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A Week in Pictures 05/2018

Ich hasse Carrie Bradshaw. Wie mich diese Person aufregt. Viel zu sehr jedenfalls dafür, dass sie überhaupt nicht real ist. Wie unfair und selbstgefällig sie ist und wie sie angeblich einen Bestseller nach dem anderen schreibt, obwohl sie sich mit ihrer lumpigen Kolumne nie im Leben hätte ein Appartment im Greenwich Village leisten können dürfen. Bitte entschuldigen Sie, ich habe letzte Woche aus unerklärlichen Gründen mal wieder den ersten Sex and the City-Film gesehen und bin seitdem noch immer aufgebracht. Ich will Mr Big überhaupt nicht per se in Schutz nehmen, aber wie diese rücksichts- und empathielose Carrie Bradshaw einfach ihre Supermädchentraumhochzeit durchzieht und dabei (natürlich!) übersieht, dass sie Mr Big damit total Angst macht, was letztendlich dazu führt, dass er nicht zur Hochzeit erscheint, das macht mich wütend. Wie er sie vorher tausendmal angerufen hat, es versucht hat, ihr auf der Straße zu erklären und diese Bradshaw-Person (natürlich!) nichts Besseres zu tun hat, also auszurasten, weil ICH wurde ja gedemütigt, MIR geht es ja total schlecht, ICH bin Carrie Bradshaw. Da klappt mir in der Tasche das Messer auf, wie meine Oma zu sagen pflegt. Nicht, dass ich die anderen Tanten wesentlich sympathischer fände. Miranda ist eine unzufriedene Egomanin, die sich nicht eingestehen kann, dass das, was sie glücklich macht, vielleicht nicht das ist, was sie sich in ihrem Kopf mal so ausgemalt hat. Charlotte ist ein prüdes, verhätscheltes Woo-Girl und Samatha, ach, die finde ich eigentlich ganz okay. Sie ist nur einfach sehr laut. Nicht, dass die Männer besser wären, aber die werden ja eh meist nur in einer Facon dargestellt. Die vier Frauen hingegen, nee, also wirklich. Und vor allem mit Carrie Bradshaw als Anführerin. Das ist, als ob sich bei Mila Superstar plötzlich alle um Onuma scharen würden, obwohl sie die eindeutig schlechtere Volleyballspielerin ist. Eine Serie mit Louise aus St. Louis, die würde ich sofort gucken. Aber Carrie Bradshaw, nee.


