Kommentare 1

A Week in Pictures 24/2018

Es ist soweit. Wenn Sie das hier lesen, habe ich exakt noch eine Verpflichtung, ehe ich eine ganze ganze Weile lang absolut nichts habe. Das ist der Moment, nach dem ich mich seit Januar sehne, als ich wusste „Uiuiui, da gibt es jetzt vier Sendungen zu schreiben, dazu noch das Buch und und und“ und nebenbei dachte „Das ist ganz schön viel.“ Umso mehr freue ich mich, dass ich zwischenzeitlich nicht gestorben oder verrückt geworden bin, sondern es alles halbwegs okay überstanden habe. Ich weiß, dass es mich in zwei Wochen nerven wird, nichts zu tun zu haben bzw. sogleich der Gedanke auftaucht, was ich denn jetzt demnächst machen soll, aber bis jetzt ist es erst einmal perfekt. Ich will ja gar nichts machen, außer wegfliegen oder wegfahren und ansonsten meine Ruhe haben, um zu lesen oder irgendetwas gucken zu können. Wenn es wirklich eine Sache gibt, auf die ich mich freue, dann ist es vielleicht wirklich, zu lesen. Ich muss mal Knausgard lesen. Und Rückkehr nach Reims. Tyll will ich lesen. Und irgendwas Dickes, sehr Gutes. Ich bin für Tipps offen! Her damit!


Links: Da ich seit letztem Mittwoch ja praktisch arbeitslos bin, gucken wir gerade noch einmal Breaking Bad. Vielleicht springt ja eine berufliche Perspektive dabei heraus. Und es ist super, dass irgendwann Richtung Staffel 2, Folge 8 oder 9, endlich endlich Saul auftaucht. Was habe ich darauf gewartet. Vor allem, weil es wirklich interessant ist, die Figur zu sehen, wenn man gerade das Spinoff Better Call Saul geguckt und gesehen hat, wie unsicher Saul da noch ist. Hach, drei Staffeln lang warte ich nun schon darauf, dass endlich Gus auftaucht. Immerhin, in Folge 11 der zweiten Staffel Breaking Bad kommt er endlich. Bester Typ ever.
Rechts: Hier sehen sie mich, als ich gerade einen neuen Tiefpunkt in meinem Leben erreicht habe. Grund dafür war die Verkettung ungünstigster Umstände. 1) hatte ich keine Zeit, weil ich auf dem Weg zur Aufzeichnung von Slamdr SPUTNIK war, 2) hatte ich übelst Durst, 3) wollte ich eigentlich kein Geld ausgeben, denn ich hatte gerade 50 Euro abgehoben und mag es einfach nicht, wenn ich direkt nach dem Abheben etwas ausgebe und dann lauter kleinere Scheine im Portmonee habe (ich mag zum Beispiel auch keine 20-Euro-Scheine) 4) Ich hatte allerdings noch genau einen Euro im Münzfach, war aber 5) leider bei Conrad und nicht im LIDL oder wasweißich und 6) man sieht ja, was daraus geworden ist. Das ist wirklich ein wenig armselig, aber was soll ich machen. So bin ich halt. Bestimmt kaufen das Zeug auch andere, wenn sie in einer Notsituation sind. Ich nehme mich davon nicht aus. Ich bin eben ein einfacher Mann.


