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A Week in Pictures 10/2017

Irgendwann checke ich mal nachts in dieses Hotel hier in der Hood ein, dessen Internetseite aussieht, als hätte sie bereits vor Erfindung des Internets existiert und in dem es eine DDR-Suite gibt. Einfach so, weil mir der restliche Weg nach Hause zu weit ist und man sich ja auch ab und zu mal was gönnen muss. Außerdem schläft man ja nie in der eigenen Stadt in Hotels und warum eigentlich nicht? Hotels fetzen total. Okay, einmal habe ich in Leipzig in einem Hotel geschlafen und da gab es an der Rezeption auch einfach so ein iPad dazu, der Whirlpool war 24 Stunden lang geöffnet und schon war mein Herz erobert. Man müsste viel öfter in Hotels schlafen. Meine Ausgaben beschränken sich ja auch auf relativ wenig. Fixkosten, ein bisschen Biertrinken, ein bisschen Tabak und die zwei- bis dreimonatliche Sinnlosbestellung von Süßigkeiten oder Schinken nachts im Internet. Geld auszugeben stresst mich sowieso ungemein. Noch dazu, weil man danach meist sogar etwas besitzt, so man denn keine Dienstleistung erworben hat. Allein der Fakt, dass ich eine Waschmaschine besitze, lässt mich nachts manchmal hochschrecken. Manchmal wache ich aber auch nachts einfach nur auf, um mich zu fragen, ob es den Tigerentenclub eigentlich noch gibt und wenn ja, ob ich den in der Mediathek gucken kann. Dann schlafe ich wieder ein. Egal, es stresst mich jetzt schon, dass ich mal in nächster Zeit eine Regenjacke und neue Schuhe brauche. Dass alle Jacken, die mir gefallen, mindestens 500 Euro kosten. Dass ich mich einfach nicht entscheiden kann. Und dass ich es geschafft habe, nahezu gleichzeitig in all meinen Hosen in der rechten Hosentasche ein Loch zu haben. Und es dann einfach nie fertig bekommen habe, diese Löcher mal zu nähen. Wobei, ich habe es jetzt geschafft. Einmal Marathonnähen, richtig gut ging das, so gut, dass ich bei der letzten Hose total übereifrig und dabei aus Versehen die Tasche komplett zugenäht habe. Weswegen ich jetzt auch eine neue Hose brauche, naja.


