Kommentare 0

A Week in Pictures 12/2018

Spotify Premium zu kündigen und anschließend wieder Spotify „Normal“ zu haben, wie auch immer es heißt, ist einer der größten sozialen Abstiege, die es gibt. Was kommt vor Premium? Spotify „Standard“? Spotify „Egal“, ich weiß es nicht. Ich habe schon viele Abos gekündigt, aber ich glaube, nur bei Spotify fühlt es sich so sehr nach einem Abstieg ins Unermessliche an. Nach Zeitreise zurück in die Steinzeit. Ich spüre schon, wie Jens Spahn über mich lacht. Bei Amazon ist es sogar umgekehrt: Man merkt nicht einmal, dass man Amazon Prime hat. Die Pakete kommen trotzdem binnen eines Tages und Amazon Video benutzt eh niemand. Bei Spotify Premium ist alles perfekt. Keine Werbung, Offline-Playlists, ziemlich viel Musik. Klingt nach nicht sooo viel. Bis man dann plötzlich wieder zwischen jedem zweiten Songs die Obergefreite Jenny anhören muss: „Mein Name ist Jenny, ich bin Obergefreite bei der Bundeswehr. Schießen fetzt, Auslandseinsätze sind cool und deshalb komm auch du zuuuur Bundeswehr! Peng! Peng!“. Oder bis man mal wieder in der Bahn sitzt und Musik hören will. Und dann startet man Spotify und zwei Minuten später kommt diese SMS: „Liebe/r Kunde/in (Ja, mein Mobilfunkanbieter ist einer von der menschlichen Sorte!), Sie haben Ihr Datenvolumen bereits zu 80 % ausgereizt, weil sie zwanzig Sekunden Spotify „Normal“ benutzt haben, bla bla bla, hahahahahHAHHAA!“ Und dann kommt auch schon wieder Werbung, die so laut ist, dass man förmlich sehen kann, wie alle in der Bahn sie mit anhören müssen. Und schon sind da die strafenden Blicke der Sozialwissenschaftsstudent*innen: „Bundeswehrwerbung? Seriously, du komischer Typ?“
Ich weiß doch auch nicht, warum ich das gekündigt habe. Ich glaube, ich muss das alle paar Monate immer mal abbestellen, weil mich dieses Into-the-Wild-Gefühl packt. Oder weil ich einfach kurzzeitig geizig werde. 10 Euro fürs bloße Musikhören ist ja auch ganz schön frech. Netflix läuft ja immerhin auch 24/7. Mal sehen also, wie lang ich Obergefreite Jenny diesmal ertragen werde.


Links: Die erste Folge der zweiten Staffel [sla(m]dr) ist draußen und und aus unerfindlichen Gründen steht dort mein Name. Nein, stimmt schon so.
Rechts: Das vermutlich beste Wandbild der Stadt. Wehe, das überpinselt mal jemand.
Nicht im Bild: Abends bei Moritz Neumeier. Sehr sehr sehr sehr gut. Falls der nette Herr bei Ihnen in der Stadt weilt, gehen Sie hin. Uneingeschränkte Empfehlung, einer der besten Stand Up-Comedians, den es derzeit in Deutschland gibt. Und gute gibt es schon nur eine Handvoll.
Auch nicht im Bild: Die überfordertste, langsamste und gleichzeitig noch unfreundlichste Bedienung der Welt. Und wie ich überlegte, ob das jetzt einer dieser Momente ist, an dem man kein Trinkgeld geben sollte. Einfach weil „Na ich geb ja Trinkgeld, aber dann muss ich mich da wenigstens auch wohl gefühlt haben und nicht wie ein Fremdkörper, den man durch betonte Langsamkeit und öfter mal anschnauzen schnellstmöglich dazu bewegt, das Lokal zu verlassen.“ Und dann einfach auch total unfreundlich sein. Aber nein, natürlich nicht. Was ist das denn für ein Gedanke? Feuer bekämpft man doch nicht mit Feuer. Es ist komisch: Ich kann mich total super darüber aufregen, warum Carrie Bradshaw quasi die seriengewordene Antichristin ist, aber eine nervige Bedienung interessiert mich überhaupt nicht. Das ist wie mit Stresssituationen. Wenn es urplötzlich unendlich viel zu tun gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er erst mal baden gehe und dann weitersehe. Natürlich ist mein erster Impuls bei der bösen Bedienung auch „STIRB! STIRB! STIRB!“, aber wozu? Sie stirbt vermutlich eh nicht, weil meine Telekinese-Fähigkeit nicht wirklich vorhanden ist. Wobei das schon ziemlich cool wäre. Also, wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte. Obwohl ich nach wie vor glaube, die beste Fähigkeit ist, die Zeit anhalten zu können. Und außerdem auch für bestimmte andere Leute die Zeit anhalten zu können resp. sie in meine angehaltene Zeit mit „reinnehmen“ zu können. So wie bei „Mein Vater ist ein Außerirdischer“. Vielleicht hätte ich dann der unfreundlichen Bedienung immer noch viel zu viel Trinkgeld gegeben. Aber immerhin hätte ich kurz nach dem Rausgehen die Zeit angehalten, wäre noch einmal reingegangen und hätte es wieder rausgenommen. So!


