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A Week in Pictures 18/2018

Ich glaube, ich habe letztens zum ersten Mal geträumt, dass ich jemanden erschossen habe. Einen Boxer, warum auch immer. Und es war gleichzeitig unglaublich gruselig wie auch interessant. 1) Weil ich es im Nachhinein echt schlimm finde, dass ich es tatsächlich gemacht habe, weil ich immer dachte, ich würde so etwas nie machen, nicht einmal im Traum, 2) obwohl ich irgendwie Teil einer Armee und es deshalb irgendwie okay war, jemanden zu erschießen und 3) weil es nicht lange dauerte, bis für mich im Traum trotzdem eine ganze Welt zusammenbrach und ich dachte: Oh Fuck, dafür gehst du jetzt in den Knast und das auch noch zurecht. Und dann heulten alle um mich rum und ich dachte: Au backe, das war jetzt echt das Dümmste, was du je in deinem Leben gemacht hast, du Idiot und wollte dann so zum Gefängnis, aber alle dort meinten: „Nee nee, du hast niemanden erschossen.“ Und ich so: D“och doch, guck hier, meine ganze Familie, alle heulen doch, weil ich diesen Boxer erschossen habe.“ Und die vom Gefängnis so: „Ach, das war doch jetzt kein Mord! Das war doch völlig richtig!“ Und ich so: „Eh, nee? Ich muss jetzt bitte ins Gefängnis.“ Aber alle so: „Nee nee, geht schon klar.“
Google sagt, im Traum jemanden zu erschießen, deutet auf ein erfolgreiches Leben auf kosten Anderer hin. Aber das kann nicht sein, denn dazu müsste ich erfolgreich sein.
Oder aber unterdrückter Zorn, ein ungelöster innerer Konflikt. Aber weiß ich ja schon immer, daran gewöhnt man sich auch irgendwann. Außerdem hätte ich ja sonst nichts, worüber ich schreiben könnte.
Dritte Erklärung: Spirituelle Wiedergeburt, Altes sterben lassen, um Platz für Neues zu schaffen. Na ich bin gespannt.


Links: Immer ein gutes Gefühl, gegen Deutschland zu gewinnen. Zwar bin ich gerade ein bisschen raus aus Quizduell, aber das hängt einfach damit zusammen, dass mich mein Verlag tötet, sobald er erfährt, dass ich gar nicht den ganzen Tag am Buch sitze (doch, tue ich). Bald wieder, bald.
Nicht im Bild: Wie ich ALLES saubergemacht habe und es hier jetzt einfach mal total gut aussieht. Ich liebe Sauberkeit, aber ich bin einfach oft zu faul, um sauber zu machen. Aber wenn ich es gemacht habe, dann finde ich es immer so super, dass ich mich am liebsten nie wieder bewegen oder irgendwas in der Wohnung benutzen würde, damit es so bleibt. Bleibt es leider auch so nicht, aber naja.
Rechts: Ist es nur mein Gefühl oder werden einfach alle Menschen verrückt? Vorab: Okay okay, es ist nicht gut, wenn 400 Jobs wegfallen, weil Karstadt in Leipzig aufhören muss, weil der neue Vermieter die Miete um 68 Prozent anheben, Karstadt nicht mitmachen wollte und deshalb eine Kündigung kassiert hat. Aber das Problem ist doch ein vollkommen anderes. Karstadt hat doch 2002 das Gebäude selbst für 10 Millionen Euro am eine Bank verkauft, dann teuer saniert und anschließend das Haus von der Bank teuer zurückgemietet. Und dann wird sich jetzt kollektiv gewundert, dass diese Bank, diese Bank, die ja total am Wohl der Menschen interessiert ist und überhaupt nicht profitorientiert arbeitet, dass diese Bank einfach das Gebäube weiterverkauft. Nämlich an jene Leute, die gerade auch das Burgplatzloch mit einem Hotel füllen. Und POTZDONNER! diese Leute wollen mit dem Gebäude auch Geld verdienen und erhöhen erstmal die Miete. Von UNSEREM KARSTADT?! Sofort Menschenkette! So haben wir uns Kapitalismus nicht vorgestellt. Leute, in welcher Welt lebt ihr eigentlich? Wenn ihr ehrlich mit euch wärt, dann müsstet ihr den Karstadt-Chefs das Büro besetzen, denn bei deren Verkaufsaktion fing die ganze Misere an. Und wenn ich das schon höre, wie sich jetzt die Leipziger Lokalpolitik einschaltet, um UNSER KARSTADT zu retten, pfui. Gerade Burkhard Jung, der jetzt als Präsident des Ostsächsischen Sparkassenverbunds kandidiert, will sich gegen Bank stark machen, alles klar. Wie kann es denn sein, dass die Leipziger Innenstadt immer teurer wird? Weil die Gebäude vielleicht alle längst zwei, drei mal von Fonds zu Fonds verkauft wurden und deren Verwalter sonstwo sitzen, denen scheißegal ist, wer in dem Gebäude gerade sitzt, sondern es einzig und allen darum geht, schnellstmöglich Geld mit dem Haus zu verdienen und es im Zweifelsfall einfach wieder abzustoßen? Worum sollte es sonst gehen? Warum, liebe Leipziger Politik, ist es überhaupt möglich, Mieten um 68 Prozent zu erhöhen? Wie mich diese ganze Scheinheiligkeit aufregt. Bubububu, wir machen uns stark für UNSER KARSTADT. Bullshit. Ja, ich fände es auch schade, wenn 400 Jobs wegfallen. Aber man sollte vielleicht auch wissen, für wen man da in dieser blöder Menschenkette steht. Pfui.


