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A Week in Pictures 06/2017

Eine Woche der Selbsterkenntnisse.
Am Freitag zum Beispiel erfuhr ich, dass ich in meiner Kneipe of choice quasi seit Jahr und Tag immer völlig selbstverständlich aufs Frauenklo gegangen bin. Natürlich ist mir schon aufgefallen, dass da immer auffällig viele Frauen waren. Und irgendwie kann ich mich auch nicht so wirklich daran erinnern, dort jemals einen Mann gesehen zu haben. Ich dachte einfach, dass wäre unisex. Völlig normal, gibt’s doch eh andauernd. Und ja, ich hab auch bemerkt, dass es dort keine Pissoirs gab, aber 1) ignoriere ich Pissoirs sowieso, weil ich Pissoirs für unzivilisiert halte und 2) habe ich mir einfach noch nie so Gedanken über den Zusammenhang von Unisex-Toiletten und dem Vorhandensein von Pissoirs gemacht und glauben Sie mir, ich denke über viel Abwegiges Zeug nach. Außerdem: Gesagt hat ja auch nie jemand etwas. Es kam nie jemand an und sagte: Ey sorry, aber das hier ist das Mädchenklo, du bist anscheinend geistig verwirrt, also geh jetzt mal bitte weg, da drüben ist das Jungsklo. Stattdessen kann ich mich an viele interessante Gespräche erinnern. Letztens hieß es sogar: Hey, ich hab neulich dein Hörbuch verschenkt! Und das hört man doch gerne! Vielleicht nicht auf der Toilette, aber okay. Wahrscheinlich bin ich unter der Hand schon lange so ein heimlicher local Irrer, bei dem alle immer dennken: Ja ja, das ist der verrückte André, der geht immer aufs Mädchenklo, aber der tut nichts, brachst keine Angst haben, Sabine, einfach ignorieren und ein Video für Youtube machen. Oder es dachten einfach alle, es wäre total cool, mal mit einem echten Transgender sprechen zu können. Ich bin zwar kein Transgender, aber das glaubt mir jetzt vermutlich auch niemand mehr. Egal. Ich dachte ja eh, gender sei over. Und dann höre ich plötzlich, dass es da eine Herrentoilette gibt. Und ja, ich war dann auch mal auf der Herrentoilette. Es fühlte sich komisch an.


Oben: Westworld gucken im Zug. Ich hab das ja viel zu lange vor mir hergeschoben, ja ja, ich weiß, Sie haben das ja schon vor Ewigkeiten gesehen und wie konnte ich nur und so weiter, aber ich sehe es ja auch ein. Nur müssen Sie auch wissen, dass ich viel zu tun habe. Ich muss halt auch sehr viel rumsitzen, nichts tun, rumliegen, manchmal ein bisschen Lesen und dann natürlich auch noch schlafen. Da kann man nicht immer so problemlos noch irgendeine Serie dazwischenschieben. Auch wenn ich neuerdings halt nicht mehr Zugfahren kann, ohne zu hoffen, dass ich beim nächsten Blick aus dem Fenster plötzlich durch Westworld fahre. Ich weiß gar nicht, was ich dort die ganze Zeit machen würde. Aber wie ich mich kenne, würde ich entweder den ganzen Tag irgendwo in der Ecke im Saloon sitzen und Menschen beobachten oder einfach direkt in ein Hotel einchecken und erstmal eine Runde schlafen. So einer Banditengruppe wäre ja ganz cool, aber ich glaube, ich hätte nicht so Bock auf schießen. Viel lieber wäre ich so etwas wie der Moriarty von Westworld. Der irgendwo im Hinterzimmer sitzt, die ganze Zeit Zelda spielt und nebenbei einfach mal die krassesten Bösewichtigkeiten der Welt ausheckt, während die Drecksarbeit dann von anderen Leuten erledigt wird. Quasi der Pate von Westworld, das wäre cool. Leider, so sagte mir Instagram, befand ich mich zum Aufnahmezeitpunkt dieses Bildes jedoch nicht in Westworld, sondern in Laucha. Keine Ahnung, wo das ist. Ich glaube, in Thüringen. Bei Thüringen muss ich, ganz Klischee, immer an Rainald Grebe denken. Das letzte Mal jedoch, als ich an Rainald Grebe musste, befand ich mich jedoch nicht in Thüringen, sondern bei einem Konzert von Jon Lupus bzw. bei einem Konzert, wo er die Vorband war, also nicht Band, sondern allein, naja, Sie wissen schon. Der hat ein tolles Lied über Bier und Denken geschrieben. Das hier.
Unten: Auftreten in Mainz. Es war voll. Sowohl im Saal als auch in meinen Nasennebenhöhlen.


