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A Week in Pictures 19/2017

Ich mag es nicht, wenn ich dazu gezwungen werde, der bad guy zu sein. Einfach, weil ich zu lange zu nett gewesen bin und die Leute plötzlich alles für selbstverständlich halten. Schlimmer noch, dass sie sogar böse werden, wenn irgendwann mal etwas nicht nach ihrem Willen geht, weil das ging doch sonst auch immer und sie sich mittlerweile schon völlig darauf verlassen, dass es nach ihrem Willen geht. Das ist doch unhöflich! So etwas macht man doch nicht. Ich würde lieber niemals irgendjemanden um einen Gefallen bitten. Schon deshalb, weil es mir zu peinlich wäre, zu fragen und natürlich auch, weil ich mir das Um-einen-Gefallen-bitten lieber aufspare, bis es einmal wirklich wirklich wichtig ist. Und lustigerweise geht es dann ja doch immer irgendwie, obwohl vorher erstmal die Welt zusammengebrochen ist. Und natürlich ich daran bin, obwohl ich mit der ganzen Sache von Anfang an gar nichts zu tun hatte, auch gar nichts zu tun hätte haben müssen aber naja, der Antreh wird das schon machen, der hat das sonst ja auch immer gemacht. Nee! Aber man will ja auch nicht, dass sich plötzlich niemand mehr auf einen verlässt, weil das ist ja auch irgendwie blöd, obwohl man dann immerhin seine Ruhe hat. Vielleicht möchte man eben einfach wertgeschätzt werden. Das heißt nicht, dass da immer direkt eine Schachtel Merci auf der Türschwelle liegen muss, aber man merkt es ja, wenn Leute dankbar sind resp. sie einfach nur content sind, weil alles nach ihrem Plan läuft, selbst wenn der mit einschließt, dass durch ihn die Pläne anderer zerstört werden. Menschen ey. Muss man anscheinend immer regelmäßig vor den Kopf stoßen, sonst heben die alle ab.


Geht wieder los. Comedy mit Karsten Staffel 4 und ich hab’s geschrieben. 68 Seiten, 8 Folgen, 180 Minuten. Langsam könnte sich echt mal der Weltruhm einstellen. Oder der Sender mal richtig viel Kohle rausrücken, damit man das Ganze mal schön groß aufziehen kann. Aber Konstanz ist eben nicht nur eine Stadt, die mir weitestgehend egal ist, sondern auch das Konzept, wenn ich das richtig verstanden habe. Das Einzige, was ich wirklich nicht will, sind irgendwelche Preise. Grimmepreis, Comedypreis oder solches Zeug. Da wo sich dann zur Preisverleihung plötzlich all die witzigen Leute treffen, Anzüge oder gar Smokings tragen und man sich bei jeder Laudatio am liebsten ein Messer in die Ohren rammen möchte, weil das viel weniger schmerzhaft wäre. Aber ich glaube, davor ist man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ziemlich gut geschützt. Da kriegt einfach Jan Böhmermann alle Preise und gut ist. Nein, das sage ich kein bisschen verbittert. Im Gegenteil: Die Preise kommen völlig zurecht, aber ich glaube, es ist trotzdem am besten, wenn man nicht etabliert ist. Wenn man keine Preise kriegt oder sie wenigstens nicht annimmt. Weil man sich nicht über eine Gesellschaft lustig machen kann, wenn man insgeheim doch dazugehören will. Denn ich glaube, genau in dem Moment, da man sich nicht einmal mehr die Möglichkeit offen hält, auch nur irgendwie zu schockieren, kann man es auch gleich bleiben lassen. Und natürlich darf man insofern auch niemals bei diesem ganze Preisezirkus mitmachen. Weil das satt macht und mild. Und klar ist der Erfolg der Satire immer ihre Verbreitung. Und natürlich funktioniert das nur via eben jener Gesellschaft, die man kritisiert. Was es umso schwieriger macht, im Zweifelsfall ihren Verlockungen zu widerstehen. Vielleicht meinte Schopenhauer ja das mit seinem Satz: „Denn alles, was besteht, ist wert, dass es zu Grunde geht.“ Nein, das ist nicht von Goethe, legen Sie die Mistgabel wieder hin! Goethe ließ Mephistopheles in Faust sagen: „Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht“. Hat er zwar auch recht, bedeutet aber etwas anderes. Ich glaube einfach, man dürfte im Prinzip nie anders arbeiten als die Leute bei South Park.


Oben und unten: Man tut, was man kann.
Nicht im Bild: Wie wir nebenbei Pläne für unendlichen Reichtum schmiedeten, der sich natürlich möglichst schnell und mit so wenig Aufwand wie möglich erreichen lässt. Ergebnis: Entweder man wird einfach Youtubestar (das dürfte in Deutschland nicht so kompliziert sein, denn immerhin sind so ziemlich alle bekannten Youtuber*innen in Deutschland Schrott und alles, was man an ihnen respektieren muss, ist der Fakt, dass sie es schaffen, ohne Inhalt Klicks zu generieren, wenn auch nur einen Bruchteil so viel wie bspw. die Leute in Frankreich oder den USA) oder man geht ins eklige SEO-Geschäft und verdient sich via affiliate links dumm und dämlich. Problem: Zu faul und dieses schäbige Gefühl bei der Sache. Mir reicht es ja schon, dass dieser total repräsentative Online-Persönlichkeitstest mal ergeben hat, dass ich quasi wie Elon Musk, Katniss Everdeen und Moriaty bin. Da muss ich dann ja nicht extra noch aufstehen und das beweisen.


