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A Week in Pictures 04/2018

Letztens diskutierten wir die Frage: Ist es ein legitimes Ziel, der neue Mario Barth zu sein? Ich sagte nein, denn Mario Barth sei einfach kacke. Ja, hieß es, aber er verdient unheimlich viel Geld und die Masse liebt ihn. Okay, sagte ich, aber so war Hitler auch. Ach je, hieß es, jetzt kommt wieder die Hitlerkeule. Nun ja, sagte ich, selbst wenn wir nicht Hitler nehmen, dann bleibt Mario Barth halt immer noch billig, weil vorhersehbar, kaum originell, dafür aber umso platter und weichgespült, damit es auch ja bei niemandem aneckt, sondern im Gegenzug möglichst viele Leute erreicht. Aber ja, hieß es, das ist doch cool. Auf jeden Fall, sagte ich, aber um welchen Preis, hat man das erreicht? Wenn Mario Barth plötzlich anfangen würde, gute Comedy zu machen, was würde passieren? Wahrscheinlich würde ihm das Publikum weglaufen. Deshalb ist Mario Barth als notwendigerweise gezwungen, ewig den Mist zu reproduzieren, für den er bekannt wurde. Natürlich sitzt Mario Barth zu Hause und lacht sich einen Ast ab, wenn er liest, dass ihn jemand kritisiert. Das ist sein gutes Recht. Aber wenn Erfolg zu haben heißt, wie Mario Barth sein zu müssen, dann will ich lieber nicht erfolgreich sein. Okay, hieß es, aber dann wird halt jemand anderes der neue Mario Barth. Wahrscheinlich, sagte ich, aber das heißt ja nicht, dass es nicht trotzdem einen Sinn hat, es nicht selbst zu werden. Vielleicht lernt die Menschheit ja irgendwann mal draus. Und dann, nach seinem Tod, wird einfach niemand der neue Hitler. Ach je, hieß es dann, und doch wieder Hitler.


Sie muss zum Vorstellungsgespräch, ich fahre sie hin, weil ich dann in der Zwischenzeit bowlen gehen kann. Ich lebe des Traum eines jeden Vierzehnjährigen. Ich war bestimmt seit anderthalb Jahren nicht mehr bowlen. Die Allzeitbowlingliste ist leider irgendwie unter die Räder gekommen und dann gab es da ja noch diese fiese Sache mit dem Fahrrad und dem Arm, später dann noch wegen der Schulter, weshalb ich lange Zeit nicht so richtig Lust hatte, Sieben-Kilo-Kugeln durch die Gegend zu werfen. Aber jetzt! Endlich wieder! Und es gab überhaupt keine Probleme. Außer vielleicht, dass ich mich in den vier darauf folgenden Tagen kaum bewegen konnte, weil ich den schlimmsten Muskelkater der Welt hatte. Schlimm vor allem deshalb, weil er so asymetrisch war. Rechter Fuß, linke Wade, rechter Oberschenkel, linker Oberkörper, rechter Unterarm, linker Oberarm. Sollte ich also weiterbowlen, sehe ich irgendwann mal wie ein sehr weirder Bodybuilder aus. Auch gut zu wissen: Man verschlechtert sich gar nicht soooo sehr. Also schon ein bisschen, vor allem, weil man offensichtlich als Erstes verlernt, immer wenigstens einen Spare zu werfen. Aber zumindest scheint man sich auch nicht total zu verschlechtern, sodass ich am Ende trotzdem durchschnittlich irgendwo bei 140 landete. Was ich für anderthalb Jahre Bowlingsabstinenz doch ziemlich okay finde. Aber es stimmt: Spares sind erst einmal alles. Ich würde sagen, wenn man beim ersten Wurf immer etwas zwischen 6 und 9 und anschließend einen Spare hat, landet man immer bei irgendetwas um 175. Und das ist doch eine gute Ausgangsposition, um sich dann darum zu kümmern, dass man am besten immer Strikes wirft. Auf jeden Fall lebt mein alternativer Berufswunsch hiermit wieder. Ich habe mich schon informiert: Wenn ich es schaffe, innerhalb von 36 Spielen einen Schnitt von 200 zu schaffen, dann darf ich der Pro Bowling Association beitreten und an deren Turnieren teilnehmen. Die Oberprofis haben einen Schnitt um die 220, das sollte ich doch schaffen. Und wenn dann das zweite, dritte Buch immer noch kein Bestseller ist, dann sage ich einfach: Na und? Ich habe einen Bowlingschnitt von 220, ich nehme jetzt an diesem Profiturnier teil und gewinne dort 100.000 Dollar! Ja, so in etwa könnte es werden. Auf jeden Fall weiß ich, was ich eine Hellseherin fragen würde, wenn ich mal eine träfe: Werde ich jemals in meinem Leben ein perfektes 300-Spiel haben?


