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A Week in Pictures 09/2018

Manchmal wache ich nachts schweißgebadet auf, weil ich wieder vom Milchdienst geträumt habe. Ich hoffe sehr für Sie, dass es das nur an meiner Schule gab. Eines der ersten Beispiele meines Lebens aus der Kategorie „Gut gemeint, aber unendlich schlimm verfehlt“. Lassen Sie es mich erklären. Meine Schule hatte sich Folgendes ausgedacht: Milch ist total gesund für Kinder. Am besten, wenn sie so frisch wie möglich wäre. Okay, dann kaufen wir irgendwo Milch für die ganze Klasse und dann müssen zwei Schüler*innen eine Woche lang zur Frühstückspause runter zum Schuleingang rennen, den Milchkasten abholen und oben kriegt dann jede*r, was er/sie bestellt hat: Milch mit Milchgeschmack, Erdbeer, Schoko, Fäulnis. Womit wir beim ersten Problem wären: Fäulnis war tatsächlich einer der Geschmäcker. Bestellte zwar niemand, bekam aber trotzdem immer mindestens eine*r. Und glauben Sie mir, spätestens dann, wenn Sie einmal Schoko bestellt und Fäulnis geliefert bekommen haben, dies aber erst nach einem beherzten, vertrauensvollen Schluck merkten, haben auch Sie Angst vorm Milchdienst. Wie oft habe ich Kinder in der Frühstückpause in ihre Tupperdosen brechen sehen? Wie oft habe ich blutende Kinder gesehen, die sich beim Milchkasten-Tragen unterwegs überschlagen hatten und jetzt übersäht mit Schnittwunden ins Klassenzimmer robbten, weil HAUPTSACHE die verfaulte Milch kommt rechtzeitig an! Wie oft habe ich mir die grinsenden Großbauern vorgestellt, wie sie statt Milch einfach Jauche in unsere kleinen Flaschen abgefüllt haben, weil uns Kindern sowieso niemand glauben würde. Milchdienst, nie wieder.


Manchmal wünsche ich mir, ich hätte in meiner Jugend weniger Bücher gelesen. Dann wäre ich jetzt ein ausgezeichneter Billard-, Kicker- und Dart-Spieler und müsste nicht, nachdem ich beim After-Work-Turnier direkt in Runde 1 ausgeschieden bin daneben stehen und Dinge sagen wie: „Haha, das erinnert mich total an diese Szene aus Der Spieler. Das ist von Dostojewski, kennt ihr?“ Okay, Air Hockey ist mein Ding. Darin bin ich super und es macht total viel Spaß. Und Platz für einen Air-Hockey-Tisch hätte ich eigentlich. Wenn es nur nicht immer so laut PING machen würde beim Spielen. Vielleicht muss ich also doch bei meinem ursprünglichen Plan bleiben und mir so eine Kneipen-Spielautomaten kaufen. Ich weiß, ich weiß, angeblich wird man davon total schnell süchtig. Aber ich wäre ja auch gleichzeitig die Bank. Und außerdem könnte ich das Spiel dann total lernen und immer, wenn ich dann mal in einer Kneipe wäre, könnte ich auf dem Weg zum Klo ganz beiläufig an einem der Automaten vorbeigehen und mal eben 200 Euro gewinnen. Das wäre doch fantastisch! Oder einfach so, beim Kochen in der Küche stehen und nebenbei an meinem Glücksspielautomaten spielen. Ich würde meine Wohnung nie mehr verlassen. Nein nein, keine Angst. Ich habe mich natürlich schon informiert. Wussten Sie, dass die meisten Spielautomaten nach 90 Tagen nicht mehr benutzbar sind, weil man dann normalerweise einen Ausdruck fürs Finanzamt machen muss? Und dass es extra Stecker gibt, mit denen man diesen Ausdruck simulieren kann? Die aber natürlich auch wieder Geld kosten? Und dann macht das Spiel vielleicht gar keinen Spaß?! Wobei Spaß eigentlich egal ist, so lang es schnell genug süchtig macht.
À propos Spaß: Wie konnte es eigentlich möglich sein, dass ich doch noch krank geworden bin? Ich dachte wirklich, wenigstens dieses eine Mal komme ich drumherum oder werde vergessen, wie damals bei der mündlichen Vorprüfung in Bio. Aber nein, Antreh wird natürlich doch noch krank. Und zwar richtig. Hass. Ja ja, Kranksein ist der einzig gesellschaftliche akzeptierte Zeitraum, währenddessen man den ganzen Tag auf der Couch liegen und Fernsehen und Filme gucken darf (For the record: 4 Folgen Verliebt in Berlin, dann Zurück in die Zukunft, dann Sieben, dann Counterstrike-IEM, dann eine Doku über eine Sandwichfabrik).
À propos: Wie gern hätte ich eine Sandwichfabrik. Ich würde so gern einmal wöchentlich mit den Vorstandsmitgliedern im Büro stehen, vor uns die ganze Auswahl unseres Sortiments, und dann sagen: „So, meine Damen und Herren, wie läuft’s?“ Und dann probieren wir die Sandwiches und sagen Dinge wie „Ah, das mit dem Cheddar war eine grandiose Idee!“ oder „Auf dieses hier in Zukunft eine Gurkenscheibe mehr!“, bis wir dann zu meiner Lieblingsrubrik kommen: „Innovation“. Und dann sgae ich: „Leute, passt mal auf! Alle Menschen lieben indisches Essen! Und alle Menschen lieben Sandwiches. Was liegt da also nahe? Na? Na? Na?“ Ein fallender Vorhang, das neue Sortiment „Indisch erleben“ mit den Sandwiches „Curry“, „Vindaloo“ und „So scharf, da ist egal, was drauf ist!“, Applaus, Begeisterung, alle Vorstandsmitglieder geben mir High Five und wieder ist ein Tag in der Fabrik geschafft.


