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A Week in Pictures 23/2018

Geht es eigentlich nur mir so oder wundert sich sonst noch jemand, was das wohl ist, was spät abends oder nachts draußen manchmal so laut knallt? So als ob in irgendeinem Lager etwas extrem Schweres umgefallen wäre. Oder irgendwas von einem Kran heruntergekracht wäre. Ist das tatsächlich irgendwas Industrielles oder was ist da los? Vielleicht sind das ja auch irgendwelche Überschalljäger, die just in dem Moment, wenn sie hier überm Viertel sind, die Schallmauer durchbrechen? Das soll jetzt hier eine Chemtrail-Verschwörungsfrage sein, es interessiert mich einfach. Ist mir auch egal, was es ist, schlimmer wäre eigentlich nur, wenn ich der Einzige wäre, der es hören würde. Denn dann wäre ich wohl oder übel endgültig verrückt geworden.


Hatte ich nicht gesagt, dass ich nie wieder über die SPD schreiben will? Nun ja, vielleicht es so, wie es in Fight Club hieß: Man hat da diese winzige, eingerissene Stelle im Mund, die sofort verheilen würde, wenn man nur aufhören könnte, ständig mit der Zunge daran herumzufummeln, um zu prüfen, ob sie denn schon abgeheilt ist. Um es mal deutlich zu sagen: Wie kann man eigentlich so doof sein? Ja ja, meinetwegen sollte es Satire sein, aber was für eine schlechte ist es dann im Endeffekt geworden? Davon abgesehen, dass ich es für den noch größeren Unsinn halte, ausgerechnet Andrea Nahles zu verteidigen. Als ob die Frau es nicht auch alleine schaffen würde, sich zu demontieren. Da muss nicht erst noch irgendein Leipziger Lokalpolitiker kommen, der den Karren noch tiefer in den Dreck fährt, weil er Rückwärts- und Vorwärtsgang verwechselt. Ganz ehrlich, ich verstehe es langsam nicht mehr, was in dieser Partei los ist. Anscheinend gibt es mittlerweile wirklich keine Linie mehr, überall liegen Leute auf dem Rücken und strampeln wahllos vor sich hin. Aber hey, ich verstehe den Move der SPD. Es ist ein sehr dummer Move, aber ich verstehe ihn. Zwar hat es noch nie geklappt, Nazis dadurch zu entmachten, dass man ihre Politik kopiert, aber hey, wenn ich mir absolut keine Mühe geben will, eine Situation zu analysieren, dann ist das natürlich die allerallererste Idee, die einem in den Sinn kommt. Und wenn einem das ausreicht, dann kann man das so machen. Wird halt Quatsch, aber das merken die Lellecks von der SPD ja gerade selbst. Wobei, nein, sie merken es natürlich nicht.
Schade jedenfalls, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen da seit einiger Zeit so brav mitmachen. In den Talkshows geht es nur noch um den bösen bösen Islam (Bei Deutschlandfunk gibt’s übrigens eine schöne Rubrik, in der regelmäßig eine Sure des Korans gelesen und anschließend erklärt wird), die gefährlichen Killer-Geflüchteten und so gut wie nie um so Fragen wie: Warum wird Wohnen immer unbezahlbarer? Wieso vergrößert sich die Armutsschere, wenn wir doch so super wirtschaften? Wie kann es sein, dass Nazis jahrelang im Untergrund vor sich hin morden und nichts passiert? Aber nein, stattdessen wird ausgerechnet Unterwerfung von Houellebecq verfilmt, sein mit Abstand schlechtestes Buch überhaupt. Dessen einziger Erfolgsgarant es war, dass es einen Tag nach Charlie Hebdo veröffentlicht wurde, obwohl es im Vergleich zu Houellebecqs anderen (wirklich tollen) Büchern maximal eine Fingerübung ist, die leider erahnen lässt, dass der gute Mann langsam aber sicher in die alte, weiße, verbitterte Nationalist*innenecke abgedriftet ist. Kurze Inhaltsangabe, die zugleich auch meine Kritik ist: Es geht um einen Uni-Professor, der sexuell frustriert ist und mit ansieht, wie eine islamistische Partei völlig legal die Macht in Frankreich übernimmt. Zuerst weigert er sich, zu kooperieren, aber als er dann sieht, wie all seine früheren Kollegen plötzlich fünf Frauen und unheimlich viel Geld bekommen, da knickt auch er ein und macht mit. Das ist so typisch alt und weiß und kleinbürgerlich, dass es eigentlich kaum ernst gemeint sein dürfte. Aber naja. Und dann läuft also dieser Film in der ARD, der es natürlich auch nicht schafft, das mittelmäßige Buch gut zu machen und weil die deutschen Polittalkshows so mega-investigativ sind, diskutiert Frau Maischberger im Anschluss worüber? Genau: Über gefährliche Geflüchtete und den bösen Islam. Und ob wir denn auch bald vom Islam überrollt werden. Bravo. Wenn ihr wenigstens darüber gesprochen hättet, was für ein schreckliches Frauenbild die Hauptfigur schon vor dem Wahlsieg der Islam-Partei hatte. Oder darüber, wie die Figur vollkommen ohne Ideale und nur zum eigenen Vorteil agiert. Dass es in dem Buch vielleicht eher um bedingungslosen Egoismus geht und man die Islam-Partei problemlos gegen egal was hätte ersetzen können. Und dass dieses Abgehen auf die Anti-Islam-Haltung schon Beweis genug dafür ist, worum es bei der Diskussion, dem Film und der Ausstrahlung überhaupt ging: Befindlichkeiten zu bedienen, die angeblich „das deutsche Volk“ umtreiben. Obwohl es am Ende doch nur stumpfsinniges Kopieren von AfD-Rhetorik ist, ohne sich wirklich damit auseinander zu setzen, was es heißt, dass es Flucht gibt, wer daran schuld ist und wie man damit umgeht, dass sich Gesellschaften vermischen, was es für Grundwerte gibt und wie man versuchen sollte, zusammen zu kommen, statt sich von Anfang auf Basis von Vorurteilen an voneinander abzuschotten.


