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A Week in Pictures 11/2017

„Ja, das sieht doch alles ganz gut aus auf den Röntgenbildern.“
„Mhm.“
„Schöne Knochen hamm Sie!“
„Danke!“
„Aber tut trotzdem weh?“
„Ja so manchmal, wenn ich den Arm so nach hinten …“
„Na dann machen Se sich ma frei und wir gucken mal.“
„Okay.“
[ANTREH ZIEHT GERADE PULLOVER UND T-SHIRT ÜBER DEN KOPF]
„Ach, seh ich schon. Könnse gleich wieder anziehen.“
„Was sehen Sie denn?“
„Hammse das nicht bemerkt?“
„Was denn?“
„Na das sieht man doch.“
„Ich seh nix.“
„Na da, alles gesprengt.“
„Wie gesprengt?“
„Schultereckgelenksprengung.“
„Achje.“
„Klassische Radprofiverletzung.“
„Ich bin aber kein Radprofi.“
„Normalerweise bricht einem da ja das Schlüsselbein.“
„Mhm.“
„Aber ihre Knochen sind halt super! Da bricht gar nix!“
„Ja toll.“
„Und wenn das Schlüsselbein nicht nachgibt, macht’s eben die Schulter.“
[DER ARZT SPIELT MIT SEINEM GELENKMODELL HERUM UND MACHT EXPLOSIONSGERÄUSCHE]
„Und nu?“
„Lassmer so.“
„Wie lassmer so?“
„Na das is doch schon ewig her!“
„Ja, ich dachte ja, das geht von alleine weg.“
„So was geht nicht von alleine weg.“
„Das weiß ich jetzt auch.“
„Ach, die Radprofis lassen das auch einfach.“
„Ich bin aber kein Radprofi.“
„Ja, sonst wären Sie ja auch nicht hingefallen.“
„Ja ja.“
„Wie oft war das?“
„Dreimal.“
„Na dafür sieht’s doch aber ganz gut aus.“
„Und wollen Sie die andere Seite auch nochmal röntgen?“
„Könnwer machen, aber ich seh schon, was da rauskommt. Könnwer also auch lassen.“
„Na prima. Und was ist jetzt wegen der Schmerzen? Das tut ja weh, wenn ich den Arm so nach hinten …“
„Dann machen Sie das einfach nicht mehr.“
„Na geil.“
„Wieso, brauchen Sie das?“
„Eigentlich nich.“
„Na dann.“
„Na dann.“


Oben: Mein lieber Verlag Voland & Quist war so nett, mir die neuen Bücher von Nadja Schlüter (Einer hätte gereicht) und Uli Hannemann (Wunschnachbar Traumfrau) zu schicken. Denn wenn 1) wir am Sonntag schon gemeinsam bei der Langen Nacht der Lesebühnen im UT Connewitz auftreten (oh man, es wird sooo cool, ich freue mich viel zu sehr darauf, sodass es eigentlich fast zwangsläufig eine Katastrophe werden muss) und 2) ich es schon nicht fertig bringe, ein neues Buch zu haben, so muss ich doch wenigstens die der Anderen lesen.
Unten: Doch noch den Neo-Rauch-Film gesehen. Ja, sehr gut. Kann man definitiv gucken. Sehr sympathischer Mann, der Herr Rauch. Ich mag, wie verschwurbelt er spricht, wobei es auch ein bisschen so wirkt, als ob er das mittlerweile als eines seiner Markenzeichen akzeptiert hat und manchmal absichtlich umständlich spricht. Aber die Bilder, die Bilder! Und wie immer: Von mir aus könnte man viel länger das Malen an sich zeigen. Ich guck da gern zu. Ich schau mir gern an, wie so ein Bild entsteht, weil es das Ganze ein bisschen entmystifiziert, wenn man sieht, dass Manches im ersten Moment auch nur so halb geil aussieht oder man erst aus drei Metern Entfernung nicht mehr sieht, dass es manchmal durchaus unsauber ist. Vielleicht auch ein, zwei Szenen zu viel. Ich weiß nicht, warum ich jetzt unbedingt die Häuser der Sammler*innen sehen musste und dafür weniger Galerieszenen, aber hey. Es schmälert den Film nur marginal. Insbesondere, wenn es später um Neo Rauchs Eltern geht, wird es supergut. Lieblingsjob aus dem Abspann: Der Geräuschemacher. Was er wohl zu tun hatte? Ich vermute, er hatte nur ein einziges Mal etwas zu tun. Und das war in der Szene, in der Neo Rauch beim Fahrradfahren gefilmt wurde. No way das dabei der Ton geangelt wurde. Also wurde bestimmt der Geräuschemacher engagiert mit der Aufgabe: „Nimm mal Fahrradgeräusch auf!“ Erinnert mich sofort wieder daran, wie ich damals für das TTZ-Album bestimmt 30 Munuten lang Toilettenspülungen aufgenommen habe, weil wir das als Hintergrundgeräusch brauchten. Guter Job, auf jeden Fall. Btw: Wie angepisst ist eigentlich gerade Michael Fischer-Art?


