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A Week in Pictures 10/2016

Man glaubt es kaum, aber es gibt sie noch: Die Sonne über Brüssel. Nach gefühlten achteinhalb Monaten gab es in dieser Woche tatsächlich ein paar sonnige Tage. Auch wenn die gerade mit Blick Richtung Deutschland ein bisschen ironisch erscheinen.
Stichwort Landtagswahlen. Große Koalition in Rheinland-Pflanz, naja. Glück gehabt, SPD. Im Kernland aber nicht weiter verwunderlich. Die Grünen haben für die 10/11 Prozent (noch schreibe ich hier zum Zeitpunkt der Prognosen) AfD bezahlt.
Schwarz-Grün in BaWü, puh. Man könnte meinen, es wäre ein gutes Ergebnis, wenn die Grünen in BaWü nicht ziemlich konservativ wären. Und eben nicht die CDU im Spiel wäre. Die aber immerhin die schwächere Kraft im Bündnis sein wird. Vor allem, weil sie gemeinsam mit der SPD für die 13 Prozent AfD Rechnung trägt. Traurig. Aber im Falle der SPD vollkommen absehbar. Wer planlos agiert, wird auch nur noch maximal planlos gewählt.
Und dann Sachsen-Anhalt, wo ich allein der Herkunft wegen schon ein bisschen mehr involviert bin. Ohje, ohje, ohje. Der CDU gelingt es trotz Wurst an der ihrer Spitze, mal wieder zu gewinnen. Linke, SPD und Grüne bluten für die AfD mit 22/23 Prozent. Wie gesagt, im Falle der SPD – ein hausgemachtes Problem. Trotzdem sehr gruselig. Vor allem, wenn man vielleicht der ZDF-Statistik glauben darf, dass in allen drei Ländern die AfD hauptsächlich gewählt wurde, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen. Man muss sich das mal vorstellen: Man will nicht zur Arbeit gehen und fasst deshalb sicherheitshalber in eine Kreissäge.
Wobei das aus anderem Blickwinkel auch ein tröstender Gedanke sein kann. Wie mein lieber Kollege Michel Abdollahi es ausdrückte: „Zur Demokratie gehört es, diese verwirrten Leute von der Alternative für Deutschland AfD auszuhalten. Und zu gucken, warum sie so verwirrt sind. Als Hamburger wünsch ich mir aber die Schillpartei zurück. Da wusste man zumindest, woran man ist: 19,4 % bei den Wahlen 2001. Rein rechnerisch begrüßen wir damit Frauke Petry 2030 im Big Brother Haus. Oder wir trennen uns alternativ von Sachsen-Anhalt.“
Hoffen wir also, dass die AfD jetzt in jeder Opposition mal so richtig auf die Schnauze fällt, weil sie jetzt offenbaren muss, für welche hirnrissige Politik sie steht. Hoffen wir, dass Nazis, wie jüngst im EU-Parlament in Strassbourg geschehen, keine Bühne geboten wird. Ich hätte es lieber gar nicht darauf ankommen lassen, aber jetzt gilt es eben. Man kann auch Verrückte im Parlament handlen. Dann müssen sie jetzt eben öffentlich scheitern, weil sie nicht einlösen können, was sie versprochen haben.
Was mir fast noch mehr Sorgen macht, ist, dass nach ZDF-Statistik bspw. 17% der Wechselwähler*innen, die vorher mal z.B. die Linke gewählt haben, nun AfD gewählt haben. Wer so einen Spagat mit sich selbst vereinbaren kann, der/die hat offensichtlich nicht mehr alle beisammen. Oder dass die AfD als CSU-Ersatz gewählt wird, weil man es geil findet, wie der verrückte Seehofer aus Crazyness-Tour durch Ungarn und Russland geht. In solchen Zeiten wünscht man sich tatsächlich mal menschelnde Politiker*Innen. Eine Angela Merkel, die zum Ungarn-Besuch Seehofers in die Kamera sagt: „Horst, halt einfach deine Klappe, du wirst eh nicht Bundeskanzler. Und jetzt fahr bitte wieder nach Hause. Ach und übrigens: Die Fahrt zahlst du schön aus eigener Tasche, du Depp.“
Was mir hingegen richtig Angst bereitet: Der ganze Mob der Hirnlosen, der sich durch solche AfD-Ergebnisse dazu bemächtigt fühlt, Anschläge auf Andersdenkende, Flüchtlingsunterkünfte usw. zu verüben. Oder der pünktlich zur Landtagswahl einfach mal durchs Berliner Regierungsviertel laufen darf.
Trotzdem: Auf in fünf nervige Jahre Landespolitik in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und ganz besonders in Sachsen-Ankalt. Ich hoffe einfach, dass solch ein absurdes Programm in der Realpolitik einfach nicht umsetzbar sein wird. Die AfD ist ein Symptom, das man jetzt umso ernster nehmen muss. Und ich bin sicher, wenn man sich ernsthaft dagegen lehnt, es entlarvt und bloßstellt, dann kann man es auch wieder rückgängig machen. Dann wählen zwar wieder alle CDU und SPD, aber darum kümmern wir uns dann als nächstes.
Auch richtungsweisend: In Amerika bereitet man sich auf die Auswanderung nach Deutschland vor, falls Trump Präsident werden sollte.