Links: Leipzig in Trümmern. Ich bin ja vor Unzeiten mal auf Wutanfall, die Leipziger DDR-Punkband, gestoßen, als ich nach Songs über Leipzig für die Weltnest-Kolumne gesucht habe. Und es ist witzig, wie man doch immer wieder über die Leute stolpert. Erst mit der Ausstellung in der KUB und dann jetzt in der Runden Ecke. Ganz nette Ausstellung. Bisschen klein und manchmal sind die kopierten Schreibmaschinenseiten etwas schwer zu lesen, aber interessant ist es natürlich trotzdem. Vor allem, weil man sich gar nicht vorstellen kann, wie viel Repression die Bandmitglieder teilweise aushalten mussten. Da kommt dann halt fast jede Nacht irgendein Volkspolizist unangekündigt bei dir zu Hause vorbei, droht dir Prügel oder versucht einfach nur verbal, dich einzuschüchtern. Und dann wirst du auch noch zweimal wöchentlich vorgeladen, weil man wissen will, wo wann warum und wie ihr das nächste Mal spielt und überhaupt kriegst du ständig Stress, egal wo du bist. Richtig krass fand ich aber, dass es in der Band zwei IMs gab, die nichts voneinander wussten. Und dass sich die Band Mitte der 80er quasi auflöste und erst 1990 die ganze IM-Sache herauskam. Ich glaube, ich hätte zu diesem Zeitpunkt das Vertrauen in die Menschheit komplett verloren. Und ich kann total nachvollziehen, dass manche Leute einfach nicht wissen wollen, von wem sie bespitzelt wurden. Auch wenn ich der Meinung bin, es müsste unbedingt öffentlich werden, weil es absolut asozial ist. Ja ja, ich kann mir schon vorstellen, dass das viele auch nicht freiwillig gemacht haben und vor allem selbst heftig unter Druck gesetzt wurden. Aber vielleicht habe ich dafür einfach zu viel Breaking Bad geguckt. Da verraten sich die Drogenleute auch nicht untereinander, auch wenn sie sich hassen und von der Polizei zur Identifikation einander gegenüber gesetzt werden.
Rechts: Und dann kommt mal der FC Bayern zum B-Junioren-Bundesliga-Endrunden-Halbfinal-Rückspiel (tolles Wort!) und führt mal eben vor, warum es da doch noch einen Unterschied gibt. Schade jedenfalls. Ich hätte nicht erwartet, dass es einfach wird, jemanden wie Bayern zu schlagen, aber auch nicht, dass man so sang- und klanglos gegen sie untergeht. Auf jeden Fall kann ich den Wutanfall-Bildband empfehlen!
Nicht im Bild: Das U16-Spiel am Samstag. Reden wir auch darüber lieber nicht.


