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A Week in Pictures 10/2018

Vielleicht besitze ich neuerdings das schönste Post der Welt. Es trägt den Titel „Am Zigarettenautomat“ und stammt aus einer Volksschule in Passau. Zu gern würde ich wissen, in welchem Fach dieses Bild mal zur Anwendung kam. Wie interessiert die Kinder mit den Schlaghosen gucken. Und wie der Mann überlegt, ob er ihnen nicht einfach eine Schachtel schenken soll. Oder sind die Kinder nur das Ablenkungsmanöver und etwas weiter hinten bereitet sich gerade eine Kindergang vor, die gleich den ganzen Bulli-Bus ausräumt? Ich meine, ist immerhin ein gefährliches Neubaugebiet und es war ja nicht alles peace, love und unity in den Sechziger/Siebzigern.


Langsam reicht’s. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass es das wintermäßig noch nicht war. Aber das entscheidet sich dann jetzt zur Buchmesse. Eigentlich war zur Buchmesse bisher immer wunderbares Wetter. Was jedoch hieß, dass es danach noch einmal kalt wurde. Wenn jetzt zur Buchmesse kein gutes Wetter ist, was heißt das also für die Zeit danach? Wir werden sehen.
Nicht im Bild: Einjähriges Jubiläum des In-die-Wand-bohr-Vorfalls aka „Na hoffentlich läuft hier keine Leitung lang“. Kann ich Ihnen nicht empfehlen. Das blitzt ganz schön doll und es knallt wie verrückt. Und dann ist plötzlich die halbe Küche tot, weil im Haus alle Leitungen von Verrückten verlegt wurden, d.h. schräg die Wände entlang und überhaupt kreuz und quer, sodass man, wenn man im Flur bohr, plötzlich eine Leitung der Küche trifft. Immerhin: Selbst der Handwerker, der das wieder geradebiegen musste, meinte, das hätte man nicht ahnen können. Ab jetzt jedenfalls nur noch mit Leitungssuchgerät.


Ich wusste gar nicht, dass es bei so Kunsteröffnungen anscheinend immer Essen gibt. Vielleicht sollte man da mal einen Aushang bei der Tafel machen. Auf jeden Fall scheint es in der Welt der Akademiker-Rentner längst angekommen zu sein, dass man sich bei Vernissages kostenlos den Bauch vollschlagen kann, solang man sich etwas halbwegs Schickes anzieht und vorher etwa 30 Minuten lang halbwegs interessiert in der Gegend herumschaut. Komisch, wie deplatziert man sich bei so etwas vorkommt, wenn man nicht zum Netzwerken gekommen ist, sondern weil man sich das Zeug tatsächlich anschauen will. Ich hasse Netzwerken. Schreibt mir einfach eine Email. Ich weiß, ich weiß, gehört alles irgendwie dazu, aber das ist ja das Schlimme. Beziehungsweise ist das Schlimme, wie weit man mit bloßem Netzwerken kommt. Ich würde behaupten, oft sogar weiter als durch Qualität. Außerdem nervig: Dass Kunst, Literatur, Musik und all der Betrieb drumherum so viele nervige Leute anziehen. Leute, die einem immer erst einmal erzählen müssen, wie geil sie sind oder die einen sowieso links liegen lassen (links liege ich am liebsten!), bis sie irgendwann merken, dass man doch irgendetwas hat oder irgendjemand kennt, der/die/das für sie wichtig sein könnte. Und plöööötzlich ist man hochinteressant und ahahaha, toooooll, dich hier zu sehen! So habe ich bspw. noch nicht ein Zitat aus Benjamin von Stuckrad-Barres neuem Buch gesehen, weiß aber schon lange, dass Smudo, Joko, Clueso und wahrscheinlich alle anderen Promis auf O es total geil finden. Klappern gehört zum Handwerk, würde meine Mutter sagen. Ja, würde ich antworten, aber Klappern nervt und ich mag Stille. Ziel also: So bekannt sein, dass es einer*m niemand übel nimmt, wenn man gegen den Betrieb ist, so Christian-Kracht- oder Thomas-Bernhard-mäßig. Und diesen Aushang bei der Leipziger Tafel machen.


