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A Week in Pictures 17/2017

Schnelle Woche.
Man macht irgendwie dauernd etwas, aber kommt irgendwie zu gar nichts. Das ist generell so ein Problem bei mir. Wenn mich jemand fragt: „Und Antreh? Was haste gestern so gemacht?“, dann ist da in meinem Kopf zuerst mal so eine große Wüste und keinerlei Erinnerung daran, was ich gemacht haben könnte. Obwohl ich natürlich davon ausgehen kann, irgendetwas gemacht zu haben. Aber manchmal ist es auch so derbe unspektakulär, dass es sich gar nicht zu erzählen lohnt. Hey, ich habe diesen Zettel für die Sozialwahl angekreuzt und hatte gar keine Ahnung, was ich mir da aussuchen soll. Und danach habe ich ein Paket aus Spanien bekommen, mit einem Kindle drin. Und den hab ich dann zur Reklamation weggeschickt und als das Geld zurückkam, hab ich direkt einen neuen bestellt! Und als der kam, hab ich da dann wieder alle Bücher draufgespielt, ein Kumpel kam noch vorbei und anschließend bin ich zur Post gegangen, habe nebenbei SXTN gehört, weil ich ja wissen muss, was die Jugend heutzutage so hört und dann habe ich den Kindle zurück nach Spanien geschickt. Spektakuläres Leben!


Datensicherung. Manchmal wird mir ja so leicht schmerzlich bewusst, dass ich vor anderthalb Jahren oder so mal all meine Fotos und so weiter gelöscht habe. Nicht, weil ich dumm bin oder, wobei, irgendwie schon, aber im Prinzip lag es ja nur daran, dass meine Festplatte genau das tat, was sie tun soll – sich löschen, sobald mal 20 mal in Folge das Passwort falsch eingibt. Naja, und dann ist halt alles weg. So richtig.
Nicht im Bild: 8.000 Zeichen, die sehr viel Spaß gemacht haben. Aber davon dann bald mehr.
Auch nicht im Bild (aber ganz oben): Gefahr in der Hood. Da sitzt man nichtsahnend am Computer und arbeitet (tatsächlich!), und plötzlich riecht es irgendwie verbrannt. Aber man denkt sich: Naja, ich tippe halt auch ziemlich schnell, das ist sicher normal, aber man guckt trotzdem mal aus dem Fenster und schon sieht man da haufenweise Feuerwehrautos nebst der halben Nachbarschaft, die schon mit Bier und Zigarette bereit steht, um das Geschehen zu bestaunen.
Und ebenfalls nicht im Bild: 0:0. Aber es wäre ja auch zu schön, wenn es einfach wäre.
Und sowieso nicht im Bild: Endlich Staffel 3 von The Bridge fertig. Fängt mega an, hält sich auch, aber das Ende ist nicht ganz so meins. Aber so funktioniert halt nordic noir.