Links: Kleine Pause am See. Schön. Auch wenn ich es nicht verstehe, wie Leute einfach jeden Tag den ganzen Tag am See abhängen und nichts machen können. Also absolut nichts. Nichtmal ein Buch lesen. Oder wasweißichwas machen. Einfach dasitzen und aufs Wasser starren. Gut, meist haben diese Leute dann auch eine Flasche Rum und eine Flasche Eistee dabei, aber das meine ich ausnahmsweise gar nicht. Ich weiß nicht warum, ich bin weder kirchlich noch irgendwas, aber was die protestantische Arbeitsmoral angeht, da wäre Max Weber stolz auf mich gewesen. Oder vielleicht bin ich einfach nur nervös. Nein, bin ich nicht. Das wurde mir früher immer gesagt, wenn mir langweilig war und ich versuchte, etwas zu finden, mit dem ich mit beschäftigen konnte, bevor mein Kopf in den Verzweiflungsmodus wechselt. Dann hieß es immer: Sei nicht so nervös! Fakt ist, wenn ich nichts tue, dann wird mir binnen fünf Minuten extrem langweilig. Dann hilft nur, mir etwas zu suchen, womit ich mich beschäftigen kann (im Zweifelsfall Twitter oder ein Buch), auf der Stelle einzuschlafen und die Langeweile auf diese Weise auszutricksen oder ich muss dringend weg. Das ist genau so, wie ich nicht verstehe, wie sich Leute eine Woche lang jeden Tag mit jemandem treffen können. Spätestens an Tag 2 wäre mein Sozialakku alle und ich müsste erstmal ganz dringend allein sein und einen halben Tag lang vor mich hin slacken. Ist einfach besser für meine geistige Gesundheit. Und wenn ich eine Sache immerhin ziemlich gut weiß, dann ist es, wie ich funktioniere. Wenn es irgendetwas zu erledigen gibt und es kommt einfach immer etwas dazwischen, sodass ich diese Sache nicht erledigen kann, dann werde ich wahnsinnig. Dann nervt es mich, vor mir selbst da zu stehen, als wäre ich unfähig, das hinzubekommen. Und dann muss ich es ganz dringend erledigen, um es mir selbst zu beweisen, dass es nicht so ist. Meine Güte, irgendwann wird es im Psychologie-Lehrbuch bestimmt ein eigenes Kapitel über mich geben.
Rechts: Der 18 (!) Meter tiefe Brunnen. Da möchte man nicht hineinfallen. Zwar ist da unten Wasser drin, aber sicher nicht so viel, als würde man sich nicht trotzdem die Beine brechen, wenn man da unten ankommt. Und ehe man da ankommt, schlägt man auf drei Querstreben auf, die einem vermutlich sowieso schon alles zertrümmern. Ideal also, um Feinde loszuwerden.


Links: Und dann find es tatsächlich endlich mal an zu regnen. Hätte ich mir vor zehn Jahren erzählt, dass ich mich darüber mal freue, ich hätte meinem Zukunfts-Ich vermutlich eine Lindenstraße-DVD-Box geschenkt, um es zu ärgern. À propos: Ich habe letztens endlich diese eine Serie wiedergefunden, die ich schon seit Jahren gesucht habe. Eigentlich geht es nicht mal um die Serie, sondern nur um eine Folge. Und zwar hatte ich die irgendwann in der fünften, sechsten Klasse mal in den Ferien bei meiner Oma gesehen. Es ging um eine Ermittlergruppe, deren Mitglieder alle sehr jung sind und einer Gruppe Sprüher auf den Versen sind. Und alles, was ich davon noch wusste war, dass es eine Szene gab, in der die Sprüher während der Fahrt aus einer S-Bahn aufs Dach kletterten und dort „FAB5“ sprühten. Okay, die Recherche hat ein paar Jahre gedauert, aber jetzt weiß ich die Antwort: sk-babies, Folge 2: Fahrkarte in den Tod. Ich finde alles! Irgendwann! Ja, ich weiß, dass das ein bisschen peinlich ist. Aber ARD-Vorabend- und 90-Serien sind die einzige Form von Nostalgie, die ich mir erlaube. Irgendwie ist mir das letzten aufgefallen: Wie nostalgisch die meisten Leute sind. Und dann verklären sie immer alles Vergangene und tun so, als wäre das Jetzt überhaupt nichts wert. Ich weiß nicht, ich vermisse nichts und wenn ich es mir aussuchen könnte, dann gäbe es, glaube ich, keinen Zeitpunkt, an den ich zurückkehren wollen würde. Nicht, dass alles Mist war, aber ich vermisse nichts. Aufs Schreiben bezogen ist es sogar noch krasser: Da würde ich auf keinen Fall früher zurückwollen, denn dann wüsste ich gar nicht, worüber ich schreiben sollte.
Rechts: Der Wuschelhund.

Was fehlt:

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