Oha, The Soft Moon, was für ein gutes Konzert. Definitiv eine Live-Band, deren Songs man sich ganz gut zu Hause anhören kann, was allerdings überhaupt kein Vergleich zu live ist. Falls Sie Filmemacher sind und nach dem perfekten Sound suchen, um irgendeinen Untergrundclub oder einen ganz miesen Trip zu instrumentalisieren, hier werden Sie fündig. An solch einem Abend möchte man nicht neben oder über dem UT wohnen. Denn zumindest, als ich kurz auf dem Klo war, dachte ich, die Fliesen würden gleich von den Wänden fallen. Und vor allem fand ich es schön, wie unprätenziös die ganze Band ist. So oder so ist es zu dunkel, um irgendjemanden zu erkennen und wenn man doch etwas sieht, macht das Stroboskoplicht sofort alles zunichte. Ich mag solche Bands, weil es bei ihnen immer noch den Anschein hat, als ginge es tatsächlich um die Musik und nicht darum, ein verdammter Rockstar zu sein. Ich glaube, ich werde mit der Zeit immer empfindlicher, was Angeberei und bloße Selbstdarstellung angeht.
Nicht im Bild: Wie ich sowieso schon zufrieden war, weil ich seit neustem Scrivener benutze und es einfach das beste Schreibprogramm ever ist. (Ja, darüber kann ich mich ernsthaft freuen. Sie sollten mich mal sehen, wenn ich über Zahnpasta oder Zurück in die Zukunft rede.) Die perfekte Verbindung aus Textmanagement, d.h. ich habe alle Texte sofort in der Seitenleisten griffbereit, und einer ablenkungsfreien Oberfläche, d.h. ich kann einfach per Tastenkombination all die ganzen Leisten, Formatierungstools und wasweißich ausblenden und habe nur noch Text vor mir. Der aber gleichzeitig immer noch gut aussieht. Und ich kann wunderbar leicht Formatvorlagen erstellen, damit der Text am Ende genau so aussieht, wie ich möchte, dass meine Texte aussehen. Plus extrem gute und leichte Exportmöglichkeiten in alle wichtigen Formate. Großartig, absolut großartig. Genau danach habe ich immer gesucht, musste aber immer auf separate ablenkungsfreie Schreibprogramme ausweichen und am Ende dann alles wieder in Word kopieren, es formatieren und anschließend exportieren. Noch dazu, dass es einfach nicht fetzt, immer fünf Dokumente gleichzeitig offen haben zu müssen. Und falls Sie noch einen App-Tipp für Mac brauchen: Magnet. Eine Schande, dass ausschließlich Windows seit Windows 7 diese großartige Funktion eingebaut hat, Fenster durch bloßes An-den-Rand-Ziehen dort zu fixieren und bspw. genau den halben Bildschirm einnehmen zu lassen. Warum gibt es das bei Mac OS X nicht nativ? Egal, es geht ja auch so. Wird aber hoffentlich irgendwann einfach ins Betriebssystem übernommen.