Und dann war ich bei Lehmanns, um dort ein bisschen aus dem neuen Buch resp. Zettelhaufen vorzulesen.
Links: Vorab schonmal Bücher signieren, damit dann immer ein paar davon auf Lager sind. Nicht sonderlich aufregend, aber muss man ja machen. Viel aufregender hingegen, dreißig Minuten so nah bei fünf Popcorn-Packungen (salzig!!!) sitzen zu müssen, ohne eine davon auffetzen zu dürfen. Ein Glück, dass ich absolut in mir Ruhe und mir solche weltlichen Gelüste nichts anhaben können.
Nicht im Bild: Wie mich in den Katakomben der Lehmanns-Buchhandlung seltsam vertraut fühle, seit ich während meines Studiums mal Blockseminar hatte und dann praktisch zwei Minuten nach Öffnung schon aus einer Kneipe geworfen wurde. Aber ich muss es anders erzählen. Ich hatte Blockseminar. Es war Weihnachtsmarkt. Und genau vor der Lehmanns-Buchhandlung, die zufälligerweise direkt neben dem Seminargebäude ist, stand ein Glühweinstand. Sagen wir so: Ich für meinen Teil habe erst Glühwein getrunken, NACHDEM das Blockseminar vorbei war. Wer weiß, wie schlimm es ausgegangen wäre, wenn ich nicht so ein vorbildlicher Student und der Leiter des Blockseminars mein Bachelorarbeitsbetreuer gewesen wäre. Und weil man uns in der Uni nicht mehr auf Toilette gehen ließ, gingen wir eben bei Lehmanns. Sehr oft. Vielleicht daher dieses vertraute Gefühl. Und eigentlich war der „Abend“ auch schon um 18:30 Uhr mehr als vorbei, bis dann irgendjemand auf die glorreiche Idee kam, man könnte ja noch ein allerletztes Getränk irgendwo. Und wir dann in diese Kneipe gingen, die just im Moment unseres Aufkreuzens öffnete. Naja, wie soll ich sagen. Das letzte Getränk war eindeutig zu viel. Man schickte uns nicht allzu freundlich nach Hause. Und ich habe echt lange gebraucht, ehe mich dort mal wieder hingetraut habe.
Auch nicht im Bild: Die Lehrlingsbibliothek. Die gibt es tatsächlich und besteht aus einem Regal in den Hinterräumen von Lehmanns, in dem Bücher stehen, die den Lehrlingen als Lektüre empfohlen werden. So von wegen „Sollte man als Buchhändler*in man mal gelesen haben“. Ach, und wie herrlich dieses Regal war! Nur geiles Zeug da drin. Der Untertan, Die Buddenbrooks, Max Frisch, ein bisschen Hesse, Glavinic, Stefan Zweig und so weiter. Das hat mich schon ein bisschen gefreut. Dass mein Büchergeschmack immerhin als Leitfaden für Buchhändler*innenlehrlinge herhalten kann.
Rechts: Ja und dann das obligatorische Vorlesen. Ich fand es ja ein wenig konfus, obwohl mir im Nachhinein mehrmals versichert wurde, es wäre nicht konfus gewesen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich gerade selbst nicht mehr so richtig durchblicke, wer was wie wo passiert, sondern einfach nur noch stur meinen Plot-Zettel abarbeite und hoffe, dass ich halbwegs zurechnungsfähig war, als ich ihn schrieb und deshalb am Ende schon alles irgendwie aufgehen wird. Schön war’s, jedenfalls.
Shoutout an die nette Frau, die mich fragte, ob ich ihr ein paar Glückwünsche zur Scheidung in ihr Buch schreiben könnte. Auch hier noch einmal nur die besten Wünsche zur Scheidung, ein schönes Leben und hoffentlich gibt’s eine riesige Aparty!