Ich hab ja schon ein paar krasse Spiele da im Stadion gesehen. Das Sachsenpokalfinale gegen den CFC, das RB noch zum 4:2 gedreht hat. Das Kiel-Spiel das nach der 90sten Minute noch vom 1:1 auf 3:1 ging. Oder das legendäre Tor von „Goaltorti“ gegen Darmstadt. Das, was letzten Samstag anging, war trotzdem irgendwie anders. Denn immerhin hat RB ja verloren, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass alle zufrieden waren. Klar, unentschieden wäre eigentlich gerecht gewesen, aber dann wäre es eben auch nur fast so krass gewesen, als wenn Bayern das Ding eben ganz knapp vor Schluss doch noch dreht. Gab ja schon genug krasse Szenen vorher. Dieses 1:0 von Sabitzer, den falsch gegebenen Bayernelfmeter oder das zweite Werner-Tor. Und natürlich den göttlichen Freistoß von Alaba. Und immerhin saßen wir am Ende ja dann im Bayernblock, also gehöre ich auch irgendwie auch zu den Gewinner*innen. Warum wir da saßen? Naja, wir waren eigentlich mal überall. Auf der Haupttribüne war es zu sonnig (und Sie wissen, wie das mit mir uns Sonne so ist), auf B hatten wir keine Lust, auf der C-Tribüne wurden wir von den Platzkartennazis vertrieben, im C-Oberrang auch und naja, irgendwie blieb dann nur noch der Bayernblock. Wobei auch dieser Block ein bisschen zweigeteilt war. Unten saßen die ganzen gemäßigten Leute und ja, die saßen wirklich und oben eben die Lederhosenultras, die sogar mal mehr Emotion zeigen als „Mei, des gibt’s ja ned!“ Auf jeden Fall: das 4:5 auf dem Bayern-Oberrang war schon ziemlich gut. Und das, obwohl ich nicht mal Bayern-affin bin.
Nicht im Bild: Wie ich nach fünf Monaten zum ersten Mal wieder Fahrrad fuhr und nicht gestorben bin, weil ich jetzt nur noch ganz langsam fahre und bei jeder Schwelle total aufmerksam bin. Zwar werde ich neuerdings deshalb sogar von Rentnern überholt, die mit dem Finger auf mich zeigen, im Vorbeifahren lachend Fotos von mir machen und sie zu meiner Demütigung ins Internet stellen, aber immerhin überlebe ich.


Die Wiese abbrennen. Dabei eine Frage: Wie peinlich ist es, wenn ich bis letzten Donnerstag nicht wusste, dass Pusteblumen total schnell abbrennen, wenn man sie anzündet? Sehr? Okay, dann wusste ich das schon immer. Ja, meine Güte, dann wusste ich das halt nicht. Aber ich kam halt auch noch nie auf die Idee, Blumen anzuzünden.
Nicht im Bild: Wie ich erfuhr, dass es eine tiefer gehende Bedeutung hat, wenn man sich ausschließlich auf einer Körperseite verletzt. Auf der einen Seite heißt es, dass man sich zu viel um sich selbst kümmert, auf der anderen Seite, dass man sich zu viel um andere kümmert. Für welche Seite allerdings was gilt, keine Ahnung. Ich möchte es auch ungern auf einen Versuch ankommen lassen.
Auch nicht im Bild: Chili kochen auf gut Glück. Der Kampf gegen die Wespen. „Geh weg, ich bin keine Blume!“ Vergessen, die neue Bravo zu lesen. CD-Tausch. I’m a Hiiiiighwaaaaaay Staaaaaar!
Ebenso nicht im Bild: Wie ich nächsten Tag dann den Schnitt an meinem Finger abgefeilt habe (fragen Sie nicht …) und es mittlerweile so aussieht, als könnte ich es vielleicht doch überleben.


Selbstvergewisserungsselfie ohne Selfie, aber ja, ein Foto von mir halt, auf dem man gar nicht so sehr sieht, wie müde ich eigentlich war. Erkennt man eigentlich nur daran, dass ich zu faul war, meine Jacke auszuziehen, weil es gerade so kuschelig war. Glücklicherweise sehen meine Haare gar nicht mehr so fatal aus, wie sie sich anfühlen.


Oben: Schildermalen um Mitternacht und nebenbei nochmal The Bridge gucken.
Unten: Barschicht von 3 bis 6 aka es gab schon stressigere Abende.
Nicht im Bild: „Ey, das ist voll sinnlos, dass ihr Pfand nehmt und dann lassen die Leute überall ihre Flaschen rumstehen. Und dass ihr da nicht mal jemanden losschickt, der die einsammelt, weil dann macht ihr ja plus und naja, dann mach ich’s halt und ihr müsst mir jetzt den Pfand geben.“ „So, ich nochmal.“ „Ja, ich schon wieder.“ „Ey sorry, dass ich schon wieder da bin, beim nächsten Mal schickt ihr mich dann bitte weg.“ „Ja, wie? Ihr könnt mich doch nicht einfach wegschicken! Habt ihr ’ne Macke? Das hab ich überhaupt nicht gesagt! Ja, gut. Krieg ich das jetzt trotzdem?“
Auch nicht im Bild: „Ein Bier, bitte!“ „Okay.“ „Nee lass, der kotzt da grad hin.“ „Ich kotz überhaupt nicht, ich bin nur umgefallen!“
Und glücklicherweise ohne Bild: Krausefreisitzwahrheiten, Teil 48 – „Das gibt’s heute einfach nicht mehr. Dass da einfach mal jemand aufsteht und auf den Tisch pisst. Früher, da war das normal!“

Was fehlt:

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