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A Week in Pictures 22/2017

Manchmal ändert sich etwas und man weiß gar nicht, warum. Man hat das schon bei anderen erlebt, sich damals aber nur so äußerst eloquente Sachen gedacht wie: „Höh? Wtf? Wasgehdn? Würdchniemachen!“ und dann nicht weiter drüber nachgedacht. Und dann geht das eine ganze Weile, in der man gar nicht auf den Gedanken kommt, ehe er plötzlich da ist und sich nicht mehr verrücken lässt. Weil er alles andere überschattet und damit schwieriger macht, langsamer und lähmender. Weil’s dann vielleicht einfach richtig ist. Oder vielleicht auch falsch, aber eben trotzdem notwendig. Weil warum denn auch nicht. Ich fand und finde es seit jeher eher komischer, wenn Leute fünfzig Jahre lang das Gleiche machen. Dann wenigstens hoffentlich, weil’s ihnen wirklich und immer noch am Herzen liegt. Das ist beneidenswert. Wenn es aus reiner Gewohnheit ist, dann ist es traurig. Außer Rasenmähen und Abwaschen. Das werde ich vermutlich für immer cool finden. Schon damals, als ich zum ersten Mal Forest Gump gesehen hatte, da habe ich mir fest vorgenommen, dass ich, wenn ich einmal unendlich reich bin, auch jedes Wochenende irgendwo kostenlos den Rasen mähen werde. Irgendein Fußballfeld vielleicht, weil da muss man einfach immer nur hin und her fahren und kann in Ruhe dabei nachdenken, was man denn gern als Nächstes umschmeißen möchte. Naja, kann man schlecht beschreiben. Oder kann man schon, aber dann müsste man bei Karte und Gebiet klauen.

„Er war dabei, die Arbeit von Monaten oder gar Jahren zu zerstören.; dennoch zögerte er keine Sekunde. Viele Jahre später, als er berühmt, genauer gesagt sogar außerordentlich berühmt war, sollte Jed mehrfach die Frage gestellt werden, was es in seinen Augen bedeute, Künstler zu sein. Er fand darauf weder eine interessante noch eine originelle Antwort, bis auf eine Sache, die er infolgedessen bei fast jedem Interview wiederholte: Künstler zu sein bedeute in seinen Augen, sich zu unterwerfen. Sich rätselhaften, unvorhersehbaren Botschaften zu unterwerfen, die man in Ermangelung eines besseren Begriffs und ohne jeden religiösen Glauben als Intuitionen bezeichnen müsse, Botschaften, die sich dem Künstler trotzdem auf kategorische Weise aufdrängten, ohne ihm die geringste Möglichkeit zu lassen, sich ihnen zu entziehen – außer wenn er auf jegliche Form von Integrität und Selbstachtung verzichtete.“

(Oh je, jetzt sieht er sich schon als Künstler.)


Merke: Autofahren in Irland ist kein Problem. Man darf nur nicht vergessen, das Auto kurz vorm Zurückgeben vollzutanken, sonst darf man nämlich direkt nochmal losfahren. „Sie wissen, wo die nächste Tankstelle ist?“ „Ja, eh, da, eh, irgendwo.“ Und dann los. Erstmal verfahren, nochmal verfahren, dann ist die Tankstelle total voll, man muss anstehen, nur um nach ewigem Warten zu merken: Die anderen stehen gar nicht an. Die parken, weil die Zapfsäule defekt ist. Na prima. Also nochmal zurücksetzen und woanders anstellen. Und dann wieder zurück. Nein, keine Unfälle. Keine Kratzer. Ich kann ja nicht viel, aber aus irgendeinem Grund gehört Autofahren dazu. Dann mit dem Shuttle zurück zum Flughafen. Und wieder mit dem Bus in die Stadt. Ich hatte Dublin ja nicht so voll in Erinnerung. Dafür aber tatsächlich spektakulärer. Vielleicht sollte man nicht kurz vorher in Galway sein, denn das ist wirklich angenehmer. Rumlaufen und Döner suchen. Ja ja, large bitte. Und dann noch überlegen, ob das denn auch reichen wird und schon mit den Cheese Fries liebäugeln. Nur um dann fast zu platzen. Bester Satz des Tages: „Oha. Ich glaub. Ich schaff’s nicht. Scheiße.“ Diese schöne Ostmentalität, die sich bis in die Gegenwart gerettet hat. Besser es geht einem schlecht, als dass man nicht aufgegessen hat. Dann noch ein bisschen Betrunkene gucken. Beziehungsweise deutschen pick up artists beim Scheitern zusehen. Dabei gelernt: Frauen wollen keine nice guys. Wenn du nice guy bist, hast du verloren. Frauen wollen Machos. Wobei das eigentlich unerheblich ist, denn eigentlich muss man Frauen nur Wodka und Tequila geben und schon kann man sie mitnehmen. Leider hindert einen die Ostmentalität ja auch daran, dass man, obwohl man kurz vorm Platzen ist, das Essen auf jeden Fall im Magen behalten will, sodass man die selbst ernannten Frauenhelden nicht einfach ankotzen kann. Obwohl sie das zweifelsohne verdient hätten.