Schon wieder in der Uni. Meine Güte, wie deplatziert man sich sofort fühlt, wenn man dort eigentlich nichts zu suchen hat. Wobei ich ja immerhin zum Interview musste wegen Roast und so. Und dann von allen bei Mephisto gesiezt wurde, weswegen es gut war, dass die Fenster dort oben abgeschlossen sind, sonst hätte ich mich vermutlich direkt in die Mensa ins Nudelrondell gestürzt. Auch so ein Ding: Dass man ja einfach nicht mehr in die Mensa darf, wenn man kein*e Student*in ist. Denn man kann ja nur mit dem Studierendenausweis bezahlen. Ja ja, ich weiß auch, dass man ja nur eine*n Studierende*n kennen muss, der das Essen dann für einen mitbezahlt, ABER WAS IST DENN, WENN MAN KEINE*N STUDIERENDE*N KENNT?! ODER EINFACH NICHT MIT STUDIERENDEN ESSEN GEHEN WILL?! SONDERN VIELLEICHT ALLEIN?! Dann steht man nämlich da, sieht das Nudelrondell schon in vielversprechender Ferne, aber man kann es einfach nicht erreichen. Hach, ich würde gern mal wieder Nudeln vom Nudelrondell essen. Mit so Gulaschsoße oder so. Und unter den Nudeln heimlich ein Schnitzel verstecken, Standard. Wenn ich mal eine Uni habe, dann dürfen in meiner Mensa nur Menschen essen, die nicht studieren. Und dann wollen wir mal sehen, wer da zuerst seine Regularien ändert.
Nicht im Bild: Worky worky. Es ist ja gerade nicht wenig zu tun. Denn aus unerfindlichen Gründen wollen ALLE Fernsehsender ALL ihre Sendungen offenbar im Frühjahr aufzeichen, fragen Sie mich nicht, warum das ist so. Und das ist schon komisch genug, immer so mehrere Dinge gleichzeitig im Nacken sitzen zu haben. Wenn es dann aber auch noch Dinge sind, die von anderen Leuten abhängen, also dass man bspw. erst anfangen kann, wenn andere Leute ihren Teil gemacht haben, dann wird es umso schlimmer. Dann zehrt das die ganze Zeit. Klappt das? Klappt das nicht? Was, wenn es nicht klappt? Aber wie gut ist es, wenn einfach alles glatt geht, man sich auf alle verlassen kann und man ganz ganz großartige Zuarbeit bekommt, sodass man selbst überhaupt keine Probleme hat, den eigenen Kram zu machen, ja sich fast schon ein bisschen inspiriert von der Vorarbeit fühlt. Das nützt Ihnen jetzt überhaupt nichts, aber immerhin sind wir hier in meiner Therapiestunde, nicht in Ihrer.
Auch nicht im Bild: Wie wir Loving Vincent geschaut habe und ich überhaupt keine Ahnung hatte, was mich erwartet. Aber wow, ein sehr guter Film! Anfangs dachte ich noch: Och neeee, neee, jetzt wird das so ein überambitionierter Indiefilm, der sich weigert, Handlung, Spannung oder wasweißichwas zu verwenden. Aber nein, plötzlich wird alles super und am Ende merkt man gar nicht, dass der Film tatsächlich Spielfilmlänge hat. Können Sie getrost angucken, ist total gut. Hach, ich musste natürlich wieder an Doctor Who und van Gogh denken. Ich mag es ja meist nicht, wenn Menschen erfolgreich sind. Einfach deshalb nicht, weil die meisten Menschen zu Unrecht Erfolg haben. Oder sagen wir wenigstens: Die meisten Menschen können nicht mit ihrem Erfolg umgehen und denken plötzlich, sie wären erfolgreich, weil sie ganz ganz großartige Menschen sind und eben nicht nur deshalb, weil sich zufällig ganz viele Menschen darauf geeinigt haben, sie erfolgreich machen zu wollen. Und deshalb sind mir die Gescheiterten immer am liebsten. Also jene, die bspw. zu Lebzeiten nie erfolreich waren. Vielleicht deshalb, weil es in deren Fall nie darum gehen kann, dass sie persönlich erfolgreich sind, sondern wirklich hauptsächlich um ihre Kunst oder whatever. So wie bei van Gogh zum Beispiel. Hach, ich muss dringend mal wieder in Musée D’Orsay.