Oben: Zu Gast bei der wunderbaren Dresdner Lesebühne Sax Royal, die es mittlerweile schon seit 12 Jahren gibt, krass. Vielleicht waren deshalb auch alle so motiviert. Nein, das Foto täuscht natürlich. Alle hatten Lust und es war super.
Unten: When in Dresden, then visit the new großen Aufreger right in front of the Frauenkirche. Ich hatte ja gehofft, diese Pöbelrentnerin aus diesem SPD-Video zu treffen, aber leider war sie nicht da. Steckt wahrscheinlich schon wieder tief in den PEGIDA-Vorbereitungen. Überhaupt waren alle Leute, die dort waren, total interessiert und ehrfürchtig und begeistert von den Bussen, sodass ich kurzzeitig dachte, vielleicht doch nicht in Dresden zu sein. Ich mag die Busse. Aus künstlerischer und politischer Perspektive und ganz besonders, weil sie so viele Leute abfucken. Wie gern hätte ich so ein paar von den Menschen dort stehen sehen, die das mal so richtig ankotzt, dass da jetzt acht Wochen lang diese Busse stehen. Schon allein deshalb dürfte der Künstler von mir aus gern überall in Sachsen welche aufstellen. Immer schön in die Innenstädte oder einfach direkt vor jedes AfD-Büro. Hauptsache, es trifft den sinnlos rumhatenden Kleinbürger so richtig schön ins Herz. Man man man, wie man sich über so etwas aufregen kann. Ich hasse es ja schon, wenn die Leute dann immer mit ihrem bäuerlichen Kunstverständnis kommen: Kunst ist, wenn’s ä gemaltes Bild ist. Und wenn ich’s nee verstehe, dann isses Schrott. Ich weiß gar nicht, von wem dieser Spruch ist, aber ich habe ihn garantiert schon einmal zitiert: Modern Art = I could do that + Yeah, but you didn’t.


Reden wir nicht drüber. Passiert. Hätte jetzt nicht unbedingt Papadopoulos sein müssen, der das erste Tor macht, aber was soll’s. Wer vorne die Chancen nicht reinmacht und hinten zweimal Pech hat, der verliert eben auch mal. Hier musste ich aber ein bisschen chucklen. Das sieht in Nachgang so martialisch aus. Wenn man dabei war, hätte man immerhin gewusst, dass zu diesem Zeitpunkt quasi ständig irgendein Hamburger am Boden lag und plötzlich die übelsten Schmerzen hatte, nur um ein bisschen Zeit von der Uhr zu nehmen. Und das wiederum ist dann doch ein bisschen arm. Egal. Immerhin hat Hoffenheim verloren und es bleiben 7 Punkte auf Platz 3. Damit kann man arbeiten.


Schon wieder im Westen. Aber für die gute Sache. Oder wenigstens für Bonnie Tyler. Auch wenn die sich echt Zeit gelassen hat. Aber wenn nun mal der Deal ist, erst zu gehen, wenn Total Eclipse of the Heart lief, dann ist das eben so. Und den Platz direkt an der Heizung kann man ja auch nicht verübeln, weswegen ich mittlerweile so einen gefühlt verbrannten Querstrich auf dem Rücken habe. Das heißt, er ist nicht wirklich da, aber ich spüre ihn. Was irgendwie total esoterisch wirkt, aber vielleicht werde ich ja einfach ganz langsam und schleichend immer spiritueller und merke es einfach nicht. Und irgendwie ist das ja schon alles interessant, so mit gewissem intellektuellen Abstand. Immerhin weiß ich ja mittlerweile aus dem Eneagramm, dass ich Typ 5, das heißt der Forscher, bin. Und INTJ, quasi der Elon Musk der Eisenbahnstraße. Krass. Letztens sagte mir jemand, dass er Geister sehen könne. Also nicht direkt Geister, sondern halt so Leute, die nicht wissen, dass sie tot sind und deshalb z.B. nachmittags in Café rumhängen, weil das eben so ihr Style ist. Schräg gegenüber zum Beispiel saß ein älterer Herr, der das auch nicht wusste. Ich fragte, ob es denn öfter vorkomme, dass sich ein Mensch auf einen Geist draufsetzt bzw. dann wohl eher in ihn hinein, aber ich habe leider die Antwort vergessen. Auf jeden Fall habe ich seitdem immer ein bisschen Angst, bevor ich mich irgendwo hinsetze. In diesem Sinne vielleicht auch mal wieder eine Horrorfilmempfehlung: Shutter. Vielleicht nicht so der Megaschocker, aber seit ich den Film gesehen habe, sind mir Selfies vor Spiegeln nicht mehr ganz so geheuer.


Selbstvergewisserungsselfie. Wobei, nein, eigentlich hat das Foto der tolle Enrico Meyer gemacht. Fantastisch, wie er es so aussehen lässt, als würde ich gerade über irgendwas total Weltbewegendes nachdenken oder leise in meinem Kopf philosophische Grundfragen des menschlichen Lebens diskutieren. Aber wahrscheinlich habe ich nur gerade mal wieder aufs Handy gestarrt. Höchstwahrscheinlich Instagram.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

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