Kommentare 1

A Week in Pictures 24/2017

Traditionsgemäß wäre heute eigentlich der Tag, an dem es direkt wieder woanders hingeht, so war es zumindest in den letzten vier Wochen. Aber wie es aussieht, bleibe ich jetzt wohl erstmal einmal hier. Ist auch okay. Immerhin riskiert man beim Unterwegssein, ab und zu mal mit dem Fernbus zu fahren und das ist an Schrecklichkeit praktisch kaum zu überbieten. Leute, es ist 2017 und wir fahren mit Wildfremden, die nach zehn Minuten einschlafen mit einem mit dem Kopf auf der Schulter liegen, während ihr Mund offen steht und daraus der Geruch des Todes nach außen dringt, in einem viel zu engen Bus stundenlange Umwege über die Autobahn, nur weil das 10 Euro billiger ist als einfach den ICE zu nehmen. So habe ich mir die Zukunft nicht vorgestellt. Die Liberalisierung des Verkehrs ist eine tolle Sache, aber wenn man auf untersten Stufe der finanziellen Trittleiter steht, dann rieselt von oben nicht als Dreck nach unten und wenn man hoch guckt, sieht man nichts als Ärsche. Das alles wäre noch aber noch verkraftbar, wenn sich die Massen wenigstens zusammenschließen würden, um gemeinsam gegen das Unrecht zu kämpfen! Speedy Boarding für alle! Aber stattdessen herrscht da unten der erbittertste Konkurrenzkampf, den man sich vorstellen kann. Falls Sie es nicht glauben, dass versuchen Sie mal, erst fünf Minuten vor Abfahrt beim Fernbus anzukommen. Oder beim Aussteigen ganz entspannt an ihr Gepäck zu kommen, ohne dass es bereits irgendein Wilder auf die Straße geschleudert hat, weil er unbedingt an seinen eigenen Koffer kommen musste. Oder ohne dass irgendein Opa schon mit dem Knie auf dem eigenen Rucksack hockt, in dem man den eigenen Laptop schlummern weiß, der jetzt wahrscheinlich durchgebrochen ist und natürlich würde es dieser Opa auch nicht einsehen, für den Schaden aufzukommen, denn immerhin hat man drei Sekunden gebraucht, um aus dem Bus zu steigen, ehe man beim Gepäck war. Und dieser Konkurrenzkampf herrscht, weil jede*r eingetrichtet hat, dass man nur dann Erfolg haben kann, wenn man nicht nach links und rechts guckt und nur an sich selbst denkt, weil alles andere das eigene Vorankommen verlangsamt. Ja, so etwas denke ich, wenn ich Fernbus fahren muss.


Merke: In Kroatien niemals auf die glorreiche Idee kommen, irgendeine Strecke per Fahrrad zurückzulegen. Es funktioniert nicht. Also es funktioniert schon, aber man wird halt ständig von den vorbeibrausenden Autofahrer*innen ausgelacht, die mit wehenden Haaren an einem vorbei brettern und mit den Fingern auf die Bäche aus Schweiß zeigen, die einem sämtliche Klamotten mit hübschen Salzrändern verzieren. Denn das Problem ist, dass so ziemlich jede Straße alle 50 Meter einen Höhenunterschied von gefühlt siebzigtausend Metern überwindet und so als kartografisch betrachtet 50 Metern schnell mal gefühlt acht Kilometer werden. Und dann kommen ja auch noch diese 17 Kurven dazu, die sich alle zehn Meter um irgendeinen anderen Berg schlängeln. Und à propos schlängeln: Am Straßenrand hüpfen auch des öfteren fiese Schlangen herum. Und wenn man Pech hat, dann sieht man irgendwo auf einer Straße auch mal, was für Exemplare dort so in der Gegend herumkrabbeln. Gefühlte zehn Meter lang, Durchmesser wie ein Kinderhandgelenk, aber glücklicherweise von lachenden Autofahrern überfahren worden. Überhaupt hatte ich spätestens, seit ich gesehen habe, wie am Ferienhaus ein Tausendfüßer eine Fliege erstochen hat, das Gefühl, dass Kroatien so eine Art heimliches Australien ist. Überall lauern Tiere, die einen umbringen wollen. Laut Wikipedia tut der Stich eines Tausendfüßers unendlich weh, der Schmerz strahlt durch den ganzen Körper, ist aber immerhin nicht tödlich, na vielen Dank auch! Aber dafür gibt es ja bspw. die Schwarze Witwe, die angeblich gern mal in diesen hübschen Steinmauern, die es _überall_ gibt, wartet und einen dann totbeißt, während man sich vom Fahrradfahren ausruht. Wie oft ich in der ersten Woche auf genau solch einer Mauer gesessen habe. Und wie nervig es war, den ganzen restlichen Urlaub nur noch zu stehen, weil 1) im Schlafzimmer irgendwo hinterm Schrank der Tausendfüßer lebte und 2) sitzen wegen der Schwarzen Witwe viel zu gefährlich geworden war. Fest steht, dass ich in Zukunft entweder nie mehr googlen darf, wo ich hinfahre, oder einfach zu Hause bleibe. Ein Glück, dass es zumindest an den Stränden, an denen wir uns bewegten, keine Quallen gab. Ich wäre sofort wieder abgereist.
Obiges Bild entstand übrigens auf dem Rückweg von Pučišća, einem Ort, der bekannt dafür ist, dass man seinen Namen erst beim vierten Versuch richtig ausspricht. Putschischtza, also glaube ich. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon längst aufgehört, überhaupt zu versuchen, die Steigungen nach oben zu fahren, sondern verließen uns lieber auf das gute alte Schieben. Aber der Ort an sich ist sehr sehr schön, eine hübsche Hafenstadt mit einem Hafenbecken, durch das man vermutlich sogar durchschwimmen kann, wenn man zwischendurch riskieren will, von irgendeinem Boot umgefahren zu werden. Dazu schöne Cafés mit Bedienungen, die so gruselige Dinge sagen wie „Sie sind aus Deutschland? Aaaaah! Und die Kinder sind zu Hause!“ Hin- und Rückweg sind quasi gleichermaßen grausam, wenn man sie per Fahrrad zu bezwingen versucht. Entweder man muss stundenlang (im Endeffekt fährt man nur eine Stunde, aber es fühlt an wie eine Woche) Berge erklimmen oder man saust stundenlang bergab, was so lange großartig ist, bis man auf den Gedanken kommt, dass man diesen Weg ja auch wieder zurück muss. Aber es lohnt sich, ja. Und am allerbesten ist, wenn man dann wieder zurück ist und ermattet neben dem Bett stehen kann, während der Tausendfüßer hinterm Schrank seine Zähne fletscht, oder was auch immer der hat.


