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A Week in Pictures 12/2017

„Ja, hallo?“
„Hallo!“
„Ja, mein Name ist Herrmann. Ich müsste mal zum Zahnarzt.“
„Da haben Sie Glück, wir haben gerade einen Zahnarzt da!“
„Ich hab im Internet gelesen, dass Sie der Notfallzahnarzt sind?“
„Nein, ich bin an der Rezeption.“
„Ja, aber beim Notfallzahnarzt?“
„Wir machen auch Nicht-Notfälle.“
„Ja, aber jetzt haben Sie auf?“
„Klar!“
„Könnte ich da mal vorbeikommen?“
„Sind Sie ein Notfall?“
„Nein, ein Mann.“
„Ja, aber haben Sie einen Notfall, Sie Mann, Sie?“
„Ich dachte, Sie machen auch Nicht-Notfälle?“
„Stimmt.“
„Also der Zahnarzt.“
„Zahnärztin!“
„Oh, das wusste ich nicht!“
„Das macht nichts. Wir haben auch Mann und Frau.“
„Und jetzt ist halt die Frau da.“
„Nee, der Mann ist auch da. Aber jetzt macht grad die Frau.“
„Ach so.“
„Genau.“
„Also da könnte ich mal vorbeikommen?“
„Natürlich!“
„Ist es denn voll?“
„Ganz entspannt.“
„Ich bräucht aber so 30 Minuten.“
„Ja, dann ist vielleicht voll.“
„Mhm.“
„Probieren Sie’s doch einfach mal!“
„Ich würd aber ungern warten.“
„Ich dachte, Sie sind einen Notfall?“
„Das hab ich doch gar nicht gesagt!“
„Stimmt.“
„Naja, vielleicht kommen Sie ja dann vorbei.“
„Na vielleicht mach ich das. Sonst müsste ich morgen früh um 7 Uhr.“
„Nee, das wär mir auch zu früh. Wir machen ja heut auch lang.“
„Bis wann sind Sie denn da?“
„22 Uhr.“
„Ach, das schaff ich.“
„Na dann, bis gleich.“
„Na ja, gleich.“
„Ja, 20 Minuten hatten Sie gesagt.“
„30!“
„Achso, na ja.“


Mein kulinarisches Leben ist ein seichtes Gewässer. Immerhin ist es schon ein kleineres Wunder, dass ich überhaupt irgendetwas zu Hause habe, das sich nicht durch bloßes Hinzuschütten von heißem Wasser oder 5-minütiges Erhitzen bei gelegentlichem Umrühren urplötzlich in Nahrung verwandelt.
Nicht im Bild: Wie wir eine Jahrtausende lange Mitgliederversammlung gemacht haben. Aber immerhin unheimlich viel klären konnten und jetzt alle total eingeschworen sind.
Auch nicht im Bild: Wie wir irgendwo zwischen angeekelt und dennoch fasziniert dabei zusahen, wie einer der Junkies unterm Küchenfenster minutenlang in seinem Arm herumstocherte, um eine Vene zu finden. Und wie er dann nach dem Drücken noch drei Minuten ganz sorgfältig seinen ganzen Krempel zusammenpackte, den kompletten Arm desinfizierte (absolutes Novum!) und erst dann apathisch und vollkommen verdreht liegen blieb. Verstehen Sie mich hier nicht falsch: Ich mache mich weder lustig noch ergötze ich mich irgendwie an den armen Menschen. Sie tun mir sehr ehrlich leid. Der wahrscheinlich einzige Grund, warum ich da wirklich mal des Öfteren dort hingucke, ist, dass ich einfach keinen Bock habe, dass mir mal jemand vor der Haustür verendet und ich dann nichts gemacht habe. Keine Ahnung, was ich überhaupt machen würde. Krankenwagen rufen, ja. Aber halt irgendwie so, dass nicht gleich die Polizei mitkommt. Und das ist insbesondere abends in der Eisenbahnstraße vermutlich nicht allzu oft der Fall. Hingehen und die Leute anpacken? Ich weiß wirklich nicht. Ich habe nicht gerade Berührungsängste, was Menschen mit Problemen angeht, aber als ich mal bei Substitutausgabe hospitieren durfte und am Anfang die Ansage bekam „Ja, musst halt bisschen aufpassen hier bei der Spritzenrückgabe, dass dich keiner sticht oder du nicht irgendwo reinfasst“, da wurde mir doch mal ein wenig anders. Naja, hoffen wir mal, dass es nicht dazu kommt. Vermutlich brennt eh eher das ganze Haus ab, weil die Herschafften ja auch gerne mal Feuer machen und dann daneben einpennen.
Und sowieso nicht im Bild: Der Waschbär, das Faultier und die Katze mit gender dysphoria.