Symbolbild: Dublin ist teuer. Also kommt drauf an. Im Vergleich zu den ganzen Kleinstädten ist Dublin an den richtigen Ecken fast schon vergleichsweise billig, wenn der Vergleich auch ein wenig hinken mag. Beispiel: In jedem Pub bekommt man Bar Food, bspw. Fish & Chips. Die kosten in den kleineren Städten eigentlich immer zwischen 12 und 15 Euro. In Dublin auch, nur gibt es dort nebenan noch vier weitere Läden, wo man Fish & Chips auch für 7 oder 5 Euro bekommt. Jetzt liegt natürlich die übliche Dönerfrage nahe: Sollte man Döner für 1 Euro wirklich essen? Man erinnere sich da an den einen auf der Jahnallee? Antwort: Natürlich! Es ist Döner, man! Hab ich ja auch gemacht. Und überlebt. Hach, da erinnere mich doch gleich wieder an diesen großartigen Nachmittag, als „Abenteuer Leben“ meinen damaligen Dönerladen-of-choice besuchte und der Dönermann extra für diesen Anlass einen monströsen Dönerspieß basteln ließ. Und weil der nicht alle wurde, hat er am nächsten Tag einfach riiiiesige Döner für 1,50 Euro verkauft, die praktisch nur aus Fleisch bestanden und am Ende auch fast nur halb so geil waren, weil viel zu viel Fleisch. Trotzdem: Es war so schön. Aber zurück zu Dublin: Geht, wenn man sich zu helfen weiß. Ich bspw. wurde ja sehr schnell großer Freund des Tesco, denn da gibt es vier Bier für 2,64 Euro und vier Dosen Bohnen für 1,50 Euro. Damit ist der Tag dann erstmal gerettet. Aber darüber hinaus: Doch schon teuer. Bier für mindestens 5 Euro ist sowieso überall in Irland Standard. (Flaschenbier für 4,50 Euro …) Und das verleidet einem das Pub-Gehen dann schon ab und zu, sodass es schnell zu einer guten Alternative wird, mit dem Tesco-Bier einfach gegenüber des Pubs zu sitzen, um Leute zu gucken. Aber manchmal macht man es ja doch. Weil ist ja Urlaub und so. Aber: Eine 30 cm-Pizza für 20 Euro? Das ist doch Hohn! In Leipzig bekomme ich an den richtigen Stellen für 20 Euro drei 40 cm-Pizzas. Ich frage mich ernsthaft, wie man es bei einem Durschnittslohn von 2.800 Euro Brutto und den immensen Dubliner Mieten die tägliche Pizzabestellung stemmen soll.
Nicht im Bild: Die vielen vielen Obdachlosen in Dublin. Das ist fast schon krass wie in Brüssel.


Und dann waren wir wieder da. Nur um direkt wieder weg zu sein. Und weil wir in Irland irgendwie vergessen haben, Baden zu gehen, musste das dringend nachgeholt werden. Vorbildlich, wie ich nun mal bin, hatte ich natürlich auch genügend Sonnencréme gekauft. Nur hatte ich sie dann halt zu Hause vergessen, weswegen ich die ganze Zeit wie ein Scheich mit einem Handtuch auf dem Kopf herumlaufen musste. Oder wie ein Ewok. Normaler move.
Nicht im Bild: Rasenmähen!


Da war der Urlaubs-Antreh aber wirklich nett! Und die Post verdammt schnell. Ich warte ja immer noch auf meine Karten aus Teneriffa, wobei ich mittlerweile eher glaube, ich habe die Karten damals einfach aus Versehen in einen sehr stylischen Mülleimer und nicht in einen Briefkasten geworfen. Naja, schade drum.
Nicht im Bild: Meine ultrastylischen Druckplatten von der „Punk in der DDR“-Ausstellung, von denen ich nur noch nicht weiß, wo und vor allem wie ich sie aufhängen soll. Ich tue mich ja auch immer so schwer, mit solchen Dingen. Das letzte Bild, das ich aufgehangen habe, hing erst acht Monate, nachdem ich eingezogen war. Naja, dann hab ich ja wenigstens noch ein bisschen Zeit.