Memo an mich: Niemals, NIEMALS mehr Flüge buchen, die man nicht bequem per Zug erreichen kann, sondern für die man nachts ewig vorher per Bus zum Flughafen fahren muss, sodass man quasi die ganze Nacht durchmachen muss. Warum mache ich das immer wieder? Warum? Weil ich immer direkt wieder vergesse, wie schrecklich das ist? Wahrscheinlich. Daher hier, ein für allemal, TU ES NICHT, Antreh. Es ist grauenhaft, nachts um 1 Uhr in einem Fernbus zu sitzen, in dem die Hälfte der Leute schnarcht, transpiriert und/oder pupst oder per Freisprecheinrichtung telefoniert, sodass man spontan einen Mord begehen und/oder auch einfach einschlafen will. Ich brauche keine erste Klasse und solches Zeug. Aber wenn ich für irgendetwas genug Geld verdienen will, dann dafür, es mir so angenehm machen zu können, wie ich es will. D.h. nach Berlin fahre ich ausschließlich per Auto oder ICE. Nein, keine Regionalbahn, never. Und schon gar kein Fernbus. Ich kaufe mir Dinge, die mein Leben um 1.000 % Prozent besser machen, auch wenn es die fast-aber-eben-nicht-ganz-so-geile Variante des Geräts für WEITAUS weniger Geld gibt. Beispiel: Meine Bartschneidemaschine, oder wie dieses Teil heißt. Es gibt Bartschneidedingsmaschinen für, sagen wir mal, 25 Euro. Und es gibt jene für 75 Euro, die allerdings zwei große Vorteile hat, drei vielleicht sogar: 1) Sie sieht besser aus (mir ist das wichtig, sorry), 2) Sie hat einen eingebauten Akku, also keine Batterien, funktioniert aber auch per Netzteil. 3) Sie kann die abgesäbelten Barthaare direkt in so ein Fach einsaugen und macht damit 90 % weniger Dreck als die anderen Maschinen (so ganz schafft sie es leider nicht) und sie hat sogar einen Superduperpowermodus, bei dem ihr Motor total durchdreht und sogar die widerspenstigsten Haaren weggesäbelt werden. Okay, das waren sogar vier. Sehen Sie! Des weiteren wären da Dinge wie: Rucksack, Taschen, Koffer, Computer, Drucker usw. Also alle Dinge, die ich ständig benutze. Ich weiß relativ gut, was ich brauche und mich glücklich macht. Und wenn es dafür halt etwas teurer ist, wayne. Ich bin viel unglücklicher, wenn ich die Billigvarianten habe. Und ich buche keine Flüge, für deren Erreichen ich eine Nacht durchmachen muss. Also hoffentlich. So in Zukunft.
Nicht im Bild: Die Mach-deine-Scheiße-fertig-Woche, allerdings konzentriert auf einen einzigen Tag, inklusive Küchenarbeitsplatte einölen (lol), Staubwischen (mit so einem McGeiz-Swiffer, lol) und Blumengießen (trotzdem drei tot, lolol).
Auch nicht im Bild: Wie es auf dem Rückflug nicht blitzte, sondern nur so aussah, weil meine Kamera ab und zu mal spinnt und wie ich das Video davon auch nicht zeigen kann, weil es „nur“ eine Instagram-Story war, die mittlerweile im digitalen Nirwana verschwunden ist.
Ebenfalls nicht im Bild: Der beste Reiseproviant der Welt.
Außerdem nicht im Bild: Wie meine Jacke jetzt vermutlich endgültig kaputt ist und ich mir eine neue kaufen muss. Ich hasse es, Jacken zu kaufen. Es ist das Schlimmste auf der Welt. Also nach Fremdenhass, Holocaust usw. Aber direkt danach kommt Jacke-kaufen. Wie mich das nervt. Schon beim bloßen Gedanken daran. Dass einfach niemand Geschmack hat und alle Jacken total grauenhaft aussehen. Logo hier, riesige Schrift da, irgendein hässlicher Reißverschluss dort, bunt hier, Muster da, pfui. Und Läden betrete ich schon gar nicht. Also muss man immer fünf verschiedene Jacken und zwei verschiedenen Größen bestellen, das Konto ist direkt DERBE im Dispo und dann schickt sie man sie doch wieder alle zurück. Weil Logo hier, riesige Schrift da und so weiter. Genau für solche Fälle wäre ich gern reich. Ich würde sofort jemandem 500 Euro dafür geben, wenn sie/er mir eine Jacke findet, die genau dem entspricht, was ich suche. Ohne Witz. Ich bin nur leider nicht reich und habe auch keine 500 Euro.


Ach ja: Wir waren in Krakau. Einfach so. Gibt ja nicht zufällig tausendfach Fernsehzeug zu schreiben. Oder gar ein eigenes Buch, das fertig werden will. Nö nö, da fahren wir einfach mal weg. Na gut, ist schon okay. Ich mach das gern. Ist immer mal gut, kurz durchzuatmen. Wird schon, wurde bisher immer.
Krakau ist eine schöne Stadt, in der es einen noch schöneren analogen Busfahrplan gibt. Man versteht und findet zwar nichts, aber was soll’s.
Ich war schon einmal 2013 in Krakau. Damals besuchte ich eine Woche lang einen Freund, der dort gerade ein Auslandssemester Kunst studierte und mich erst bei meiner Ankunft darüber informierte, wie denn so die Wohnsituation bei ihm so aussah. Hätte ich davon nämlich eher erfahren, wäre ich letzte Woche vermutlich nicht zum zweiten, sondern zum ersten Mal in Krakau gewesen. Besagter Freund wohnte nämlich nicht nur extrem weit draußen, sondern teilte sich dazu auch noch ein Zimmer mit einem Polen, dessen Freundin sehr oft zu Besuch war. Und wenn die Freundin nicht da war, dann kam einfach eine der beiden Mitbewohnerinnen zu ihm herüber. Immerhin: Damals habe ich gelernt, dass ich immer einschlafen kann, wenn ich wirklich wirklich dringend einschlafen will.
Um dem entgegen zu wirken, haben wir uns diesmal eine Wohnung direkt im jüdischen Viertel Kazimierz besorgt. Ein Game-of-Thrones-Wohnung, genauer gesagt. Soll heißen, es hingen überall Karten von Westeros, an der Wand prangte das Hauswappen der Starks und über der Küchenzeile stand „Winter is coming“. Ja, genau, so irritiert habe ich auch geschaut.
Auf jeden Fall sind vier Tage Kazimierz viel zu wenig, um alle Zapiekanki der Welt in alle erdenklichen Kombinationen testen zu können. Denn es gibt da diesen Platz mit einem ehemaligen jüdischen Schlachthaus, das jetzt lauter Imbissläden beherbergt, in denen es diese unendlich guten, überbackenen Brote gibt. Mit allem drauf, was man will. Und rundherum gibt es außerdem zig Bars und Kneipen, sodass man einfach zu Beginn des Abends so ein riesiges Brot ist und anschließend vollends gestählt ist, wenn es ans Biertrinken geht. Und es gibt diesen Supermarkt, der irgendein komisches Jubiläum feiert, weswegen alle Produkte um 50 bis 75 Prozent reduziert sind und ein Kaffee beispielsweise nur 25 Cent kostet. So etwas kriegt mich.
Ansonsten ist Krakau vor allem eine Ansammlung schöner alter Häuser, ein Touristadtzentrum und eine wunderbare Parkanlage genau dort drumherum, in der es unterhalb des Schlosses/der Burg/keine Ahnung diesen lustigen Feuer speihenden Drachen gibt, der tatsächlich alle drei, vier Minuten Feuer spuckt, weswegen dann alle Leute drumherum stehen und sich die Finger abfrieren, weil sie den Feuerspuckmoment unbedingt boomerangen wollen (nicht, dass wir das gemacht hätten …).