Links: Das vermutlich schwierigste Dings, das ich jemals gebaut habe. Quasi ein Daumenkino nur ohne Daumen. Sondern so mit Kurbel. Ein Live-Foto in echt, wenn man so will. Sieht auf dem Foto weniger spektakulär aus, als es ist. Ist auch gar nicht sooo spektakulär, wobei für mich schon, denn es gab ja weder eine Anleitung noch bin ich ein guter Bastler. Aber ich mag das Geräusch, dass das Gerät beim „Abspielen“ macht. Flapp-Flapp-Flapp-Flapp-Flapp! Keine Ahnung, wie lang es gedauert hat. Die Fotos zurecht zu photoshoppen hat lange gedauert. Das lag aber auch daran, dass ich total schlecht in Photoshop bin. Und daran, dass man die einzelnen Fotos immer teilen und dann jeweils Ober- und Unterhälfte um 1 verschieben muss. Also quasi Oberseite von Bild 2 mit Unterseite von Bild 1 und so. Das Ausdrucken ging schnell, allerdings habe ich alle im Copyshop mit meiner zögerlichen Auswahl des Papiers genervt. Dann nächstes Problem: Wo kriegt man so Mini-Holzstäbe her? Beim Rewe plötzlich die Eingebung: Shashlik! Nebenbei Herstellung der „Rolle“. Funfact: Ich besitze jetzt seit gefühlt 10 Jahren wieder einen Zirkel. Und ja, ich habe mir natürlich einen coolen gekauft, mit Rädchen in der Mitte. Außerdem musste ich unendlich viel Zeug bestellen, damit ich über genügend und ausreichend dicken Karton verfügte. Keine Ahnung, wo man sonst dicken Karton herbekommt. Ich weiß es wirklich nicht. Immerhin weiß ich, wo man dünne Holzstäbe herbekommt, die man als Achse für das Gerät nehmen kann: Im Bastelladen. Und ich besitze jetzt endlich eine Säge, weil man mit einem Messer einfach keinen Holzstab durchbekommt (Glauben Sie mir, ich habe es probiert). Naja, und dann tausendfaches Herumprobieren, Ausmessen, Nachbessern, vor allem, weil die Blätter nie von allein nach unten Umklappen wollten, aber irgendwann funktionierte es tatsächlich. Wer hätte das gedacht.
Rechts: Geburtstag.
Nicht im Bild: Wie ich mich als Krankenfahrdienst betätigte und es ganz schön cool fand, endlich mal meine Rollstuhltransportier-Expertise anwenden zu können. Und wie wir abends bei Beans on Toast waren. Nix gegen das Werk 2, aber für dieses Konzert definitiv der schlechteste Ort. Nächstes Mal dann einfach wieder im Stoned und gut ist. Fetzt einfach nicht, wenn es selbst in der abgehängten Variante aussieht, als wäre niemand da. Und vielleicht deshalb hat man es auch ein bisschen an der Stimmung gemerkt. Ich könnte auch nicht in einem Raum, in den zwanzig Mal so viele Leute passend stehen und zwei Stunden lang gute Laune haben. Im Gegenteil, ich wäre nach 45 Minuten wahrscheinlich einfach wieder gegangen. Aber die Musik ist ja gut.


