Follow

Lass dich über neue Beiträge per Mail benachrichtigen.

Mach's wie 527 andere Follower:

 

26/2012

2. Juli 2012, a week in pictures

 

Offiziell wurde ich in der DDR geboren. Inoffiziell spricht man weniger von einer 'Geburt' als von einer Niederkunft. Mein Vater Zeus, ach, das würde zu weit führen. --- Da in der DDR Mangelwirtschaft herrschte, stellte mein erstes Kuscheltier auch weniger ein Tier, als vielmehr ein Kuschelobst dar. Kreativ, wie ich nunmal bin, gab ich diesem netten Kerl in Form einer Birne den Namen 'Birni'. Dank einer groß angelegten Suchaktion bei 'Bitte melde dich' haben wir am Wochenende endlich wieder zueinander gefunden, seither sind wir unzertrennlich. Noch gucken die Menschen etwas irritiert, wenn ich mit Birni an der Hand die Straßenbahn betrete, aber das wird sich schon mit der Zeit legen. Außerdem bekomme ich jetzt immer einen Sitzplatz und muss beim Arzt nicht mehr so lange warten. Danke, Birni.

Mit der Fanpost hat es in letzter Zeit ein wenig Überhand genommen. Seit ich konsequent das Gerücht verbreite, bald Wetten, dass...? zu moderieren, komme ich praktisch zu gar nichts mehr. In Planung befinden sich derzeit zwei, drei Talkshows, eine Kolumne bei der BILD, sowie eine Cover-Version von What happened to Rock'n'Roll? Sei's drum: Man macht sich keine Vorstellung, was hier los ist. Mittlerweile haben die vorm Haus vorbeifahrenden Stadtführungsbusse sogar etwas Anderes zu erzählen, als dass man dort links oben den armen verrückten Jungen sieht, der täglich im wife beater am Fenster steht und sich vor dem Ernst des Lebens drückt. Naja.

Die Sache mit den Postkarten war wirklich eine gute Idee. Allerdings hat sie einen Haken: Sie wird mich jämmerlich arm machen, sodass ich gleich nach unserem Rückflug beginnen werde, auf der Straße zu leben. Von meiner Arbeit in sozialen Einrichtungen weiß ich glücklicherweise, dass man nach x-mal Schwarzfahren immerhin für einen Monat ins Gefängnis kommt, das könnte ich ja machen. Oder mein Plan geht auf und ich kann meine Zeit in New York nutzen, um in den Wu Tang Clan einzusteigen. Dann wäre eh alles geritzt. 103 Meldungen sind es jetzt und ich glaube, das reicht auch. Die Postfrau wird mich entweder für einen der tausenden New Yorker Irren oder einen ausländischen Irren halten.

Das da ist ein sehr schöner Platz, der sich Palmengarten nennt, weil es dort nämlich keine Palmen gibt. Aus quasi gleichem Grund wird in Leipzig gerade eine U-Bahn gebaut, die niemand braucht. Aber noch ist es hier sehr schön, auch wenn das Stadtzentrum gerade zur Mies-van-der-Rohe-Hotelhölle umgebaut wird. Trotzdem werden zur Sicherheit schonmal mahnende (und gute und notwendige) Briefe an die Stadt geschrieben, dass sie langsam mal wieder klarkommen soll. Leipzig ist kein Berlin und kein Hamburg, aber das ist auch gut so. Gleichsam heißt das aber nicht, dass hier alles toll ist. So am Ende des Studiums muss man sich ja praktisch schon fragen, ob man entweder 40 Stunden die Woche arbeiten oder lieber einmal drei Stunden lang am Bahnhof betteln gehen soll, das Geld wird wohl in etwa gleich viel sein. Und Bubble Tea gibt's ja jetzt auch überall. Und Slackliner und Longboarder und der EM sei dank auch an fast jedem Tag Matze Knop. Huah. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Von jedem Euro GEZ-Gebühr geht ein Teil an Matze Knop, weil ARD und ZDF es total flippig finden, dieses Wesen in ihren total verstockten Sendungen sitzen zu haben. Dass die uns in der EU überhaupt ernst nehmen...