Oh! Emm! Geh! Future Islands in Berlin. Wie gut war das bitte? Ich hätte zwar nichts dagegen gehabt, wenn nur ein Zehntel der Leute da gewesen wären resp. es einfach direkt in einem viel kleineren Club stattgefunden hätte, aber wer bin ich, mich zu beschweren. Das einzige Problem an sehr vielen Leuten ist halt, dass sich dadurch auch immer gleich der Anteil der Idioten vergrößert, ja vielleicht sogar potenziert. Sie wissen schon, so Leute, die einem fünf Minuten lang auf den Füßen herumspringen und es definitiv merken, aber gar nicht auf die Idee kommen, etwas daran zu ändern. Oder solche, die sich extra vor dem Konzert acht Wochen lang nicht mehr waschen, weil man schwitzt dort ja eh und das wäre ja sinnlos und so. Solche, die ausgerechnet für ihren Auslug in Reihe 3 heute Abend mal den Sombrero tragen, weil kann man ja wieder tragen und außer Berlin, nich wahr? Solche, bei denen man nie weiß, ob das noch Tanzen ist oder ob ihnen jetzt das doch das Stroboskoplicht zu schaffen macht. Solche, die vor einem stehen und plötzlich auf die Idee kommen „Hah! Ich reiß einfach mal meinen Arm direkt nach hinten, weil ich will der Jessica ja etwas zeigen OH GOTT WIESO STEHT DENN DA JEMAND DIREKT HINTER MIR?! JETZT HAT DER MIT SEINEM GESICHT MEINEN ARM GESCHLAGEN?! WAS SOLL DENN DAS?! DAS IST DOCH EIN KONZERT HIER?! WIESO SIND HIER ANDERE MENSCHEN AUSSER ICH?!“ (Und ja, solche Menschen sagen „außer ich“ statt „außer mir“.) Insbesondere in Bezug auf letztere Gattung sei hier mal ausdrücklich der Text Teenagermädchen von Christian Ritter empfohlen.
Naja, aber die Musik war göttlich. Ich hätte zwar keine acht Songs als Zugabe gebraucht, insbesondere der zweite Viererblock war definitiv zu viel, aber was soll’s. Trotzdem großartig, wenn es Musik schafft, einen mal wieder so richtig einzupacken und alles irgendwie so schön tragisch zu machen. Zum Beispiel, als ich dann mittendrin mal kurz Bier holen war und an der Bar sagte: „Zwei Bier“ und der Barmann meinte: „Zwei Bier BITTE“, ich dann wieder zurück vor die Bühne ging, dieses wunderbar tragisch schöne Fall from Grace lief und die ganze Zeit dachte, was für ein grauenhaft schlechter Mensch ich doch bin, dass ich doch eigentlich gar nicht so unfreundlich bin, normalerweise ja sogar immer bitte sage, aber genau jetzt halt EINMAL nicht und dann werde ich direkt zurechtgewiesen, völlig zurecht, versteht sich, ich bin ein schlechter Mensch, ich möchte sterben. (Falls Sie sich gerade das Teenagermädchen-Video angesehen haben, werden Sie vermutlich Parallelen in meiner Psyche finden.)
Nicht im Bild: Wie wir nachmittags beim Mafiagriechen waren (wie immer natürlich die einzigen Gäste, ich habe noch niemals jemand anderes dort essen sehen und die Belegschaft freut sich immer so extrem, wenigstens einmal am Tag etwas zu tun zu haben, dass sie immer noch kostenlos Schnaps und Dessert bringen, auch wenn man das gar nicht will) und ich den ganzen Tag Gyrosduft verströmte, was während des Konzerts ganz praktisch war, weil die meisten Leute automatisch einen Sicherheitsabstand zu mir wahrten.
Auch nicht im Bild: Wie wir im Trinkteufel saßen, sich zwei Amerikaner neben mich setzten, der eine von ihnen kurz auf Toilette ging und als er wieder kam sagt: „I think my body’s dying. It all just falls apart.“