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Und hier kam ich gerade aus Uccle (sprich: Ückle) wieder, weil man, da der Stadtteil wie auch mein Stadtteil Saint-Gilles höher liegt, von dort aus eine gute Aussicht über den Südwesten Brüssels hat und ich das Ganze mal fotografieren wollte. Unglücklicherweise lungerte irgendein unheimlicher Typ auf dem besten Fotospot herum, sodass es zum Trost nur dieses Foto gibt. Aber ich mag es irgendwie.
À propos Trost (Achtung, jetzt wird’s nerdig): Als absoluten Quake 3-Liebhaber war der letzte Woche erschienene DOOM Multiplayer-Trailer natürlich Balsam für die Seele. Ich stehe zwar nicht so auf den Weltraumkram aus Quake 2, Quake 4 und Doom, aber generell gewinnt jedes Spiel, das ein Quad Damage beinhaltet, erstmal mein Herz. Und Doom könnte tatsächlich ganz geil werden. Immerhin gibt es auch wieder den ganzen Gothic-Kram, nur eben mit ein bisschen Weltraum gemischt. Damit könnte ich leben. Zumal ich seit dem Ende von Quake 3 sowieso nur auf einen neuen, richtig guten und vor allem schnellen Multiplayer-Shooter warte, der in etwa an das göttliche Quake 3 heranreicht. Hoffen wir, dass das neue Doom von Anfang an gut genug ist (d.h. gute Standardmaps mitbringt, nicht allzu imba ist und einfach Spaß macht), sodass man es mit dem vanilla multiplayer lange genug aushält, bis die ersten kompetitiven Mods erscheinen und diese dann wiederum so gut sind, dass sich schnell eine professionelle Szene rund um das Spiel entwickelt. Mit Turnieren, Streams, großen public servern und einer riesigen Community, die nicht so toxic ist wie die von LOL und nicht so quit happy wie die von CSGO. Also praktisch eine neu aufgelebte Quake 3-Community. Ach, das wäre schön. Ich würde zwar vor meinem Computer vereinsamen und nach einem halben Jahr obdachlos sein, aber das wäre es wert!


Oh, und dann war ich mal wieder im Fernsehen. Ja ja, nur in der Wiederholung von Comedy mit Karsten bei EinsPlus, aber sehen wir es mal so: Wenn The Wonder Years wiederholt wird, dann ist das auch immer ein Geschenk des Himmels. Und natürlich ist das Allerallerwichtigste, das ganz viele Leute mein zugehöriges Buch kaufen, damit es endlich ein Bestseller wird und ich mir endlich eine Rutsche an meine Wohnung bauen kann, damit ich nie wieder die Treppe benutzen muss (für den Weg nach oben installiere ich einen Heißluftballon).
Wo wir gerade dabei sind: Ich habe auch die Sidebar dieser Seite umgebaut. Mir gefällt’s. Obwohl ich noch nicht so recht weiß, ob die Schrift auf den Bildern nicht ein wenig zu groß ist. Aber dieses farbliche fade-in ist ja mal der Hammer, oder? Eigentlich habe ich das Ganze nur gemacht, weil ich dachte, es wäre ganz gut, wenn man direkt beim Öffnen mal sieht, wer eigentlich auf dieser Seite so schreibt. Deshalb direkt das Bild da oben links. Das bin zwar nicht ich, sondern der Typ, der seine Fotos vor mir im Fotoautomaten vergessen hat, aber ich nehme ab jetzt einfach seine Identität an.

