicht völlig entschieden, welche Sandwichform ich am besten finde: Die zwei Dreiecke oder das eine Vierecke. Ja ja, beim „normalen“ Sandwich natürlich die Dreiecke. Aber beim getoasteten? Ich weiß es nicht. Oder halt doch direkt der George-Foreman-Grill. Aber da quarkst bestimmt alles an der Seite raus. Und da sollte ja eigentlich nur das Fett ablaufen. Hach, es ist alles nicht so einfach. 4) Warum bin ich eigentlich so ein Fernsehopfer? Und wieso bin ich so verdammt anfällig für Quatsch? Ich wette, es dauert nur noch zwei, drei Jahre, und ich bestelle bei QVC. Und dann wahrscheinlich auch direkt richtig crazy irgendeine Puppe.


Frühstück um 14 Uhr.
Nicht im Bild: Nachdenken über den Hyperloop und Elon Musk. Sie wissen schon, der Tesla-Mann. Voll visinär, steinreich und unglaublich smart. Habe ich schon erwähnt, dass wir, also Elon und ich (wir dutzen uns) laut Myers-Briggs-Typenindikator quasi ein und dieselbe Person sind? Ich empfehle Ihnen mal seine Biografie, dann müssen Sie später nicht noch meine lesen. Lassen wir mal die Diskussion darüber, ob der Hyperloop mal Wirklichkeit werden könnte und ob es dann wirklich eine Station in Leipzig geben würde. Wäre cool, ja, die wichtigere Frage ist doch aber: Warum gäbe es eine Station in Nürnberg? Wehteheff? Was will ich denn in Nürnberg? Leipzig-Berlin-Hamburg, das reicht doch eigentlich. Und meinetwegen dann halt Leipzig-Berlin-Hamburg-Köln-Frankfurt. Aber dann reicht’s wirklich. Aber cool wär’s. In 14 Minuten von Leipzig nach Berlin gedüst. Dann nochmal 20 und man ist in Hamburg. Egal. Das Interessante an obigem Artikel sind doch aber die Expertenmeinungen, die so herrlich deutsch sind. „Nee, das wird nix. NOCH ein Verkehrskonzept neben den bisherigen, das geht nicht. Warum? Keine Ahnung, aber das geht nicht. Ist halt so! Kann nix mehr Neues geben! Das Schienensystem ist noch längst nicht am Maximum! Bis 500 km/h kann man theoretiisch mit dem Zug darauf fahren! Machen die in Frankreich schon lange! Ja okay, der neue ICE ist erstmal wieder langsamer als die alten und fährt erstmal nur 250, aber trotzdem! Außerdem dauert das bei uns mit all den Genehmigungen so lange, da ist das Neue schon veraltet, bevor es überhaupt gebaut werden kann. Nee, das ist nicht der Fehler unserer Genehmigungsverfahren! Und wenn wir das doch machen, dann klauen uns das bloß die Chinesen. Ich sach nur Transrapid! ICH SACH NUR TRANSRAPID. HALT STOPP! ES BLEIBT ALLES SO, WIE’S IST! DOOFE OBERZICKE!“


Da will man einfach in Ruhe draußen rumsitzen und über Karatefilm reden und dann kommen wieder die Spielverderber. Eine Schande.
Reden wir doch mal stattdessen kurz über die Ehe für alle. Vollkommen gute Sache, keine Frage. Obwohl es erst einmal wie eine Drohung klingt und ich ein bisschen Angst bekam. Ist mir auch egal, wer da jetzt als Erstes drauf kam. Oder ob das jetzt ein Wahlkampfmove von Merkel war. Wenn es einer war, dann war es ziemlich lame, dann bei der Abstimmung mit nein zu stimmen. Fakt ist, dass die SPD, die sich jetzt so als Held hinstellt, das Ganze auch schon seit 1998 hätte auf den Weg bringen können. (Keine Sorge, ihr schafft trotzdem maximal 15 Prozent!) Weil das natürlich seit Ewigkeiten überfällig war. Obwohl Homosexualität ja auch erst seit 1969 legal ist. Und seit 1978 erst keine Homosexuellenregister mehr geführt werden. Aber davon ab: Viel eher interessiert mich jetzt, welche „Durchbrüche“ der Fraktionszwang sonst noch so verhindert und was da alles drin wäre, wenn der Abgeordneten mal wirklich nur ihrem Gewissen untergeordnet wären und eben nicht irgendeiner Parteilinie. Und wie lame man als Union oder AfD (Wir sehen uns nahe der 5%-Hürde!) eigentlich sein kann, da von einem „Verfassungsbruch“ zu brechen und das Ganze jetzt unbedingt vom BVerfG kippen lassen zu wollen. Habt ihr keine anderen Probleme? Findet ihr selbst dank Ehe für alle niemanden, der euch heiraten will? Selbst wenn es sich nicht mehr mit dem Wortlaut vereinbaren lässt, dann ändert man eben das Grundgesetz dahingehend. Leute, da steht sogar noch „vor Gott“ und solcher Quatsch drin. Fährt euer Auto noch auf Vierecken? Wie mich das nervt, wenn mal wieder so richtig schön offensichtlich wird, dass „Repräsentative“ Demokratie heißt, dass wir entweder ziemlich komische Repräsentanten haben oder dass das Volk anscheinend wirklich zu großen Teilen aus verbitterten, engstirnigen, alten Männern besteht, die absolut nicht einsehen, dass sich Dinge manchmal einfach verändern, auch wenn sie nicht verstehen warum und sie es gleichzeitig aber verstehen könnten, wenn sie sich mal für Neuerungen öffnen würden. Nein, da wird dann immer von „das ist nicht natürlich“ geredet, als ob wir hier alle im Wald leben und uns ausschließlich von Beere von Mammuts ernähren. Oder als ob man immer genau dann homosexuell wird, wenn man ganz komisch mit dem Fahrrad hingefallen ist, weil von allein kommt sowas ja nicht! Wie kommt man denn auf solchen Unsinn?
Und genau deshalb finde ich, dass das zwar alles schön und gut und toll ist, aber irgendwie trotzdem kein richtiger Grund zum feiern. Denn es offenbart halt auch, in was für einer steinzeitlich dominierten Gesellschaft wir leben. Den Ton gibt hier nämlich noch immer der Stammesälteste vor. Und durchgesetzt wird er bis heute per Keule. Wenn ich so etwas schon lese, in der FAZ wohlgemerkt! Gruselig.


Selbstvergewisserungs“selfie“ von Sulaiman Masomi. Ich lächelte, weil ich noch nicht wusste, dass im Backstage jemand längst den Belag von den letzten vier Brötchen gegessen hatte. Wer macht so etwas?
Nicht im Bild: Morgen sind wir mit unserer süßen Lesebühne wieder Open Air in der Arena am Panometer! Da würd ich kommen, wenn ich nicht sowieso da wäre.

Was fehlt:

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