(Zum Umblättern der Fotos einfach so rechts aufs Bild klicken) Ja, und dann war Roast. Vielleicht der beste bisher. Obwohl ich den Roast von Sebastian Krumbiegel auch großartig fand. Oder den von Guido Schäfer, wobei es bei denen immer ein, zwei Beiträge gab, die nicht sooo geil waren. Und diesmal war eigentlich jeder Text mindestens okay. Und das Publikum hatte unglaublich viel Lust, mitzumachen und zu lachen. Hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Aber ist textlich, finde ich, nach wie vor auch die aufwändigste Show überhaupt. Dafür aber gleichzeitig die gefühlsmäßig lohnenswerteste. Roast fühlt sich tatsächlich noch besser an als Lesebühne. Ist ja aber auch, wie gesagt, viel seltener und so und überhaupt etwas ganz Anderes.
FAQ:
1) Und wie lange hast du jetzt für den Text gebraucht, Antreh?
Keine Ahnung. Effektiv zwei, drei Wochen? Ich habe auf jeden Fall so nach Neujahr angefangen und dann vielleicht nicht jeden Tag, aber doch immer mal wieder dran geschrieben. Und irgendwann hatte ich dann genug zusammen und hab angefangen, einzelne Passagen zu ersetzen, sobald mir etwas Besseres eingefallen ist. Und die habe ich dann wieder ersetzt und so weiter, wie bei so Samuraischwertern. Da wird der Stahl auch ständig gefaltet, bis das Schwester quasi unzerbrechlich ist. Wow, ich wollte schon immer mal so eine schmierige Metapher benutzen, um mich ganz sneaky selbst zu loben. Ich verachte mich. Naja, auf jeden Fall so lange ersetzen, bis dann tatsächlich der Roast war. Wie immer eigentlich.
2) Häh? Mir würde da gar nichts einfallen, was ich zu den Leuten sagen soll. Wie machst du das?
Google. Äußeres geht auch immer. Und wenn mir dann noch nichts einfällt, dann unterstelle ich den Leuten einfach Dinge.
3) Wann ist der nächste Roast?
Ich hoffe mal im Herbst. Und dann wieder im Frühjahr, sodass das Ganze in Zukunft vielleicht zweimal im Jahr stattfinden könnte. Wobei ich unsicher bin, ob ich das so cool finde. Einmal im Jahr reicht vielleicht sogar. Weil dann ist es immerhin etwas Besonderes. Sobald man aus allem immer direkt ein regelmäßiges Format macht, weil man gierig wird, verliert es für mich völlig seinen Reiz. Was eine schlechte Einstellung für jemanden ist, dessen einziges „Talent“ Beleidigungen sind. Aber naja.
4) Gibt’s Videoaufnahmen?
Jap, müsste in nächster Zeit online kommen. Ich sage Bescheid. Ich will’s ja selbst unbedingt noch einmal sehen.