Ja, das machen wir gerade. Also ich so auch zum Teil. Ganz kleines Licht, falls Sie verstehen. Das heißt jeden Tag im 5-Sterne-Hotel treffen und dort „schreiben“ aka rumsitzen und dummes Zeug erzählen. Ich weiß nicht so recht, wie ich das 5-Sterne-Hotel finden soll. Einerseits strange, weil ich beim ersten Betreten direkt von sechs Menschen, drei davon mit Zylinder, angesprochen wurde, was ich denn bitte dort wolle. Andererseits, jetzt wo wir uns kennen, auch witzig, weil alle im Hotel netter zu mir sind als z.B. meine gesamte Familie. Nein, das stimmt nicht. Aber sie sind unendlich nett. Fast schon zu nett. Wenn dort die unfreundliche Kellnerin einchecken und alle anbluffen würde, dann würden sich die Angestellten vermutlich sogar noch verbeugen.
Was ich witzig finde im 5-Sterne-Hotel: Alles ist unendlich teuer, aber gleichzeitig winzig klein. Beispiel Orangensaft: Winziges Fläschchen, Preis einer halben Orangenplantage. Oder Currywurst: Gefühlt 5 Stückchen Wurst, 12 Euro. Wie schön, dass mir solch ein Lifestyle komplett abgeht. Ja ja, die 12-Euro-Wurst schmeckt schon, aber wozu sollte ich sie essen, wenn es eine Stunde dauert, sie zu basteln und 50 Meter weiter der beste Gyrosstand der ganzen Stadt ist, der noch dazu nur ein Viertel so teuer ist? Ich brauche nicht diese Bestätigung von außen, dass ich etwas Besseres bin. Wahrscheinlich, weil ich das in mir drin schon genug denke. Nein, natürlich nicht. Meist bewege ich mich durch meinen Alltag wie Ozzy Osbourne, der versucht, seinen Fernseher zu bedienen. Ich bin faul, anschließend genervt davon, faul zu sein und dann doch wieder faul. Ich kann nichts Cooles und muss mindestens zehn Stunden schlafen, damit ich nicht aussehe, als hätte mir jemand auf die Augen geboxt. Mir wird sehr schnell langweilig und mein sozialer Akku entlädt sich im Umgang mit Menschen derart schnell, dass ich mich praktisch schon beim Betreten einer Party aufs Gehen freue. Ich bin absolut unspontan und viel zu schnell überrumpelt, so zuvorkommend, dass ich mir selbst Stress über Dinge mache, die mich überhaupt nicht betreffen und mein Musikgeschmack ist wahrscheinlich der schlechteste der Welt. Wenn so der Übermensch aussieht, na dann gute Nacht.


Endlich! Endlich! Endlich! Die aktuelle Folge der Comedy Roast Show mit Ingolf Lück ist online! Hach, das war schön. Das könnte ich jede Woche machen. Wobei, wahrscheinlich nicht, weil so schnell bin ich nicht. Aber alle zwei Wochen vielleicht. Oder jede Woche, aber kürzer.
Nicht im Bild: Die 1964-Diskussion. Letztens sagte mir jemand, dass die Jahrgänge rund um 1964 die geburtenstärksten Jahrgänge ever seien. Das heißt, alle anderen Jahrgänge (man kann das ruhig ausweiten auf 1960 bis 1970) werden es immer mit einer brutal starken Lobby zu tun haben, die total cool miteinander ist und wie eine Wand gegen den Rest steht. Bis 2040-2050 ungefähr, wenn dann die ersten Leute davon in Rente gehen oder sterben. Bis dahin aber wird dieser Personenkreis sich alles gegenseitig zuschustern und niemand wird eine Chance haben, sich dagegen zu stellen. Heißt: Schlechte Aussichten für die nächsten 20-30 Jahre. Heißt auch: Wenn’s schlecht läuft, haben die 1975er erst dann eine Chance, mal etwas zu sagen zu haben, wenn sie gerade in Rente gehen. Und dann nimmt sie sowieso niemand mehr ernst. Ich mag Moritz Neumeiers Idee: Wenn sich alle Menschen darauf einigen würden: Okay, zwei Generationen machen wir noch, und dann machen wir hier den Laden zu. Das fänd ich okay.