Und dann war ich kurz in Dresden bei der HuZo. So richtig mit Hotelzimmer im zehnten Stock und „Wie jetzt? Für mich?“-Gefühl. Immerhin gab es weder Badewanne noch Balkon, sonst hätte ich vermutlich endgültig die Bodenhaftung verloren. Und immerhin befand sich die Dusche mitten im Raum, was schlimmer klingt, als es ist, denn es hat den großen Vorteil, dass man beim Fernsehgucken bequem duschen kann und so nichts von Tomb Raider verpasst (meine Güte, ist das ein schlechter Film). Viel besser stattdessen: Manhunt: Unabomber. Darin geht um, oh Wunder, den Unabomber Ted Kaczynski, quasi der Typ aus „Into the wild“, nur dass er seine Naturbezogenheit und Technikfeindlichkeit etwas weiter getrieben und jahrelang Briefbomben verschickt hat, um gegen das System zu protestieren. Wenn Ihnen Mindhunter gefallen hat, dann gefällt Ihnen definitiv auch Manhunt.
Zum Auftritt: Sehr gut. Obwohl es Leute in Dresden offenbar nicht so cool finden, wenn man auf die Bühne kommt und sagt: „Ich komme aus Leipzig. Falls Sie das nicht kennen, das ist die größte Stadt in Sachsen.“ Aber ich stänkere halt gern.
Nicht im Bild: Noch schön vor dem Auftritt zwei Stunden im Hotel sitzen und Oneliner für die vermutlich schönste Showidee seit langem zusammentippen. Hach, ich wünschte, ich könnte es schon erzählen. Aber ich sage Bescheid. Immerhin kommt wohl bald der Roast von Ingolf Lück endlich online. Und das ist doch schon mal die beste Nachricht des Tages.


Links: Oha. Ja ja, ich weiß, die USA kann man seit Trump ja nicht mehr betreten. Leute, ich fahre nicht nach Syrien und küsse Assad die Füße. Wenn es darum geht, dann hier mein Tipp für die Zukunft: Besser jetzt jede Woche demonstrieren gehen, sonst frage ich in drei Jahren ganz fies, wie es passieren konnte, dass die AfD plötzlich an der Regierungsbildung beteiligt ist.
Rechts: Digitalisierung second, Flugtaxis first! „Mimimi, immer nur auf die Politiker*innen einprügeln, statt sie erstmal machen zu lassen.“ How about nö? Politiker*innen verdienen viel Geld, stehen in der Öffentlichkeit, haben spätestens mit einem Mandat bis an ihr Lebensende ausgesorgt und sind dafür verantwortlich, die Bürger*innen so zu repräsentieren, dass sich ihre Meinung in der Politik wiederspiegelt und dass hier nicht alles gegen den Baum läuft. Wenn da also die neue Staatsministerin für Digitales direkt im ersten Interview von fliegenden Taxis faselt und zum Thema Internet wieder nur „Ja ja, machen wir doch!“ sagt, dann darf man sich da ruhig drüber lustig machen. Dasselbe gilt, wenn dieser bayrische Flüchtling statt „Heimatministerium“ in der Pressekonferenz „Heimatmuseum“ sagt. Im Gegenteil, ich bin sogar der festen Überzeugung, dass man sich immer wieder mit der Sinnlosigkeit vieler Aussagen von Politiker*innen beschäftigen muss. Einfach, weil man Unsinn nicht unkommentiert stehen lassen sollte, sonst denken manche Leute, es wäre eine Wahrheit. Und weil ich sonst arbeitslos wäre.
Nicht im Bild: Sonntägliche Abenddiskussionen über Gender und dann vor lauter talk das Fahrrad vor der Kneipe vergessen, wo es am nächsten Morgen immer noch steht – mitten auf dem Gehweg. Da haben die Linksextremisten anscheinend einen guten Tag gehabt. Oder sie sind gar keine so bösen Menschen. Aber ich glaube eher, sie hatten einfach einen guten Tag.
Auch nicht im Bild: Sieben zu eins bei den RB-Frauen. Und es hätte durchaus neun oder zehn zu eins enden können. Meine Güte, was war denn da los? Wenn das so weiter geht, dann bin ich sehr gespannt auf das Spiel gegen die Tabellenzweiten in zwei Wochen. Und dann könnte das vielleicht doch noch was werden mit Tabellenplatz 3 und dem Sich-ins-Gespräch-bringen-für-den-Aufstieg nächste Saison.

In Kategorie: a week in pictures

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