Ich weiß nicht, warum, aber ich mag ja Vlogs. Vielleicht, weil ich insgeheim auch am liebsten Vlogs machen würde. Oder wenigstens Instagram-Stories, in denen ich über irgendetwas rede, so wie das mittlerweile einfach ALLE machen, obwohl mich schon die Hälfte wegen ihrer Stimmen in den Wahnsinn treibt, von Inhalten mal ganz zu schweigen. Ich glaube, mich fasziniert nur irgendwie dieser Lifestyle. Gefühlt sind Vlogger wie Casey Neistat für mich den ganzen Tag unterwegs, müssen nie irgendetwas Langweiliges machen, außer irgendwas, das ihnen gerade im Kopf herumspukt, in die Kamera zu sagen und irgendwie landet das total gut geschnittene Video davon dann ganz von allein im Internet. Klar, mich interessiert auch die technische Seite und ich hätte liebend gern so teure Kameras, nur um sie dann im Endeffekt vermutlich gar nicht zu benutzen. Aber ja, irgendwie finde ich das faszinierend. Oder wenigstens eine Kolumne. Ob das jetzt gleich eine Videokolumne sein muss, keine Ahnung. Oder ein Podcast. Julius, wann machen wir endlich einen Podcast namens TTZ – Team Totale Zerredung? Ich glaube, das könnte etwas werden. Außerdem kann ich ich mir dann so ein geiles Mikrofon kaufen, weil das brauche ich dann ja quasi „beruflich“.
Da fällt mir ein, ich weiß sogar, wie ich auf diese Gedanken kam. Nach dem Roast hat mich jemand gefragt, warum ich das eigentlich nicht mache, so mit eigenem Bühnenprogramm oder so Zeug von der Kamera oder so. Und ich meinte: Weil ich keine Lust habe, jahrelang in Bumsstadt in einem 50-Leute-Raum aufzutreten, am nächsten Tag nach Bimsstadt zu fahren, dort vor 30 Leuten auftreten zu müssen, nur damit ich trotzdem immer tausendmal weniger erfolgreich als die ganzen billigen RTL-Dudes bin. Nee, das muss ich nicht haben. Und da will ich auch nicht hin. Ich glaube, das viele Rumfahren hat sich für mich erledigt. Jetzt muss ich halt so berühmt werden, dass die Leute zu mir kommen. Und das am besten, ohne dass ich dafür vor einer Kamera sitzen muss. Oder vielleicht doch, wenn das Format stimmt. Aber lieber nicht. Meine fantastische Kolumne namens „Noch immer wütend“, die übrigens nur in meinem Kopf existiert, dort aber EXTREM erfolgreich ist, funktioniert vermutlich am besten schriftlich. Oder maximal vorgelesen. Aber sie muss wahrscheinlich nicht performt werden.
Naja, oben im Bild jedenfalls: Tiertag aka Sturmschäden begutachten. Fest steht, es muss zwangsläufig ein guter Tag sein, wenn man ein kleines Schwein, einen wuscheligen Hund, drei Esel, mehrere Schafe nebst drei Lämmern und zum Abschluss eine Katze trifft.
Nicht im Bild: Der grausame Fall, dass einen ganzen Abend lang das Internet kaputt ist, sodass man gezwungen ist, erst mal alle Festplatten zu durchsuchen, ob da vielleicht irgendwo noch irgendein Film drauf ist und dann am Ende Im Juli gucken. Und der ist sogar ganz okay. So okay, das sman auf jeden Fall danach erst mal wieder Lust hat, Sommer vorm Balkon zu gucken, anschließend nach Berlin zu ziehen und dort die ganze Zeit auf einem Balkon zu sitzen.


(Foto von Jan Brandes) So sehe ich aus, wenn ich mich darüber aufrege, dass im Hausflur wieder jemand die Sonntagszeitungen durchs Treppenhaus geworfen hat.
Nicht im Bild: Wie mir eine Idee gekommen ist, über deren Sinn und Unsinn mal ein*e KMW-Student*in ihre/seine Bachelorarbeit schreiben kann. Und zwar würde es mich interessieren, was passieren würde, wenn ich regelmäßige Unwahrheiten, die aber nicht total unwahr klingen, zum Beispiel auf Twitter verbreite, woraufhin dann alle Leute diese Unwahrheiten retweeten, sodass sie zwangsläufig auch von AfD-Sympathisant*innen gelesen werden müssen, die sich daraufhin bemüßigt fühlen, mich zu korrigieren, aber da kommen direkt fünf neue Unwahrheiten, die sie auch korrigieren wollen, es aber nicht schaffen, sodass sie vollkommen in ihrer Korrigiererei ersaufen und keine Zeit mehr haben, selbst Unwahrheiten zu verbreiten. Beispiel: „Ich finde es nicht schlimm, dass Björn Höcke jahrelang Hartz IV bezogen hat. Dafür ist das soziale Netz schließlich da!“ Besser noch, eine spezifische Zeit angeben, um es wie ein Fakt erscheinen zu lassen: „Ich finde es nicht schlimm, dass Björn Höcke zwei Jahre lang Hartz IV bezogen hat. Dafür ist das soziale Netz da!“ Okay, ich alleine wirke damit nur wie ein armer Irrer, wahrscheinlich sogar wie ein AfD-Sympathisant, aber naja, es ist ja nur ein Gedanke. Vielleicht lösche ich die Tweets mal lieber wieder.

Was fehlt:

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