Links: Manchmal habe ich richtig Lust, Brot zu essen. Das muss so ein urdeutscher Instinkt sein. Genau wie der, zu glauben, die Welt warte nur auf Deutsches Brot und es wäre eine total clevere Idee, eine deutsche Bäckerei in Äthiopien zu eröffnen. Aber wissen Sie, was ich meine? Bei meiner Oma gibt es schätzungsweise seit 8.000 Jahren jeden Abend nichts Anderes als Brot, aber trotzdem ist es total super, weil da gibt es dann fünf Sorten Aufschnitt, die neben einander auf einem Teller liegen, so kleine Gürkchen, Tee in diesem Glastassen mit dem Metallbecher drunter, vierzig Sorten Käse und all diese kleinen Gimmicks, die aus „Brot“ eine „Brotzeit“ werden lassen. Wow, das war wieder so ein Spruch, den man in einer Werbeagentur für 50.000 Euro an Rügenwalder verkauft. Fuck.
Naja, egal. Eigentlich habe ich mich letztens nur daran erinnert, wie ich früher vorm Karate immer ein Käsebrötchen gegessen habe. Das allerdings kein normales Brötchen war, sondern eher so croissant-Form hatte, aber eben mit normalem Brötchenteig. Und weil die Bäckersmenschen entweder total cool waren oder einfach nicht mit Käse umgehen konnte, war rund um das Brötchen immer noch total viel gebackener Zusatzkäse. Das war großartig.
Ich bin sowieso überzeugt davon, dass jegliche Lebensmittel besser werden, wenn man sie mit Käse kombiniert. Käsebrötchen – bam! Käsepizza – bam! Käsewürtschen – Oh! Emm! Dschie! Ich will jetzt hier keine Werbung machen (nicht wegen der Schleichwerbung, sondern weil ich Angst habe, sie könnten alle losrennen und mir meine Lieblingsprodukte wegkaufen), aber die Käsewürstchen von W*** sind großartig. Warum gibt’s eigentlich keine Wurstinfluencer. Naja, okay, Bifi und so. Aber ich meine wirklich ernstzunehmende Wurst-, Brot- und Käseinfluencer? Das wäre doch was. Ich möchte Influencer für Brot werden. Käsebrot.
Rechts: Keine Ahnung, wer die Kundenrezensionen beim Globus betreut, aber ich habe der Person eine Freude gemacht. Und das auch nur, weil ich noch nicht wusste, dass im Globus-Hackfleisch schon wieder alles voller Kümmel war. Meine Güte, wir lernen es beide nicht. Globus lernt einfach nicht, dass in Hackfleisch kein Kümmel gehört (Kümmel gehört eigentlich nirgendwo rein, außer als Pulver) und ich lerne es nicht, den Globus einfach hackfleischmäßig zu boykottieren. Sobald ich König bin, verbiete ich Kümmel in körnerform. Das ist ja bestialisch. Oder besser noch: Ich erzwinge Kümmel in Hackfleisch und verpflichte all die früheren Kümmel-in-Hackfleisch-Macher*innen dazu, es direkt nach dem Reinmachen wieder Rauszupulen. So!