Nun ja, und dann waren wir in Auschwitz. Obligatorisch, würde ich sagen. Damals, ich mit besagtem Kumpel dort war, da war es trotzdem ein bisschen anders. Keine Ahnung, seit wann es den krassen Twitter-Account des Auschwitz-Memorials gibt, aber bestimmt seitdem ist dort alles etwas größer geworden. Als wir 2013 da waren – es war auch etwa im Februar – da lag Schnee und es waren vielleicht noch zehn andere Leute mit dort. Die Tour war weitaus bedrückendender, weil nirgendwo ganze Schulklassen umherliefen und viele der „Ausstellungsstücke“, seien es die Tonnen von Haaren, die Tonnen von Schuhen oder die vielen Zyklon-B-Dosen, waren doch ohne Absperrung einfach in den Räumen abgelegt. Jetzt ist alles hinter Glas und wie es aussieht, macht man sich mittlerweile echt harte Gedanken über die Konservierung des Ganzen. Zumindest die Holzbarracken in Auschwitz-Birkenau sehen buchstäblich angefressen aus. Ansonsten galt wie immer: Je mehr persönliche Geschichten die Tour-Frau erzählte, umso eindrucksvoller im Sinne von bedrückender wurde es. Klar, man muss diese Zahlen mal hören, 1,2 Millionen Tote allein in Auschwitz, aber fassen kann man sie trotzdem kaum. Wenn man dann aber Geschichten hört wie jene von dem Mädchen, das die Gaskammer überlebt hat, oder welcher Ebene der Betten in den Holzbarracken die beste war (die mittlerweile, weil unten entweder Matsch oder Viehzeug und oben Kälte oder Hitze), dann erwischt mich das viel viel mehr. Eigentlich müsste es dort an jeder Ecke Fotowände geben, auf denen die wenigen Fotos aus Auschwitz gedruckt wären. So von wegen: Genau hier sah es damals genau so aus. Wenn nicht sogar Videoprojektionen von der Befreiung oder so. Ich glaube, damit knackt man zwar immer noch nicht jene Jugendlichen, die einfach keinen Bock haben, aber vielleicht vergeht wenigstens den blöden Touris die Lust, Duckface-Selfies mitten auf der Selektionsrampe in Birkenau zu machen.
Nach wie vor: Auschwitz zu besuchen empfinde ich als Pflicht. Wenn ich König wäre, würde dort jede*r Schüler*in einmal gewesen sein. Im Winter. In völlig durchmischten Gruppen. Weil so ganz kalt lässt es vermutlich doch niemanden. Kann es eigentlich gar nicht, weil viel zu krass, was dort passiert ist. Vielleicht ergeht es nicht allen dort so wie mir, dass ich wirklich, wie beim letzten Mal, gedacht habe: Wie böse kann der Mensch eigentlich sein? Wie scheiße sind eigentlich Menschen? Ich kann wirklich nur jede*rm empfehlen, die Dialektik der Ordnung von Zygmunt Bauman zu lesen. Weil es sehr gut zeigt, dass es jederzeit wieder einen Holocaust geben kann, weil das Potenzial dazu im Menschen angelegt ist und unsere moderne Ordnung es immer wieder zulassen, wenn sich sogar fördern würde, statt es zu verhindern. Und vielleicht noch Ganz normale Männer, ein Buch über ein Bataillon aus quasi ausgemusterten Männern, die plötzlich anfingen, unendlich grausame Dinge zu tun, eben ganz normale Männer.