Und dann wollte ich mir ein Hemd kaufen. Mal so ein richtig gutes, mit dem ich hätte Eindruck schinden können, so von wegen 'Hey, was für ein adretter, ordentlicher, junger Mann! Geben wir ihm doch monatlich 3000 Euro dafür, dass er so toll ist!' oder so. Am Ende hatte ich das da gekauft. Seither habe ich noch mehr Angst vor der Zukunft. Gibt es für die lange Wartezeit beim Arbeitsamt eigentlich einen Spielplatz, wo man ein bisschen toben kann? Wahrscheinlich wird mich die Frau im Arbeitsamt sowieso etwas fragen wie 'Ah, Politikwissenschaft, und wie steht es um ihre Soft Skills?', während ich im Kopf gerade nochmal alle Sterne bei Super Mario 64 durchgehe. Und dann wird sie sagen, dass sie noch nie so herzlich mit einem Klienten hat lachen können. Und dann werden sie mich an einen Zirkus verkaufen, weil ich dort Clown werden soll. Es wird sicher ganz schlimm werden.

Es gibt da, wie gesagt, diese Allzeit-Bowling-Rangliste. Es gewinnt derjenige, der beim Tod einer der Wettkämpfer die meisten Punkte hat. Ja, ich weiß, man könnte ganz leicht gewinnen, sobald man sich, wenn man einmal vorn liegt, einfach umbringt, aber ich glaube, das traut sich keiner. Naja, jedenfalls musste ich Bowlen gehen, denn wenn man bei der Allzeit-Bowling-Rangliste mitmacht, muss man jeden Monat drei zusammenhängende Spiele abliefern. Und man glaubt es kaum, aber Donnerstag um 11 Uhr ist DIE Bowlingzeit schlechthin. Alles voll. Überall wird gebowlt. Vielleicht werden Sie jetzt sagen: 'Klar, weiß doch jeder, Donnerstag 11 Uhr ist weltweit Bowling angesagt!', aber mich hat das geschockt. Vor allem, weil ich ewig nach einem Platz zum Bowlen suchen musste. Hat aber dann geklappt. Und am Ende sah ich diesen riesigen Bratwurstwagen, den ich irgendwie eklig und übertrieben fand.

Hier war ich wie jeden Abend am Bahnhof unterwegs, um den Jugendlichen ihre Handies wegzunehmen und mir vom Erlös der anschließend verkauften Handies ganz viel Soft-Eis zu kaufen. Das macht sehr viel Spaß, vor allem, weil die Eltern der Jugendlichen so viel mehr Geld haben als ich und ihren Kindern jeden Tag ein neues iPhone kaufen können. Ich habe kein iPhone, d.h. nein, ich habe, wie gesagt, meistens gleich mehrere, aber eben nicht so lange. Ich selbst begnüge mich mit einem Android-Handy, sodass es zumindest glaubwürdig rüberkommt, wenn ich den Jugendlichen entgegenrufe: 'Ey, ich habe kein iPhone, gebt mir eure!' Naja, vielleicht stelle ich mir das auch nur vor. Meine Psychologin sagt immer, es könne helfen, wenn man im Kopf mal Täter und Opferperspektive wechselt. Obwohl es ja eigentlich Opfer- und Opferperspektive heißen müsste, haha.

Wenn ich mal sterbe, dann sollen auf meiner Beerdigung Slayer spielen. Naja, das mit Slayer ist eher Quatsch, aber vielleicht haben ja auch die Big Four Zeit, das wäre klasse. Und falls die nicht Zeit haben, dann darf ruhig die Honky Tonk Band spielen. Rock, Blues und Bier hatte ich so oder so ähnlich sowieso als Motto meiner Beerdigung angedacht.

2 Kommentare

  1. Nicole Herrmann via Facebook

    2. Juli 2012

    großartig. Meine Woche ist gerettet :)

  2. Jenni

    3. Juli 2012

    André – der Teil mit dem Arbeitsamt. Kchch. <3 und so. (Wir sollten da nach Fertigstellung unserer Masterarbeiten vielleicht mal zusammen hingehen – zwei Clowns verkaufen sich bestimmt besser als einer und vielleicht wird es dann auch nicht ganz so schlimm, sondern nu-… ach, nein. Machen wir uns keine Illusionen. ES WIRD SCHLIMM.)

Hinterlasse eine Antwort