Audio88 und Yassin, schon wieder. Wobei das jetzt klingt, als wäre es eine Beschwerde. Dabei darf man die ruhig mehrmals sehen.
Nicht im Bild: Lesebühne bei eben jenem Campusfest.
Auch nicht im Bild: Weltuntergang bei der Rückfahrt. Wozu hat so ein Auto überhaupt Licht, wozu gibt es Straßenlaternen, wenn sie dann im Fall der Fälle absolut nichts bringen? Auf jeden Fall hat sich diese Fahrt direkt in die Top 5 der schrecklichsten Fahrten ever gespielt. Noch dazu, wenn man versucht, aus Halle rauszufahren und dann plötzlich beide Autobahnauffahrten gesperrt sind, obwohl man noch ein paar Stunden zuvor genau dort in die Stadt reingefahren ist. Aber vielleicht ist das ja Gang und Gäbe in Halle, dass da einfach nach 18 Uhr alle Straßen, die aus der Stadt rausführen, geschlossen werden, damit wenigstens bis zum nächsten Tagesanbruch das Wanderungssaldo gleich bleibt.


Endlich wieder Against Me! Zwar schon wieder ohne mein Lieblingslied, aber was soll’s. Dafür kann man trotzdem mal nach Dresden fahren. Auch wenn sich der meteorologische Weltuntergang direkt fortsetzte und der Weg zur Konzertlocation sich anfühlte, als fahre man ins Dresdner Nichts (was, zugegeben, große Teile der Stadt auch sind) und dann ist man dort und überall sind total schöne Hallen und es sieht aus, als entstünde hier gerade der nächste Dresdner In-Bezirk (und damit praktisch auch der einzige nach der Neustadt), ehe man bemerkt: Ach, das ist ja quasi der obere Zipfel der Neustadt. Und auch die Konzerthalle: Supergut, nur gibt es Probleme mit der Bierzufuhr, was wir mal niemandem ankreiden wollen, kann ja mal passieren, dass die Zapfanlage streikt. Nur vielleicht, dass man dann nicht parallel dazu das langsamste Barpersonal der Welt beschäftigt, sodass man für ein Getränk mal locker 15 Minuten ansteht, das darf man ruhig mal anmerken, auch wenn das ein bisschen rentnermäßig klingt. Aber ist doch doof, wenn man deshalb mal ein gutes Drittel Touché Amoré verpasst. Egal, denn es sind ja sowieso die meisten für Against Me! da und weil man lebensmüde ist, versucht man mal, sich direkt vorn hinzustellen, obwohl man damit riskiert, vom moshpit gefressen zu werden. Aber dann: Oh Wunder, das Publikum ist ziemlich zahm, was okay ist für den eigenen Rücken, aber dann auch wieder ein bisschen schade fürs Gefühl. In der ersten Reihe stehen hauptsächlich kleine Mädchen, deren Väter alle 20 Minuten mit einem Becher Cola vorbeikommen, damit die liebe Tochter nicht dehydriert und irgendwie will der Funke nicht so ganz überspringen wie bspw. im Island, wo man bis zur zehnten Reihe einfach nur riskiert, jede Sekunde umgeboxt zu werden, weil alles komplett eskaliert. Aber so ist das halt. Sowieso keine Ahnung, warum die jetzt noch einmal so kurz nach Leipzig in Dresden gespielt haben, aber natürlich wird das mitgenommen. For the record und so, die Kür kommt dann hoffentlich bald wieder in Leipzig. Auch sehenswert: Eine kleine Doku über Against Me! bei House of Strombo inkl. Minikonzert. Und gleich danach gucken: The Kills ebenda.