Einzig richtige Art, den Auschwitz-Besuch zu verdauen: Ein Besuch im Katzencafé. Ich möchte keine Geschlechterunterscheidung machen, deshalb grenzen wir meine Feststellungen einfach auf den Zeitraum ein, den wir im Katzencafé verbracht haben (einen Kaffee bzw. einen Milchshake (OREO!) lang), ein. Los geht’s: 1) Das Katzencafé ist DER wahr gewordene Mädchentraum. 2) Im Katzencafé gibt es AUSSCHLIEßLICH Mädchen. Also mal abgesehen von den mitgebrachten boyfriends und diesen zwei business dudes, die GANZ GANZ komisch waren. 3) Wenn die Mädchen das Katzencafé durch den Schrank betreten (wie in Narnia!), dann ist das Erste, was sie ALLE machen: AAAAAAAWWWWWWWWWWWW! GUCKDAISTEINEKATZE! UNDDANOCHEINE! AWWWWWWWW! Dann rennen sie umher, streicheln alle Katzen und machen erstmal überall Selfies. Erst dann finden sie genug Ruhe, sich ihrem Kaffee zu widmen. Wobei das Kaffeetrinken des öfteren durch AWWWWWWWWW, Selfies und Streicheln unterbrochen wird. 4) Ich bin eines der Katzenmädchen. 5) Meine Güte sind die Katzen süß. 6) Diese rote dort, Simba, eine Maine Coone-Katze, oh Gott, ich schmelze. 7) Ja, die business dudes dachten wahrscheinlich auch, ich sei weird.
Nicht im Bild: Die vermutlich beste Art und Weise, ein Gefühl für eine Stadt zu bekommen – sich ein Tagesticket kaufen und einfach mal kreuz und quer mit der Straßenbahn umher fahren. Zum Beispiel wissen wir jetzt, dass es etwa drei bis vier Stationen nach der Innenstadt quasi nur noch Wohnbezirke gibt, in denen nicht sooooo viel los ist, außer dass es überall riesige Einkaufszentren gibt, die alle dieselben Läden beherbergen. Und dass Polnisch eine tolle Sprache ist, in der fast alles auf Y endet. Monety, Bilety, Laptopy, Tablety und so weiter. Was auch der Grund dafür ist, warum Banküberfälle auf Polnisch einfach nicht funktionieren können: „Monety, Monety!! Zacki zacki!!!“


Na ein Glück. Das war ein sehr nötiger Sieg. Und welch Ironie, dass ausgerechnet der Neuzugang trifft, wie damals bei Burke. Hoffentlich reißt er das Ganze dann auch direkt aus der beginnenden Krise. Wobei Krise wirklich das falsche Wort ist. Eigentlich läuft ja alles mehr oder minder. Nur manche Stellschrauben sind halt ein bisschen verdreht und man weiß noch nicht, wie man sie wieder fest bekommt. Und es ist auch ein ganzes Stück Pech dabei, was die Verletzungen angeht. Forsberg wird und wird nicht gesund, Halstenberg ist raus und auf die Schnelle ließ sich außerdem kein Außenverteidiger seiner Qualität auftreiben (oh Wunder). Ich gehe trotzdem davon aus, dass die Partien gegen Neapel ein sang- und klangloses Ausscheiden aus der Euroleague mit sich bringen werden, aber das ist vielleicht sogar ganz okay, denn: 1) Die Euroleague ist mir sowas von egal und 2) Bleibt dann mehr Energie für den Fokus auf die Liga und damit auf die potenzielle Verteidigung des CL-Platzes.
Nicht im Bild: Wie ich zum ersten Mal in meinem Leben das Tippspiel gewann und seither in Saus und Braus lebe.
Auch nicht im Bild: Version 1, Version 2, Version 3 und Tippen im Akkord. Immer am Grinden, wie mein Homie Bonez MC sagen würde. Also wir sind jetzt nicht wirklich Homies, aber ich schaue mir all seine Instagram-Stories an und bei der Menge an Stories fühlt es sich halt einfach so an. Aber wir kommen voran. Es wird.

Was fehlt:

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