Oben: Lesebühne Fuchs & Söhne in Berlin. Und dann auch noch dreijähriges Jubiläum. Und es war natürlich sehr schön. Ich glaube, wir machen das weiter.
Unten: Zu spät zur Lesebühne, Danke für nichts!


Oben: Symbolfoto „André backt, bäckt oder wie auch immer das heißt“. Ich bin ja davon überzeugt, dass ich eigentlich alles kann, aber halt das meiste nicht können will. Backen kann ich jetzt jedenfalls. Zwar wäre ich fast an der Tatsache gescheitert, dass in Rezepten zwar immer alle Inhaltsstoffe stehen, aber dafür nie, dass man zum Beispiel eine Schüssel braucht. Und dann find mal eine Schüssel. Wo gibt es Schüsseln? Ich habe noch nie von einem Schüsselladen gehört. Das ist genau so, wie niemand weiß, wo es Wunderkerzen gibt, weil Wunderkerzen ja meist nur Silvester gekauft werden und dann da gibt es die dann sowieso überall. Aber wo kriegt man die in der off season? Ich habe es herausgefunden, werde es aber nicht verraten. Der Grund: Ich werde demnächst vermutlich ein Geschäft eröffnen, in dem es ausschließlich solche Artikel zu kaufen gibt, die jede*r braucht, von denen aber niemand weiß, wo man sie herbekommt. Zur Eröffnung gibt es erstmal nur Schüsseln und Wunderkerzen, denn ich habe gleich mehr zugeschlagen Kollegah, aber ich bin sicher, mein Sortiment wird sich schnell erweitern. Denn wenn auf eines Verlass ist, dann darauf, dass mich der Alltag hoffnungslos überfordert.
Nicht im Bild: Wie die Muffins nachher doch ganz schön platt waren, weil ich die ganze Zeit den Ofen geöffnet habe, weil ich der Glasscheibe nicht glauben wollte. Wie das aber ganz okay war, immerhin wollte ich obendrauf ja noch Faultiergesichter modellieren und diese anschließen mit einer Schokoladenbuttercréme umranden. Erstes funktionierte so halb, denn mittlerweile weiß ich, dass sich Hunde und Faultiere anscheinend doch ähnlicher sehen, als man denkt. Das mit der Buttercréme funktionierte eher nicht so gut, außer man steht halt auf kleine Butterstückchen, weil André zuvor zu faul war, die Butter auch wirklich wirklich wirklich crémig zu schlagen. Wobei schlagen auch schwierig war, denn es mangelte an einem entsprechenden Mixer. Und ja, ich sage nicht Handrührgerät, denn für mich das Ding zu Rühren eben ein Mixer und das Ding zum Häcksel ein Dschinn-Dschinn. Ja, Dschinn-Dschinn. So wie das Geräusch, dass es macht, wenn man da etwas häckselt. Dschinn! Dschinn!
Auch nicht im Bild: Wie ich absolut keine Ahnung von Mengenverhältnissen habe (außer beim Abmessen der einzelnen Bestandteile natürlich, denn neben einer Schüssel besitze ich neuerdings auch einen Messbecher!) und deshalb plötzlich 48 Muffins gemacht habe.
Unten: Ab heute endlich in Lohn und Brot.