Oben: Oh, Vorschau auf [sla(m]dr), die Sendung mit dem kompliziertesten Titel ever, weshalb man sie auch einfach als #slamdr abkürzen darf, das erlaube ich. Sieht gut aus! Insbesondere, weil da am Ende mein Name steht und jemand „Autor“ daneben geschrieben hat. Und wieso steht da eigentlich nicht „Autor und Typ, der die Ankündigungstexte und Regeln live vorträgt, wobei die Leute gar nicht checken, dass es keine Aufnahme ist“? Naja, wir wollen nicht so pingelig sein. Schlimm genug, dass ich jetzt doch nicht im Vorspann zu sehen bin (Sie erinnern sich, die große Karriere, ich als Vorspannboy der Sendung, wow!) und nun irgendwie sehen muss, wie ich all die Luxusgüter (Sie wissen schon, Ferrari, Finca, Waschbär, Faultier etc.), die ich mir schon mal in weiser Voraussicht meines nahenden Reichtums gegönnt habe, wieder reklamieren kann. Fuck. Die Sendungen laufen vermutlich ab 12. April immer wöchentlich mittwochs um Keineahnungwieviel Uhr, aber da sage ich noch einmal rechtzeitig Bescheid.
Unten: Wenn du Buchbesprechung hast, wie ein Wahnsinniger 90 % des Skripts für die neue Staffel Comedy mit Karsten in den Computer gehackt hast, unglaublich froh bist, es irgendwie rechtzeitig geschafft zu haben und die beiden Moderatoren es sogar gut finden, dann ist es ein besonders tolles Gefühl, wenn es dann heißt: „Häh? Wieso hast du das schon fertig? Hatte ich Abgabe gesagt? Oh.“ Wurscht! Ist ja
Nicht im Bild: „Ja, du musst unbedingt bei Dings mitmachen! Das wär super!“ „Hey André, ich hab erfahren, dass du bei Dings mitmachen sollst. Und was willst du da eigentlich machen? Wir haben auch eigentlich kein Geld mehr, aber das klärt sich.“ „Okay, läuft! Super, dass du mitmachst! Aber warte mal noch auf das finale Okay.“ „Ach ja, André, nee, das ist doch nichts geworden. Wir haben einfach vergessen, dir Bescheid zu sagen.“ – Danke!
Auch nicht im Bild: Wie ich zum Essen lud und fragte, ob Lasagne oder Kartoffelauflauf und es dann hieß „Alles!“ und ich deshalb einfach alles machte, was natürlich viel zu viel war, aber deswegen isst man das ja dann trotzdem und so bestand also ein Großteil meiner Woche daraus, Spinatlasagne und Kartoffel-Hackfleisch-Auflauf zu essen. Mein Leben ist ein Vergnügungspark.
Auch nicht im Bild: Post-Abgabenbelohnung, die zeitweise gestört wurde von dem komischen Mann, der hier im Viertel rumläuft und immer erzählt, er wäre Professor, bräuchte mal eben eine Zigarette, die könne er auch ohne Probleme bezahlen, weil Geld habe er genug und er wolle auch gar nicht lange bleiben, denn eigentlich warten seine Frau und seine Mutter ja auf ihn oder die kämen vielleicht gleich bzw. ist seine Frau ja eh besoffen und deshalb könne er im Prinzip doch bleiben. Ja, ja, er hält gleich die Fresse. Aber Lessing, der ist einfach so unfassbar lustig. Ja, sorry, er sagt jetzt nichts mehr. Aber noch mal kurz wegen der Zigarette? Nee, na gut. Er könne ja sogar selbst drehen. Ja okay. Fresse halten jetzt.
Und ebenfalls nicht im Bild: Wie letztens drei Mittfünfziger-Männer mittags mit Bier und Sekt vorm Haus standen, vor ihnen ein komplett mit Luftballons gefüllter Kombi und mittendrin der lustige Mann, der wohl mitfeiern wollte, was irgendwie aber die Feierenden nicht so cool fanden und ihn deshalb verscheuchten, woraufhin er sie unbedingt anzeigen wollte. Das zumindest erzählte er ununterbrochen auf dem Weg bis zur Ecke. Ich glaube, dann hatte er es schon wieder vergessen und musste jemand anderes belabern.