Man muss sich ja informieren, was die lieben Kollegen sonst noch so machen.
Nicht im Bild: Wie wir eigentlich zu einer Diskussion über Wagenplätze wollten und irgendwie beim SPD-Ortschaftswhatever landeten und wie es einfach mal der furchtbarste Abend seit langem wurde. So inklusive „Wir gehen dann mal lieber, weil ihr seid einfach irre hier“ und so weiter. Ich lerne es auch einfach nicht: Man darf einfach nichts mit der SPD zu haben, denn der ganze Verein ist weder sozial, noch Partei, aber dafür mittlerweile immerhin ganz schön viel Deutschland ist. Meine Güte, war das grauenhaft. Aber ich versuche, es zu erklären.
Es ging um Wagenplätze im Leipziger Osten. Gibt’s rund um die Eisenbahnstraße zwei Stück. Da auf der großen Fläche an der Bahnlinie, weshalb das Grundstück auch der Bahn gehört. Und dann gab es also ein kleines rechtliches Impulsreferat über die Frage, ob Wagenplätze nun Wohnungen sind oder nicht und wie und wo man damit rechtlich umgehen kann. Außerdem freute man sich, dass sich diesmal sogar Gäste eingefunden hatten, vor allem solche, die auch selbst auf einem Wagenplatz wohnen. Wobei sich dann schnell herausstellte, dass die angeblichen Wagenplatzbewohner*innen einfach nur nicht wie die ganzen SPD-Leute gekleidet waren, sondern ganz schön viel schwarz und dann saßen die auch noch in der letzten Reihe, also mussten das ja welche „von denen da“ sein.
Aber man ist ja gutmütig und bleibt noch ein bisschen.
Dann fängt die Frau an, die eigentlich nur moderieren sollte, sich dadurch aber nicht davon abhalten ließ, andauernd ihre Meinung beizumischen, zu erzählen: Ja ja, die Stadt fördert ja Wagenplätze. (Häh?) Und die hätten ja nie Stress mit dem Bauamt. Aber wenn der kleine Mann sich einfach so einen Swimmingpool in den Garten zimmert, dann kommt sofort das Bauamt, verhängt Strafen und lässt das Ding im Endeffekt vielleicht sogar abreißen. (Sozialdemokrat*innen, aller Länder, baut euch Swimmingpools!) Das ist doch ungerecht! Weil wenn’s mir schon schlecht geht, dann soll es doch bitte auch allen anderen Menschen schlecht gehen. Gerechtigkeit muss nämlich auch nach unten funktionieren! Und die Mehrzahl der Wagenplatzleute seien ja linksextremistisch. Sie selbst lebt ja lieber im Altbau. Aber kann ja jede*r wohnen, wie er/sie will. Nur muss das halt alles geregelt sein. Man kann doch nicht einfach irgendwo wohnen und schon gar nicht, wie man das halt für richtig hält. Wo kommen wir denn da hin? Da herrscht dann ja bald Chaos!
Dann meldet sich ein Mann, der offenbar den verschwörungstheoretischen Teil des Abends übernehmen sollte: Ja ja, die da oben machen ja eh, was sie wollen. Dabei ist der Fall doch klar. Das ist alles illegal und wenn das illegal ist, dann muss das halt weg. Aber da stellt sich der Linksextremist Burkhard Jung natürlich in den Weg, weil der genau das für Leipzig will: Subkulturelles und alternatives Flair, sprich Anarchie, Chaos und Leute, die wie die Wilden hausen. Aber hey, „die jungen Leute“ dürfen sich natürlich ausleben, hammwirjaselbstochgemachtdamals, aber dann doch bitte so ausleben, wie wir das für richtig halten.
Dann geht es ein bisschen hin und her. Eine Frau will wissen, was eigentlich Wagenplätze sind und ob die Wagenplatz-Leute, die nach wie vor versichern, gar nicht vom Platz zu kommen, das nicht mal erklären könnten. Der Verschwörungsmann sieht wieder irgendwas „da oben“, die Moderationsfrau will weiterhin Ordnung und Sicherheit.
Und dann kommt ein älterer Herr. Der hat mit der SPD gar nichts am Hut, wohnt aber an der Saalfelder Straße direkt neben einem Wagenplatz und ist, weil er „vom Thema selbst betroffen ist“, heute mal da. Und er ist froh. Froh, dass die Bäume bald wieder Blätter haben, weil dann muss das Elend da auf dem Platz nicht mehr sehen. Die machen ja eigentlich gar nichts, aber wie das aussieht! Nee, Stress machen die keinen. Einmal hatten sie eine Party, die war ein bisschen laut. Da war dann auch fünfmal die Polizei, zweimal hat er sie selbst angerufen (Guter Mann!), aber die Polizei konnte da nichts machen, weil die haben einfach immer wieder die Musik angemacht! Naja, auf jeden Fall sind die sonst eigentlich friedlich. Aber wie das aussieht! Und dann haben die den Platz eigenmächtig eingezäunt! Und irgendwann, da haben sie sogar Bretter und Türen an den Zaun genagelt, das war so eine Frau, die hat er dann gleich mal fotografiert, hier, falls jemand die Fotos mal sehen will. Und wo hat die die Türen denn her? Wie das überhaupt aussieht! Aber ist doch klar, dass die die Türen auf jeden Fall geklaut haben müssen. Irgendwo aus ’nem Altbau. EINEM WUNDERSCHÖNEN ALTBAU! Und dann nagelt die die da ran, nee also. Und dann irgendwann haben die da Müllsäcke hingelegt. Müllsäcke! Das sah aus wie, wie, wie, in Ägypten!
Plötzlich herrscht Unruhe. Was soll denn der Mist? Ein Mann, der aus Ägypten kommt, erklärt, dass in Ägypten nicht nur Müll gäbe und alle kichern, trotz des faden Beigeschmacks. Was für eine eklige Schiene ist das denn jetzt gerade? Muss man da nicht etwas sagen? Shame on me, ich sage auch nicht direkt etwas. Aber eine der „Wagenplatzbewohner*innen“ fragt dann zum Glück direkt, was dieser rassistische Mist soll und wieso das einfach so im Raum stehen gelassen wird, als ob nichts gewesen sei.
Die Führerin der Redner*innenliste sagt, die Frau solle ruhig sein, denn sie sei gar nicht dran.
Die komische Regelungsfrau fragt, wieso das rassistisch gewesen sein soll und gegen welche Rasse es denn bitteschön gegangen sei. Sie war übrigens auch gar nicht dran, durfte aber natürlich ihre Meinung sagen.
Der Mann aus Ägypten deklamiert völlig zurecht, dass das eindeutig rassistisch sei. Jetzt wird es auch mal ein bisschen laut.
Die Redner*innenlistefrau sagt, er sei gerade nicht dran! Und es dürfe auch gern jede*r nacheinander seine/ihre Meinung kundtun, aber bitte schön alles geregelt. Das nennt man dann also Diskussion.
Das lässt sich nun aber niemand mehr gefallen. Der rassistische alte Herr sagt nichts mehr. Und irgendwann verkündet die Regelungsfrau, die übrigens den ganzen Abend lang schon steht, obwohl alle sitzen, dass ja jede*r, der das jetzt rassistisch fand, auch gern einfach gehen kann. Was für eine weirde Aussage. Naja, und dann gehen halt alle ernst zu nehmenden Leute. Scheißverein.
Das ist also diese Sozialdemokratie. Ein Haufen Frustrierter, die sich Themen auf die Agenda setzen, mit denen sie sich eigentlich gar nicht auseinander setzen bzw. sich nur gegenseitig in den eigenen Vorurteilen und Ressentiments bestätigen wollen. Nee, danke, macht euren Quatsch mal alleine. Nee, das will euch auch niemand erklären, wenn ihr schon so anfangt. Ihr kommt ja nicht einmal auf die Idee, dass manche Leute vielleicht einfach keinen Bock darauf haben, nach euren Regeln bzw. überhaupt nach anderen Regeln als ihren eigenen zu spielen. Und das euch das ankotzt, ist dann halt euer Problem. Und das sowieso alle Wagenplätze anders funktionieren. Und manche eben härter und manche fast schon ein bisschen bürgerlich sind. Soll doch jede*r machen, wie er/sie will. Wen stört’s, das da jemand auf dem Gelände der Bahn ein paar Wagen hinstellt? Die Bahn wird’s verkraften. Dazu muss ich nicht einmal auf einen Wagenplatz wohnen, um das zu verstehen. Aber ich muss zumindest mal verstehen wollen.
Interessant auf jeden Fall: Die Bahn will dieses Gelände verkaufen. Vorzugsweise an die Stadt. Bis 31.12. hat sie ein Käufervorrecht, wird es aber wohl nicht nutzen, eben weil dort zwei Wagenplätze drauf sind (Stichwort: Die Stadt fördert Wagenplätze). Und die Bahn will das Grundstück nicht behalten, eben weil dort zwei Wagenplätze drauf sind. Ab 01.01.2018 darf die Bahn dann das Grundstück auf dem freien Markt verkaufen. Und es gibt da wohl auch mehrere Interessent*innen. Und wenn das dann irgendein Investor kommt, müssen wir vermutlich nicht lang rätseln, ob und wann da hübsche Eigentumswohnungen draufgesetzt werden. Weil die braucht Leipzig ganz dringend. Hauptsache keine Freiräume!
Leider haben wir nicht herausgefunden, ob die Getränke nun auf SPD-Rechnungen gegangen wären, denn dann hätte ich ja immerhin beim Rausgehen noch schnell ganz viel Cola trinken können, aber was soll’s.