Links: Die vorerst letzte Aufzeichnung. Vier Folgen Slamdr Sputnik, die dann ab Juli ausgestrahlt werden. Bemerkenswerteste Änderung diesmal: Ich bin im Bild zu sehen, ach herrje. Warum ich neuerdings ins On dränge, wie wir Profis sagen, ich weiß es nicht. Vielleicht, weil es sich besser erklärt, wenn die Off-Stimme, die die Regeln und die Vorstellungstexte live einliest, auch ein Gesicht bekommt. Oder aber, weil ich unterbewusst schon längst die Übernahme der Moderation plane. Vielleicht aber auch, weil ich heimlich masochistisch veranlagt bin und es insgeheim sogar möchte, dass mich die Maskenbildnerin jeden Tag auslacht, weil mein Gesicht und mein Nacken immer total schnell braun werden, mein Hals und meine Oberarme über extrem langsam, sodass ich eigentlich jeden Sommer selbst ohne T-Shirt noch immer ein T-Shirt trage. Nein, nein, schon okay, ich komme damit klar. Ein bisschen bewundere ich die Leute, die wirklich ständig beim Fernsehen arbeiten, die Kamera- und Tonleute, die Frauen und Männer vom Licht und so weiter. Einfach dafür, dass sie echt beschissene Arbeitszeiten haben und ja immer bei Veranstaltungen arbeiten müssen, die für andere Menschen Freizeitveranstaltungen sind. Und diese Leute gehen dann dorthin, trinken Bier und Wein und haben einen guten Abend und die Fernsehleute dürfen sich davon bestenfalls nicht anstecken lassen, denn man ja nicht jeden Tag nach der Arbeit einfach sinnlos Party machen, daran geht man ja drauf. Und deshalb müssen die ganz diszipliniert sein, denn am nächsten Morgen geht’s ja wieder ab um 12/13 Uhr weiter und so. Das imponiert mir. Ich mag das sehr gerne, wenn man nach einer Veranstaltung einfach nach Hause geht, noch ein bisschen Buch liest oder einfach ins Bett geht, sodass man am nächsten Morgen vor der Aufzeichnung tatsächlich noch etwas machen kann und der Tag sich nicht so verloren anfühlt, wie er es sonst bei Aufzeichnungen tut, wenn man aufwacht und direkt wieder dorthin schlürfen muss.
Rechts: Die ganzen AfD-Verschwörungsnazis haben natürlich Recht: Selbst beim MDR arbeiten ausschließlich linksversiffte Gutmenschen. Wobei „arbeiten“ der falsche Begriff ist, denn vielmehr „agitieren“ sie.


Links: Oh ja, es ist WM. Ich gucke ja durchaus gerne Fußball, aber dass jetzt wieder jeder Mist in Schwarz-Rot-Gold getaucht werden muss, das würde ich verbieten. Warum? Weil es völlig unnötig ist und viele Leute zu Vollidioten werden, sobald sie irgendwelche Identifikationsmerkmale tragen, um sich von anderen abzusetzen. Bei der Deutschlandfahne führt es zum Beispiel dazu, dass ihr Tragen eine sofortige Almanisierung des Gehirns in Gang zu setzen scheint, die unter anderem daraus besteht, dass man jedwedes Wissen über die zwei Weltkriege und Deutschlands Rolle darin vergisst, begleitet vom Verlust jedes Anstands und jedes Respekts gegenüber Menschen, die keine Deutschlandfarben tragen bzw. schlimmer noch gegenüber solchen, die genau so doof sind, aber zufällig halt die Farben einer anderen Nation tragen. Merken Sie, dass ich nicht „Land“ schreibe, sondern „Nation“? Man darf sich ruhig bewusst machen, dass das Tragen von Schwarz-Rot-Gold ein nationalistisches Verhalten ist, das heißt ein Abgrenzen und Erhöhen des eigenen „Volkes“ gegenüber allen anderen. Genau so wie die Vorberichtserstattung und die Kommentare beim ersten Deutschlandspiel. Wie überhaupt kein Zweifel daran zugelassen wurde, dass Deutschland Gruppensieger werden MUSS. Und wie es praktisch nur darum geht, zu klären, wie hoch Mexiko am Ende verlieren wird. Was für eine unsympathische Haltung. Kann man nicht einfach mal ein bisschen demütig sein? Vielleicht spielen die anderen ja auch gut? Vielleicht hatte Deutschland 2014 einfach auch eine große Portion Glück? Vielleicht lässt sich mit dem Begriff „Turniermannschaft“ doch nicht gleich jeder Zweifel an einer Mannschaft und einem Trainer wegwischen? Furchtbar, diese Überheblichkeit. Und wo wir gerade dabei sind: Die ganze Veranstaltung finde ich auch daneben. Zumindest, solang sie von der FIFA organisiert und dann ausgerechnet von Russland veranstaltet wird, so richtig schön mit Gazprom- und Qatar-Airways-Werbung an den Banden. Aber das wirklich Allerallerallerschlimmste ist, dass WM auch immer heißt, dass ich beinahe täglich irgendwo Matze Knops Gesicht sehen muss, wenn er wieder „Comedy“ macht und Fußballer „parodiert“.
Rechts: Und dann bin ich nach Tschechien gefahren, Böhmische Schweiz heißt das, glaube ich, wobei ich noch nie kapiert habe, warum alles mit Bergen immer gleich eine Schweiz sein soll, wo die Schweiz doch ganz woanders liegt und im Vergleich zum Himalaya jetzt auch nicht soooo bergig ist, was erklären würde, warum der Himalaya nicht „Nepalesische Schweiz“ genannt wird. Was mir auffiel: Je weiter man von Dresden aus mit dem Zug Richtung Grenze, also in meinem Fall Richtung Hrensko, fährt, desto deutlicher wird die indirekte Proportionalität aus schwindendem Handy- und Internetempfang und gleichzeitgem Anstieg von menschlicher Dummheit in Form von übelsten Mitfahrer*innengesprächen oder auch dem Tragen von Thor-Steinar-Klamotten. Dabei ist es dort wunderwunderschön. Aber nein, alle haben Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird, dass „dor Tscheche“ nachts über die Berge kommt und Häuser anzündet und und und.