Wieder was gelernt: Im Globus darf man keine Fotos machen. Ist illegal. Warum, höre ich Sie fragen. Nun, das fragte ich mich auch. Und die Frau, die mich ermahnt hatte.
„Weil Sie könnten ja die Ideen klauen. Wie hier alles aufgebaut ist und so.“
Mhm, dachte ich, klar, es kommen ja bestimmt lauter Supermarktspione hierher und sagte: „Aber ich bin einfach Fan vom Globus. Ich bin hier zum ersten Mal und absolut begeistert.“
„Geht trotzdem nicht, keine Fotos“, sagte sie da.
„Was ist denn, wenn ich nun aber ein fotografisches Gedächtnis habe? Was tun Sie dann?“, wollte ich fragen, sagte aber nur „Schade“ (und knipste noch schnell ein Foto, denn das vorher war ein wenig schräg und ich habe ja leider kein fotografisches Gedächtnis bzw. doch, ich habe schon irgendwie eins, denn ich wusste früher bei Klausuren immer haargenau, wo in meinen Aufzeichnungen die Antwort auf eine Frage stand, ich wusste halt nur leider die Antwort selbst nie, naja).
„Ich hab einfach mal nichts gesehen“, erklärte die Globus-Sheriff-Frau letztlich.
„Na gut“, sagte ich und malte mir schon aus, wie viele Likes das Foto wohl auf Instagram bekommen würde und vergaß dabei völlig, die Frau zu fragen, was denn passiert wäre, wenn ich jetzt nicht so einsichtig gewesen wäre. Hätte sie mich gezwungen, die Fotos zu löschen? Und hätte sie gewusst, dass man auf dem iPhone jedes gelöschte Foto noch 30 Tage lang wiederherstellen kann? Hätte ich mit ins Büro gemusst, wo ich dann wiederum noch mehr Ideen hätte klauen können, zum Beispiel halt, wie die Globus-Büros so eingerichtet sind? Ach, so viele vertane Möglichkeiten, mal wieder etwas zu erleben.
Aber davon ab: Geil. Zwei Stunden im Globus und nicht einmal gemerkt, wie die Zeit verflog. Das passiert mir nur in ganz besonderen Momenten. Ach, und was die dort alles haben! Ich glaube, wir haben uns so ziemlich jedes Regal angeguckt, fasziniert innegehalten und dann immer wieder glücklich festgestellt, dass es dort wirklich alles gibt. Sogar meinen supercoolen neuen Hocker! Haushaltswaren! Spielzeug! Schuhe! Ein riesiges Chipsregal! Getränkeauswahl ohne Ende. Oder halt Dinge, die ich noch nie zuvor gesehen habe! After-Eight-Pudding! Pizza Burger Hot Dog (Was für eine Farce!)! Pizzafleischkäsebrötchen! Wobei ich ein bisschen traurig bin, dass wir kein Pizzafleischkäsebrötchen gekauft haben, denn seither rätsle ich, was es damit wohl auf sich hat. Ist es einfach ein Käsebrötchen mit Pizzafleisch? Und wenn ja, was ist dann Pizzafleisch? Ist es einfach eine Scheibe des Pizzatieres? Und wenn ja, wie sieht das Pizzatier aus? Oder ist es so eine Art Kobe-Rindfleisch, nur dass das Rind Zeit seines Lebens halt ausschließlich Pizza bekommen hat (Was für ein Leben!)? Oder ist es vielleicht ein Fleischkäsebrötchen mit Käse und Tomatensoße? Eine sehr kleine Pizza auf einem Fleischkäsebrötchen? Ich werde es nie erfahren, ehe ich nicht wieder beim Globus bin. Eine Schande.
Nicht im Bild: Der wuscheligste Hund der Welt. Sich-selbst-Aussperren am Feld. 8,31 Euro Pfand. Weltuntergang bei der Rückfahrt.


Symbolbild: Kompensation.
Nicht im Bild: Wie ich am Mittwoch schon einmal beim Globus war. Allerdings beim Globus Baumarkt, der auch sehr cool ist, aber leider nicht so riesig wie der Nicht-Baumarkt. Aber man fühlt sich unglaublich männlich dort.
Auch nicht im Bild: Das Bohrszenario aka die Frage, kurz bevor man den Bohrer ansetzt: „Wo laufen eigentlich die Leitungen lang?“ Und dann macht es kurz PUFF, aus dem Bohrloch blitzt es sehr hübsch, es riecht irgendwie angebrannt und dann ist auch schon alles dunkel. Naja. Hammwer das also auch mal erlebt. Schade, dass mir nichts dabei passiert ist. Einerseits, weil es schon gerechtfertigt gewesen wäre und zweitens wegen der Kräfte. Wenn Leuten im Film so etwas passiert, dann haben sie danach immer direkt Superkräfte und können Blitze aus den Finger schießen oder so etwas. Ich natürlich nicht. Ich kann nur dafür sorgen, dass das Licht ausgeht. Und deshalb dann Kompensation. Ich sollte einfach nie wieder in Wände bohren.


Fotoshooting mit der Lesebühne und nach zehn Minuten sagt der Fotograf zu mir: „Oh, dich hatte ich ja die ganze Zeit gar nicht im Bild.“ Ich hasse mein Leben. Und dafür bin ich mitten in der Nacht um 11 Uhr aufgestanden?
Nicht im Bild: Wie ich in der letzten Woche die zwei sinnlosesten Diskussionen ever geführt habe. Unfassbar.