Speaking of „my body’s dying“. Ich beiße nie wieder in meinem Leben auf ein Bonbon. Warum habe ich überhaupt ein Bonbon gegessen? Ich esse nie Bonbons! Was ist eigentlich los mit mir? Die Leute auf Instagram schreiben schon nicht umsonst „Schade, dass du dich verändert hast“, auch wenn ich das nach wie vor sehr lustig finde. Naja. Und wenn dann eben an der Seite des Backenzahns plötzlich so ein Loch ist, dessen Kanten auch noch total scharf sind (und man am nächsten Tag ja Quesedillas essen gehen muss!), dann darf man auch ruhig mal zum Notfallzahnarzt. Und wenn man Glück hat, dann landet man dabei dann sogar in Grünau. Ja richtig, dem gruseligen Grünau, Stuttgarter Allee, dies das. Ist überhaupt nicht gruselig da. Oder war es zumindest an dem Abend nicht. Was vielleicht auch daran gelegen haben mochte, dass mein halbes Gesicht gelähmt herab hing und sich nicht einmal die Gangster trauten, mich dumm anzumachen. Immerhin habe ich mich mal wieder daran erinnern dürfen, dass Zahnarzt gar nicht so schlimm ist, wenn man denn eine Spritze bekommt. Ich weiß, viele Leute sagen, gerade die Spritze in den Gaumen oder über die Zähne sei besonders unangenehm, aber wahrscheinlich habe ich in meinem Leben schon zu viele viel zu heiße Instantnudelsuppen heruntergeschlungen, dass ich solche Dinge schon gar nicht mehr spüre. Erst, wenn die Ärztin dann sagt, ich solle mal bitte ausspülen und mir die Hälfte des Wassers zuverlässig auf den Pullover läuft, merke ich überhaupt, dass ich vermutlich eine Betäubungsspritze bekommen habe. Okay, die Geräusche nerven hart. Noch dazu, wenn die Praxis strategisch ungünstig gebaut resp. das Behandlungszimmer schlecht isoliert ist und man vom Wartezimmer komplett mitbekommt, dass bei dem Mädchen, das vor einem dran ist, der Besuch beim Notfallzahnarzt wohl doch notwendiger war als bei einem selbst. Egal. Viel interessanter fand ich sowieso die Lektüre der Bravo, um mir die Zeit zu vertreiben. Womit sich die Kinder heutzutage beschäftigen, Wahnsinn. Zum Beispiel gibt es da Tests, wo man anhand der eigenen Snackvorlieben bestimmen kann, was für einen Charakter man hat (Ergebnis: Chips und Salzstangen –> Du bist der lustige Typ, der immer einen freshen Kommentar auf Lager hat.). Oder Dr. Sommer erklärt, was man tun kann, wenn die eigene Freundin andauernd zu sexy Fotos von sich auf Instagram postet. (Ergebnis: Man spricht sie darauf an und sagt: „Hey, deine sexy Fotos auf Instagram sorgen dafür, dass ich mich unwohl fühle. Ich fühle mich dann nicht ernst genommen.“) Und dann gibt es Ratgeber, wie man richtig zurückdisst, wenn man mal gedisst wird. Ein Beispiel: „Du bist echt das Letzte!“ Kesse Antwort: „Ja, denn das Beste kommt bekanntlich immer zum Schluss!“ Bam, Aldr!
Nicht im Bild: Wie ich einen Tag später Quesedillas aß und es einfach göttlich war.


Oben: Hier war also Buchmessenslam, Schauspiel Leipzig, dies das. Wieso machen wir das eigentlich nicht öfter? Ist doch total super und die Leute dort sind voll nett. Außerdem mag ich den Fahrstuhl beim Bühneneingang. Will man ins Erdgeschoss, muss man „S“ drücken, vermutlich weil damit „’s Erdgeschoss“ gemeint ist. Will man zur Bühne, so drückt man P für „Pühne“ und will man in den Dachboden, so muss man „R“ wählen, weil „roof“ und so weiter. Nur der Keller hat „K“, aber das ist okay.
Unten: Das vermutlich instagram-mäßigste Instagrambild, das ich seit langem gemacht habe.
Nicht im Bild: Treppenparty mit der Erkenntnis, dass es 88 Euro kostet und man einen Punkt bekommt, wenn man direkt vor der Polizei bei Rot über die Ampel fährt. Ganz egal, ob man einen Führerschhein hat oder nicht. Aber man ist halt defintiv der/die Allercolste, wenn man schon einen Punkt hat, bevor man überhaupt den Führerschein dazu bekommt, das ist ja wohl mal klar.
Auch nicht im Bild: Die Suche nach der Kutte. Der Fast-schon-wieder-Sonnenbrand, nur weil ich mal 30 Minuten in der Sonne laufe. Im März. Die viel zu vielen Menschen an einem Samstagnachmittag in der Innenstadt. Der kleine Junge, der seine H&M-Tüte mit hängendem Kopf lustlos hinter sich her quer über den Marktplatz zog. Wie meine Denkfunktion nachlässt, sobald ich Hunger habe und dann plötzlich Dinge frage wie: „Hat er gerade ‚Ja! Ja!‘ oder ‚Rührei! Rührei!‘ gesagt?“ Die Erkenntnis, dass Mehl verschiedene Typen hat und ich keine Ahnung habe, was der Unterschied zwischen Typ 405 und Typ 550 ist. Die zweite Erkenntnis, dass man wirklich _extrem_ viele Zwiebeln auf Flammkuchen packen kann. Abends mit Räpp durch die Stadt fahren und erstmal Tschüss sagen, was schon ein bisschen traurig ist, aber man freut sich ja auch. Und vielleicht klappt das ja wirklich mit dem Besuchen.


Die Lange Nacht der Lesebühnen, immer noch die schönste Veranstaltung des Jahres. Das da unten bin ich beim Quatscherzählen. Keine Ahnung, was ich erzähle, ich falle meist kurz vor Beginn einer Veranstaltung in so eine Art Ohnmacht und erwache dann immer erst nach Schulschluss und der Rest dazwischen passiert dann irgendwie.
Das Foto habe ich übrigens geklaut von @tante_alexis.

Was fehlt:

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