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À propos Buch: Der tolle Pierre Jarawan hat mir seinen ersten Roman Am Ende bleiben die Zedern geschickt. Ich habe ihn jetzt endlich gelesen udn darf sagen: Große Empfehlung. Es geht um eine Familie, die vorm Bürgerkrieg aus dem Libanon nach Deutschland flieht, im Flüchtlingslager unterkommt, sich integriert und dann mit zwei Kindern ein neues Leben in Sicherheit beginnt. Doch dann plötzlich verschwindet der Vater, niemand weiß warum und die ganze Familie zerbricht. Jahre später dann macht sich der Sohn der Familie, der mittlerweile 30 geworden ist, auf den Weg in den Libanon, der natürlich nicht seine Heimat ist, aber sich irgendwie doch auch so anfühlt, um seinen Vater zu suchen.
Okay, manchmal gleitet die Hauptperson für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr ins Schwärmen und Poetisieren ab. Dann gibt es seitenweise erstmal nur Adjektive für alle die Schönheit und so weiter. Das ist nicht mein Geschmack. Aber wenn es Handlung gibt (und die gibt es glücklicherweise zum allergrößten Teil), und vor allem während der Suche nach dem Vater, dann ist das Buch unglaublich stark. Ich hatte keine große Ahnung von der politischen Geschichte des Libanons und vor allem seiner Beziehung zu Syrien, aber das Buch schafft es ganz wunderbar, einem nebenbei die hard facts draufzuschaffen. Das Ende ist dann für meinen Geschmack wieder etwas zu konstruiert und mit ein paar Adjektiven zu viel bedacht, ändert aber nichts daran, dass sich mich sehr gut unterhalten gefühlt und sogar noch etwas beim Lesen gelernt habe. Lieblingskapitel: Der Kindergeburtstag, zu dem die Hauptperson eingeladen wird. Am Anfang sehr witzig und dann mit einem Mal unendlich traurig.

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Witzig: In meiner Uralt-Ausgabe von Graham Greenes Der stille Amerikaner gibt es mitten im Buch eine eingebaute Werbepause.
Nutzen wir also die frei gewordene Minute für ein wenig Werbung unsererseits:
1) Lesen Sie bitte auch das neue BUch von Heinz Strunk: Der goldene Handschuh. Gott, ist das eine harte Geschichte. Und witzig. Und eklig. Und grausam. Es geht um die Hamburger Kneipenwelt rund um die 24-Stunden-Kneipe „Der goldene Handschuh“, in der sich alles herumtreibt, was im Leben sonst nicht gerade bestens getroffen hat, um es nett auszudrücken. Und um den Hamburger Frauenmörder Fritz Honka, der in den Siebzigern auf St. Pauli sein Unwesen trieb.
2) Spielen Sie Go. Ich selbst bin ich leider viel zu ungeduldig dafür, genau wie für Schach, aber ich lese sehr gern darüber und finde, dass es einfach unglaublich cool aussieht, wenn jemand Go oder Schach kann. Ich hätte so gern immer ein Schachbrett auf dem Wohnzimmertisch stehen. Ich hätte so gern die Ruhe und die Faszination dafür, Meisterpartien nachzuspielen und davon zu lernen. Aber immerhin höre ich mir gern Geschichten davon und darüber an. Natürlich kennen Sie die tolle Schachnovelle. Wenn Sie sie mochten, dann sei Ihnen auch Carl Haffners Liebe zum Unentschieden empfohlen. Und Lushins Verteidigung. Und, falls Sie es nicht gehört haben: Letzte Woche hat es zum ersten Mal ein Computerprogramm geschafft, einen Go-Großmeister zu besiegen. Im Schach gelang das ja bereits 1996 mit Deep Blue gegen Kasparov. Aber da Go auf Grund seiner viel größeren Felderanzahl viel mehr Kombinationen ermöglicht, brauchte es dort noch 20 Jahre länger und ein das ziemlich krasse Programm namens AlphaGo, das im Gegensatz zu Deep Blue nicht einfach nur Kombinationen ausrechnet, sonderm selbst lernt, sich selbst verbessert und sogar intuitiv spielen kann. Ich bin begeistert.
3) In Brüssel eröffnet bald so etwas wie ein Street Art Museum. Ich werde es mir angucken.