Darf in keinem Haushalt fehlen: Der Salami-Stick-Spender. Oh weia, ich brauche ganz dringend so ein Ding. Obwohl das mit Selbstgedrehten ja vermutlich nur so halb funktioniert. Egal! Kommen ja eh Salami-Sticks rein! Ich glaube übrigens, ich habe mittlerweile den Punkt erreicht, an dem ich Selbstgedrehte viel besser finde als „Aktive“. Früher, wenn ich von selbst drehenden Menschen, so ich ihnen eine Filterzigarette anbot, immer hörte: „Nee, danke, ich dreh mir schnell eine.“, dann dachte ich immer: „Pah! Dann halt nicht, du undankbarer Mensch!“ Heute kann ich das total verstehen. Fetzt tatsächlich weniger. Und außerdem fühlt es sich an, als hätte man einen halben Baumstamm im Mund, so dick wie das ist. Nun ja, liebe Kinder: Bitte fangt nicht an zu rauchen. Oder macht halt. Ich fangt doch eh an, wenn ihr wollt, auch wenn ich euch davon abrate. Ich finde ja, dass Rauchen wirklich cool aussieht. Gut ist es wahrscheinlich nicht, aber #nütztjanüscht.
Was am Abend auch wieder die Oberfläche meines Bewusstseins erreicht hat: Ich würde so gern einen Snackautomaten besitzen, damit ich ihn bei mir in den Flur stellen kann. Eine Zeit lang wollte ich dort ja einen Flipper hinstellen, aber die Teile sind ja wirklich extrem teuer und dann auch noch schlecht zu transportieren. Also dachte ich, vielleicht so ein typischer Spielotheken-Automat, aber da ist das Problem, dass ich die Spiele, die es dort gibt, ja gar nicht verstehe und vielleicht werde ich dann spielsüchtig. Spielsüchtig in meiner Wohnung, das würde ich nicht wollen. Also lieber ein Snackautomat. Vielleicht so ein cooler Wurstautomat. Oder warum nicht gleich ein Pizzaautomat? Warmes Essen wäre auf jeden Fall der Knaller. Aber dafür büßt man halt auch enorm an Auswahl ein. Also vielleicht wirklich einfach ein Kombisnackautomat (mir gefällt da das Model Boston), bestückt mit Carraza, Bifi Ranger, Salamisticks und ein paar coolen Colasorten. Ich habe sogar schon bei eBay geguckt. 800 Dollar, das läuft. Aber wie kriege ich das Ding übers Meer? Hach, es bleibt anstrengend.
Nicht im Bild: „Oh oh. Ich habe vergessen, Chips zu essen. Ich muss nachher unbedingt Chips essen!“


Oben: Good guy Cioran. Ich kann die Cahiers nur empfehlen. Cioran generell, obwohl ich die kürzeren Texte und Aphorismen prinzipiell am besten finde. Gefällt den meisten Leuten trotzdem nicht, weil zu radikal, aber das ist ja vielleicht auch gut so. Ich finde ihn, ganz im Gegenteil, oft sogar sehr lustig, wie z.B. in obigem Zitat. Oder wenn er mal wieder darüber schreibt, wie er sich zu Hause langweilt, dann tausend Freunde anruft und sich verabredet und exakt ab diesem Moment eigentlich gar keine Lust mehr hat, rauszugehen und dann ganz traurig darüber ist. Wenn er es mal wieder nicht erträgt, etwas zu besitzen und dann am Ende einen Obdachlosen beneidet, weil der „frei im letzten Stadium“ ist.
Unten: Nachrichten aus Sachsen-Anhalt. #frittierverbot

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

1 Kommentar

  1. lieber antreh, um dir pizzafleischkäsebrötchen verständlicher zu machen, füge ich einen bindestrich ein: pizzafleischkäse-brötchen. es handelt sich dabei um ein brötchen, ein einfaches weißes, das mit pizzafleischkäse belegt ist. das ist das zeug, was man auch als eklige masse kaufen kann und dann zuhause fertig backen kann. in manchen gegenden heißt es auch leberkäse (wobei es dort nochmal leichte unterschiede gibt, wenn ich mich nicht irre). jedenfalls sind dann in dieser schmierfleischigen masse noch kleine stücke käse, paprika, tomate, oreeegano und sonstwas, was dann den pizzacharakter ausmacht. senf schmeckt dazu übrigens im gegensatz zu normalem fleischkäsebrötchen gar nicht.

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