Links: Oh! Emm! Dschie! Gerda ist raus! Und startet direkt mal ihre fette Youtube-Karriere! Und die Ösis sind immer noch dabei, Skandal. Was mich viel mehr stört, ist, dass den Macher*innen anscheinend wirklich nichts Anderes mehr einfällt, als Nacktheit als Quotengarant durch noch mehr Nacktheit toppen zu wollen. Und man merkt es wirklich stark, wie sehr schon seit ein, zwei Folgen die Kandidatinnen nur noch danach aussortiert werden, ob sie a) Quote bringen oder b) sich fürs Finale eignen.
Rechts: Ich mag ja Adventures. Ich bin gespannt auf Life is Strange. Soll ja gut sein. Natürlich hängt sie Latte seit Day of the Tentacle sehr hoch. Monkey Island habe ich zwar auch gemocht, aber nie so geliebt, wie die meisten. Ich erinnere mich noch, dass ich vor tausend Jahren mal ein Adventure für den Mac hatte, das ich sehr gut fand: Faust – Seven Games of the Soul. Darin geht es darum, dass man auf einem weirden Rummel einen Fall untersuchen muss, dass eine Schaustellerin verschwunden ist. Und es war eine schöne Mischung aus gruselig und weird, sodass man, wenn man es nachts allein zu Hause spielte, immer ein bisschen mulmiges Gefühl hatte.
Nicht im Bild: Wie jetzt alle mal wieder von Facebook flüchten. Joa, kann man machen. Nachvollziehen kann ich es, wenn man geht, um den Verrückten zu entfliehen. Oder weil man gemerkt hat, dass Facebook kein Nachrichtenmedium ist. Zumal das Profil vermutlich eh nicht gelöscht wird. Also wäre ein Inaktiv-Sein vielleicht sogar besser. Aber ich ich glaube trotzdem, dass ein bloßes Blockieren nichts bringt, so ins Große gedacht, um die Masse zu erreichen. Und für die brauch es vermutlich eine starke Alternative, also ein neues soziales Netzwerk. Welches wiederum vielleicht nicht von russischen Bösewichten geleitet wird.


Ausflug und so. Links die Esel, rechts der Riesenhund.
Seit sie im Besitz eines Akkubohrschraubers ist, ertappe ich mich des öfteren dabei, wie ich spontane Lust auf Heimwerken bekomme. Es ist jetzt bereits knapp über ein Jahr her, seit wir in die Stromleitung gebohrt haben und ich quasi unter Blitz und Donner knapp dem Tod entronnen bin (außer es läuft wie bei den Sims und ich bin seither einfach ein Geist). Das war ganz schön gruselig. Aber ich bin anscheinend drüber hinweg. Trotzdem würde ich mich in Zukunft lieber mit einem Leitungssucher vorversichern, ob die Stromleitungen nicht wieder von betrunkenen Elektrikern verlegt wurden.


Awww. Team Divorcity, bestehend aus DJ Schlaf-mal-wieder und ihr.

  • Das „Was fehlt“. Wie ist das denn passiert? Kaum Zeit gehabt, um sinnlos im Internet zu surfen. Ich schäme mich und gelobe Besserung!
In Kategorie: a week in pictures

Kommentar verfassen