Grünes Bier, grünes Bier, grünes Bier!
Nicht im Bild: Wie wir einen Abend später anderthalb Stunden Barschicht machten und ich seither in einer Sinnkrise stecke. Denn hätte ich vorher gewusst, wie viel Spaß Arbeit hinter der Bar macht, mein Leben wäre heute ein anderes. Keine Ahnung, ob ich das richtig gemacht habe, aber immerhin hat sich niemand beschwert (vielleicht auch deshalb, weil ich sehr starke Drinks mache). Und glücklicherweise hat niemand einen Whiskey Sour bestellt, denn dafür hätte ich den Shaker benutzen müssen und den finde ich irgendwie unheimlich. Aber ansonsten: Wie geil ist das denn bitte? Man ist die ganze Zeit beschäftigt, die Zeit vergeht wie im Flug und trotzdem ist man immer dabei, bekommt alles mit und man ist un-glaub-lich wichtig. Warum habe ich das früher nie gemacht? Ich wusste ja schon, dass mir Abwaschen Spaß macht, aber professioneller Abwascher sollte es dann lieber doch nicht sein. Und an der Bar sein fetzt sowieso. Aber was für ein erhabenes Gefühl ist es denn bitte, wenn man gerade wieder eine Welle Ansturm bewältigt hat und dann völlig cool mit einem Handtuch dasteht, Zigarette im Mundwinkel und dabei gelangweilt Gläser abtrocknet? Woah. Und dann wieder Bier, Bier, Bier, Kleingeld, Gin Tonic, Bier, Gin Ice Tea, Radler (Iiih!), Whiskey (Puh, er will wirklich nur einen stinknormalen Whiskey!), Bier, Bier, Abwaschen, Bier, Abtrocknen, ein Stück Schnur (Häh?), Rhabarber, Zitronenlimo (Cola ist viel geiler!), Rhabarber, Bier, Bier, Bier. Ich muss unbedingt irgendwo hinter der Bar arbeiten, sonst hat mein Leben keinen Sinn mehr.
Und weil’s so schön ist: Seven drunken nights.


Die Verrückten wollten mal wieder durch Leipzig marschieren und es klappte nur so halb. Es klappte, d.h. die Idioten durften tatsächlich ihre Alternativroute entlang, weil die Polizei derart massiv alles abgesperrt hatte, dass man andauernd riesige Umwege laufen musste und darüber hinaus froh sein konnte, wenn man an der ein oder anderen Stelle die Nazitrottel wenigstens mal sehen konnte. Wie war das doch gleich mit Gegenprotest in Sicht- und Hörweite? Ganz schön arm, wie die Polizei mal wieder alles freiräumte, nur weil 130 (!) Vollidiot*innen meinten, sie müssten sich in Leipzig irgendetwas selbst beweisen. Ganz schön arm war sowieso auch die Kommunikation der Polizei im Vorfeld der Demo, die direkt mal allen Gegendemonstrant*innen unterstellte, Gewalt zu tolerien, schon pro forma mit Zwangsmaßnahmen drohte und dann sogar empfahl, am Demotag einfach zu Hause zu bleiben oder die Südvorstadt zu meiden. Toppen kann das eigentlich nur noch so ein armseliger Tweet der Stadt selbst. Was geht eigentlich bei euch da im Rathaus? Deeskalation habt ihr auf jeden Fall drauf.
Naja, davon ab: Gefrustete Polizist*innen, wohin man schaut nebst solchen, denen Autorität einfach nicht bekommt. Aber ich wäre auch gefrustet an deren Stelle. Schlimm genug, Polizist*in zu sein und dann muss man auch noch Nazis beschützen. Ein klein bisschen ernüchtert war ich allerdings, weil es doch gar nicht sooo viele Gegendemonstrant*innen waren, wie ich eigentlich vermutet hätte bei all der Mobi zuvor.
Auf jeden Fall verstehe ich nicht, wie man ernsthaft bei Twitter schreiben kann, man traue sich nicht auf die Straße, weil da regiere ja das linke Chaos. Im Gegenteil, von Connewitz bis zum Bayrischen Bahnhof fühlte es sich fast an wie ein Sonntagnachmittagspaziergang, so ruhig war es. Maximal die komplett in riot gear herumstehenden Polizist*innen verbreiteten da ein mulmiges Gefühl. Manchmal frage ich mich echt, welche Filter man da im eigenen Kopf haben muss. Aber das frage ich mich in letzter Zeit erstaunlich oft: Bin ich verrückt oder doch alle anderen? Wobei das Problem ist, dass es wahrscheinlich eines der untrüglichsten Zeichen ist, dass man wirklich verrückt ist, sobald man sich das fragt. Aber was, wenn es nun tatsächlich so ist und man sich einfach nicht traut, sich das zu fragen, weil man nicht egoistisch sein will? Das nützt ja auch nichts. Es bleibt anstrengend.


Selbstvergewisserungsfoto am Montag. Und überhaupt: Milchshake und Sonne, so starten nur die guten Wochen.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

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