Das müssen diese Tiefpunkte sein, an denen sie bei How I met your mother immer direkt eine intervention gemacht haben. Na gut, dann eben Pretty Little Liars. Immerhin stand in der Bravo, dass das die beliebteste Teenager-Serie weltweit ist. Und wenn dem so ist, dann bin ich natürlich Fan. Auch wenn ich es etwas komisch finde, dass die Hauptdarstellerinnen bis auf eine Ausnahme alle fast 30 sind und die Schulszenen dahingehend immer etwas surreal wirken. Überhaupt: Es ist schon ziemlich schlecht. Es passieren andauernd so absurde Dinge, die ich normalerweise sofort aus dem Skript gestrichen hätte, weil sie absolut nichts zur Handlung beitragen. Da läuft die eine Hauptfigur eine Straße lang, ruft ihre Freundin an, sagt: „Hast du schon mal Kaffee bei blablabla getrunken?“ „Nein.“ „Mach’s nicht.“ und legt wieder auf. Das sind schon Sternstunden des Schreibens. Das könnte nicht mal Sami Slimani sinnloser. Aber naja, es kriegt einen doch irgendwie. Auch wenn ich schon jetzt vermute, dass die Erklärung am Ende einfach nur absolut frustrierend sein kann, weil niemand so allmächtig und krass (und gleichzeitig auch unglaublich dilettantisch) sein kann wie „A“. Und diese Berge von Makeup. Und die ständig perfekt sitzenden Haare. Oder wie dann immer mal wieder versucht wird, den Kiddies irgendetwas einzutrichtern, indem eine der Hauptfiguren plötzlich fragt: „Wann haben wir eigentlich zum letzten Mal einen Salat gegessen? Immer nur Frittiertes! Das ist doch Gift für dich!“ Oder dass die Mädchen halt alle bei ihren Eltern wohnen, aber die Eltern irgendwie nie da sind. Und ständig bestellen sie sich essen oder wedeln mit Bündeln von Geldscheinen rum. Oder planen, die Stadt zu verlassen. Bei mir zu Hause gab’s jeden Abend Punkt 18 Uhr Abendbrot, da hätte ich gar keine Zeit gehabt, mit meinen Freundinnen von einem Wahnsinnigen gestalkt zu werden. Ich hätte auch gar nicht jeden Abend irgendwo nachts herum ermitteln können, immerhin musste ich um 22 Uhr zu Hause sein. Noch dazu, wenn am nächsten Tag Schule war. Ach, es waren einfach andere Zeiten, damals bei mir, als das Automobil noch nicht erfunden war.


Wie sagt man so schön: „Du kriegst vielleicht den Jungen vom Catwalk, aber nie den Catwalk aus dem Jungen.“
Kurzes Throwback Richtung Cliffs of Moher. Wirklich gut. Auch zum Trotze dessen, das dort nahe des Besucherzentrums einfach viel zu viele Menschen unterwegs sind. Vielleicht deshalb hängen dort auch überall Schilder von der Telefonseelsorge mit der Aufschrift „Talk to us“, weil man verhindern will, dass sich da dauernd Leute runterstürzen, die von den ganzen Touristen mit ihren Selfiestäben genervt werden. Leider findet man (wie so oft) keine genauen Zahlen über die Zahl der Todesfälle an den Klippen, nur völlig Ungenaues wie „Der Typ im Souvenierladen sagte, maximal 1-2 pro Jahr“ oder „Das ist so krass gefährlich da, da sterben mindestens 30 Leute pro Minute“. Als ob es jemanden davon abhält, dort runterzuhüpfen, nur weil er/sie weiß, wie viele andere das diese Woche auch noch machen. Es ist schlichtweg schlecht fürs Tourismusgeschäft, zu wissen, dass es da ab und zu eine Oma herunterweht, die sie sich unbedingt dabei filmen lassen muss, wie sie direkt an der Kante einen Moonwalk macht, fertig. Ich glaube, es fallen mindestens genau so viele Leute aus Versehen irgendeine der vielen Küstenstraßen runter, weil sie so eng sind oder sie die 100 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung als Mindestgeschwindigkeit missverstanden haben.
Egal. Viel wichtiger an den Klippen: Die Puffins! Also die Papageientaucher. Wobei Puffin natürlich der viiiel bessere Name ist. Die Baby-Puffins heißen übrigens Pufflings. Leider haben wir es nicht geschafft, einen zu klauen. Eine Schande.

Was fehlt:

  • Das „Was fehlt“. Diesmal richtig. Naja, vielleicht so ein bisschen was.
  • Danke, liebe/r Unbekannte/r, der/die das Buch von meiner Wunschliste schickte. Ich hab mich gefreut.
  • Zeitgeist: The Movie gesehen. Den Religionspart fand ich ganz witzig, beim Verschwörungspart bin ich irgendwie ein bisschen vorsichtiger. Aber solang die Doku zur generellen Vorsicht gegenüber Fakten, die man präsentiert bekommt, anregt,
    sei es so.
  • Closer geschaut. Sehr schöner Film. Endlich weiß ich, woher dieses bekannte Natalie-Portman-Bild stammt. Und die Anfangs- resp. Endszene ist ja mal göttlich.
  • Die Entführung des Michel Houellebecq geschaut. Mal wieder. Immer noch so herrlich skurril.
  • „Das ist wirklich das Ungerechteste, das passieren kann.“ – Fuck, fuck fuck.
In Kategorie: a week in pictures

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