Neue Pressefotos für die Lesebühne. Man sieht zum Glück gar nicht, dass der Abend vorher etwas zu lang war. Und dass ich beinahe zu spät gekommen wäre, weil ich noch dringend Kartoffelauflauf essen musste, dann die falsche Straßenbahn nahm und den Großteil des Weges gerannt bin. Ja, das da ist übrigens unser neuer Laden, aber pscht! Wenn’s gut läuft, gibt’s die Lesebühne ab September also mit unendlich viel Platz und wow und cool und so weiter.
Nicht im Bild: Eine der besten Nachrichten der Woche: Ein neues Sven-Regener-Buch kommt! Am 7. September! Und, jetzt wird’s noch krasser: Es ist der vierte Teil der Herr-Lehmann-Reihe! Schließt direkt an an Der kleine Bruder, welches wiederum an Neue Vahr Süd und irgendwo da ganz am Ende ist dann Herr Lehmann. Ich freu mich!


Die Anmeldung für den SLAM 2017 in Hannover vorbereiten, mal wieder nicht putzen und dann Roadtrip nach Brandenburg. Eine Regenjacke, die schäumt, Leben in der Bar, André mit langen Haaren und Einschlafen am Tisch. Ja, ja, Jagdhund. Roadtrip zurück, Abend in der Stadt im durchgentrifizierten Westen, Hot Dog auf dem Weg und dann völlig verrauchte Klamotten am Feuer im Osten.
Nicht im Bild: „Naja, dann würd ich das für Frühjahr 2018 vormerken.“ „Geht zur Not auch Herbst 2018?“ „Geht auch.“ „Na gut, dann wohl Herbst 2018.“ – Au weia.

Was fehlt:

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