Links: Hätte ich ja nicht gedacht. Hätte ich ja ehrlich nicht gedacht, dass RB noch einmal so einen Befreiungsschlag hinlegt. Aber gut, ich lasse mich ja gern belehren. Und natürlich habe ich ja insgeheim auch so ein bisschen drauf gehofft. Zwar ist mir die Europaleague relativ egal, aber ich verstehe schon, dass sie ein Argument für viele Spieler ist, im Verein zu bleiben oder in den Verein zu kommen. Champions League wäre in dieser Hinsicht natürlich noch besser gewesen. Aber hey, es hat echt mal wieder viel Spaß gemacht und wenn Hertha diese Woche nicht allzu große Dummheiten macht, dann sollte das mit der EL ja wohl klargehen.
Nicht im Bild: Wie ich morgens im Bett die geschnittenen Folgen unserer neuen Miniserie „In aller Feindschaft“ geschaut habe und es einfach unglaublich witzig geworden ist. Ich liebe es. Hach, ich würde am liebsten gleich alle Folgen online stellen, aber dann tötet mich der Sender vermutlich. Aber immerhin: Die erste Folge läuft ja schon am Mittwoch, den 23. Mai im Fernsehen. Und kurz danach steht ja auch immer alles online.
Rechts: Ois Gude und so. Ich will ja nicht diese Phrase von wegen „aktueller denn je“ bemühen, aber „immer noch aktuell“ reicht ja eigentlich auch. Insbesondere wenn es um so Dinge wie die Armutsschere geht oder Politik, die schon längst nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat. Ich finde das wirklich krass, wie offensichtlich mittlerweile Politik gemacht wird, die offensichtlich superkonservativ und zu großen Teilen nur zum Wohle derer ausgeht, die sowieso schon gut versorgt sind. Beispiel Dieselverbote: Gerade lief bei Youtube eine BMW-Werbung, in der es darum ging, wie DER DIESEL UNSERE ZUKUNFT SICHERN wird. Und wie toll der ist und blah. Wieso kriegen es maximal diese blöden blöden Amis (DIE MIT IHREM TRAMMP!) hin, mal VW zu verklagen? Wieso sitzt noch immer kaum ein Auto-Vorstand im Gefängnis? Und wieso muss ich mir stattdessen diese Diesel-Propaganda anhören, obwohl ich nur ein Spongebob-Video gucken will? Was sagt es über die Verzahnung von Wirtschaft und Politik, wenn der sächsische Ministerpräsident Humbugvergleiche über Diesel und Benzin aufstellt und daraus folgert, Diesel sei gut für die Umwelt? Warum werde ich von Schildbürgern regiert? Hach, es muss schon echt schwer sein, wenn man die Posten ganz oben besetzt und dann abends auf der Terrasse der eigenen Elbhangvilla sitzt, einen Blick aufs prall gefüllte wirft, am Porsche Cayenne vorbei aufs Wasser blickt und sich denkt: „Diese Hartz-IV-Spacken haben einfach zu viel Geld! Und diese Ausländer gehen mir so auf den Sack!“


Links: „Ja kommt, lasst euch mal mitten in der Nacht auf der Kreuzung fotografieren.“
Rechts: Schwerster Wecker der Welt. Aber auch der süßeste.
Nicht im Bild: „Bin gleich da.“
„Okay, ich steh bei dir.“
„Okay, 5 min.“
„Gut, dann geh ich in der Zwischenzeit kurz zum Späti.“
„So, bin da.“
„Ich auch. Steh vor der Tür.“
„Ich auch, aber du nicht.“
„Doch.“
„Vor welcher Tür?“
„Na vor deiner!“
„Und ich vor deiner!“
„MJKGMMGLKGJ!“
Auch nicht im Bild: Wie ich wie ein echter Mann ein Bienennest beseitigt habe, das unser Leben bedrohte. Wie es vielleicht aber auch noch ganz winzig war, sodass die Lebensbedrohung jetzt nicht uuunbedingt so riiiesengroß war. Wie da irgendwo eine Maus wohnt und ich den Unterschied erklärt bekam zwischen einer guten Mausefalle (aus Metall, haut Mäuse direkt in zwei Hälften) und einer schlechten Mausefalle (aus Holz, quetscht die Tiere nur, weswegen man ihnen dann mit dem Luftgewehr noch in den Kopf schießen muss). Das Landleben ist so grausam, das merke ich immer wieder. Wobei ich mich fragte, wo eigentlich das Luftgewehr meines Opas geblieben ist, das ich immer haben wollte? Sehr zu meinem eigenen Unglück konnte ich nämlich ziemlich gut schießen. Nein, natürlich ausschließlich auf Scheiben und Dosen. Manchmal vielleicht auf eine Flasche, aber da gab’s meistens Ärger von Oma. Aber so ist das bei mir: Ich kann immer das besonders gut, was ich gar nicht können will. Ich wette, ich bin zum Beispiel auch ein total guter Reggae-Musiker. Oder ein extrem guter Produzent von Roter Beete und Brokkoli. Wissen Sie, was ich krass finde? Wie selbstverständlich die ganzen Internetpersönlichkeiten, Youtuber*innen und Instagrammer*innen immer zu McDonalds, Burger Kind und so weiter gehen. Was ist da los? Ist McDonalds wieder cool geworden? Oder ist denen der Shitstorn einfach egal? Vielleicht werden sie ja dafür gar nicht geshitstormt, aber sobald ich ein Foto mit einer stinknormalen Cola poste, bekomme ich 40 Nachrichten à la „Du weißt aber schon, dass Zucker GIFT IST?=?!?!!“ oder „Schön, wie du hier die Zuckersklaverei unterstützt, du Mörder!!!“ Ich meine, immerhin habe ich noch Follower*innen, die noch etwas anderes tun, als sich für den eigenen Konsum zu feiern. Und ich bin ja auch kein Internetstar, aber trotzdem. Es fiel mir nur auf.

Was fehlt:

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