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Zweimal Fußball in einer Woche und das ganz ohne englische Woche.
Spiel 1: Montag. Die Freiburger lassen es sogar extra schneien. Was dann folgt ist schnell erzählt: RB kann sich nicht auf den Schnee einstellen und versucht, so zu spielen, wie immer gespielt wird. Klappt natürlich kaum, wenn der Ball nicht mal mehr rollen will. Dazu zweimal schlecht verteidigt und von den Freiburger super ausgenutzt. Wobei ich das zweite Tor dann doch etwas zu viel fand. Aber es existiert natürlich trotzdem. Ein Unentschieden wäre wahrscheinlich gerechter gewesen. Aber so konnte Freiburg immerhin den Abstand auf Nürnberg halten, die ja mal wirklich am Unverdientesten auf Platz 3 der Tabelle stehen. So viele schlechte Spiele und so viel Glück. Ein Aufstieg für Nürnberg wäre leider ein direkt gebuchter Rückabstieg in Liga 2. Und genau deshalb auch Quatsch.
Spiel 2: Sonntag. Zweimal Latte, ein klares Handspiel und ein nicht gegebener Elfmeter für RB, der in einem Konter und dem 0:1 endet. Durchwachsener Beginn. Aber dann drehen Demme und Selke auf. Schöner Kopfball nach einer hübschen Freistoßvariante durch Selke sowie ein wunderbarer Lupfer von Demme auf Klostermann, der den Ball reindrischt. So darf es gern bleiben. Wobei, die Gegentore müssen für meine Begriffe nicht sein.
Leider hat Freiburg schon wieder mitgezogen. Und ausgerechnet Petersen trifft natürlich gleich doppelt. Naja, mit Freiburg und Leipzig in Liga 1 kann ich leben.

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Und noch einmal ein paar Brüsselbilder. Oben auf dem Weg zum Einkaufen, natürlich mit Regen. Unten auf dem Nachhauseweg an der Premetro-Haltestelle.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

5 Kommentare

  1. Nicole

    Ich sollte wirklich aufhören deinen Blog zu lesen. Ernsthaft.
    Trotz Stress lese ich mir Geschichten über Fußball und Videospiele durch, obwohl mich das beides nicht interessiert, nur weil es so gut geschrieben ist.
    Und dann kommt das größte Problem: die Empfehlungen. Immer wieder schreibst du von Büchern, oder anderen Sachen, die sofort mein Interesse wecken. Das Strunk Buch kostet 20 Euro, genau wie „Am Ende bleiben die Zedern.“ Entweder du präsentierst nur noch Sachen, die mich nicht interessieren, oder du lässt mindestens 9 neue Feiertage einführen, an denen man von der Familie Geschenke bekommt. Anders geht es nicht.
    Und schon habe ich wieder Zeit verloren, nur um diesen Kommentar hier zu schreiben und um zu gucken, ob in meinem „Der stille Amerikaner“ auch eine Werbepause versteckt ist. Antwort: Nein. Egal.
    Aber jetzt mal ernsthaft: Habe mir endlich (und viel zu spät) dein Buch gekauft und innerhalb eines Tages durchgelesen. Nur ein Wort: fantastisch. :D

    • Hehe, danke! Das freut mich sehr!

      Das mit den Büchern und Empfehlungen geht mir aber genau so. Ich habe fürchterlich lange To-Guck- und To-Les-Listen, die ich vermutlich nie werde „abarbeiten“ können. Und viel zu viel Geld kostet der Spaß sowieso :)

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