Oben: Symbolfoto Georg-Schwarz-Straßenfest. Fazit: Die Sachsenbrücke mal etwas Richtung Westen verlagert. Wobei man gegen die Sachsenbrücke sagen kann, was man will, aber immerhin gibt es dort nicht so viele Kinder. Wobei, keine Ahnung, ich war da schon ewig nicht mehr, weil ich dafür zu wenig Influencer bin, keine neckischen Pappschnurrbärte auf Instagram benutze und viel zu wenig Fotos mit meiner Girl Gang poste. Oh, oh, das klang frustriert. Sollte es nicht. Ich bin nur einfach nicht der Typ für Hipsterflohmärkte. Mir reichen Musik (gern solche, wo die Leute dann fragen: „Mühlheim Asozial, ist das jetzt Köln oder das Mühlheim an der Ruhr?“) und Rumsitzen, ganz ohne dabei rein zufällig im Hintergrund irgendeinen Laden oder eine Marke abzulichten. Aber das ist ja nur persönliche Präferenz. Aus networking-Perspektive mache ich jedenfalls alles falsch. Dafür habe ich aber immerhin niemals Snapchat benutzt, worauf ich ein bisschen stolz bin. Vielleicht bin ich einfach ein bisschen verbittert (das sowieso, aber Moment), weil hinter solch einen Straßenfest die Realitäten der Straße an sich immer zurücktreten müssen. Dass zum Beispiel das eine alte, wunderwunderschöne Haus, in das ich sofort einziehen würde, schon längst verkauft ist, seine Bewohner*innen alle zum Ende des Monats raus müssen und das ganze Ding dann mal so richtig schick gemacht wird, damit man dort endlich mal richtig viel Miete kassieren kann (wenn nicht sogar gleich Eigentumswohnungen draus gemacht werden). Und das nirgendwo Transparente über Plakate zum Thema hängen, weil die machen sich auf Instagram einfach nicht so geil. Also mir schmeckt mein Craft Beer dann immer nur noch halb so gut. Aber ich trinke auch gar kein Craft Beer.
Was definitv fehlt: Ein Eisenbahnstraßenfest. Mit Holzlattenschnitzen für die Kleinen, stündlichen Show-Überfällen, veganen Crystal-Ständen und Junkies zum Anfassen.
Unten: Später am Abend.
Nicht im Bild: Auf der „Ille“, was auf Jugendsprache so viel heißt wie „Open Air“. Und dann der ewig lange Rückweg, der mir erst am nächsten Tag bewusst wurde, als ich die Machete, das Zelt und die Tierfelle neben dem Bett fand, mit denen ich offensichtlich kurzzeitig mein Leben in der Wildnis bestritt.


Selbstvergewisserungsselfie aka Mit dem richtigen Licht gehe ich als Bodybuilder durch.
Nicht im Bild: Beinahetod durch zuviel Grillgut. Pretty Little Liars Staffel 6 (Spoiler: Es wird alles immer absurder. Alison, die durchtriebenste, manipulativste Person ever ist Lehrerin? Und wie kommt es, dass die Mädchen neuerdings alle arbeiten und trotzdem die ganze Zeit frei haben? Wieso läuft Sarah noch frei rum, obwohl sie jahrelang CCs Komplizin war und mehrmals versucht hat, die Mädchen umzubringen? Und die aller drängendste Frage: Wieso haben es die Mädchen nach SECHS STAFFELN immer noch nicht gelernt und gehen immer noch gemeinsam in irgendwelche mysteriösen Räume, wo dann ZUFÄLLIG die Tür hinter ihnen zufällt, sodass sie eingesperrt sind? Grr!) und sonst eigentlich nichts. Jetzt aber mal dieses Dings schreiben.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

1 Kommentar

Kommentar verfassen