Oben: I am oak zur Wochenmitte. Kann man sehr gut machen. Ich hatte ja praktisch gar nichts erwartet. Also erhofft vielleicht, dass es so wenig mit Mumford & Sons wie möglich zu tun hat, zum Beispiel. Aber es war dann doch sehr sehr gut. Okay, dafür dass, wenn die Band fragt, ob es Fragen gibt, tatsächlich jemand etwas fragt, sollte man eigentlich einen freundlichen Klaps auf den Hinterkopf verteilen, aber okay. Viel schlimmer ist, wenn die Frage dann jedenfalls auch noch ist: „Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Songs?“ Pfui. Aber das soll die Musik nicht schlechter machen. Ich mochte ja vor allem die ruhig Sachen. Oder jene, die fast schon post rock waren.
Nicht im Bild: Chain and the gang. Aufgenommen sehr gut hörbar, live einfach großartig. Aber man soll ja nicht darüber reden.
Unten: Ach ja, mein kurz beim Slam vorbeischauen. Da war ich wirklich schon ewig nicht mehr.
Auch nicht im Bild: Die Tafel-Geschichte. Wie asozial können Menschen eigentlich sein? Alles daran ist einfach nur eklig. Schon die Idee à la Wegwerfessen zuerst für Deutsche! Diese pure Fremdenfeindlichkeit. Diese Notleidendenfeindlichkeit. Dieses Runtergucken auf andere Menschen. Und dann diese bekackten Menschen, die sich ernsthaft erdreist, so etwas auch noch zu loben. Und dazu noch alle, die glauben, es ginge hier in erster Linie darum, wer bei den Tafeln zuerst etwas bekommen soll und nicht darum, dass die Tafeln Sozialarbeit machen, auf die Deutschland einfach keinen Bock hat, obwohl es seit zig Jahren Jahresüberschüsse in Milliardenhöhe erwirtschaftet. Traurig, einfach nur traurig. Aber schön beim Arbeitsamt den Leuten empfehlen, doch zur Tafel zur gehen. Absolut armselig. Aber daran wird sich auch nichts ändern, denn TADA, die Groko kommt. Wer hätte das gedacht. Okay okay, ich habe mich um 9 Prozent verschätzt, aber 66 Prozent sind auch noch deutlich genug, wofür die SPD steht. Oder sollte man besser sagen, gestanden hat? Denn so lange wird es den Kasperverein ja zum Glück nicht mehr geben. Schade nur, dass allein die AfD davon profitieren wird. Noch dazu von der Quatschregierung, die sich da gerade aufstellt. Ach, ist das alles traurig. Mal schauen, ob Dietmar Bartsch irgendwie Recht behalten und sich irgendeine Art neue Linke formen wird. Aber ich glaube kaum dran. Passiert es aus der LINKEN heraus, wird es gesellschaftlich nicht akzeptiert. Ist es zu radikal, dann auch nicht. Kommt aus es SPD-Ecken, ist es unglaubwürdig. Außer vielleicht, es hätte Kevin Kühnert gemacht, dann vielleicht. Aber der will ja bis zum Tod in der SPD bleiben. Fragt sich nur, was er macht, wenn seine Loserpartei vor ihm stirbt.


Und plötzlich sind alle bei Vero. Wobei, das Foto ist schon eine Woche her, das heißt, mittlerweile ist eigentlich schon wieder niemand mehr bei Vero. Wundert auch irgendwie nicht, wenn man die Story dahinter liest. Warum ich mich trotzdem angemeldet habe? Weil ich ein willenloses Herdentier bin ich ja immer noch auf das nächste große Social Network warte, das es tatsächlich schafft, Instagram (inkl. Stories), Facebook Pages und Twitter zu kombinieren. Mehr braucht Social Media nicht. Behaupte ich mal. Youtube darf gesondert bleiben, das hat sich bewährt. Nein, das stinknormale Facebook braucht niemand. 99 Prozent der privaten Posts dort sind überflüssig und bringen mir gar nichts. Selten vielleicht noch, wenn sie einen Link beinhalten. Bei allen anderen Arten von Posts würde es vermutlich reichen, wenn Facebook sie einfach niemandem anzeigen würde und dafür zufällig ein paar Likes verteilen würde, damit die Verfasser*innen weiterhin glauben, es wäre irgendwie relevant gewesen. Das Meiste Interessante kommt eh über Facebook-Seiten (oder einige sehr sehr wenige private Accounts). Für die Fotos gibt’s, wie gesagt, Instagram. Für Nachrichten in Echtzeit, Ticker und die deutsche Comedyszene gibt’s Twitter. Und Stories für all den Rest, der ruhig nach 24 Stunden im Nirwana verschwinden kann. Spoiler: Schon diese Kombination schafft Vero nicht. Man kann nicht einmal stinknormalen Text posten, ohne etwas zu verlinken oder ein Bild anzuhängen. Was soll das? Was denkt sich so ein Entwicklerteam, wenn es beschließt, solch eine Funktion wegzulassen? „Los! Wir bauen das nächste Social Network! Es muss das Beste aus Twitter, Facebook und Instagram kombinieren! Und wenn wir fertig sind, dann löschen wir einfach das Beste aus Twitter wieder raus und ersetzen durch diese weirde Verbindungshierarchie aus Google+! Das wird super! Zukunft, yeah!“ Nee, liebes Vero, das wird nix mit uns (Was mich eigentlich auch freut. Ich finde Twitter eh nach wie vor am allerbesten).
Rechts: Wenn die Party bei den Sims etwas eskaliert und einfach mal vier Partygäste sterben. Wie irre müssen eigentlich die Programmierer*innen sein, wenn man bedenkt, was in diesem Spiel alles passiert? Da datet der Typ den Geist seiner verstorbenen Freundin, schwängert währenddessen seine echte Freundin und stirbt, weshalb die echte Freundin jetzt quasi von einem Toten schwanger ist und noch dazu vom Geist der eifersüchtigen Ex-Freudin heimgesucht wird. Und von dem Kind ganz zu schweigen. Es wächst so auf, kommt in die Schule und schreibt direkt am ersten Tag einen versauten Brief an einen Lehrer. Ich hoffe, das ist bei allen Leuten so irre. Ich will nicht darüber nachdenken, was es bedeuten würde, wenn das nur hier so wäre.

Was fehlt:

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