Links: Wandern mit den Boys von Sax Royal, wie wir es zuletzt vor ganzen drei (!) Jahren gemacht hatten. Wandern ist zwar nicht ganz so mein Ding, aber zwischendurch gibt es dann immer Gulasch, das halte ich für einen guten Kompromiss. Mein Handy sagt, dass wir knapp 16 Kilometer gelaufen sind und 80 Stockwerke überwunden haben. Ich weiß nicht, ob das viel ist, auf jeden Fall hat es nur knapp vier Stunden gedauert. Keine Ahnung, ob ich das doppelte laufen könnte, denn dafür müsste ich es ja erstmal wollen. Und dazu fehlt mir echt noch dieses gewisse Etwas, von dem ich nicht weiß, was es ist. Aber ich glaube, man bekommt es automatisch irgendwann Mitte 30, wenn man Wandern plötzlich cool findet und dann die Outdoorläden stürmt, um lauter supplies zu kaufen, nur um schon vor der ersten Wanderung überhaupt besser ausgerüstet zu sein als Profiwanderer*innen. Gibt es professionelles Wandern? Weniger interessant das erste Deutschlandspiel kann es ja kaum sein. Auf jeden Fall ist es nicht so meins. Ich würde mir zum Beispiel lieber eine Stadt angucken und dann halt gezielt mal irgendwo hochlaufen denn irgendwelche abgespaceten Runden zu laufen, bei denen ich nie weiß, warum ich es tue. Das ist ja schon beim Schreiben so. Ich kann nicht einfach anfangen, wenn ich nicht weiß, worauf das am Ende hinauslaufen soll. Und Wandern kann mir so eine Frage einfach nicht beantworten. Warum Wandern? Ja weil halt. Okay, danke für gar nichts. Wenn es wenigstens irgendeine instagramtaugliche Aussicht von irgendeinem Berg oder so gabe, dann meinetwegen. Aber nur um den Laufens Willen, weil man sich irgendwas beweisen will? Das geht bei mir sowieso schief. Das letzte Mal, als ich mir etwas beweisen wollte, habe ich zwei WM-Macs gegessen und vier Stunden später lag ich im Krankenhaus, weil man mir den Bauch aufschneiden wollte. Ach, mir soll’s wurscht sein oder wie ich es philosophisch ausdrücken würde: Tut was ihr wollt, ihr Menschen, aber nervt nicht damit. Und wenn doch, dann endet es halt wie auf dem Foto links.
Rechts: Max mit seinen Wanderstöcken, die er unterwegs auserkoren hat, ihn von nun an für immer zu begleiten. Den rechten hat er am Ende sogar mit zurück nach Dresden genommen, wo er sich damit gegen Wutbürger*innen verteidigen will. Freilich erst, nachdem er die große Kampfkunst erlernt hat.


Links: Damit nicht zu viel Freizeitgefühl aufkommt, haben wir doch ein ganz kleines bisschen Business gemacht und mal mein neues Buch durchgestrichen. Wie es ankam, illustriert Max‘ Comic rechts.
Na gut, so schlimm war es nicht. Aber ich musste wieder einmal einsehen, dass man so ein Buch vielleicht doch ein paarmal überarbeiten muss, auch wenn ich nach wie vor überzeugt bin, dass es bereits perfekt ist.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

1 Kommentar

Kommentar verfassen